Stimmen aus der Praxis
Heizungstausch-Profis erklären: Worauf es bei der Wahl des neuen Heizsystems ankommt
Eine neue Heizung soll effizient, zuverlässig und langfristig wirtschaftlich sein. Welche Lösungen heute sinnvoll sind, worauf Haushalte bei der Auswahl achten sollten und was in den kommenden Jahren wichtig wird, verrät unser Interviewpartner.
Stimmen aus der Praxis
Im Interview sprechen Maria und Herbert Kollar von der Firma Kollar darüber, dass ein Heizungstausch eine Entscheidung für viele Jahre ist. Uns wird erklärt, worauf es bei Planung, Auswahl und Betrieb ankommt – und welche Entwicklungen den Heizungsmarkt in Zukunft prägen werden.
Wie läuft ein typischer Heizungstausch bei Ihnen ab – vom ersten Beratungsgespräch bis zur Inbetriebnahme?
Ein Heizungstausch beginnt bei uns in der Regel mit einer Anfrage per E-Mail oder Telefon. Damit wir möglichst rasch eine fundierte Einschätzung abgeben können, erhalten die Kundinnen und Kunden zunächst ein Datenblatt, in dem die wichtigsten Informationen zur bestehenden Situation abgefragt werden. Dazu gehören unter anderem das Alter und die Art der bisherigen Heizung, bei einer Öl- oder Gasheizung der Energieverbrauch der vergangenen drei Jahre, die Art der Wärmeverteilung – also etwa Radiatoren oder Fußbodenheizung – sowie gegebenenfalls ein Energieausweis und Informationen zu einer geplanten Sanierung. Fotos der bestehenden Heizungsanlage helfen uns zusätzlich dabei, die Situation bereits im Vorfeld besser einzuschätzen.
Auf Basis dieser Informationen erstellen wir ein individuelles Angebot. Die einzelnen Leistungen besprechen wir anschließend ausführlich mit den Kundinnen und Kunden – entweder direkt vor Ort oder bei uns im Unternehmen. Dabei bieten wir nach Möglichkeit zwei bis drei Varianten an, beispielsweise eine günstige, eine Standard- und eine optimale Lösung. Das ist ein bisschen wie beim Autokauf: Die Kundinnen und Kunden sollen verschiedene Möglichkeiten kennenlernen und selbst entscheiden können, welche Lösung am besten zu ihren Anforderungen und ihrem Budget passt. Wichtig ist uns dabei, die Unterschiede transparent zu erklären – etwa, wenn eine höhere Investition langfristig einen geringeren Energieverbrauch, eine höhere Effizienz oder eine längere Lebensdauer bedeutet.
Offene Fragen klären wir möglichst direkt und begleiten die Kundinnen und Kunden auch bei den nächsten Schritten. Gemeinsam werden der Montagetermin, die Zahlungsmodalitäten und mögliche Förderungen besprochen. Ebenso klären wir, welche bauseitigen Leistungen erforderlich oder gewünscht sind und wie die Anlieferung von Heizgerät, Boiler oder Pufferspeicher am besten organisiert werden kann. Bei Lieferzeiten oder anderen Änderungen stimmen wir uns immer mit den Kundinnen und Kunden ab.
Auch intern wird der Heizungstausch sorgfältig vorbereitet. Der Monteur erhält bereits in der Firma eine genaue Einweisung in den vorgesehenen Arbeitsumfang und alle notwendigen Unterlagen. Während der gesamten Umsetzung ist uns die laufende Kommunikation zwischen Kundinnen und Kunden, Monteur und Techniker besonders wichtig. Ebenso legen wir großen Wert auf Sauberkeit auf der Baustelle. Zusätzliche Leistungen werden ausschließlich nach Rücksprache mit den Kundinnen und Kunden und deren schriftlicher Bestätigung durchgeführt.
Nach der Montage erfolgt die Inbetriebnahme gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden. Dabei übergeben wir die wesentlichen Protokolle, erklären die Bedienung und geben Hinweise zu Wartung, Garantie und möglichen weiteren Schritten. Auch die Rechnungslegung erfolgt bei uns möglichst zeitnah. Wenn es sich einrichten lässt, übergibt der Techniker die Rechnung persönlich. Das bietet noch einmal die Gelegenheit, offene Fragen zu klären oder mögliche Reklamationen direkt zu besprechen. Bei dieser Gelegenheit informieren wir die Kundinnen und Kunden auch über unseren Servicevertrag.
Was macht ein Heizsystem Ihrer Meinung nach zukunftssicher und worauf sollten Hausbesitzer: innen bei der Auswahl achten?
Ein zukunftssicheres Heizsystem beginnt für uns nicht mit der Auswahl des Heizgeräts, sondern mit der Frage, wie viel Energie ein Gebäude überhaupt benötigt. Deshalb sollte vor einem Heizungstausch immer geprüft werden, ob eine Sanierung sinnvoll oder ohnehin geplant ist. Energie zu reduzieren beziehungsweise möglichst effizient zu nutzen, sollte der erste Schritt sein. Auch ein Blick auf die Entwicklung der Energiekosten der vergangenen Jahre kann dabei helfen, mögliche zukünftige Entwicklungen besser einzuschätzen. Grundsätzlich empfehlen wir, nicht das billigste Heizsystem zu wählen, sondern jenes, das langfristig die geringsten Kosten verursacht.
Am Anfang jeder Planung steht deshalb eine genaue Berechnung des tatsächlichen Wärmebedarfs. Eine solche Planung ist zwar mit Kosten verbunden, aus unserer Sicht aber eine wichtige Investition. Nur wenn der Wärmebedarf bekannt ist, kann das passende Heizgerät ausgewählt werden. Besonders wichtig ist dabei, das Heizsystem nicht zu groß zu dimensionieren. Eine optimale Planung schafft damit die Grundlage für einen effizienten und wirtschaftlichen Betrieb.
Ebenso wichtig ist es, den Heizungstausch als Gesamtlösung zu betrachten. Wenn möglich, sollten alle erforderlichen Gewerke gut aufeinander abgestimmt und aus einer Hand angeboten werden. Dazu gehören beispielsweise die Demontage der alten Anlage, die fachgerechte Montage, die elektrische Installation, der hydraulische Abgleich und die Inbetriebnahme sowie anschließend Service und Wartung. Das reduziert Schnittstellen und erleichtert die Koordination für die Kundinnen und Kunden.
Bei einer Wärmepumpe sollte man zusätzlich darauf achten, welche Energiequellen zur Verfügung stehen. Eine eigene Photovoltaikanlage oder die Teilnahme an einer Energiegemeinschaft kann dazu beitragen, den benötigten Strom möglichst günstig und regional zu beziehen. Unser Ziel ist, die Energieversorgung so weit wie möglich autark zu gestalten. Bei der Auswahl einer Wärmepumpe spielen außerdem die Effizienz und die technischen Eigenschaften eine wichtige Rolle. Wir empfehlen, auf Kennwerte wie die Jahresarbeitszahl beziehungsweise den SCOP zu achten und insbesondere bei Luft-Wärmepumpen auch die Schallwerte zu berücksichtigen. Außerdem sollte geprüft werden, ob die Wärmepumpe auch zur Kühlung eingesetzt werden kann.
Bei den verschiedenen Wärmepumpensystemen gibt es wiederum deutliche Unterschiede. Eine Grundwasser-Wärmepumpe kann sich insbesondere bei größeren Anlagen ab etwa 25 kW rechnen. Dabei müssen jedoch zusätzliche Kosten berücksichtigt werden, etwa für Saug- und Schluckbrunnen, wasserrechtliche Verfahren und den Strombedarf der Unterwasserpumpe. Sole-Wärmepumpen mit Tiefenbohrung oder Ringgrabenkollektor sind in der Anschaffung zwar meist teurer, können dafür im Betrieb deutlich günstiger sein. Ein weiterer Vorteil ist die besonders kostengünstige Möglichkeit zur Kühlung.
Entscheidend ist bei einer Wärmepumpe aber auch, ob das bestehende Wärmeabgabesystem dafür geeignet ist. Je niedriger die notwendige Vorlauftemperatur, desto effizienter kann eine Wärmepumpe arbeiten. Bestehende Heizkörper können gegebenenfalls durch spezielle Wärmepumpen-Heizkörper ersetzt werden, mit denen teilweise auch eine geringe Kühlung möglich ist. Bei einer Sanierung kann es sich außerdem lohnen, über eine Fußboden- oder Wandheizung in Trockenbauweise nachzudenken.
Wer sich für eine Biomasseheizung mit Holz oder Pellets entscheidet, sollte auf eine regionale Beschaffung des Brennstoffs achten und ausreichend Lagerraum einplanen. Dieser sollte für den Jahresverbrauch dimensioniert und sowohl der Heiz- als auch der Lagerraum vor Hochwasser geschützt sein.
Bei einer umfassenden Gebäudesanierung gibt es schließlich noch einen wichtigen Punkt zu beachten: die Lüftung. Wird die Gebäudehülle deutlich dichter, sollte eine Komfortlüftung bereits bei der Planung berücksichtigt werden. Gleichzeitig dürfen beispielsweise Holz- oder Kachelöfen, Dunstabzüge oder WC-Ventilatoren nur mehr als raumluftunabhängige Geräte ausgeführt werden, wenn dies aufgrund der geänderten Gebäudesituation erforderlich ist.
„Ein zukunftssicheres Heizsystem ist für uns daher nicht einfach ein möglichst modernes Heizgerät. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus einem möglichst geringen Energiebedarf, einer sorgfältigen Planung, der passenden Wärmequelle und Wärmeverteilung sowie einem effizienten und gut abgestimmten Gesamtsystem.”
Welche Irrtümer oder Missverständnisse begegnen Ihnen rund um Wärmepumpen oder andere Heizsysteme immer wieder und wie entkräften Sie diese?
Ein häufiges Missverständnis ist die Frage, ob überhaupt genügend Strom für den zunehmenden Einsatz von Wärmepumpen und für die Elektromobilität zur Verfügung stehen wird. Durch den weiteren Ausbau von Windkraft und Photovoltaik, die Optimierung der Wasserkraft und den Ausbau von Speicherkapazitäten kann die Stromversorgung entsprechend weiterentwickelt werden. Auch Energiegemeinschaften spielen dabei eine wichtige Rolle: Strom kann zunehmend dort erzeugt und genutzt werden, wo er gebraucht wird – also „Strom aus der Region für die Region“.
Ein weiterer Irrtum ist die Annahme, man sollte mit dem Umstieg auf neue Heiztechnologien besser noch abwarten, weil sich in den nächsten Jahren vielleicht noch bessere Systeme entwickeln. Viele erneuerbare Technologien sind bereits seit Jahren ausgereift und praxiserprobt. Wer den Austausch einer alten Heizung zu lange hinauszögert, zahlt im Bestand häufig weiterhin hohe Betriebs-, Wartungs- und Reparaturkosten. Aus unserer Sicht lohnt es sich daher, nicht auf die vermeintlich perfekte Technologie der Zukunft zu warten, sondern die heute verfügbaren und bewährten Lösungen zu nutzen.
Auch bei Förderungen beobachten wir häufig eine abwartende Haltung: Manche Kundinnen und Kunden möchten den Heizungstausch erst dann durchführen, wenn es möglicherweise höhere Förderungen gibt. Förderungen können zwar einen wichtigen Impuls für Investitionen geben, insbesondere bei größeren Investitionen wie Photovoltaikanlagen oder Speichern. Die Entscheidung für ein effizientes erneuerbares Heizsystem sollte aber nicht ausschließlich von einer Förderung abhängig gemacht werden. Durch die Einsparungen bei den laufenden Energiekosten können sich Investitionen in erneuerbare Technologien auch ohne Förderung in vergleichsweise kurzer Zeit rechnen.
Worauf sollten Haushalte im Zuge der Angebotseinholung besonders achten?
Aus unserer Sicht ist es zunächst wichtig, dass der Heizungsbetrieb wirklich auf die Wünsche und Fragen der Kundinnen und Kunden eingeht. Eine gute Beratung sollte nicht nur darin bestehen, ein bestimmtes Gerät anzubieten, sondern die individuelle Situation berücksichtigen und verständlich erklären, welche Lösung dafür geeignet ist.
Bei der Angebotslegung sollte außerdem genau darauf geachtet werden, welche Leistungen tatsächlich enthalten sind. Dazu gehören neben dem Heizgerät beispielsweise die Planung, die Demontage der bestehenden Anlage, notwendige Isolierungsarbeiten, die elektrische Installation, der hydraulische Abgleich und die Inbetriebnahme. Wir empfehlen, möglichst einen klaren Fixpreis zu vereinbaren. So wissen die Kundinnen und Kunden von Anfang an, mit welchen Kosten sie rechnen müssen und erleben bei der Umsetzung keine unangenehmen Überraschungen.
Auch die Frage nach der Förderung sollte bereits bei der Angebotseinholung geklärt werden: Wer kümmert sich um die Förderabwicklung und welche Leistungen sind dabei vom Heizungsbetrieb umfasst? Ebenso wichtig ist es, sich vorab zu informieren, wer nach der Inbetriebnahme für Service und Wartung zur Verfügung steht. Eine Heizungsanlage soll schließlich viele Jahre zuverlässig funktionieren – dafür braucht es auch nach dem Einbau einen kompetenten Ansprechpartner.
Darüber hinaus lohnt es sich, nach Referenzen zu fragen und sich über die Erfahrungen anderer Bauherrinnen und Bauherren zu informieren. Wir empfehlen außerdem, regionale Fachbetriebe zu bevorzugen. Sie sind meist gut mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut.
Was überrascht Menschen nach einem erfolgreichen Heizungstausch am häufigsten?
Viele Kundinnen und Kunden sind zunächst überrascht, wenn die Umsetzung am Ende sogar besser ausfällt, als sie es aufgrund des Angebots erwartet haben. Wenn die vereinbarten Leistungen vollständig eingehalten oder sogar übertroffen werden, der kalkulierte Preis eingehalten oder unterschritten wird und auch die vereinbarten Termine zuverlässig wahrgenommen werden, schafft das Vertrauen und sorgt für eine positive Erfahrung.
Besonders wichtig ist für uns auch, was nach den eigentlichen Arbeiten passiert. Nach der Fertigstellung nehmen wir uns ausreichend Zeit für eine ausführliche Übergabe und erklären den Kundinnen und Kunden die neue Anlage und ihre Bedienung. Damit ist unsere Betreuung aber nicht beendet: Nach etwa vier Wochen fragen wir noch einmal nach, ob alles funktioniert, wie es soll, und ob sich inzwischen Fragen ergeben haben.
Viele stellen außerdem fest, dass ein Heizungstausch weit mehr verändert als nur die Heizungsanlage. Eine moderne und gut geplante Lösung kann die Lebensqualität deutlich erhöhen, die Abhängigkeit von einzelnen Energieträgern reduzieren und gleichzeitig für mehr Kostenstabilität sorgen. Gerade diese langfristigen Vorteile werden oft erst im täglichen Betrieb richtig spürbar.
Wie wichtig sind regelmäßige Wartung und effizienter Betrieb?
Regelmäßige Wartung ist für einen effizienten Betrieb und eine möglichst lange Lebensdauer der Heizungsanlage besonders wichtig. Durch die laufende Überprüfung und Optimierung kann sichergestellt werden, dass die Anlage zuverlässig und effizient arbeitet. Gleichzeitig lassen sich mögliche Probleme frühzeitig erkennen, bevor daraus größere Reparaturen oder Ausfälle entstehen.
Auch für uns als Installateurbetrieb sind Service und Wartung sehr wertvoll. Die Erfahrungen aus dem laufenden Betrieb geben uns wichtige Rückschlüsse darauf, wie sich Anlagen in der Praxis bewähren und wo es gegebenenfalls Optimierungspotenzial gibt.
Welche Entwicklungen und Herausforderungen erwarten Sie in den kommenden fünf bis zehn Jahren in Hinblick auf die Energiewende? (auch im mehrgeschossigen Wohnbau)
Die Baubranche steht aus unserer Sicht vor der tiefgreifendsten Transformation seit Jahrzehnten. Digitale Planung und Gebäudesimulation werden dabei immer wichtiger. Technologien wie BIM (Building Information Modeling) werden zunehmend zur Grundvoraussetzung für effizientes Bauen. Ziel ist, die Daten eines Gebäudes von der Planung über die Ausführung und den Betrieb bis hin zum späteren Rückbau durchgängig nutzbar zu machen – über verschiedene Projektphasen, Fachbereiche und Unternehmen hinweg. Dadurch können Prozesse besser aufeinander abgestimmt und Fehler sowie unnötige Kosten reduziert werden.
Ein weiterer Bereich, der deutlich an Bedeutung gewinnen wird, ist die Kühlung. Gerade mit Wärmepumpen lässt sich eine Gebäudekühlung vergleichsweise einfach realisieren. Auch im Zuge von Sanierungen können bestehende Heizkörper durch geeignete Wärmepumpen-Heizkörper ersetzt oder Trockenbauelemente wie Kühlsegel eingesetzt werden. Damit lässt sich auch in bestehenden Gebäuden mit vergleichsweise geringem Eingriff ein höherer thermischer Komfort erreichen.
Gleichzeitig wird die gesamte Gebäudetechnik immer stärker miteinander vernetzt werden. Photovoltaikanlage, Stromnetz, Heizung, Warmwasserbereitung, Haushaltsgeräte und Elektroauto werden zunehmend miteinander kommunizieren. So kann beispielsweise Strom dann genutzt oder gespeichert werden, wenn er verfügbar ist, und der Verbrauch lässt sich besser an die Energieerzeugung anpassen. Das kann dazu beitragen, die Stromnetze zu entlasten und den Eigenverbrauch sowie die Nutzung des selbst erzeugten Stroms zu optimieren.
Eine zentrale Rolle werden dabei Energiemanagementsysteme für elektrische und thermische Energie spielen. Sie ermöglichen es, die verschiedenen Energieerzeuger und Verbraucher innerhalb eines Gebäudes intelligent aufeinander abzustimmen. Gleichzeitig schaffen sie die Voraussetzung dafür, auch mehrere Gebäude miteinander zu vernetzen und Energie gemeinsam zu nutzen. Gerade im mehrgeschossigen Wohnbau und bei Energiegemeinschaften sehen wir hier großes Potenzial.
Auch bei der Sanierung von Mehrgeschosswohnbauten werden neue Lösungen notwendig sein. Die Bauteilaktivierung könnte dabei künftig eine größere Rolle spielen. Interessant sind insbesondere wirtschaftliche und möglichst minimalinvasive Sanierungskonzepte, bei denen die Beeinträchtigung der Bewohnerinnen und Bewohner möglichst gering bleibt. Eine Möglichkeit besteht darin, Versorgungs- und Entsorgungsleitungen an der Außenwand zu führen und anschließend entsprechend zu überdämmen. Vorgefertigte Module mit nachwachsenden Dämmstoffen können dabei die Zugänglichkeit der Leitungen sicherstellen und gleichzeitig die Montagezeiten vor Ort reduzieren.
Im mehrgeschossigen Wohnbau wird außerdem die Nachverdichtung, etwa durch einen Dachgeschoßausbau, weiterhin interessant bleiben. Auf diese Weise können zusätzliche Wohnungen geschaffen und bestehende Gebäude gleichzeitig umfassend saniert werden. Durch Vorfertigung und modulare Bauweisen lassen sich dabei Bauzeiten und in weiterer Folge auch Kosten deutlich reduzieren.
Auch die Warmwasserbereitung wird sich verändern. Bei Mehrgeschosswohnbauten mit etwa 30 bis 40 Wohneinheiten könnte sich aus hygienischen und energetischen Gründen zunehmend eine dezentrale Warmwasserbereitung durchsetzen. Dadurch lassen sich Leitungswege verkürzen und Wärmeverluste reduzieren.
Eine weitere Herausforderung sehen wir bei den Berechnungsgrundlagen. Energieausweise und einschlägige Normen müssen stärker an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst werden. Aus unserer Erfahrung werden mit der gegenwärtigen ÖNORM H 7500-1 Wärmeerzeuger derzeit teilweise noch deutlich größer ausgelegt (um 25-35%), als es für den tatsächlichen Wärmebedarf notwendig wäre. Eine genauere Dimensionierung ist aber entscheidend für einen effizienten und wirtschaftlichen Betrieb.
Letztlich geht es aber nicht nur um technische Lösungen. Auch die Rahmenbedingungen müssen sich weiterentwickeln. Eine Vereinheitlichung der Bauordnungen und schnellere Genehmigungsverfahren könnten wesentlich dazu beitragen, Bau- und Sanierungsprojekte einfacher, schneller und kostengünstiger umzusetzen.
Wenn Sie Hausbesitzer: innen nur drei Tipps zum Heizungstausch mitgeben könnten: Welche wären das?
„Erstens: Denken Sie langfristig. Bei einem Heizungstausch sollte nicht nur die aktuelle Investition betrachtet werden. Entscheidend ist, welche Lösung über viele Jahre zuverlässig, effizient und wirtschaftlich funktioniert.
Zweitens: Setzen Sie auf funktionelle, effiziente und möglichst einfache Lösungen. Gute Technik muss nicht kompliziert sein.
Drittens: Vertrauen Sie auf Kompetenz und Erfahrung. Bei der Auswahl des Fachbetriebs sollte nicht ausschließlich der niedrigste Preis ausschlaggebend sein.”
Frau DI Maria Kollar:
Internationales Masterstudium „Natural Resources Management and Ecological Engineering“; F-Kurs für Energieberaterinnen; viele zusätzlichen Ausbildungen wie Coaching und Speakerin; seit 2015 Gesellschafterin der Fa. Kollar GmbH
Herr Ing. Herbert Kollar:
HTL Mödling für Maschinenbau; Techniker in einem großen Haustechnikunternehmen; 1975 bis 2015 Gesellschafter und Geschäftsführer der Fa. Kollar; Bezirksinnungsmeister; Senator im Senat der Wirtschaft; Aufsichtsrat einer großen Bank; viele zusätzlichen Ausbildungen in der HT-Branche sowie Vorträge für andere Unternehmen; seit 2015 Berater in der Fa. Kollar GmbH
Die Firma Kollar war immer Vorreiter im Bereich der erneuerbaren Energie:
- Gewinn des Helios 2008 für das effizienteste Firmengebäude NÖ,
- Einbau einer der ersten thermischen Solaranlagen sowie PV-Anlagen in Österreich,
- Seit vielen Jahren werden fossile Wärmeerzeuger nur auf erneuerbare Wärmeerzeuger getauscht.
„Unser Arbeitsalltag hat sich in den vergangenen Jahren in vielerlei Hinsicht verändert. Neben der laufenden technischen Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legen wir heute großen Wert auf persönliche Entwicklung. Mit „New Work meets Inner Work“ verbinden wir moderne Arbeitskultur mit persönlicher Weiterentwicklung. Denn wir wollen nicht nur Arbeitsplätze gestalten, sondern Lebensräume schaffen. Viele Veränderungsprozesse konzentrieren sich vor allem auf die äußeren und sichtbaren Aspekte des Wandels. Unsere größte Herausforderung liegt inzwischen aber weniger in der Technologie als im menschlichen Miteinander. Die Auszeichnung mit dem TRIGOS 2025 war für uns eine besondere Anerkennung dieses Weges.
Auch die Kommunikation und Zusammenarbeit haben sich stark verändert. Informationen zwischen Kundinnen und Kunden, Lieferanten und unserem Betrieb werden neben dem persönlichen Gespräch heute in der Regel auch elektronisch ausgetauscht. Das erleichtert die Abstimmung und ermöglicht schnellere Prozesse.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Logistik. Hier liegen oft große Zeit- und Kostenfaktoren verborgen. Deshalb versuchen wir, Schnittstellen zu reduzieren und möglichst viel aus einer Hand anzubieten. Gleichzeitig arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere Logistikprozesse effizienter zu gestalten.“