Mythen erkennen - souverän reagieren
Stimmt das wirklich?
Fünf einfache Prüffragen unterstützen Sie dabei, irreführende Behauptungen frühzeitig zu erkennen und deren Glaubwürdigkeit kritisch zu hinterfragen. Fünf praktische Tipps zeigen Ihnen zudem, wie Sie im Alltag angemessen und souverän darauf reagieren können.
Das erwartet Sie
Mythen erkennen
Irreführende Informationen sind nicht immer frei erfunden. Oft werden Fakten verkürzt dargestellt, aus dem Zusammenhang gerissen oder mit unbegründeten Schlussfolgerungen verknüpft.
Behauptungen prüfen
Prüfen Sie Quelle, Kontext und Schlussfolgerung: Wer macht die Aussage? Welche Informationen fehlen? Und ergibt sich die Schlussfolgerung tatsächlich aus den genannten Fakten?
Situationsgerecht reagieren
Es gibt kein Patentrezept gegen Desinformation. Welche Reaktion sinnvoll ist, hängt von der Situation, der verbreitenden Person, dem möglichen Schaden und der Reichweite der Aussage ab.
Sachlich informieren
In öffentlichen Diskussionen ist es oft wirkungsvoller, irreführende Behauptungen für Mitlesende richtigzustellen, als die Person hinter der Behauptung überzeugen zu wollen.
„Stimmt das wirklich?“ Sind Sie auch schon einmal in die Situation gekommen, dass Sie sich über Klimaschutzlösungen wie Wärmepumpen, PV-Anlagen oder Elektroautos informieren wollten oder eine entsprechende Anschaffung planten und dabei auf widersprüchliche Aussagen stießen? Im Internet, in Messenger-Gruppen und sozialen Medien, aber auch im Gespräch mit Familie, Freund:innen und Bekannten begegnen uns immer wieder irreführende Behauptungen: „Früher war es auch schon heiß“, „Gedämmte Wände können nicht mehr atmen“ oder: „Erneuerbare Energien führen zu Blackouts.“
Doch woran erkennen Sie, ob an solchen Aussagen etwas dran ist? Und wie können Sie damit umgehen, ohne jede Diskussion zur Grundsatzdebatte werden zu lassen?
Die gute Nachricht: Sie müssen keine Expertin und kein Experte sein, um irreführende Informationen zu entlarven. Ein paar einfache Fragen helfen dabei, Behauptungen kritisch zu prüfen, bevor Sie sie als glaubwürdig einstufen oder weiterverbreiten.
Gut zu wissen: Desinformation – was ist das eigentlich?
Desinformation sind falsche oder irreführende Informationen, die gezielt verbreitet werden, um andere zu täuschen oder zu beeinflussen. Werden solche Informationen ohne Täuschungsabsicht weiterverbreitet – etwa weil jemand sie selbst für richtig hält –, spricht man von Fehlinformation oder – aus dem Englischen entlehnt – von Misinformation.
Im Alltag lässt sich die Absicht meist nicht eindeutig erkennen und ist auch nicht immer entscheidend. Denn egal, ob Desinformation oder Misinformation: Irreführende Behauptungen enthalten häufig einen wahren Kern, jedoch fehlen wichtige Informationen, ein Einzelfall wird verallgemeinert oder aus einem Fakt wird eine unzulässige Schlussfolgerung gezogen.
Irreführende Behauptungen erkennen: Fünf Prüffragen für den Alltag
Bevor Sie einer Behauptung vertrauen, schauen Sie sich die Quelle an. Wer steckt dahinter? Warum sollten Sie dieser Person oder Organisation vertrauen?
Nützliche Fragen:
- Wer sagt das? Sind Autor:in und Quelle genannt? Gibt es ein Impressum?
- Ist die Person tatsächlich Expert:in für das Thema? Passt ihre fachliche Qualifikation zur Behauptung?
- Welche Interessen stehen dahinter? Wer finanziert die Organisation oder das Medium? Gibt es mögliche Interessenkonflikte?
- Wie wird informiert? Werden Quellen und Belege genannt? Werden andere wissenschaftliche Einschätzungen berücksichtigt oder pauschal abgewertet? Wird sachlich informiert oder mit reißerischen Überschriften und dramatischen Aussagen gearbeitet?
Warnsignale: Die Quelle bleibt anonym, es ist nur von „Expert:innen“ die Rede oder konkrete Studien und Belege fehlen. Auch eine spektakuläre Behauptung, die nur von einer einzelnen Person oder Website verbreitet wird, muss kritischer betrachtet werden.
Beispiel: In einem Video wird behauptet, Wärmepumpen seien „wissenschaftlich widerlegt“, es werden aber weder Studien noch Fachleute genannt. Prüfen Sie, wer hinter dem Video steht und ob die Person tatsächlich auf diesem Gebiet forscht oder praktische Erfahrung damit hat.
Tipp: Die fachliche Qualifikation von Wissenschaftler:innen können Sie zum Beispiel über die Website ihrer Universität oder über Google Scholar überprüfen. Entscheidend ist, ob die Person tatsächlich zum betreffenden Thema forscht oder publiziert.
Irreführende Behauptungen überzeugen nicht unbedingt durch gute Argumente. Sie können sich trotzdem schnell verbreiten, weil sie starke Gefühle wie Wut, Angst oder Empörung auslösen. Häufig gelingt das, indem bei den Adressat:innen eine bestehende Unzufriedenheit aufgegriffen oder gezielt die Sorge geschürt wird, benachteiligt, bevormundet oder in der eigenen Entscheidungsfreiheit eingeschränkt zu werden. Sie greifen zum Beispiel Ängste und Unsicherheiten in Bezug auf steigende Energiepreise, Arbeitsplätze, die wirtschaftliche Zukunft oder neue Technologien auf. Auch das Gefühl, dass politische Entscheidungen „über die Köpfe der Menschen hinweg“ getroffen werden, kann verstärkt werden. Sind Menschen erst einmal stark emotionalisiert, prüfen sie weniger kritisch, was hinter einer Aussage steckt.
Nützliche Fragen und Warnsignale:
- Löst die Botschaft bei mir spontan Wut, Angst oder Empörung aus?
- Ist die Sprache besonders dramatisch oder zugespitzt? Werden viele Ausrufezeichen oder Großbuchstaben verwendet?
- Wird versucht, „uns“ gegen „die anderen“ aufzubringen?
- Werden einzelne Personen oder Gruppen angegriffen oder abgewertet, statt ihre Argumente zu prüfen?
- Werde ich aufgefordert, möglichst schnell zu reagieren oder den Beitrag weiterzuverbreiten?
Beispiel: „Die Politik will euch das Autofahren verbieten!“ Die Aussage ist stark zugespitzt und spricht gezielt Gefühle und mögliche Ängste an.
Tipp: Wenn Sie merken, dass ein Beitrag Sie sofort emotional packt, halten Sie kurz inne. Warten Sie ein paar Minuten, bevor Sie kommentieren oder den Beitrag weiterleiten. Prüfen Sie die Quelle und die Fakten.
Irreführende Informationen sind besonders überzeugend, weil sie wahre Begebenheiten, aktuelle Themen und Sorgen aufgreifen, die Menschen beschäftigen. Oft erzählen sie aber nur einen Teil der Geschichte: Ein einzelnes Beispiel wird herausgegriffen, ein Nachteil wird besonders betont oder wichtige Zusammenhänge werden weggelassen.
Bei Klimathemen wird beispielsweise häufig ausgeblendet, was passiert, wenn wir auf Klimaschutz verzichten. Wenn etwa nur die angeblichen Nachteile einer klimafreundlichen Technologie beschrieben werden, wird gezielt der Eindruck erweckt, Nichtstun sei die bessere Alternative.
Gut zu wissen:
Kritik an Klimaschutz allein ist noch kein Hinweis auf Desinformation. Im Gegenteil: Eine konstruktive Auseinandersetzung mit Klimaschutzmaßnahmen ist wichtig, damit diese ökologisch wirksam, sozial gerecht und praktisch umsetzbar sind. Entscheidend ist, wie mit Herausforderungen und möglichen Zielkonflikten umgegangen wird: Werden sie sachlich benannt und werden Lösungen dafür gesucht? Bedenklich wird es erst dann, wenn Kritik dazu genutzt wird, wirksame Klimaschutzmaßnahmen grundsätzlich infrage zu stellen oder auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Besonders kritisch ist dabei die implizite Annahme, die Menschheit könne auch ohne wirksamen Klimaschutz langfristig Wohlstand und Lebensqualität sichern.
Nützliche Fragen und Warnsignale:
- Welche wichtigen Informationen fehlen?
- Wird ein einzelnes Beispiel gezeigt, obwohl es um einen allgemeinen Trend geht?
- Werden nur Nachteile genannt und gleichzeitig Vorteile oder Alternativen weggelassen?
- Wird so getan, als gäbe es die einfache Möglichkeit, nichts zu verändern?
Beispiel: „Elektroautos sind nicht umweltfreundlich, weil ihre Herstellung zu viele Rohstoffe benötigt. Wir sollten deshalb lieber auf synthetische Kraftstoffe warten.“ Es stimmt, dass die Herstellung von Elektroautos Rohstoffe benötigt und Umweltbelastungen verursacht. Dieser Aspekt allein reicht jedoch nicht aus, um ihre Umweltwirkung zu beurteilen. Auch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor benötigen Rohstoffe. Gleichzeitig sind Elektroautos im Betrieb deutlich energieeffizienter und verursachen keine direkten Abgasemissionen. Über ihre gesamte Lebensdauer schneiden sie deshalb in der Regel deutlich besser ab als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.
Hier wird ein einzelner Nachteil herausgegriffen, während wichtige Informationen zur Gesamtbilanz fehlen. Dadurch wird eine Schlussfolgerung nahegelegt, die sich aus den genannten Fakten allein nicht ableiten lässt.
Tipp: Was nicht gesagt wird, kann genauso wichtig sein wie das, was gesagt wird. Ergänzen Sie die Aussage gedanklich um die Frage: „Was müsste ich noch wissen, um das beurteilen zu können?“ Suchen Sie gezielt nach Informationen, die im ursprünglichen Beitrag fehlen.
Wahre Aussagen können genutzt werden, um falsche oder irreführende Schlussfolgerungen nahezulegen. Die Schlussfolgerung wird dabei nicht immer ausgesprochen. Stattdessen werden Fakten und Beispiele so ausgewählt oder präsentiert, dass eine bestimmte Interpretation naheliegt. „Das Klima hat sich schon immer verändert“, klingt dann nicht nur nach einer Feststellung, sondern kann den Eindruck vermitteln: Der Klimawandel ist normal, wir können ohnehin nichts daran ändern und müssen deshalb auch nicht handeln.
Nützliche Fragen und Warnsignale:
- Was soll ich aus dieser Aussage schließen?
- Ergibt sich diese Schlussfolgerung wirklich aus dem genannten Fakt?
- Wird ein einzelnes Beispiel zur allgemeinen Regel gemacht?
- Wird ein komplexer Zusammenhang mit einem einzigen Satz oder Beispiel erklärt?
Beispiel: „1967 hatten wir schon eine ähnlich schlimme Dürre.“ Hier wird ein einzelnes Ereignis genutzt, um die Folgen des Klimawandels zu relativieren.
Tipp: Stellen Sie Rückfragen: „Was wollen Sie damit sagen?“ Prüfen Sie anschließend, ob sich diese Schlussfolgerung tatsächlich aus den genannten Informationen ergibt.
Eine einzelne Quelle kann sich irren. Deshalb lohnt sich ein Gegencheck: Taucht die Behauptung auch bei anderen, voneinander unabhängigen und seriösen Quellen auf?
Besonders bei spektakulären Behauptungen sollten Sie genauer hinsehen. Findet sich eine Aussage nur auf einer bestimmten Website, in einem einzelnen Video oder in einer Messenger-Nachricht, ist Vorsicht angebracht. Je spektakulärer die Behauptung, umso wichtiger der Gegencheck.
Auch visuelle Inhalte können manipuliert, aus dem Zusammenhang gerissen oder mit einer falschen Behauptung versehen werden. Prüfen Sie deshalb bei auffälligen Bildern oder Videos, woher sie ursprünglich stammen und ob seriöse Quellen die dargestellte Information bestätigen.
Nützliche Fragen und Warnsignale:
- Wird die Behauptung auch von anderen seriösen Quellen bestätigt?
- Sind diese Quellen tatsächlich unabhängig voneinander?
- Gibt es wissenschaftliche oder behördliche Stellen, die die Aussage bestätigen oder ihr widersprechen?
- Ist die Information aktuell?
Tipp: Je nach Thema können Sie Informationen bei vertrauenswürdigen Quellen wie dem ORF, der APA, dem Umweltbundesamt, der GeoSphere Austria, Universitäten oder Forschungseinrichtungen überprüfen. klimaaktiv bietet zudem umfassende Informationen zu Klimaschutzlösungen im Alltag. Mithilfe von Suchmaschinen wie Google oder Ecosia können Sie Bilder und Videos zurückverfolgen sowie überprüfen, wie weit eine Behauptung verbreitet ist und in welchem Zusammenhang sie verwendet wird.
Fünf Tipps zum Umgang mit irreführenden Behauptungen
Eine irreführende Behauptung zu erkennen ist der erste Schritt. Doch was tun, wenn sie Ihnen im Familienchat, im Freund:innenkreis oder auf Social Media begegnet? Nicht jede Situation erfordert dieselbe Antwort.
Gut zu wissen: Für den Umgang mit irreführenden Behauptungen gibt es keine Patentlösung. Was sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab:
- wo die Behauptung auftaucht – online oder im persönlichen Gespräch
- wer sie verbreitet – eine fremde Person, ein:e Bekannte:r oder jemand aus dem engeren Umfeld
- welche Folgen sie haben kann – insbesondere, wie groß der mögliche Schaden ist
- wer mitliest oder zuhört – eine Aussage in einem Vieraugengespräch hat eine andere Wirkung als ein Onlinekommentar, den Hunderte Menschen sehen
Die folgenden fünf Tipps helfen Ihnen dabei, die Lage einzuschätzen und angemessen zu handeln:
Sie haben eine fragwürdige Information erkannt. Bevor Sie darauf reagieren, lohnt sich ein kurzer Moment des Innehaltens. So vermeiden Sie, sich vorschnell auf eine mühsame Diskussion einzulassen oder einer Provokation auf den Leim zu gehen.
Fragen Sie sich:
- Was kann und möchte ich mit meiner Reaktion erreichen?
- Ist die andere Person überhaupt offen für ein Gespräch?
- Geht es hier um einen ernsthaften Austausch oder vor allem um eine Provokation?
- Welche Reichweite hat die Aussage?
- Habe ich gerade die Zeit und Energie für eine Diskussion?
Gerade in sozialen Medien kann eine Antwort dazu führen, dass ein Beitrag noch mehr Aufmerksamkeit bekommt. Bei einer Unterhaltung mit Familie oder Freund:innen ist es dagegen oft sinnvoll, im Gespräch zu bleiben.
Tipp: Sie müssen nicht sofort reagieren. Verschaffen Sie sich erst einen Überblick über die Situation und entscheiden Sie dann bewusst, ob und wie Sie antworten möchten.
Wenn Sie Aussagen direkt widersprechen, können Sie damit Abwehr auslösen. Die andere Person fühlt sich angegriffen und verteidigt ihre Position möglicherweise noch stärker. Oft ist es hilfreicher, zunächst Fragen zu stellen und Ihrem Gegenüber zuzuhören.
Hinter irreführenden Behauptungen steckt nämlich nicht immer nur ein falsches Verständnis von Fakten. Oft werden damit Sorgen und Frustrationen angesprochen, die Menschen in ihrem Alltag beschäftigen: etwa hohe Kosten, mangelnde Anerkennung, Unsicherheit über neue Technologien oder das Gefühl, in der eigenen Entscheidungsfreiheit eingeschränkt zu werden.
Zuhören hilft Ihnen zu verstehen, wie die andere Person zu ihrer Einschätzung kommt und worum es ihr eigentlich geht. Das heißt nicht, dass Sie der Behauptung zustimmen müssen.
Mögliche Fragen sind:
- „Wie meinst du das genau?“
- „Geht es dir darum, dass …?“
- „Was überzeugt dich daran?“
- „Was macht dir daran besonders Sorgen?“
Tipp: Versuchen Sie nicht, Ihr Gegenüber sofort zu überzeugen. Finden Sie zuerst heraus, worum es der Person eigentlich geht. Oft lassen sich die dahinterliegenden Sorgen und Fragen besser besprechen als die falsche Behauptung selbst.
Gerade bei persönlichen Gesprächen kann es helfen, zunächst nach Punkten zu suchen, bei denen Sie sich einig sind. Vielleicht ist Ihnen beiden wichtig, dass Energie leistbar bleibt, dass gute Arbeitsplätze erhalten bleiben oder dass politische Entscheidungen nachvollziehbar sind.
Solche gemeinsamen Anliegen schaffen eine Gesprächsbasis, die es erleichtert, auch über jene Inhalte zu diskutieren, bei denen Sie sich nicht einig sind. So wird das Gespräch nicht von Beginn an als Auseinandersetzung zwischen zwei gegensätzlichen Lagern geführt.
Tipp: Beginnen Sie dort, wo Sie sich einig sind. Gemeinsame Ziele können eine gute Grundlage dafür sein, unterschiedliche Einschätzungen zu diskutieren.
Nicht jede Person ist offen für ein konstruktives Gespräch. Gerade online können Beiträge darauf abzielen, Aufmerksamkeit zu erzeugen, zu provozieren, Diskussionen entgleisen zu lassen oder andere einzuschüchtern.
Achten Sie auf Warnsignale:
- Beschimpfungen statt Argumente
- persönliche Angriffe oder Abwertungen
- immer neue Vorwürfe, ohne auf Antworten einzugehen
- wiederholte Behauptungen trotz gegenteiliger Belege
- Themenwechsel, sobald ein Argument widerlegt wurde
- viele ähnliche oder offensichtlich kopierte Kommentare
Solche Verhaltensweisen können auf Trolle oder Bots, also automatisierte oder halbautomatisierte Accounts, hindeuten. Eindeutig feststellen lässt sich das für Beteiligte allerdings meist nicht. Wenn Sie unsicher sind, können Sie zunächst beobachten: Geht die Person auf Argumente ein? Reagiert sie auf konkrete Informationen? Verändert sie ihre Position, wenn neue Fakten genannt werden? Oder produziert sie immer wieder neue Provokationen?
Bei offensichtlichen Trollen oder Bots gilt meist: nicht füttern. Eine längere Diskussion kann vielmehr genau die Aufmerksamkeit erzeugen, die mit der Provokation erreicht werden soll. Antworten Sie daher nicht auf jede Provokation, sondern nutzen Sie bei Bedarf die Funktionen der Plattform zum Melden, Blockieren oder Stummschalten. Wenn die Falschaussage allerdings eine große Reichweite hat und viele Menschen mitlesen, kann eine kurze sachliche Richtigstellung trotzdem sinnvoll sein – richten Sie diese dann vor allem an die Mitlesenden.
Tipp: Diskussionen auf Social Media können anstrengend sein. Gönnen Sie sich bewusst Auszeiten, lesen Sie nicht alle Kommentare und suchen Sie nach gut moderierten Kanälen und Foren mit einem konstruktiven Umgangston.
Manchmal lohnt es sich, auf eine falsche Behauptung zu reagieren, auch wenn Sie die Person, die sie verbreitet, wahrscheinlich nicht überzeugen werden. Das gilt vor allem dann, wenn viele andere Menschen mitlesen oder zuhören. Ihre Antwort richtet sich dann an alle anderen, die die Diskussion verfolgen.
Widersprechen Sie dabei möglichst klar und sachlich. Stellen Sie nicht nur fest, dass eine Aussage falsch ist. Erklären Sie auch kurz, was daran irreführend ist.
- Fehlt wichtiger Kontext?
- Wird ein einzelnes Beispiel zur allgemeinen Regel gemacht?
- Werden nur bestimmte Fakten genannt und andere weggelassen?
- Wird aus einem wahren Fakt eine falsche Schlussfolgerung gezogen?
Verweisen Sie auf verlässliche Quellen und vermeiden Sie es, die andere Person abzuwerten oder mit einer langen Liste von Gegenargumenten zu überfordern.
Tipp: Schreiben Sie Ihre Antwort so, dass sie auch für eine Person verständlich und überzeugend ist, die bisher noch keine eigene Meinung zum Thema hat. Nicht immer ist die Person, die den Mythos verbreitet, in erster Linie Ihr Publikum. Oft sind die stillen Mitlesenden wichtiger.
Sie müssen keine Expertin und kein Experte sein, um irreführende Aussagen über Klimawandel und Klimaschutz zu erkennen. Die fünf Prüffragen bieten Ihnen eine einfache Orientierung, um Behauptungen kritisch zu beurteilen. Wenn Sie auf irreführende Informationen stoßen, entscheiden Sie bewusst, ob und wie Sie reagieren möchten. Nicht jede Behauptung erfordert eine Diskussion. Wo viele Menschen mitlesen, kann jedoch schon eine kurze, sachliche Klarstellung einen wichtigen Beitrag leisten.