Klimawandelanpassung für das Einfamilienhaus – Schutz vor Hochwasser, Sturm und Hagel
Juni: Ihr Zuhause wetterfest und sicher machen
Starkregen, Hagel und Stürme treten häufiger und intensiver auf. Gerade für Einfamilienhäuser lohnt es sich, frühzeitig vorzusorgen. Denn Sicherheit entsteht nicht im Moment der Katastrophe, sondern in der ruhigen Zeit davor. Schon mit einfachen Maßnahmen lassen sich Gebäude, Garten und Haustechnik besser schützen und Schäden oft deutlich verringern. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie vor der nächsten Unwetter-Saison achten sollten und wie Sie Ihr Zuhause Schritt für Schritt widerstandsfähiger machen.
Sicherheit bedeutet im Kontext von Extremwetterereignissen zweierlei: die Sicherheit des Gebäudes, das Sie vor den Elementen schützt und Ihre persönliche körperliche Unversehrtheit sowie Ihre psychische Widerstandskraft. Beide Dimensionen hängen unmittelbar zusammen. Ein gut geschütztes Zuhause ist die Grundlage dafür, dass Sie und Ihre Familie im Ernstfall handlungsfähig bleiben, statt von der Situation überrollt zu werden.
Auswirkungen des Klimawandels auf Österreich
Wenn Sie an die Sommer der letzten Jahre in Österreich denken, waren diese entweder von langen Hitzeperioden oder starken Niederschlägen geprägt. Denn Österreich hat sich seit dem Jahr 1900 bereits um 3,1 °C erhitzt – deutlich stärker als der globale Durchschnitt. Grund dafür ist, dass sich Landmassen stärker erwärmen als Ozeane. Diese Entwicklung spüren Sie besonders im Alltag: So hat sich die Anzahl der Hitzetage (Tage mit Temperaturen über 30 °C) in den letzten Jahrzehnten verdreifacht und auch die Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen wie Hitze, Dürre oder Starkregen haben in Österreich in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Dies wird sich mit fortschreitendem Klimawandel weiter verstärken. Vor allem auch Starkregen wird mit steigenden Temperaturen immer häufiger, da warme Luft um einiges mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Pro Grad höherer Temperatur sind es durchschnittlich 7 Prozent. Ereignisse wie die Hochwasserkatastrophe in Niederösterreich und Wien im Jahr 2024 oder die Überschwemmungen mit Erdrutschen in der Steiermark und Kärnten im Jahr 2023 sind keine Ausnahme mehr.
Früh vorsorgen, beruhigter wohnen: So schützen Sie Ihr Zuhause vor Extremwetter
Starke Unwetter machen sich automatisch auf dem Konto zahlreicher Einfamilienhausbesitzer:innen bemerkbar, sei es durch umgefallene Bäume, kaputte Regenrinnen oder im schlimmsten Fall Hochwasser. Doch auch die stetige Unsicherheit vor großen finanziellen Ausgaben sowie die Sorge um das eigene Wohl können schnell zur Belastung werden. Sorgen Sie deshalb am besten lieber früher als später vor, um im Ernstfall abgesichert zu sein und das Kostenrisiko zu senken. Wer vorsorgt, gewinnt auf mehreren Ebenen: Sie schützen Ihr Eigentum, reduzieren finanzielle Risiken und stärken das Gefühl, dem Klimawandel nicht hilflos ausgeliefert zu sein, sondern aktiv handeln zu können. Das ist keine Kleinigkeit: Das Bewusstsein, gut vorbereitet zu sein, ist eine der wirksamsten Strategien gegen klimabezogene Angst sowie Ohnmachtsgefühle und außerdem steigern Sie Ihr individuelles Sicherheitsgefühl.
Schritt 1: Nehmen Sie Ihr Grundstück unter die Lupe – Wo ist es besonders anfällig?
Bevor Sie Schutzmaßnahmen ergreifen, sollten Sie sich in Ihrer unmittelbaren Umgebung umsehen. Kann Wasser von der Straße, dem Nachbargrundstück oder von landwirtschaftlichen Flächen auf Ihr Haus zufließen? Auch frühere Überschwemmungen in der Umgebung sind ein wichtiger Anhaltspunkt dafür, mit welchen Schäden Sie im Ernstfall rechnen müssen.
Gut zu wissen: Ob Ihr Zuhause durch Hochwasser, Starkregen oder andere Naturgefahren gefährdet ist, können Sie in Österreich einfach über HORA prüfen. Geben Sie aufhora.gv.at Ihre Adresse ein und Sie erhalten eine erste Einschätzung zu Hochwasser, Oberflächenabfluss bei Starkregen, Sturm oder Hagel. Die Karten zeigen, ob Ihr Grundstück in einer Gefährdungszone liegt und wo besondere Risiken bestehen. Für einen ersten Überblick ist das sehr hilfreich. Lokale Faktoren wie Hanglage, Kellerabgänge oder versiegelte Flächen sollten Sie zusätzlich vor Ort prüfen.
Bei Hochwasser sind insbesondere ebenerdige Eingänge, tiefliegende Kellerfenster, Garagen mit Gefälle sowie ungeschützte Lichtschächte gefährdet. Haben Sie noch einen Öltank? Bei steigendem Wasser können diese sich lösen und im schlimmsten Fall auslaufen. Das führt nicht nur zu erheblichen Umweltschäden, sondern kann auch Ihr Zuhause stark verunreinigen. Deshalb ist es wichtig, Öltanks mit speziellen Sicherungen gegen Auftrieb zu schützen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist zu prüfen, ob Ihre Grundstücksentwässerung korrekt an das öffentliche Kanalsystem angeschlossen ist.
Schritt 2: Maßnahmen setzen, um Haus und Grundstück besser zu schützen
Wie heißt es doch so schön: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Machen Sie daher Ihr Zuhause wetterfest. Das ist besonders wichtig, wenn Ihr Haus in einer Hochwasserschutzzone liegt. Bei Starkregen ist das oberste Gebot immer sicherzustellen, dass auch größere Wassermengen auf Ihrem Grundstück versickern können. Je weniger Fläche auf Ihrem Grundstück betoniert ist, desto mehr Wasser kann versickern. Gehwege oder Einfahrten müssen beispielsweise nicht versiegelt werden. Rasengittersteine oder spezielle Pflastersteine können einen großen Unterschied machen.
Diese Möglichkeiten haben Sie für Hochwasserschutzmaßnahmen
- Regenrinnen sauber halten: Einer der meistunterschätzten Maßnahmen ist die regelmäßige Begutachtung der Regenrinne. Eine Grundreinigung einmal im Jahr sorgt dafür das Wasser wieder richtig abfließen kann. Denn im schlimmsten Fall drängt das Regenwasser in die Dachfläche oder an anderen Orten durch eine gebrochene Rinne ein und verursacht große Schäden am Haus.
- Rückstauklappe einbauen: Diese vermeidet das Wasser aus der Kanalisation in ihr Haus eindringt.
- Geeignete Türen und Fenster einbauen: Eine der häufigsten Schwachstellen bei Starkregen sind undichte Fenster und Türen. Setzen Sie daher in einem Risikogebiet bei den unteren Fenstern und Türen auf druckwasserfeste Exemplare. Fenster, die sich nach außen öffnen lassen, sind besonders vorteilhaft, da der Wasserdruck die Dichtung verstärkt.
- Getrennter Stromkreis: Eine kluge Lösung ist ein getrennter Stromkreis für Keller und Wohnräume, damit bei einer Überflutung des Kellers nicht das gesamte Haus ohne Strom dasteht.
- Maßnahmen für eine bessere Versickerung auf Ihrem Grundstück: Egal, ob Retentionsmulden, Rigolen, Drainagen, Zisterne oder Regentonnen. Es gibt viele Möglichkeiten Wasser auf Ihrem Grundstück abzufangen, bevor es zu großen Schadensfällen und Sicherheitsgefahr kommt.
Mehr dazu in unserem Leitfaden:
So schützen Sie Ihr Haus bei Extremwetter und Hochwasser
Wind- und Hagelschutz rund um Ihr Zuhause
Wenn Sie Bäume in der Nähe haben, lassen Sie am besten Rollläden oder Fensterläden installieren, um Ihre Fenster und Türen vor herumfliegenden Ästen zu schützen. Achten Sie darauf, lose Äste regelmäßig zu schneiden oder beauftragen Sie jemanden damit. Bringen Sie Gartenmöbel, Spielgeräte oder größere Dekorationen bei Sturm schnell in Sicherheit oder befestigen Sie diese. Kontrollieren Sie auch Ihren Zaun auf Unregelmäßigkeiten, damit er nicht so leicht durch Windböen beschädigt werden kann. Prüfen Sie zudem einmal jährlich Ihr Dach. Das ist besonders bei älteren Dächern oder Schindeln wichtig, da diese anfällig für Schäden durch Sturm und Hagel sind. Achten Sie darauf, dass alle Dachziegel gut befestigt sind, da sie sich durch starken Wind lösen können.
Schritt 3: Versicherungsschutz prüfen und gegen Extremwetter absichern
Hochwasser oder Sturmschäden können schnell zur finanziellen Belastung werden. Eine Versicherung kann im Ernstfall finanziell Abhilfe schaffen.
Versicherungsschutz bei Hochwasser lässt sich grundsätzlich in zwei Bereiche unterteilen: Zum einen werden Schäden am beweglichen Inventar innerhalb der Wohnung oder des Hauses über eine Haushaltsversicherung abgesichert. Zum anderen betrifft die Eigenheimversicherung die bauliche Substanz des Gebäudes selbst. Häufig ist die Haushaltsdeckung bereits Bestandteil einer umfassenderen Eigenheimpolice, kann aber auch separat abgeschlossen werden.
Wichtig ist, beim Vertragsabschluss genau darauf zu achten, ob sogenannte Naturgefahren bzw. außergewöhnliche Elementarereignisse wie Hochwasser tatsächlich inbegriffen sind. Während Schäden durch Sturm oder Hagel in vielen Standardpolicen ohnehin abgedeckt sind, gilt dies für Überschwemmungen nicht automatisch und muss oft zusätzlich vereinbart werden.
Bei Wohnungen in Mehrparteienhäusern übernimmt in der Regel eine Gebäudeversicherung, die über die Betriebskosten mitfinanziert wird, Schäden an der Bausubstanz, etwa an Fassade oder Dach. Dennoch bleibt es für Bewohnerinnen und Bewohner sinnvoll, zusätzlich eine eigene Haushaltsversicherung abzuschließen, die auch Naturereignisse einschließt, um das persönliche Inventar umfassend abzusichern.
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