Faktencheck Elektro-Auto

Elektromobilität ist ein wesentlicher Baustein der Mobilitätswende. Der Artikel beantwortet häufig gestellte Fragen zu Elektro-Autos und zeigt, unter welchen Rahmenbedingungen diese als Alternative zu Verbrennungsmotoren besonders geeignet sind. Der Artikel basiert auf dem "Faktencheck E-Mobilität", der vom Klima- und Energiefonds in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt und dem VCÖ erstellt und im März 2022 aktualisiert aufgelegt wurde.

Kann die Mobilitätswende mit Elektroautos funktionieren?

Die vermehrte Nutzung von E-Autos leistet einen wichtigen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen und ist ein Bestandteil im ganzheitlichen „Neudenken“ des Verkehrsbereichs. Ziel ist eine neue, multimodale Mobilität, die den Erfordernissen des Klimaschutzes und der Gesellschaft gerecht wird. Österreich verfolgt hier das Prinzip „vermeiden – verlagern – verbessern“:

  • vermeiden von nicht unbedingt erforderlichem Verkehr durch u. a. eine verkehrssparende Raumordnung, die Stärkung von Homeoffice und im Güterverkehr durch Vermeiden von Leerfahrten
  • verlagern auf effiziente Verkehrsträger wie öffentlichen Verkehr, Fahrrad oder zu Fuß gehen
  • verbessern der eingesetzten Technologien mit dem Ziel einer Verlagerung auf alternative Kraftstoffe und Strom aus erneuerbaren Energiequellen.

 

Haben E-Autos wirklich eine bessere Ökobilanz?

Elektromotoren sind lokal abgasfrei, stoßen also im Betrieb selbst keine Treibhausgase oder Luftschadstoffe aus und verursachen kaum Lärm. Auch bei der Betrachtung des gesamten Fahrzeuglebens von der Herstellung, über die Energiebereitstellung bis zur Entsorgung, verursachen E-Autos deutlich weniger Treibhausgasemissionen. Wenn der eingesetzte Strom zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen stammt, lassen sich die Emissionen sogar um bis zu 79 % reduzieren. 

Lediglich die Bahn verursacht im Vergleich verschiedener Antriebe weniger Emissionen als das E-Auto. Eine komplett emissionsfreie Mobilität können aber auch Elektroautos nicht leisten, da auch die vor- und nachgelagerten Bereiche, wie Produktion und Entsorgung beachtet werden müssen.

Wie viel zusätzlichen Strom braucht E-Mobilität?

Durch die Steigerung des E-Auto-Anteils am Gesamtverkehr steigt natürlich auch der Strombedarf. Allerdings sind Elektrofahrzeuge deutlich energieeffizienter als Autos mit Verbrennungsmotoren, das heißt bei gleichem Energieeinsatz können deutlich mehr Kilometer gefahren werden.

So ist der durchschnittliche Energieverbrauch eines Elektroautos je nach Fahrzeugsegment um 67% bis 77% niedriger als jener eines vergleichbaren Fahrzeuges mit Verbrennungsmotor. Während also durch die vermehrte Nutzung von E-Autos der Strombedarf leicht ansteigt, sinkt der Ölverbrauch um das Dreifache.

Der Gesamtenergiebedarf im Verkehrssektor kann bei intensiver Elektrifizierung bis 2040 jedoch um knapp 60 % reduziert werden. Im österreichischen Mobilitätsmasterplan wird von einem Anstieg des Strombedarfs um 6,5 % bis 2030 ausgegangen. Wichtig ist, dass der für E-Mobilität zusätzlich benötigte Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird.

Wie weit kann ich mit einem E-Auto überhaupt fahren?

Die Reichweite von Elektrofahrzeugen ist ein viel diskutierter Punkt und es gibt die Befürchtung, dass Alltagswege mit E-Autos nicht bequem zurückgelegt werden können. Obwohl die maximale Reichweite mit einem vollgeladenen Akku noch deutlich geringer als mit einer Tankfüllung eines konventionell angetriebenen Fahrzeuges mit Verbrennungsmotor ist, stellt sich auch die Frage, welche Reichweite zur Deckung der Mobilitätsanforderung tatsächlich benötigt wird.

In Österreich werden durchschnittlich pro Tag 35 km mit dem Auto zurückgelegt und 99% aller Autofahrten sind kürzer als 150 km. Die Reichweite eines aktuellen E-Autos bei aufgeladenem Akku reicht je nach Fahrzeugmodell, Fahrstrecke und Fahrverhalten von ca. 200 - 450km.

Kurz: Mit den aktuellen Reichweiten sind Elektro-Autos schon jetzt ein vollwertiger Ersatz für einen Benziner oder Diesel und Alltagwege können mit jedem heute verfügbaren Elektroauto problemlos mehrmals bewältigt werden. 

Sind Elektro-Auto teurer als Autos mit Verbrennungsmotor? 

Elektro-Autos sind in der Anschaffung insbesondere aufgrund der Batteriekosten noch etwas teurer als vergleichbare Benzin und Diesel-Autos. Seit 2010 sind die Kosten für einen Lithium-Ionen-Akku allerdings um 88 % gesunken und es ist eine weitere Preissenkung zu erwarten.

Ein Gesamtkostenvergleich zeigt, dass sich der Kauf wegen geringeren Kosten für Wartung, Versicherung und Energie für den Fahrbetrieb oft schon innerhalb weniger Jahre auszahlt. Auch die Normverbrauchsabgabe (NoVA) sowie die motorbezogene Versicherungssteuer entfallen.

Zudem unterstützt die E-Mobilitätsoffensive 2022 mit Förderungen, den derzeit noch höheren Preis zu verkleinern. Mitunter lohnt sich der Umstieg schon ab dem ersten Kilometer. Darum sollte man genau rechnen und vergleichen – beispielsweise mit dem E-Mobilitätsrechner der LINZ AG.

Auch für Betriebe und Gemeinden bietet Elektromobilität große Chancen. Viele Unternehmen haben die Vorteile der Elektromobilität schon erkannt, wie am raschen Anstieg von E-Fahrzeuge in den österreichischen Firmenflotten zu beobachten ist.

Wo kann ich mein Elektroauto laden?

Elektroautos werden zu 80 % bis 90 % zuhause oder am Arbeitsplatz geladen. Zudem wächst die Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladestationen beständig. Ende 2021 standen österreichweit bereits mehr als 10.500 Ladepunkte zur Verfügung.

Besonders für Hausbesitzer im ländlichen Raum bietet sich das Tanken mit eigenem Sonnenstrom an. Ein Carport mit 12 m2 Solardach (Photovoltaik-Module) ist ausreichend, um jährlich 2.200 kWh Strom für 15.000 km mit dem Elektro-Auto (Verbrauch von 14,9 kWh/100 km) zu erzeugen. Damit macht man sich unabhängig von Ölkrisen und ist gleichzeitig klimafreundlich mobil.

Stimmt es, dass die Batterien schnell kaputtgehen?

In aktuellen E-Autos verbauten Lithium-Ionen-Akkus sind auf eine Lebensdauer von 15 Jahren und eine Fahrleistung von mindestens 150.000 km ausgelegt. Manche Hersteller geben sogar Garantien für weit größere Fahrleistungen. Ein großer Vorteil dieser Akkus ist, dass sie wartungsfrei sind und aus vielen Einzelzellen bestehen, die auch tauschbar sind. Es stimmt also keinesfalls, dass ein „kaputter“ Akku einen Totalschaden bedeuten würde. Im Laufe der Nutzungsdauer nimmt die zur Verfügung stehende Akku-Kapazität nur geringfügig ab, sodass die Batterie nach der Verwendung im E-Auto sogar als Speicher für andere Zwecke verwendet werden kann. So haben viele Akkus ein „Second Life“ als stationäre Zwischenspeicher in einem Gebäude, um Strom aus erneuerbaren Energien zu puffern. Zur Steigerung der Nachhaltigkeit sollen vor allem die Recyclingquoten am Ende ihrer Lebensdauer erhöht werden.

 

Detaillierte Informationen finden Sie im neuen Faktencheck Elektromobilität.

Veröffentlicht am 19.04.2022