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Stimmen aus der Praxis

Klimarisiken: Worauf Sie bei Versicherung und Vorsorge achten sollten

Starkregen, Hochwasser und Hagel nehmen zu, und damit auch die Risiken für Ihr Zuhause. Doch was deckt Ihre Versicherung wirklich ab? Und welche Maßnahmen schützen Ihr Gebäude am besten? Ein Experte aus der Praxis erklärt, worauf es jetzt ankommt und wie Sie Schäden vermeiden können.

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Stimmen aus der Praxis

Im Interview spricht Georg-A. Gridling von der Tiroler Versicherung  darüber, wie Versicherungen heute Klimarisiken bewerten und was das für Sie als Haushalt bedeutet. Er erklärt, warum Starkregen und Hochwasser zunehmend zum Risiko werden, welche Schäden nicht immer vollständig gedeckt sind und worauf Sie bei Ihrer Versicherung achten sollten. Außerdem zeigt er, mit welchen konkreten Maßnahmen Sie Ihr Zuhause besser vor Extremwetter schützen können.

Wie bewerten Versicherungen heute Klimarisiken und was hat sich dabei in den letzten Jahren für Sie und die Kund:innen verändert? 

Klimarisiken werden heute wesentlich genauer, lokaler und datenbasierter bewertet als noch vor einigen Jahren. Neben bisherigen Schadenerfahrungen spielen inzwischen Gefahrenzonenpläne, Starkregenkarten, Hochwasserdaten sowie Klimaszenarien und -prognosen eine immer größere Rolle. Diese Grundlagen werden laufend präzisiert und dürften mittelfristig auch einen stärkeren Einfluss auf Risikobewertung und Tarifgestaltung haben.

In der Praxis zeigt sich diese Entwicklung in mehreren Bereichen: 

  • In der Schadenbearbeitung liegt der Fokus stärker auf schnellen Erstmaßnahmen, klaren Abläufen und Prozessen, die auch bei größeren Schadenereignissen funktionieren. 
  • In der Risikoprüfung werden Standortdaten, Gefahrenzonen und laufend aktualisierte Informationen stärker einbezogen. 
  • Und in der Kundenberatung geht es zunehmend darum, Deckungsgrenzen transparent zu erklären und gleichzeitig für wirksame Präventionsmaßnahmen zu sensibilisieren.

Insbesondere die Risiken durch Starkregen und Hochwasser nehmen insgesamt zu. Gleichzeitig sind Klimarisiken zunehmend lokal geprägt und damit oft schwerer kalkulierbar. Für Kund:innen bedeutet das, dass die Beratung konkreter wird. Es geht nicht mehr nur um die Frage, ob ein Gebäude grundsätzlich versichert ist, sondern auch darum, welchen Risiken ein bestimmter Standort tatsächlich ausgesetzt ist und welche Maßnahmen sinnvoll sind.

Aus Gebäudesicht ist das eine wichtige Entwicklung. Denn die Widerstandsfähigkeit eines Gebäudes hängt stark von seinem baulichen Zustand und vorausschauender Instandhaltung ab. Dach, Fassade, Keller, Entwässerung, Fenster sowie Rückstau- und Abdichtungssysteme entscheiden oft darüber, ob ein Extremwetterereignis zu einem großen Schaden führt oder gut beherrschbar bleibt.

Positiv ist, dass Versicherungsschutz und Prävention dadurch stärker gemeinsam gedacht werden. Was in der Gebäudebewirtschaftung seit Langem klar ist, kommt nun auch breiter an. Eine vorausschauende Instandhaltungsstrategie ist wirksamer und wirtschaftlicher als eine Reaktion auf Schäden oder eine anlassbezogene Kontrolle. Im besten Fall werden Schäden nicht nur rasch abgewickelt, sondern durch gute Beratung, passende Vorsorge und klimafitte Gebäude von vornherein vermieden oder deutlich reduziert.

Hat sich das Risikobewusstsein der Menschen in den letzten Jahren verändert? Wenn ja, woran machen Sie es fest?

Viele Menschen haben Starkregen, Hagel, Sturm oder lokale Überflutungen selbst erlebt oder kennen Betroffene im eigenen Umfeld. Dadurch ist das Thema deutlich näher an den Alltag gerückt. 

Gleichzeitig bleibt das Bewusstsein oft ereignisgetrieben. Nach Großereignissen steigt die Nachfrage nach Absicherung zwar meist kurzfristig deutlich an, nimmt jedoch ebenso rasch wieder ab. Nach einem Unwetter wird viel über Versicherungsschutz, Kellerabdichtung, Rückstau oder Schäden durch eindringendes Wasser gesprochen. Einige Wochen später tritt das Thema jedoch häufig wieder in den Hintergrund.

In der Beratung kommt es daher besonders darauf an, den Zusammenhang zwischen Starkregenereignissen und der Gefahr durch Oberflächenwasser verständlich und nachvollziehbar zu vermitteln. Gerade dieses Risiko wird häufig unterschätzt. Wasser gelangt nicht nur aus Flüssen oder Bächen, sondern auch über Straßen, Hänge, Einfahrten, Lichtschächte oder überlastete Entwässerungssysteme zum Gebäude.

Bei Gebäuden liegt darin ein wichtiger Ansatzpunkt. Klimarisiken sollten nicht erst nach einem Schaden, sondern bereits bei jeder größeren Instandhaltung oder Sanierung berücksichtigt werden. Wer Sanierungen vorausschauend plant, kann Schutzmaßnahmen meist einfacher und wirtschaftlicher integrieren und das Gebäude so Schritt für Schritt robuster, sicherer und zukunftsfähiger machen.

Entscheidend ist, aus kurzfristiger Betroffenheit dauerhaftes Vorsorgehandeln zu machen und das Wissen über Risiken in konkrete, umsetzbare Maßnahmen am Gebäude zu übersetzen.

Gibt es Fälle, in denen klimabedingte Schäden nicht oder nur teilweise gedeckt sind? Was steckt dahinter und worauf ist zu achten?

Ja, solche Fälle gibt es. Nicht jede Gefahr ist automatisch oder in voller Höhe versichert. Vor allem bestimmte Naturgefahren wie Überschwemmung, Vermurung, Lawinen oder Erdbeben sind betroffen. Diese sind meist nur bis zu begrenzten Höchstentschädigungen abgesichert und oft mit Selbstbehalten verbunden. Teilweise sind sie auch gar nicht im Vertrag enthalten.

Demgegenüber sind Sturm und Hagel in der Regel mit der vollen Versicherungssumme gedeckt, sofern sie versichert sind. Es ist daher wichtig, genau zu unterscheiden, welche Gefahr konkret vorliegt und wie sie im Vertrag definiert ist.

Besonders deutlich wird das bei Wasserschäden. Ein Leitungswasserschaden ist etwas anderes als ein Schaden durch Hochwasser, Oberflächenwasser, Rückstau oder Grundwasser. Schäden, die außerhalb klar definierter versicherter Ereignisse entstehen, etwa durch Grundwasser, sind in der Regel nicht versicherbar. Gerade bei Starkregen kommt es jedoch häufig zu Schäden, da Wasser über Lichtschächte, Kellerabgänge, Garageneinfahrten oder überlastete Entwässerungssysteme ins Gebäude eindringt.

Der Hintergrund liegt in der begrenzten Versicherbarkeit bestimmter Extremwetterrisiken. Durch den Klimawandel intensivierte Ereignisse sind oft schwer kalkulierbar, treten gehäuft auf und betreffen häufig viele Gebäude gleichzeitig. Um ihre finanzielle Stabilität zu sichern, arbeiten Versicherungen daher mit Deckungsgrenzen, insbesondere bei Überschwemmungen. Dies ist ein im österreichischen Markt übliches Modell.

Für Haushalte ist es entscheidend, den eigenen Versicherungsschutz genau zu prüfen. Welche Gefahren sind abgedeckt? Welche Limits und Selbstbehalte gelten? Wo bestehen mögliche Lücken? Und passt der Schutz tatsächlich zum Standort und zum Gebäude?

„Ein guter Versicherungsschutz ist wichtig, ersetzt aber keine vorausschauende Instandhaltung und keine sinnvolle Sanierungsstrategie. Wer bekannte Schwachstellen am Gebäude reduziert, senkt nicht nur das Schadenrisiko, sondern verbessert auch die Ausgangslage im Ernstfall.”

Welche Informationen oder Vorkehrungen helfen den Versicherungen, Schäden schneller und reibungsloser abzuwickeln? Wie können Haushalte dabei unterstützen?

Eine rasche und vollständige Schadenmeldung ist sehr hilfreich. Aussagekräftige Fotos und Videos, eine Beschreibung des Schadenhergangs, eine Aufstellung der beschädigten Gebäudeteile oder Gegenstände sowie – wenn vorhanden – Rechnungen, Pläne, Wartungsnachweise oder frühere Sanierungsunterlagen sind wichtig.

Haushalte können außerdem helfen, indem sie nach einem Schaden rasch Sofortmaßnahmen ergreifen, um Folgeschäden zu vermeiden. Dazu gehört beispielsweise das Abpumpen von Wasser, das Sichern gefährdeter Bereiche oder das provisorische Abdichten beschädigter Stellen. Wichtig ist aber, größere Reparaturen oder Wiederherstellungsarbeiten vorab mit der Versicherung abzustimmen.

Mein Rat lautet daher: Sichern, dokumentieren, melden und dann gemeinsam mit der Versicherung und Fachleuten die nächsten Schritte planen.

Welche Maßnahmen senken aus Ihrer Sicht das Risiko von klimabedingten Schäden am effektivsten? Nennen Sie uns bitte Ihre „Top 3 Maßnahmen“, die Sie jedem Haushalt empfehlen würden.

Meine Top 3 Maßnahmen wären:

1. Bauliche Schutzmaßnahmen setzen und laufende Instandhaltung

Der wirksamste Schutz liegt in präventiven baulichen Maßnahmen. Viele Schäden entstehen, weil Wasser unkontrolliert ins Gebäude eindringt. Daher sind funktionierende Dachrinnen, ausreichende Entwässerung, geschützte Lichtschächte, dichte Kelleröffnungen, Rückstauklappen und funktionierende Drainagesysteme besonders wichtig. Auch Garageneinfahrten, Kellerabgänge und tieferliegende Eingänge sollten kritisch geprüft werden.

Entscheidend ist dabei nicht nur die Installation solcher Schutzmaßnahmen, sondern auch deren regelmäßige Wartung und Überprüfung. Eine Rückstauklappe, die nicht gewartet wird, hilft im Ernstfall wenig. Hagelschutz, robuste Dach- und Fassadenlösungen sowie gut gewartete Fenster und Türen können ebenfalls dazu beitragen, Schäden deutlich zu reduzieren.

2. Sanierungen klimafit planen und bei Unwetter aktiv vorsorgen

Ein gut erhaltenes Gebäude ist deutlich widerstandsfähiger. Entscheidend ist, Sanierungen nicht nur als Reparatur einzelner Bauteile zu betrachten, sondern sie als Chance zu nutzen, um das Gebäude insgesamt robuster und zukunftsfähiger zu machen. Wenn ohnehin investiert wird, lassen sich viele Maßnahmen sinnvoll kombinieren, beispielsweise hagelresistente Materialien, sommerlicher Wärmeschutz, eine bessere Regenwasserführung oder mobile Hochwasserschutzsysteme.

Zusätzlich ist es wichtig, bei Unwetterwarnungen vorsorglich zu handeln. Vor angekündigten Unwetterereignissen sollten Fenster und Türen geschlossen, Markisen eingefahren und Gartenmöbel, Sonnenschirme oder andere lose Gegenstände gesichert werden. Das Abonnieren und ernsthafte Beachten von Unwetterwarnungen ist eine einfache, aber sehr wirkungsvolle Maßnahme. In gefährdeten Lagen können vorbereitete Sandsäcke oder mobile Schutzsysteme sinnvoll sein.

3. Standort- und Risikodaten aktiv nutzen

Jeder Haushalt sollte wissen, welchen Risiken das eigene Gebäude ausgesetzt ist. Befindet es sich in Hanglage? Besteht Gefahr durch Oberflächenwasser? Gibt es Berichte über frühere Überflutungen? Wie verlaufen die Wasserwege am Grundstück? Auch alte Flur- oder Straßennamen können Hinweise geben: Bezeichnungen wie „Au“, „Bach“, „Moor“ oder „Graben“ deuten häufig auf frühere Wasserläufe, Feuchtgebiete oder Geländevertiefungen hin. Bereits bei der Planung, Sanierung und bei größeren Instandhaltungsmaßnahmen sollten Geländedaten und hydrologische Gegebenheiten berücksichtigt werden.

Gefahrenzonenpläne, Starkregenkarten, lokale Erfahrungen und Informationsangebote helfen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und baulich zu berücksichtigen. Praxisnahe Empfehlungen und Informationen sind beispielsweise auf der Plattform www.extremwetterfest.tirol gebündelt und leicht zugänglich.

Diese drei Punkte zeigen: Prävention beginnt oft mit einfachen Fragen und klaren Prioritäten. Das Ziel muss sein, Schäden durch Extremwetterereignisse möglichst zu vermeiden oder zumindest deutlich zu reduzieren. Wer sein Gebäude gut kennt, es regelmäßig betreut und Sanierungen klimafit plant, macht sein Zuhause langfristig sicherer und widerstandsfähiger.

Was braucht es aus der Perspektive der Versicherungen, um Klimawandelanpassung und Schadensprävention besser zusammenzudenken? 

Vor allem braucht es ein gemeinsames Verständnis für das tatsächliche Schadenpotenzial. Klimawandelanpassung, Versicherung und Gebäudesanierung hängen eng miteinander zusammen. Versicherungen können Schäden abfedern, doch die beste und wirtschaftlich sinnvollste Lösung ist es immer, Schäden möglichst zu vermeiden.

In der praktischen Umsetzung sind dafür drei Faktoren wichtig: eine gemeinsame Datenbasis, klare Rahmenbedingungen in der Bau- und Raumplanung sowie ein stärkeres Bewusstsein für Prävention.

Eine gemeinsame Datenbasis bedeutet, dass die öffentliche Hand, Versicherungen, die Immobilienbranche, Planer:innen sowie Haushalte möglichst auf verständliche und aktuelle Informationen zugreifen können. Daten zu Hochwasser, Starkregen, Hangwasser, Gefahrenzonen oder lokalen Schadenereignissen helfen dabei, Risiken fundiert einzuschätzen. Nur wenn Eigentümer:innen ihre Risiken kennen, können sie richtige Entscheidungen treffen.

Genauso wichtig sind verbindliche Bau- und Raumplanung. Klare Vorgaben helfen dabei, Risiken frühzeitig zu berücksichtigen und Schäden langfristig zu vermeiden – etwa bei der Standortwahl, bei Neubauten, aber auch bei Sanierungen und größeren Instandhaltungen.

Der dritte Punkt ist das Bewusstsein für Prävention. Schäden im Nachhinein zu reparieren ist in der Regel teurer und belastender, als sie durch geeignete Maßnahmen von vornherein zu reduzieren. Deshalb sollte Eigenvorsorge aktiv unterstützt werden. Dies kann durch gute Beratung, verständliche Informationen und konkrete Empfehlungen erfolgen, welche Maßnahmen am jeweiligen Gebäude sinnvoll sind.

Aus meiner Sicht ist es besonders wichtig, Klimawandelanpassung konsequent in Sanierungsentscheidungen zu integrieren. Wenn ein Wohngebäude modernisiert wird, sollte neben der Energieeffizienz auch der Schutz vor Starkregen, Hagel, Hitze und Sturm berücksichtigt werden.

Bei unseren Bauvorhaben setzen wir daher bereits in der Planungsphase auf eine Klimawirkungs- und Risikoanalyse, auch „Klimarisikoausweis“ genannt. Damit können standortbezogene Risiken frühzeitig erkannt und die abgeleiteten Anpassungsmaßnahmen direkt in die Sanierung integriert werden.

„Mit dem Klimarisikoausweis entstehen Gebäude, die langfristig sicherer, komfortabler und werthaltiger sind. Schadensprävention sollte daher nicht als Zusatzaufwand, sondern als fester Bestandteil einer guten, zukunftsorientierten Gebäudestrategie verstanden werden.”

Wo stoßen Versicherungen schon jetzt und in Zukunft im Umgang mit Klimarisiken an ihre Grenzen und wie wirkt sich das auf Haushalte aus?

Versicherungen stoßen im Umgang mit Klimarisiken an ihre Grenzen, wenn Risiken sehr groß, sehr häufig oder nur schwer kalkulierbar sind. Betroffen sind vor allem extreme Kumulereignisse, also Ereignisse, bei denen viele Versicherte gleichzeitig betroffen sind. Beispiele hierfür sind großflächige Überschwemmungen, extreme Starkregenereignisse oder schwere Sturm- und Hagelserien.

Versicherungsschutz ist wichtiger denn je. Ein vollständiger Schutz gegen alle Risiken ist jedoch nicht in jeder Situation darstellbar. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Versicherungsunternehmen nur ein begrenztes Risiko selbst tragen können und dürfen, um ihre finanzielle Stabilität sicherzustellen. Zur Risikoverteilung sind sie daher auch auf andere Versicherer und Rückversicherer angewiesen. Mit zunehmender Größe und Häufung von Risiken wird diese Absicherung jedoch schwieriger und kostenintensiver.

Vor diesem Hintergrund gewinnen klare Risikobewertungen, Entschädigungsgrenzen und Präventionsmaßnahmen für Versicherungen und Versicherte gleichermaßen an Bedeutung.

Für Haushalte bedeutet das: Sie dürfen sich nicht nur auf die Police verlassen. Der eigene Gebäudeschutz wird immer wichtiger. Ein gut saniertes, gewartetes und an den Standort angepasstes Gebäude hat eine bessere Chance, Extremwetter zu überstehen oder Schäden zumindest deutlich zu reduzieren.

Ich sehe darin auch eine positive Entwicklung: Klimafitte Gebäude werden an Wert gewinnen. Wer heute in Sanierung, Instandhaltung und Vorsorge investiert, schützt somit nicht nur sein Zuhause, sondern auch sein Immobilienvermögen langfristig.

Worauf sollte jeder Haushalt bei der Versicherungswahl achten, um möglichst gut vor Klimarisiken geschützt zu sein?

Zunächst sollte jeder Haushalt prüfen, welchen konkreten Risiken der eigene Standort und das eigene Gebäude ausgesetzt sind. Anschließend sollte der Versicherungsschutz darauf abgestimmt werden. Wichtig ist, dass Elementar- und Naturgefahren wie beispielsweise Sturm, Hagel, Erdrutsch, Überschwemmung oder Vermurung ausdrücklich im Versicherungsschutz berücksichtigt sind, sofern diese Risiken für den jeweiligen Standort relevant sind.

Ebenso entscheidend sind ausreichend hohe Versicherungssummen. Diese sollten den tatsächlichen Wert von Gebäude und Inventar realistisch widerspiegeln. Besonders achten sollte man auch auf Höchstentschädigungen, Selbstbehalte und klare Regelungen im Schadenfall. Nur wer diese Punkte kennt, weiß im Ernstfall, womit tatsächlich zu rechnen ist.

Ein weiterer Punkt ist die regelmäßige Aktualisierung der Police. Dies ist besonders nach Umbauten, Sanierungen oder größeren Investitionen in das Gebäude wichtig. So wird sichergestellt, dass der Versicherungsschutz dem aktuellen Bedarf entspricht und Sie auch von Weiterentwicklungen bei Produkten und Deckungen profitieren.

Aus meiner Erfahrung ist eine Kombination aus gutem Versicherungsschutz und praktischer Vorsorge am eigenen Gebäude die beste Lösung. Wer sein Haus gut kennt, mögliche Schwachstellen rechtzeitig erkennt und den Versicherungsschutz regelmäßig überprüft, ist deutlich besser vorbereitet.

Grundsätzlich sollte sich jeder Haushalt die folgenden Fragen stellen:

  • Welche konkreten Risiken betreffen meinen Standort und mein Gebäude?
  • Sind diese Gefahren in meiner Polizze ausreichend abgedeckt?
  • Passen Versicherungssummen und Höchstentschädigungen zum tatsächlichen Wert von Gebäude und Inventar?
  • Welche baulichen Maßnahmen kann ich setzen, um Schäden zu vermeiden?

Eine bewusste Auseinandersetzung mit diesen Punkten bildet die Basis für einen wirksamen Schutz vor den Folgen des Klimawandels. So wird die Versicherung nicht nur als Absicherung nach einem Schaden, sondern als Teil einer umfassenden Vorsorgestrategie für ein sicheres und zukunftsfähiges Wohngebäude verstanden.

Georg-A. Gridling, MBA ist Leiter des Bereichs Immobilien bei der TIROLER VERSICHERUNG V.a.G. und spezialisiert auf Sanierung, EU-Taxonomie sowie Naturgefahren und Klimawandelanpassung bei Wohngebäuden. Als allgemein gerichtlich zertifizierter Sachverständiger im Fachgebiet Versicherungen, konkret für Bewertung und Entschädigungsberechnung für Gebäude und Bauwerke, verbindet er bautechnische Erfahrung mit versicherungsfachlichem Know-how.

Sein Schwerpunkt liegt auf der zukunftsorientierten Bewertung, Sanierung und Weiterentwicklung von Wohngebäuden – mit dem Ziel, Immobilien langfristig sicherer, widerstandsfähiger und nachhaltiger zu machen.

 

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