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Stimmen aus der Praxis: Wie Repair Cafés kaputte Geräte retten

Der Toaster gibt plötzlich den Geist auf, die Kaffeemaschine funktioniert nur noch, wenn man sie ganz vorsichtig anstößt oder der alte Plattenspieler bleibt auf einmal stumm. Solche Momente kennen viele. Oft ist der Weg zum Müll leider schneller als eine Lösung. Dabei ließe sich vieles mit ein wenig Know-how und Geduld reparieren. Das Interview zeigt, wie Repair Cafés genau hier ansetzen: als offene Orte, an denen gemeinsam repariert wird – kostenlos, ohne Kaufzwang und mit Zeit für das, was Dinge wirklich wertvoll macht.

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Stimmen aus der Praxis 

Im Interview spricht Wolfgang von Rüden, Mitbegründer des Repair Teams, über die Motivation, einen Verein zur Veranstaltung von Repair Cafés zu gründen. Er erklärt, was Menschen dort erwartet und warum es sich lohnt, mit einem kaputten Gerät vorbeizuschauen.

Was war der Moment, in dem Sie gemerkt haben: „Ich möchte ein Repair Café starten“?

„Im Sommer 2021 bin ich im Internet auf die Initiative von Martine Postma gestoßen, die diese Aktivität bereits 2007 ins Leben gerufen hat. Daraufhin habe ich ab Herbst 2021 in einer privaten Organisation ein Repair Café gestartet, bei dem wir mit vier bis fünf Gleichgesinnten angefangen haben. Dann hat uns die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im November 2022 hat das HappyLab ein Repair Café ins Leben gerufen, bei dem ich von Anfang an mit dabei war. Anfangs waren wir nur zwei Helfer, bald wuchsen wir jedoch auf fünf. Inzwischen sind wir fast 30 Leute und arbeiten an sieben Standorten.“ 

Wie läuft ein typischer Tag im Repair Café ab? Welche Geräte sind die häufigsten? Wie funktioniert die Beschaffung und Bereitstellung von Ersatzteilen? 

„Einige von uns sind eine halbe Stunde vor Beginn vor Ort, um den Raum vorzubereiten. Wir installieren den Empfang sowie Stromverteiler, Arbeitslampen und Spezialwerkzeuge. Danach sind wir zwischen sieben und zehn Mitarbeiter. Die ersten Besucher kommen oft schon eine Viertelstunde vor Beginn, die letzten bis zu einer halben Stunde vor Ende. Für jedes mitgebrachte Gerät muss ein Zettel ausgefüllt werden, auf dem neben den Informationen zum/zur Besucher:in auch die Gerätedaten und der Reparaturverlauf dokumentiert werden. Das ist auch Bedingung für die Versicherung durch Helvetia. Danach wird gemeinsam repariert, möglichst unter aktiver Beteiligung der Gäste.

Wir stellen häufig gebrauchte Ersatzteile zur Verfügung, aber oft müssen spezielle Ersatzteile bestellt werden. Diese suchen wir gemeinsam heraus, bestellt werden sie vom Gerätebesitzer. Wenn wir die Ersatzteile beisteuern, werden sie vom Besucher bezahlt.

Unsere Gastgeber stellen uns den Raum zur Verfügung und sorgen für Kaffee und Kuchen, um unseren Besuchern die Wartezeit zu verkürzen. An dieser Stelle möchte ich mich dafür bedanken, denn ohne diese Unterstützung wären unsere Repair Cafés nicht denkbar.

Im vergangenen Jahr waren Audio-/Video-/HiFi-Geräte und Küchengeräte mit jeweils 25 % die Renner.“

Gibt es ein repariertes Gerät, an das Sie sich besonders gern erinnern und warum?

„Es sind entweder besonders alte Geräte, wie z.B. ein Röhrenradio von 1942, oder Spielzeuge, an denen ein Kind besonders hängt. Dazu fällt mir ein einfacher MP3-Player ein, der einem Jungen gehörte, dem die Enttäuschung anzusehen war. Er war sehr unglücklich, weil er nicht mehr seine gewohnten Musikstücke hören konnte. Auf dem Markt gab es das Gerät nicht mehr, das hatten seine Eltern schon versucht, aber ich konnte das defekte Teil finden und die Reparatur erfolgreich beenden.“

Merken Sie, dass sich bei Ihren Besucher:innen langfristig etwas verändert? 

„Schwer zu sagen. Zwar bekommen wir immer mehr Zulauf, für eine so große Stadt wie Wien bleibt es aber überschaubar. Wenn ich Leute auf das Thema „Repair Café” anspreche, wissen die meisten nicht, dass es so etwas gibt. Sie finden die Idee aber gut und kommen dann auch. Es spricht sich nur langsam herum. Allerdings haben wir inzwischen auch einige sehr treue Besucherinnen und Besucher, die regelmäßig an mehreren Standorten vorbeischauen. Sie haben vermutlich einen großen Speicher und haben über Jahre hinweg alles gesammelt, auch wenn es kaputt war. Es wäre gut, etwas mehr gezielte Werbung für Repair Cafés zu machen, auch wenn wir dadurch einen hohen Andrang riskieren.“

„Ein Repair Café ist eine coole Einrichtung mit angenehmer Atmosphäre, offen für alle und zudem noch nützlich.”

Wo stoßen Repair Cafés an Grenzen – technisch, finanziell, zeitlich oder strukturell?

Technisch: Manchmal fehlen technische Unterlagen, Geräte sind nicht zu öffnen oder von schlechter Qualität. Das trifft auf ältere Geräte sehr selten zu. Die meisten Geräte sehen wir zum ersten Mal. Das ist einerseits interessant, andererseits aber auch eine Herausforderung, da wir uns immer zuerst einarbeiten müssen. Da ist der Rat eines Kollegen oft hilfreich. Wir nutzen vermehrt Informationen aus dem Internet. Die ersten KI-Bots sind inzwischen zugänglich, und wir verdanken so manchen Reparaturerfolg der Tatsache, dass viele eifrige Experten ihre Erfahrungen in Form von Videos dokumentieren.

Finanziell: Das ist problemlos möglich. Unsere Gastgeber übernehmen einen Teil der Werbung, stellen uns die Räumlichkeiten einmal pro Monat kostenlos zur Verfügung und bieten Kaffee und Kuchen an. Wir bekommen außerdem einen Kasten für unsere Ausstattung. Die Kosten für Ausstattung und Verbrauchsmaterial können aus den freiwilligen Spenden gedeckt werden. Da wir alle strikt als Freiwillige arbeiten, entstehen keine Personalkosten und auch keine Spesen.

Zeitlich: Unsere Repair Cafés dauern drei Stunden. Das reicht meist für mehrere Reparaturen pro Helfer. Es gibt jedoch auch schwierige und zeitraubende Fälle, allen voran Kaffeemaschinen, bei denen allein das Öffnen langwierig sein kann. Für manche Reparaturen ist eine ruhige Umgebung erforderlich und es werden komplexe Messgeräte benötigt, die wir nicht vor Ort haben. In solchen Fällen nehmen wir das Gerät auch schon einmal mit nach Hause.

Strukturell: In den letzten drei Jahren haben wir viel dazugelernt. Unsere Organisation wird ständig angepasst und wir treiben die Digitalisierung voran. Da unser Team inzwischen fast 30 Personen umfasst, werden wir unsere Struktur anpassen, um möglichst viel Zeit für Reparaturen zu haben und den Organisationsaufwand zu minimieren."

„Ein Versuch lohnt sich immer. Sie riskieren nichts, alle sind willkommen. Sie sehen aus nächster Nähe, wie eine Reparatur vor sich geht. Sie fassen mit an, auch ohne oder mit geringer Erfahrung. Wir sind für Sie da, mit viel Geduld und dem Wunsch, Ihr gutes Stück wieder zum Laufen zu bringen. Und wenn es nicht erfolgreich ist, konnten Sie zumindest verstehen, weshalb es nicht geklappt hat.”

DasRepair Team, das auch Teil des Reparaturnetzwerks Wien ist, vereint Gleichgesinnte, die einen Teil ihrer Freizeit in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Sie wollen helfen, den Berg des Elektroschrotts abzubauen. Die Zufriedenheit der Besucherinnen und Besucher ist ihr Dank. Sie freuen sich stets dazuzulernen – von den Gästen, voneinander und durch das Entdecken neuer Apparate und manchmal mysteriöser Fehler.

Zum Interview-Partner: 

Wolfgang von Rüden hat in Physik promoviert und fast sein gesamtes Arbeitsleben beim CERN in Genf verbringen dürfen. Schon als Kind hat er sich für alles Technische interessiert und musste allem auf den Grund gehen. Später hat er durch Reparieren von Radio- und Fernsehgeräten sein Studium mitfinanziert. Die fast unbegrenzten Möglichkeiten beim CERN waren ideal für ihn. Dieses Fachwissen wollte er auch nach seiner Pensionierung weiter nutzen und weitergeben. Ihm ist das Schonen von Ressourcen ein Anliegen und möchte einen bescheidenen Beitrag für eine bessere Umwelt und Zukunft leisten.

 

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