Energiesparpotenziale durch richtiges Heizen und Kühlen

Oftmals wird unterschätzt, dass durch einige wenige Handgriffe viel erreicht werden kann. Gerade beim Heizen und Kühlen können wir durch unser Verhalten viel bewirken, ohne dass zu hohe Investitionen notwendig sind. Von der Thermostatregelung bis hin zu den richtigen Lüftungstipps – hier werden schnell umsetzbare und möglichst kostengünstigen Schritte für ein angenehmes Raumklima vorgestellt.

Heizen: einfache Energieeinspar-Maßnahmen zum Nulltarif (ohne Investition)

Den größten Einfluss auf Ihren Heizenergiebedarf üben Sie damit aus, auf welchem Temperaturniveau Sie Ihre beheizten Räume über die gesamte Heizsaison halten wollen. Wenn Sie die Innenraumtemperatur über die ganze Heizperiode um 2 °C senken (z.B. von 22 auf 20 °C), so senkt das Ihre jährliche Heizkostenrechnung um 12 % (ca. 6 % weniger pro °C geringere Raumtemperatur) im Vergleich zu 2 °C mehr. Das entspricht bei herkömmlichen Thermostaten einem Herunterdrehen von Stufe 3,5 auf Stufe 3 (bei einer fünfstufigen Skala liegen zwischen jeder Stufe etwa 4 Grad Celsius). Stufe 4 bedeuten ca. 24 °C, also 24 % mehr Heizenergiebedarf als bei Stufe 3 (20 °C) verbraucht werden.

Es zahlt sich also – nicht nur für die Umwelt aus, wenn Sie sich auch in Ihren Innenräumen eher dem Winter gemäß bekleiden und Ihre Sommerbekleidung im Schrank lassen.

Sorgen Sie für die richtige Luftfeuchtigkeit im Raum: Bei gleichen Temperaturniveaus wird trockene Luft als kälter empfunden als feuchte Luft. Die optimale Luftfeuchtigkeit im Raum sollte zwischen 30 % und 55 % liegen. Zimmerpflanzen helfen dabei eine behagliche Luftfeuchtigkeit zu erreichen.

Ohne Komfortverlust können Sie das noch weiter vorantreiben, wenn Sie – sofern Ihr Gebäude bzw. Wohnung eher rasch auskühlt – die Innenraumtemperaturen über Nacht um ein paar Grad, z.B. auf 18°C absenken, d.h. vor allem wenn die Wohnung morgens schnell wieder warm wird. Am komfortabelsten geht dies – sofern nicht vorhanden – mittels digitaler Thermostate, die nachgerüstet werden können. Hier können Sie für jeden Tag und jeden Heizkörper einen Temperaturverlauf eingeben und auch längere Abwesenheiten (Temperaturabsenkung) voreinstellen. Im Schlafzimmer empfinden viele Personen Temperaturen um 16 - 18 °C angenehm beim Schlafen. Auch in der Küche reichen 18 - 20 °C. In Wohn- und Kinderzimmern sollten 20 - 22°C ausreichen. Das entspricht Stufe 3 bei herkömmlichen Thermostaten. Nur im Bad können höhere Temperaturen (23 °C) angemessen sein. Teilweise geht dies alles auch schon per App, unabhängig von Ihrem momentanen Aufenthaltsort in Echtzeit.

Anknüpfend an das zuvor Beschriebene, macht es für eine Senkung des Heizenergiebedarfs auch Sinn, Türen zu niedriger temperierten Räumen zu schließen, insbesondere zum Flur oder zum Keller und Dachboden. So vermeiden Sie weitere Heizenergiekosten bzw. einen unnötigen Heizenergiebedarf. Auf diese Weise können Sie z.B. in Einfamilienhäusern bis zu 5 % der Heizenergie einsparen.

Da die häufig vorhandenen Radiatoren die zugeführte Wärme nicht nur über Strahlungswärme, sondern auch über Luftzirkulation in den beheizten Raum hinein verteilen, ist es ratsam die Heizkörper in beiderlei Hinsicht frei zu halten. Das bedeutet, dass Sie Heizkörper nicht mit Möbel etc. verstellen, mit schweren Vorhängen zuhängen oder auf diesen selbst möglichst keine Wäsche trocknen sollten. Ansonsten stellt sich erst bei deutlich höheren Temperaturniveaus Behaglichkeit ein und Sie verbrauchen unnötig viel Heizenergie.

Beheizte Gebäude oder Wohnungen verlieren über Undichtigkeiten in der Gebäudehülle und aktive Fensterlüftung ca. 10 bis 15 % der Heizenergie. Beide Verlustquellen lassen sich mit einfachen Mitteln dauerhaft reduzieren und tragen dazu bei, Ihre Heizenergiekosten zu reduzieren. Dichten Sie Ihre Fenster und Außentüren mit einfachen Mitteln (z.B. Dichtstreifen oder Polster bei Kastenfenstern) ab. Vergessen Sie nicht auf Türen zu unbeheizten Räumen des Hauses, wie zum Beispiel zum Keller oder zum Dachboden. Oder auch die Wohnungstür zum kalten Treppenhaus. Auf diese Weise können Sie bis zu 5 % der Heizenergie einsparen.

Lüften Sie Ihre Räumlichkeiten nicht konstant mit gekippten Fenstern, sondern mittels Stoßlüftung. Lüften Sie mindestens zehn Minuten, im Winter am besten tagsüber. Wenn mehr Personen zu Hause sind, sind längere Lüftungszeiten oder querlüften über andere Fenster oder eine Tür zu empfehlen. So kann frische Luft in den Raum gelangen und eine stärkere Auskühlung vermieden werden: Je kälter die Außentemperatur, desto kürzer die Lüftungszeit. Auf diese Weise können Sie gut 5 % der Heizenergie einsparen.

Achten Sie in der kalten Jahreszeit beim Lüften nicht nur auf einen ausreichenden Luftwechsel für Ihr Wohlbefinden sondern vermeiden Sie – v.a. bei erhöhter Innenraum-Luftfeuchtigkeit – so auch etwaige Kondensat- oder im schlimmsten Fall Schimmelbildungen an Stellen wo die Gebäudehülle schlecht wärmegedämmt ist. In diesem Fall: Drei bis viermal am Tag mit weit geöffneten Fenstern stoßlüften. Achten Sie dabei darauf, zuvor die Thermostatventile Ihrer Radiatoren zu schließen, damit die Heizung nicht während der Lüftung hochfährt.

Es empfiehlt sich zudem, Ihre Heizung regelmäßig zu warten und winterfit zu machen. Achten Sie bei der Gelegenheit z.B. darauf, dass die Heizungsrohre und Armaturen, v.a. im Keller ausreichend gedämmt sind. Auf diese Weise können Sie gegebenenfalls einige Prozentpunkte der Heizenergie einsparen.

Entlüften Sie die Heizung, wenn Sie ein Gluckern in den Rohren oder Heizkörpern hören. Möglicherweise können Sie dies mit einem Entlüftungsschlüssel selbst tun oder im Zweifelsfall eine Installateurin oder einen Installateur damit beauftragen. Die Entlüftung kann auch an den Verteilern der Fußbodenheizung durchgeführt werden. Auf diese Weise können Sie bis zu 1,5 % der Heizenergie einsparen.

Besonders bei alten, undichten Fenstern können auch nachts geschlossene dicke Vorhänge oder – wenn vorhanden – Außenrollos dazu beitragen den Heizenergiebedarf noch weiter zu senken.

Heizen: Bagatell- bzw. geringe Investitionen mit großer Wirkung

Alte, nicht drehzahlvariabel arbeitende Heizungs-Umwälzpumpen zählen zu den größten Stromfressern im Haus. Mit relativ wenig Geld und Aufwand lassen sich mit effizienten Umwälzpumpen unter Umständen gleich mehrere 100 kWh/a Strom einsparen. Eine alte Umwälzpumpe kann durchaus 200 bis 400 kWh/a verbrauchen, eine moderne, elektronisch gesteuerte kommt gut und gerne mit 50 kWh/a aus.

Eine Wärmedämmung der obersten Geschoßdecke ist dort wo sie noch nicht realisiert wurde eine beträchtliche und gleichzeitig sehr kostengünstige Energiespar-Maßnahme. Bei einem Einfamilienhaus lassen sich so 15 - 20 % des jährlichen Heizenergiebedarfes einsparen – das rechnet sich in wenigen Jahren.

Zusätzliches Einsparpotenzial bietet in vielen Fällen ein hydraulischer Abgleich. Wenn Sie bei sich zuhause bemerkt haben, dass einige Räume nicht warm genug werden, auch wenn die Heizkörper auf maximaler Leistung stehen oder es nicht in allen beheizten Räumen gleich schnell warm wird, kann das ein Hinweis auf einen fehlenden hydraulischen Abgleich der Heizungsanlage sein. Ein fachgerecht durchgeführter Abgleich, kann allein schon 10 - 15 % an Energiekosten einsparen.

 

Kühlen

Wenn es in Ihrem Gebäude oder Ihrer Wohnung überdurchschnittlich oft zu sommerlicher Überhitzung (mehr als 26 °C Raumtemperatur) kommt, so wurde im Zuge der Planung oder Bauphase möglicherweise nicht entsprechend vorgesorgt.

Sommerliche Überhitzung kann durch Beschattung (baulich oder mit Pflanzen/Bäume), gute Gebäudehüllen-Dämmung, eine entsprechende Anordnung und Größe der Fenster und Räume im Gebäude oder Speichermassen im Haus (schwere Wände) sowie passive Kühlung / Belüftung stark vermindert werden. Tritt das Problem dennoch auf, gilt es passive statt aktive (mechanische) Kühlung zu priorisieren.

Dort wo es baurechtlich möglich ist sollten Fenster und schlecht gedämmte Fassadenteile von außen beschattet werden. Fensterflächen sind bei Lichteinfall im Sommer besonders vom Wärmeeintrag betroffen. Herkömmliche Fenster lassen 50 bis 70 % der Wärmeenergie der Sonnenstrahlen ungehindert in Räume. Daher nutzt es eher wenig, Fenster von innen her zu beschatten. Zu bevorzugen ist eine Beschattung von außen. Bei einem fest installierten Beschattungssystem ist darauf zu achten, dass z.B. bei Fenstern an Südfassaden im Gegensatz zum Sommer, die Wintersonne ungehindert zu den Fenstern kommt. Ansonsten eignen sich – wo möglich – Sonnensegel, Markisen, Raffstore, Rolläden bis hin zu Pflanzen vor Fenstern, z.B. auch auf Balkonen oder Terrassen.

Nicht vermeidbare sommerliche Wärmeeinträge können am besten durch Nachtkühlung ausgeglichen werden. Sorgen Sie wenn möglich für eine Querlüftung Ihrer Räumlichkeiten in den kältesten Stunden der Nacht (spätabends oder frühmorgens - sofern keine durchgängige Tropennacht mit 25 °C und mehr). Je mehr Speichermasse sie in den Wohnräumen haben, umso länger hält diese Abkühlung auch tagsüber an.

Wenn die Nachtkühlung nicht mehr ausreicht, hilft in den Wohnräumen als nächster Schritt eine einfache Ventilation. In südlichen Ländern sorgen Belüftungstürme mit Windfängen für eine durch die Außenluft und die aufsteigende erwärmte Innenluft für eine angenehme Luftzirkulation durch das ganze Haus. In unseren Breiten kann dies behelfsmäßig durch z.B. Stand- oder Tisch-Ventilatoren erfolgen. So kann eine städtische Wohnung mit 50 bis 75 m² mit z.B. 3 Ventilatoren (1x50W+ 2x25W) und eine nächtliche Fensterlüftung – auch ohne Klimaanlage für einen Großteil der Zeit erträglich sein. Dabei werden gegenüber einer mit einer herkömmlichen, aber effizienten Split-Klimaanlage ausgestatteten Wohnung ganze 250 bis 400 kWh/a Strom eingespart. Außerdem wird so eine Verdoppelung der durchschnittlichen Stromnetzbelastung (die bezogene Leistung) durch die vollklimatisierte Wohnung vermieden. Hoher Komfort bleibt für die Umwelt und das gemeinsame Stromnetz nicht ohne Auswirkung.

Verfügt ein Gebäude bereits über eine mechanische Wohnraumlüftung, so kann die durchschnittliche Lufttemperatur in den Wohnräumen durch einen nachträglichen Einbau einer erdverlegten Luftzufuhr (z.B. in 2 m Tiefe anstatt einer Ansaugung in Bodennähe) im Sommer um mehrere Grad abgesenkt werden. Da die Bodentemperatur im Sommer deutlich niedriger und im Winter höher als die Außenlufttemperatur ist, spart dies im Winter, schon bei 2 °C höherer Lufttemperatur durch Erderwärmung 12 % der Heizkosten. Bei der Planung dieses natürlichen, passiven Wärmetauschers, ist auf eine entsprechende Dimensionierung und Leitungslänge sowie Hygienevorkehrungen zu achten.

Klimatisieren

Kommt man nicht um eine Klimatisierung herum, empfiehlt sich jedenfalls eine Außenbeschattung (z.B. eine Außenjalousie). Auf diese Art lassen sich 50 % des Stromverbrauchs der Klimaanlage vermeiden. Bei einer effizienten Split-Klimaanlage für eine 50 bis 75 m² Wohnung lassen sich so 140 bis 200 kWh/a Strom vermeiden – die Leistungs-Belastung des Stromnetzes wird halbiert.

Der Stromverbrauch der beschriebenen Split-Klimaanlage lässt sich aber noch weiter reduzieren. Wird die gewünschte Raumtemperatur auf 26 anstatt auf 22 °C gestellt, können 20 % des Stromverbrauchs bzw. 55 bis 85 kWh/a vermieden werden. Pro Grad wärmerer Raumtemperatur sinkt der Stromverbrauch um 5 %.

Es ist dabei auch zu bedenken, dass die abzuführende Innenraum-Überschusswärme ja auf ein Temperaturniveau, das um 5 °C über der Temperatur der Außenluft liegt, hochgepumpt werden muss, damit sie an diese überhaupt erst abgegeben werden kann. Je heißer es draußen ist und je höher die Temperaturdifferenz zum Innenraum ist, desto mehr Strom wird benötigt. Es ist klar, dass dabei die Außenluft mit dem aus dem Stromnetz bezogenen Strom zusätzlich aufgeheizt wird, was bei Städten zu Überhitzungs-Problemen führen wird bzw. in südlicher gelegenen Städten schon der Fall ist.

Umweltbewusste Split-Klimaanlagen Betreiber:innen sollten – wenn es sich nicht vermeiden lässt – eine Anlage mit moderner Invertertechnologie kaufen. Hier arbeitet die Wärmepumpe (wie im vorigen Absatz beschrieben) drehzahlvariabel und deutlich effizienter, weil ohne Unterbrechung. Eine hocheffiziente Split-Klimaanlage mit Invertertechnik spart gegenüber einer herkömmlichen Splitklimaanlage 30 - 50 % des jährlichen Stromverbrauchs (und der durchschnittlichen Leistungsaufnahme). Das sind bei der beschriebenen Wohnung 110 bis 170 kWh/a Strom.

Eher abgeraten wird von mobilen Monoblock Kühlgeräten, bei denen die Wärme über einen Schlauch über ein (mittels Zubehör nur unzureichend luftdicht herstellbares) gekipptes Fenster nach außen geblasen wird. Der zusätzliche Wärmeeintrag über dieses Zubehörsystem ist im Vergleich zur erzielbaren Kühlleistung an heißen Tagen zu hoch. Abgesehen vom deutlich niedrigeren Stromnutzungsgrad im Vergleich zu Split-Klimaanlagen sind diese Geräte daher ineffiziente Stromfresser und erzielen im Verhältnis zum Ressourceneinsatz eine mehr als bescheidene Abkühlwirkung. Mit Ventilatoren und Nachtkühlung wird eine ähnliche Kühlwirkung mit vergleichsweise bescheidenem Ressourceneinsatz gewonnen.

Veröffentlicht am 14.07.2022

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