Dynamische Stromtarife: Wann sie sich für Haushalte lohnen
Dynamische Stromtarife bieten Ihnen die Möglichkeit, von den Strompreis‑Schwankungen zu profitieren. Wir geben Ihnen einen Überblick, wie Sie durch diese Tarife Kosten sparen können, während Sie gleichzeitig das Stromnetz entlasten und einen aktiven Beitrag zur Energiewende leisten.
Das erwartet Sie
Stromnetz schonen
Haushalte, die ihren Stromverbrauch anhand dynamischer Tarife an das aktuelle Angebot anpassen, tragen zu einer optimalen Netzauslastung bei.
Abrechnungsarten
Der Arbeitspreis kann von der Tageszeit, dem Wochentag oder den Spotmarktpreisen abhängen.
Sparen
Wenn Sie Strom dann nutzen, wenn er im Überfluss verfügbar ist, reduzieren sich mit einem dynamischen Stromtarif deutlich Ihre Energiekosten.
E-Auto, Wärmepumpe oder Batteriespeicher
Die Vorteile von dynamischen Stromtarifen können jene nutzen, die ihren Verbrauch auch flexibel gestalten können.
Weniger Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern und eine sichere heimische Energieversorgung sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass Energie langfristig leistbar und verlässlich bleibt. Zu diesem Zweck müssen wir den Anteil erneuerbarer Energie an unserer Stromproduktion weiter steigern. Doch Sonne, Wind und Wasser sind nicht immer gleich stark verfügbar.
Im Gegenzug dazu wird der Stromverbrauch in Stunden mit hohen Preisen reduziert oder in günstigere Zeiten verschoben. Dieses flexiblere Verbrauchsverhalten entlastet das Stromsystem, insbesondere in Spitzenzeiten, und kann den Bedarf an zusätzlichen Kraftwerken für solche Nachfragespitzen reduzieren.
Flexibilität im Stromnetz: Der Schlüssel zu einer stabilen Energieversorgung
Damit das Stromnetz bei schwankendem Stromverbrauch und wechselnder Stromerzeugung stabil bleibt, ist Flexibilität beim Verbrauch eine Möglichkeit, bei der auch Verbraucher direkt von Preisschwankungen profitieren können. Neben den großen Verbrauchern, wie zum Beispiel Industriebetrieben, gibt es auch in Haushalten großes Potenzial, den Stromverbrauch clever anzupassen. Ein Beispiel dafür ist das zeitlich flexible Laden von Elektroautos über die Mittagsstunden, wenn das Stromangebot hoch und die Preise in der Regel niedrig sind. Auch das Laden des Heimspeichers oder das Aufheizen des Warmwassertanks via Wärmepumpe macht in diesem Zeitraum Sinn. In besonders günstigen Stunden kann man durch gezielten Verbrauch sogar Geld gutgeschrieben bekommen.
Strompreise schwanken zwar, folgen aber oft nachvollziehbaren Mustern. In der Regel sind sie morgens und abends höher, weil dann besonders viel Strom verbraucht wird. Günstiger ist Strom oft zu Zeiten, in denen viel erneuerbarer Strom verfügbar ist, etwa bei viel Wind oder Sonne, die typischerweise über die Mittagsstunden am stärksten scheint.
Besonderheiten und Vorteile von dynamischen Stromtarifen
Bei Stromtarifen kann grob zwischen „klassischen“ Fixpreistarifen, Floater-Tarifen und dynamischen Tarifen unterschieden werden. Die meisten Haushalte verfügen über einen Fixpreistarif. Hier ändert sich der Arbeitspreis über die Vertragsdauer in der Regel nicht. Bei Floater-Tarifen erfolgt die Anpassung des Arbeitspreises in definierten Intervallen, zum Beispiel monatlich. In unserem Artikel „Clever wechseln, richtig sparen“ erklären wir die Unterschiede zwischen den Tarifarten genauer und zeigen, wie einfach der Wechsel ist.
Gut zu wissen: Ihre Stromrechnung setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: Energiepreis (Grundpreis und Arbeitspreis), Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben. Im Detail erklären wir Ihnen das in unserem Artikel zum Thema Stromkosten.
Die Besonderheit beim Arbeitspreis von flexiblen Tarifen ist, dass es keinen festen Preis pro Kilowattstunde gibt. Am Markt finden Sie verschiedene Arten von dynamischen Stromtarifen. Der Preis kann zum Beispiel abhängig von der Tageszeit, dem Wochentag oder den Spotmarktpreisen sein.
Wenn Sie einen dynamischen Energietarif nutzen, können Sie von einigen Vorteilen profitieren. Wenn Sie Ihren Verbrauch schlau an den jeweiligen Tarif anpassen, kommen Sie in den Genuss von teils sehr niedrigen Strompreisen. Auch die Transparenz ist höher als bei anderen Tarifarten: Dank intelligenter Stromzähler wissen Sie genau, wann Sie wie viel Strom zu welchem Preis verbraucht haben. Sie schärfen außerdem Ihr eigenes Bewusstsein zu Ihrem Energieverbrauch und ihren Kosten und leisten einen Beitrag zur Energiewende.
Um solche Tarife nutzen zu können, ist ein intelligenter Stromzähler, auch Smart Meter genannt, erforderlich. Dieser ist nicht nur für die (viertel-)stundengenaue Abrechnung notwendig, sondern hilft Ihnen auch, den Stromverbrauch besser zu kontrollieren.
Gut zu wissen: Wenn Sie noch nicht über einen Smart Meter verfügen, können Sie dies bei Ihrem Netzbetreiber anfragen. Dieser hat dann 6 Monate Zeit, Ihrem Wunsch nachzukommen. Der Smart Meter Check ist ein hilfreiches Tool, um Ihren eigenen Stromverbrauch zu analysieren, mit ähnlichen Haushalten zu vergleichen und herauszufinden, zu welchen Zeiten Sie besonders hohe Verbräuche haben und wann Sie eher sparsam sind. Ausprobieren lohnt sich!
Mehr sparen mit dynamischen Stromtarifen: Tipps für die Praxis
Am einfachsten lässt sich ein dynamischer Energietarif mithilfe von digitalen Hilfsmitteln wie Energiemanagementsystemen, Smarten Haushaltsgeräten, Timern und Zeitschaltuhren sowie Apps der Stromanbieter nutzen.
Das können Sie sich in der Praxis zum Beispiel so vorstellen: Die App Ihres Stromanbieters zeigt Ihnen, dass der Preis pro Kilowattstunde im Moment sehr niedrig ist. Sie aktivieren deshalb Ihre Waschmaschine und laden Ihr E-Auto. Beides kann mit Smarten Geräten in der Regel auch aus der Ferne geschehen oder automatisiert ablaufen.
Der Arbitrage-Betrieb eines Batteriespeichers, also die Installation eines Speichers, um diesen bei niedrigen Strompreisen zu Laden und diesen Strom dann bei hohen Preisen wieder in das Netz abzugeben, rentiert sich derzeit für Privatpersonen noch nicht. Mit fallenden Kosten für Batteriespeicher kann dies aber in Zukunft erlösbringend sein.
Insgesamt ist für die Nutzung eines dynamischen Tarifs auch eine gewisse Risikobereitschaft von Vorteil. In Zeiten mit geringem Aufkommen an erneuerbaren Strom können die Preise höher ausfallen. Im Gegenzug dazu kann es in Zeiten sehr hohen Aufkommens zu extrem niedrigen oder sogar negativen Preisen kommen. In letzterem Fall bekommen Sie für das Verbrauchen von Strom zu diesem Zeitpunkt sogar Geld gutgeschrieben.
Praxisbeispiel 1: Dynamischer Stromtarif & E-Auto?
- Paula hat ein E-Auto (18 kWh/100km, 20.000 km/a, 3.600 KWh/a).
- Sie lädt ihr Auto jeden Tag exakt zwischen 18 und 20 Uhr für 2 Stunden auf (ca. 10 kWh/Tag).
- Sie überlegt, bei ihrem Stromanbieter in einen neuen Vertrag mit dynamischen Preisen zu wechseln.
- Der Preis bildet sich durch Börsenpreise plus Aufschlag von 3 ct/kWh.
- Im Durchschnitt (Bandlast) hat ihr alter Fixpreis-Vertrag den gleichen Preis wie der neue dynamische Vertrag.
Die typische Preiskurve zeigt einen gleichbleibenden Energiepreis für den Fixtarif im Vergleich zu den schwankenden und je nach Jahreszeit unterschiedlichen Preisen beim dynamischen Tarif. Beim dynamischen Tarif fallen vor allem die Abendspitze sowie das Mittags- und Nachttal auf.
Paula hat nun mehrere Möglichkeiten: Sie kann sich für Szenario 1 „Weiter wie bisher“ entscheiden. In diesem Falle lädt sie ihr E-Auto genau im Zeitraum, in dem der Strom durchschnittlich am teuersten ist. In Szenario 2 lädt sie ihr Auto in der Nacht und nutzt damit das Nachttal. Eine weitere Möglichkeit ist in Szenario 3 abgebildet, das Laden zur Mittagszeit. In Szenario 4 kombiniert sie Szenario 2 und 3, nutzt also Nacht- und Mittagstal.
Sieht man sich die Ergebnisse der jeweiligen Strategien für den dynamischen Tarif über ein Jahr im Vergleich zum Fixpreistarif an, so zeigt sich vor allem: Bei „Weiter wie bisher“ ist der Umstieg auf einen dynamischen Tarif keine ökonomisch sinnvolle Strategie. Ändert Paula aber ihr Verbrauchsverhalten, so hat sie ein Einsparungspotential von 50 bis 180 Euro pro Jahr. Wenn sie noch weitere Verbraucher in günstige Zeiträume verschiebt, kann sie das Einsparungspotential dementsprechend noch erhöhen.
Beispiel 2: Dynamischer Stromtarif & Arbitrage-Betrieb Speicher?
Paula überlegt, sich einen Batteriespeicher anzuschaffen. Sie will ihn im Arbitrage-Betrieb betreiben und sich die Preisschwankungen für Strom zu Nutze machen. Das bedeutet: Laden des Speichers zu Zeiten niedriger Energiepreise (grüne Balken) und Abgabe des Stroms ins Netz, wenn dieser benötigt wird und dementsprechend teurer ist (rote Balken).
Annahmen:
- Speicher mit 10 kWh (5KW)
- 6.500€ Investitionskosten
- Wirkungsgrad 95%
- Lebensdauer 10 Jahre
- 5% Zinsen
Die Erlöse belaufen sich bei diesen Annahmen auf rund 380 Euro pro Jahr. Die Anschaffung eines Heimspeichers für den Arbitrage-Betrieb ist unter diesen Voraussetzungen also (noch) nicht profitabel. Bei sinkenden Kosten für Batteriespeicher kann sich dies in Zukunft jedoch ändern.
Gut zu wissen: Wer seinen Haushalt intelligent steuern möchte, kann von der neuen Förderung für Energiemanagementsysteme profitieren. Private Haushalte erhalten für die Anschaffung und Installation eines Energiemanagementsystems 50 % der förderfähigen Kosten, maximal 600 Euro. Gefördert werden Systeme, die beispielsweise PV-Anlage, Stromspeicher, Wärmepumpe oder E-Auto-Ladestation intelligent vernetzen und steuern.
Dynamische Stromtarife: So gelingt der Einstieg
Wenn Sie bis hier gelesen haben, sind Sie schon mittendrin, unsere Tipps für einen guten Einstieg in dynamische Stromtarife umzusetzen:
- Informieren Sie sich zum Thema und zu den Angeboten, die Ihnen zur Verfügung stehen. Fragen Sie sich, ob Sie bereit sind, sich mit diesem Thema genauer auseinanderzusetzen.
- Nutzen Sie unseren Smart Meter Check, um einen Überblick über Ihr Verbrauchsverhalten zu bekommen.
- Überlegen Sie, ob Ihre Routinen mit einer für Sie verfügbaren Variante an flexiblen Tarif zusammenpasst. Verbrauchen Sie ohnehin dann Strom, wenn dieser ausreichend vorhanden ist? Oder können Sie Ihren Verbrauch so verändern, dass dies der Fall ist?
- Besitzen sie vielleicht schon intelligente digitale Helfer, die Ihnen das Sparen leichter machen können? Welche Automatisierungslösungen wären in Ihrem Fall sinnvoll?
Gut zu wissen: Wenn Sie sicher nachhaltigen Strom beziehen wollen, achten Sie auch bei dynamischen Tarifen darauf, dass Sie Ökostrom beziehen und Ihr Strom mit dem Österreichischen Umweltzeichen „UZ46“ zertifiziert ist. Denn nur dann ist gewährleistet, dass Ihr Strom tatsächlich aus erneuerbaren Quellen stammt.
Fazit
Dynamische Stromtarife sind eine sinnvolle Lösung, die eigenen Kosten zu senken und gleichzeitig die Energiewende zu unterstützen. Ihr Nutzen hängt jedoch von individuellen Rahmenbedingungen wie Flexibilität und technischer Ausstattung ab. Gut funktioniert das mit großen, zeitlich verschiebbaren Verbrauchern wie E-Auto oder Wärmepumpe.
Dynamische Tarife sind jedoch nicht für alle gleichermaßen interessant. Haushalte, die die zuvor genannten Punkte nicht erfüllen, sind im Normalfall mit einem Fixen Tarif oder einem Floater-Tarif besser beraten.