Smart Meter erklärt: Wie der intelligente Stromzähler funktioniert
Dreht sich in Ihrem Zählerkasten noch das Rädchen eines Ferraris-Zählers? Oder wurde bei Ihnen schon sein modernes Pendant, der Smart Meter, installiert? Ein großer Teil der österreichischen Haushalte hat bereits einen intelligenten Stromzähler. Doch noch nicht alle wissen, warum diese Umstellung nötig ist und welche Vorteile sie für Haushalte und unser Stromnetz bringt. Wir erklären es Ihnen!
Das erwartet Sie
Stromverbrauch verstehen
Durch den Smart Meter erhalten Sie detaillierte Einblicke in Ihren Stromverbrauch und können Stromfresser und Einsparpotentiale leichter erkennen.
Kosten sparen
Nutzen Sie dynamische Stromtarife und vergünstigte Netzentgelte, um Ihren Stromverbrauch gezielt in günstige Zeiten zu verlagern.
Mehr aus PV herausholen
Der Smart Meter zeigt nicht nur Ihren Stromverbrauch, sondern auch die Einspeisung Ihrer PV-Anlage. So können Sie Ihren Eigenverbrauch optimieren.
Verbreitung
Der Smart Meter ist in Österreich bereits Standard und spielt eine wichtige Rolle für die Stromversorgung der Zukunft.
Was kann der Smart Meter?
Der Hauptnutzen des elektronischen Stromzählers ist nach wie vor die Messung Ihres Stromverbrauchs. So weit kennen Sie das schon von den alten Ferraris-Zählern. Smart Meter haben jedoch noch ein paar zusätzliche Funktionen. Die Verbrauchsdaten werden automatisch tageweise an Ihren Netzbetreiber kommuniziert. Das macht eine Ablesung vor Ort überflüssig.
Für Netzbetreiber ist dieser Schritt besonders relevant. Unsere Stromnetzte müssen sich nämlich an die aktuellen Veränderungen anpassen. Sowohl der Verbrauch als auch die Erzeugung sind nicht mehr so berechenbar wie in der Vergangenheit. Zunehmend liefern nicht wenige große Kraftwerke, sondern viele dezentrale Erzeuger, vor allem PV-Anlagen, Strom. Zusätzlich verbrauchen wir, zum Beispiel im Homeoffice, nicht mehr nach den gleichen Mustern wie noch vor einigen Jahren.
Umso genauere Daten die Netzbetreiber zum Verbrauch haben, desto besser können sie die Erzeugung anpassen. So können wir uns auch in Zukunft auf ein stabiles Stromnetz verlassen. Außerdem kann der Ausbau der Netze gezielter und damit mit geringeren Kosten erfolgen.
Die E-Control erklärt die Vorteile des täglichen im Vergleich zu dem bis dahin jährlichen Datentransfer anhand eines anschaulichen Beispiels: Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Girokonto, zahlen mit der Bankomatkarte, haben Abbuchungen und Daueraufträge und erhalten Zahlungseingänge wie Ihr Gehalt oder Steuerrückzahlungen, aber Sie könnten nur einmal im Jahr auf Ihren Kontostand schauen. Dazwischen würden Sie nicht erfahren, wie viel von Ihrem Konto ab- und wie viel eingeht. Würde das dauerhaft gutgehen, ohne das Konto aus Versehen zu überziehen oder unnötig Geld schlecht verzinst dort liegen zu haben?
So ginge es Stromnetzbetreibern, die keinen Einblick in das Verbrauchsverhalten der Kund:innen bekommen. Nur dass es beim Stromnetz keinen Überziehungsrahmen gibt. Beim Stromnetz hieße die Konsequenz: Stromausfälle.
Dank Smart Meter werden Störungsbehebungen, Abrechnungen und das Ein- und Abschalten von Anlagen einfacher. Auch die Integration von dezentralen Erzeugungsanlagen, zum Beispiel PV-Anlagen, wird vereinfacht. Intelligente Stromzähler sind also ein wichtiger Baustein der Energiewende.
Smart Meter nutzen und Stromverbrauch optimieren
Der größte Vorteil für Sie liegt auf der Hand: Sie haben den Überblick über Ihren eigenen Verbrauch. Wenn Sie aktiv zustimmen (Opt-in) werden nicht nur Tageswerte, sondern Viertelstundenwerte ausgelesen. Damit haben Sie einen noch besseren und detaillierteren Einblick, wann Sie viel oder wenig Strom verbrauchen, und können so auch einfacher Stromfresser ausfindig machen.
Das Ausrollen von Smart Metern ermöglicht es Ihnen als Stromkund:in auch, dynamische Stromtarife zu nutzen. Dabei können Sie Ihren Verbrauch flexibel anpassen: Wenn viel Strom im Netz ist, profitieren Sie von niedrigen Preisen und können mit etwas Liebe zum Detail eine Menge an Stromkosten einsparen. Wie genau das funktioniert und was Sie beachten sollten, haben wir in unserem Artikel zu dynamischen Tarifen zusammengefasst.
Bei den Netzentgelten können Sie mit Hilfe das Smart Meters noch einfacher sparen. Mit dem Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP) werden Ihre Netzkosten im entsprechenden Zeitraum quasi automatisch gesenkt. Die einzige Voraussetzung dafür ist, dass Sie das „Opt-in“ nutzen, also die Zustimmung zu Viertelstundenwerten. Dann erhalten Sie von April bis September jeweils von 10:00 bis 16:00 Uhr einen um 20 Prozent vergünstigten Netzarbeitspreis. Das dient als Anreiz, den Stromverbrauch in die Zeit zu verschieben, in der viel Sonnenstrom produziert wird. Es kann sich also auszahlen, die Nutzung von Geräten wie Geschirrspüler, Waschmaschine, Trockner oder Elektroherd in diesen Zeitraum zu legen.
Energiemanagementsysteme: Energieverbrauch intelligent optimieren
Energiemanagementsysteme (EMS) können im Haushalt zu verschiedenen Zwecken eingesetzt werden. Das Anwendungsfeld reicht von Lastmanagement über die Optimierung des Zusammenspiels von PV-Anlage und Speicher bis hin zur intelligenten Steuerung einzelner Verbraucher wie Wärmepumpe oder Wallbox. Für viele dieser Anwendungen ist die Schnittstelle zum Smart Meter wichtig. Bei der Nutzung der bereits erwähnten dynamischen Stromtarife kann ebenfalls ein EMS im Zusammenspiel mit dem Smart Meter hilfreich sein. Es kann erkennen, wann günstiger Strom verfügbar ist, und dementsprechend Verbraucher steuern.
Smart Meter Check: So können Sie Ihre Smart-Meter-Daten analysieren
Grundsätzlich können Sie Ihre Verbrauchsdaten im Webportal Ihres Netzbetreibers abrufen. Mit unserem Online-Analyse-Tool „Smart Meter Check“ wird es nun noch leichter für Sie, Ihre Daten genauer in den Blick zu nehmen. Es wertet Ihre Smart-Meter-Daten aus, visualisiert sie und zeigt Ihnen, an welchen Stellschrauben Sie drehen können, um Einsparpotenziale zu nutzen. Zunächst lernen Sie Ihren Verbrauch näher kennen und können diesen mit den eigenen Vorjahren sowie Durchschnittsverbräuchen vergleichen. Anschließend können Sie effizienter mit Ihren Haushalts- und Elektronikgeräten umgehen und so Ihre Stromkosten senken.
In übersichtlichen Grafen zeigen wir Ihnen unter anderem, wo Ihre Verbrauchsspitzen sind, wie hoch ihr Grundverbrauch ist und wie sich ihr Verbrauchsverhalten verändert hat. Das macht es für Sie leicht, Stromfresser zu identifizieren und herauszufinden, ob Stromsparmaßnahmen wirksam sind.
Smart Meter und Photovoltaik: Solarstrom intelligent nutzen
Ein intelligenter Stromzähler kann nicht nur messen, wie viel Strom Sie aus dem Netz entnehmen, sondern auch, wie viel Strom ihre PV-Anlage einspeist. Diese Daten können Sie verwenden, um Ihren Eigenverbrauch zu erhöhen, das Potenzial Ihrer Anlage auszuschöpfen und Kosten zu sparen. Nebenbei leisten Sie so auch noch einen Beitrag zur Netzstabilität. Am effektivsten gelingt dies mit der Hilfe eines Batteriespeichers. Sie können Strom, der in Zeitfenstern mit viel Erzeugung (meist mittags) gewonnen wird, entweder selbst später nutzen oder dann ins Netz einspeisen, wenn der Bedarf groß ist (meist abends).
Smart Meter in Österreich: Das sollten Haushalte jetzt wissen
In Österreich ist das Roll-out der Smart Meter in Privathaushalten beinahe abgeschlossen. Ende 2024 waren schon 97 Prozent der österreichischen Haushalte mit einem Smart Meter ausgerüstet. Für Fragen zum Smart Meter ist Ihr Netzbetreiber zuständig. Er kann Ihnen Auskunft darüber geben, ob bei Ihnen ein intelligenter Stromzähler installiert wurde. Wenn Sie einen Smart Meter verlangen, muss der Netzbetreiber diesen innerhalb von zwei Monaten einbauen.
Gut zu wissen: Den Netzbetreiber können Sie sich im Gegensatz zum Stromanbieter nicht aussuchen. Dieser steht fest und ist abhängig davon, wo Sie wohnen. Wer ihr Netzbetreiber ist, finden Sie auf Ihrer Stromrechnung oder durch eine kurze Internetrecherche.
Standardmäßig wird bei Smart Metern lediglich der tägliche Gesamtverbrauch an den Netzbetreiber übermittelt. Detaillierte Viertelstundenwerte werden nur ausgelesen, wenn Sie ausdrücklich zustimmen (Opt-in).
Aufgrund der Vorgaben im Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) wird schrittweise das Viertelstunden-Intervall zum Standard für alle Haushalte. Das ist notwendig, um eine verlässliche Grundlage für Planung, Steuerung und Optimierung des Verteilnetzes zu garantieren. Mit der automatischen Umstellung profitieren Sie in Zukunft ohne Aufwand für Sie vom bereits erwähnten Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP).
Sie haben jedoch dann die Möglichkeit zum Opt-out, das heißt, Sie können die Speicherung und Übertragung von Tages- oder Viertelstundenwerten ihres Haushalts untersagen. In diesem Fall werden nur die Monatswerte und der höchste Viertelstundenleistungswert gemessen und übermittelt. Diese bleiben für 15 Monate am Gerät gespeichert. Unter gewissen Umständen haben Sie kein Recht auf Opt-out. Das ist der Fall, wenn Sie einen dynamischen Stromtarif beziehen, Teil einer Energiegemeinschaft sind, ein meldepflichtiges Gerät wie Wärmepumpe, E-Ladestation, Batteriespeicher oder eine Erzeugungsanlage besitzen oder wenn Sie Strom über eine Direktleitung oder eine Vorauszahlungsfunktion (Prepayment-Funktion) beziehen.
Intelligente Stromzähler und Datenschutz: Datensicherheit und Kosten im Überblick
Viele Menschen haben beim Smart Meter Bedenken, ob ihre Daten mit der neuen Technologie sicher sind. Diese Sorge ist verständlich, aber unbegründet. Die Stromverbrauchsdaten unterliegen in Österreich der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Sie dürfen vom Netzbetreiber nur zu den vorgesehenen Zwecken verwendet werden, vor allem für Abrechnung und Netzbetrieb. Diese Zwecke sind im Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) genau festgeschrieben. Außerdem wird hier vorgeschrieben, dass die Geräte und ihre Kommunikation nach dem Stand der Technik verschlüsselt sein müssen. Der Netzbetreiber muss also Sicherheitsmaßnahmen treffen, die verhindern, dass Dritte auf die Daten zugreifen können.
Wie bei anderen Stellen, die Ihre Daten verarbeiten, haben Sie auch in diesem Fall zusätzlich ein Auskunftsrecht gegenüber Ihrem Netzbetreiber. Dieser muss Ihnen auf Ihre Anfrage hin offenlegen, welche Daten zu Ihrer Person verarbeitet werden.
Auch wenn Sie gesundheitliche Bedenken in Hinsicht auf Smart Meter haben, können wir Sie beruhigen. In Österreich gibt es Grenzwerte für elektromagnetische Strahlung und Smart Meter liegen weit darunter. Außerdem wird der Smart Meter, im Gegensatz zu Handys und anderen Geräten, nicht nahe am Körper betrieben. Die Funkverbindung wird außerdem nur einmal pro Tag aufgebaut. Nach aktuellem Wissenstand kann man sich also sicher sein, dass von Smart Metern keine Gefährdung für Personen mit Herzschrittmachern und ähnlichen Geräten besteht. Laut E-Control entspricht die zusätzliche Belastung durch Elektrosmog etwa einem zusätzlich gesendeten SMS pro Tag. Die Installation und der Betrieb des Smart Meters sind für Sie mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden.
Smart Meter im Haushalt: Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick
Smart Meter helfen Ihnen, Ihren eigenen Stromverbrauch besser einzuordnen. Sie vereinfachen die Abrechnung und schaffen die Grundlage für neue Möglichkeiten wie dynamische Stromtarife oder intelligente Energiemanagementsysteme. Außerdem helfen sie dabei, die Stromnetze für die Energiewende fit zu machen. Für Haushalte bieten sie mehr Transparenz und die Chance, den eigenen Energieverbrauch besser zu verstehen und gezielt zu optimieren.
Probieren Sie es gleich aus: Melden Sie sich im Portal Ihres Netzbetreibers und zusätzlich beim Smart Meter Check an und schauen Sie sich um. Können Sie herausfinden, wie hoch Ihre Grundlast beziehungsweise Ihr Grundverbrauch ist? Oder an welchen Tagen Sie zu welchen Zeiten tendenziell am meisten Strom verbrauchen? Vielleicht kommen Sie ja sogar einem heimlichen Stromfresser auf die Spur.