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Nachhaltig durchs Netz: Wie wir unseren digitalen Alltag bewusster gestalten können

Wie viel Energie steckt in unserer Internetnutzung? Wie Streaming, KI und Cloud unseren digitalen Fußabdruck vergrößern – und wie Sie ihn reduzieren können.

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Das erwartet Sie

Digitaler Fußabdruck

Dieser beschreibt die Summe aller direkten und indirekten Ressourcenverbräuche, die durch die Nutzung digitaler Geräte, Dienste und Infrastrukturen – etwa Internet, Cloud, Streaming oder KI – entstehen.

Künstliche Intelligenz

KI-Rechenzentren verbrauchten 2024 bereits 1,5 % des globalen Stromverbrauchs.

Energieverbrauch

Hohe Auflösungen (4K, Full HD) vervielfachen den Datenstrom und damit den Energieverbrauch.

Nachhaltigkeit

Der ökologische Unterschied liegt weniger in der einzelnen Maßnahme selbst als in ihrer Langzeitwirkung.

Das Internet ermöglicht es uns, sekundenschnell und global vernetzt auf jegliche Art von Informationen zuzugreifen. Ein Klick, ein Scroll, ein Swipe: Sie fühlen sich selbstverständlich an und sind kaum mehr wegzudenken, aber jede einzelne digitale Aktion aktiviert eine riesige vernetzte Infrastruktur, die unsichtbar im Hintergrund zu arbeiten beginnt. Rechenzentren, Serverfarmen, Stromnetze und schließlich das Endgerät – sie alle benötigen Strom, Rohstoffe, Energie, Kühlung und Platz. Mit der zunehmenden Digitalisierung wächst der Bedarf in kaum vorstellbare Sphären. Ob wir E-Mails verschicken, Serien streamen, Fotos und Videos generieren und speichern oder nur schnell eine Suchmaschinenabfrage abschicken, unser digitaler Fußabdruck wird von Tag zu Tag größer. 

Besonders sichtbar wird diese Entwicklung aktuell beim Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). KI-Anwendungen benötigen für Training und Betrieb enorme Rechenleistungen. Laut der Internationalen Energieagentur verbrauchten die dafür eingesetzten Rechenzentren im Jahr 2024 bereits 1,5 % des globalen Stromverbrauchs. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich diese Energiemenge bis 2030 mehr als verdoppeln wird. Besonders die generative KI fällt hierbei ins Gewicht, also Chatbots und KI-unterstützte Bild- und Videoprogramme. 

Doch nicht nur die KI, auch klassische digitale Nutzungsbereiche wie Streaming, Cloudanwendungen und Suchanfragen machen einen maßgeblichen Anteil des Energiebedarfs aus.

Die gute Nachricht: Unser individuelles Verhalten im digitalen Raum ist kein Nebenschauplatz. Viele kleine Entscheidungen summieren sich zu einem substanziellen Einsparpotenzial, das wir für Sie im folgenden Abschnitt genauer skizzieren wollen.

Grüne Suchanfragen: Kleine Klicks mit großer Wirkung 

Suchmaschinen sind das Tor zum Internet und gehören zum digitalen Alltag dazu. Ob Kochrezept, Wegbeschreibung oder die Suche nach Onlinebewertungen, ein Leben ohne Suchmaschinen ist kaum noch vorstellbar. Aber auch hier laufen energie- und ressourcenintensive Prozesse im Hintergrund, da Rechenzentren pro Sekunde Millionen von Anfragen verarbeiten müssen. Sogenannte grüne oder nachhaltige Suchmaschinen versuchen, dieser Dynamik entgegenzuwirken. Plattformen wie „Ecosia“, „Good Search“, „Lilo“ oder „Qwant“ legen in ihrer Rolle als Suchmaschinenanbieter großen Wert auf Umwelt- und Klimaschutz sowie soziale Verantwortung. Neben individuell je unterschiedlichen Maßnahmen der einzelnen Plattformen zeichnet alle folgendes Vorgehen aus:

  • Gewinne oder Teile davon werden in Klimaschutz- und Aufforstungsprojekte investiert.
  • Ebenfalls werden Gewinne für soziale und wohltätige Zwecke gespendet.
  • Der Serverbetrieb erfolgt durch zertifizierten Ökostrom.
  • Es werden erneuerbare Energien eingesetzt.
  • Für die Rechenzentren gelten strengere Energieeffizienzkriterien.
  • Die Nachhaltigkeitsstrategien werden offengelegt.
  • Strengere Datenschutzrichtlinien ermöglichen anonyme Suchanfragen, es erfolgen keine Datenverkäufe sowie Sammlung und Speicherung von Nutzer:innendaten. 

Gut zu wissen: Die oben angeführten grünen Suchmaschinen nutzen allesamt die Suchalgorithmen von Microsoft „Bing“ und zahlen dafür eine Lizenzgebühr. Ein selbst programmiertes Suchsystem existiert unter den eigenen Benutzeroberflächen also nicht. Die Finanzierung erfolgt über günstige Abo-Modelle oder Anzeigenschaltungen.

Versuchen Sie doch einmal, einige Ihrer Suchanfragen über einen der genannten Anbieter zu stellen. Der ökologische Unterschied liegt weniger in der einzelnen Suche als in der Langzeitwirkung. Wer eine grüne Suchmaschine als Standard festlegt, reduziert mit jeder zukünftigen Suche seinen digitalen Fußabdruck. Wenn grüne Suchmaschinen bekannter werden und Einzug in den digitalen Alltag finden, kann mit geringem Aufwand eine große Wirkung erzielt werden. 

Strom sparen beim Streamen

Es ist noch gar nicht so lange her, da gehörte der Weg zur Videothek für viele zum festen Wochenendritual: durch Regalreihen streifen, DVD‑Hüllen durchforsten, sich zwischen Blockbuster und Geheimtipp entscheiden. Heute wirkt dieser Gang wie ein Relikt aus einer analogen Ära, denn Filme und Serien sind nur noch einen Klick entfernt. Doch diese Bequemlichkeit hat ihren Preis: Hinter jedem Stream arbeitet eine gewaltige Übertragungskette aus Content‑Produktion, Rechenzentren, Content‑Verteilnetzwerken und Millionen von Endgeräten. Und diese Kette ist inzwischen zu einem der größten Energieverbraucher im gesamten digitalen Ökosystem geworden. Laut dem Fraunhofer-Institut entfallen 60 bis 70 % des globalen Internetverkehrs auf Videostreaming, Tendenz steigend. 

Was früher also ein gemütlicher Abendspaziergang in die Videothek war, ist heute ein energieintensiver Prozess, der weit mehr Ressourcen bewegt, als wir beim Drücken der Play‑Taste erahnen. Mit einigen simplen Schritten lässt sich dieser Verbrauch allerdings maßgeblich reduzieren. Darauf sollte Sie beim „grüneren Streaming“ achten:

  • Reduzieren Sie die Videoauflösung:  Hohe Auflösungen (4K, Full HD) vervielfachen den Datenstrom. Besonders auf kleineren Displays ist der Unterschied visuell kaum erkennbar.
  • Das Endgerät macht den Unterschied: Nutzen Sie für die Medienwiedergabe wenn möglich ein Gerät mit kleinerem Display (Smartphone, Tablet, Laptop). Ein Smart-TV (HDR) kann für das Abspielen desselben Inhalts bis zu 20-mal so viel Energie verbrauchen wie ein Smartphone.
  • Deaktivieren Sie das Autoplay:  Automatisch startende Videos verlängern Streamingzeiten oft unbewusst und kosten unnötig Energie.
  • Verwenden Sie WLAN/LAN statt das mobile Netz: Mobile Datenverbindungen über Funk sind deutlich energieintensiver als Festnetz und WLAN.
  • Speichern Sie Inhalte offline: Streamen Sie Musik und Videos, die Sie gerne öfter konsumieren wollen, nicht jedes Mal neu. Laden Sie sie herunter und speichern Sie sie lokal ab. So tragen Sie zur Entlastung von Datennetzen und Rechenzentren bei und sparen gleichzeitig Energie.
  • Bewusster Umgang: Achten Sie darauf, gezielter und bewusster zu streamen. Dauerbeschallung und Nebenbei-Nutzung sind Energiefresser. 

Weitere digitale Bereiche mit großem Energiesparpotential

Oft wirken die kleinen digitalen Gewohnheiten im Alltag fast unbedeutend: ein offener BrowserTab hier, ein schnell gesendetes Foto dort. Doch genau diese vielen Kleinigkeiten summieren sich zu einem hohen digitalen Energie- und Ressourcenverbrauch. Während die großen Hebel wie eine angepasste Streamingqualität und die richtige Gerätewahl eine besonders deutliche Wirkung haben, entsteht tiefgehende Veränderung auch dann, wenn vermeintlich kleine Routinen nachhaltiger werden. Jede optimierte Einstellung, jede bewusste Entscheidung und jeder eingesparte Datenfluss sind wichtige Bausteine für das große Ganze. Folgende Tipps haben wir zusätzlich für Sie zusammengefasst:

  • Nutzen Sie Lesezeichen statt Inhalte immer neu zu suchen.
  • Schließen Sie nicht mehr benötigte Tabs und Apps.
  • Entrümpeln Sie Ihr Postfach und Chatverläufe .
  • Leeren Sie regelmäßig den Papierkorb.
  • Löschen Sie regelmäßig unnötig gespeicherte Cloud-Daten.
  • Mit gemeinsamen Ordnern statt Mehrfachkopien senken Sie den Speicherbedarf.
  • Legen Sie Backup-Termine bewusst fest (einmal wöchentlich statt ständig).
  • Komprimieren Sie beim Mailing und Messaging große Anhänge.
  • Bestellen Sie Newsletter ab, die Sie nicht lesen.
  • Deaktivieren Sie Push-Nachrichten und setzen Sie Ad-Blocker ein.
  • Reduzieren Sie die Bildschirmhelligkeit.
  • Aktivieren Sie den Energiesparmodus auf allen Geräten, die ihn anbieten.
  • Aktivieren Sie die Gerätekamera nur, wenn sie einen Mehrwert bringt.
  • Setzen Sie KI reflektiert und bewusst ein. Bündeln Sie Ihre Anfragen und formulieren Sie präzise.
  • Nutzen Sie wenn möglich Audio- statt Videoangebote (z. B. Podcasts statt Videointerviews).
  • Schalten Sie die Geräte bei Nichtgebrauch aus, um Standby-Verbräuche zu reduzieren. Nutzen Sie dafür schaltbare Steckerleisten.
  • Achten Sie auch bei der Hardware auf Nachhaltigkeit:
    • Nutzen Sie Geräte möglichst lange und setzen Sie auf Reparatur statt Neukauf.
    • Befassen Sie sich beim nächsten Neukauf auch mit Refurbished-Geräten.
    • Achten Sie im Falle eines Neukaufs auf das Energieeffizienzlabel und die Reparierbarkeit des Produkts. Wichtige Infos beziehungsweise die effizientesten Geräte finden Sie in unserer Gerätekauf-Rubrik sowie in unserer Topprodukte-Datenbank.

Es geht nicht um Perfektion 

Nachhaltiges Verhalten im Netz bedeutet nicht, auf digitalen Komfort zu verzichten. Niemand muss sein Verhalten komplett umstellen, um etwas zu bewirken. Nachhaltigkeit im Netz ähnelt dem Umgang mit Strom oder Heizung: Bewusstsein schaffen, Prioritäten setzen, die passenden Maßnahmen ergreifen und schließlich neue Routinen entwickeln.

Gerade weil digitale Dienste so selbstverständlich geworden sind, lohnt sich der Blick hinter die Kulissen. Ob durch grünes Streaming, alternative Suchmaschinen oder bewusstere KI-Nutzung – jede Entscheidung im digitalen Raum kann Teil der Lösung sein. Wer versteht, dass das Internet keine immaterielle Wolke ist, sondern auf energie- und ressourcenintensiver Infrastruktur basiert, kann das eigene Nutzungsverhalten reflektieren und dort anpassen, wo es sinnvoll erscheint. Denn auch online gilt: Viele kleine Schritte können gemeinsam eine große Wirkung erzielen.

 

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