Objekt des Monats 6/2019: Mehrfamilienhaus Wolkensteinstraße in Völs

Das Wohngebäude der Alpenländischen aus den 70er Jahren wurde umfassend saniert und entspricht nun den strengsten Anforderungen im Bereich der Energieeffizienz. Dafür erhielt der gemeinnützige Wohnbauträger im April 2019 die Auszeichnung für den klimaaktiv GOLD Standard.

Das Gebäude Wolkensteinstraße 1, 1a, 1b, 1c besteht aus vier Stiegenhäusern (klassische 2-Spänner) und vier Wohngeschoßen mit insgesamt 31 Wohneinheiten. Interne Vorgabe für die Sanierung war es, den EnerPHit-Standard und den klimaaktiv-Standard zu erreichen. Die Herausforderung war, alle Maßnahmen umzusetzen, während die Wohnungen genutzt wurden.

Beim Bestandsprojekt war nur Stromheizung vorhanden, da die Gemeinde Völs dies im Bereich „Völs Seesiedlung“ vorschreibt (sensibles Gebiet). Somit war die Umstellung des Primärenergieträgers auf wassergeführte Systeme während der Nutzung nicht denkbar. Es wurde ein besonderes Sanierungskonzept entwickelt.

Die Gebäudehülle wurde optimiert und auf den Passivhausstandard eines Neubaugebäudes gedämmt (20 cm Hochleistungsdämmung). 3-Fach Schall- und Isolierverglasungen wurden zur Wärmebrückenoptimierung in die Dämmebene gesetzt. Zum Schutz vor Überhitzung in den Sommermonaten wurden die Fenster mit elektrischen Sonnenschutzjalousien ausgestattet.

Eine Komfortlüftungsanlage wurde im Bestand nachgerüstet. Nach umfangreichen Vorgesprächen mit den HausbewohnerInnen haben 24 Mietparteien dem Einbau der Komfortlüftung zugestimmt. Die restlichen Wohnungen werden vor einer neuerlichen Vermietung angeschlossen. Die technischen Voraussetzungen dafür wurden breites umgesetzt. Pro Stiegenhaus gibt es ein Zentralgerät auf dem Dach. Mittels Fort- und Zuluft-Leitungen im Bestandsstiegenhaus werden die Wohnungen angesteuert. Die einzelnen Räume wurden durch eine abgehängte Decke im Vorraum erschlossen. Durch die kurzen Wege entstehen eine optimale Leistung und geringste Verluste.

Die Planung und Umsetzung von wärmebrückenreduzierten Konstruktionen wurde rechnerisch begleitet. Das angedachte Smart Building bzw. Smart Grid Konzept wurde durch eine Vollintegration der Heizung sowie der Warmwasserbereitung umgesetzt. Die verwendeten Elektrospeicheröfen sowie die Boiler zur Warmwasserbereitung werden effizient und wirtschaftlich mit Hilfe einer externen Intelligenz be- bzw. entladen. Um einen möglichst hohen Eigenverbrauchsanteil der geplanten Photovoltaikanlage umsetzen zu können, wird diese erst nach Durchführung detaillierter Verbrauchsmessungen im sanierten Zustand ausgelegt und errichtet.

Die verwendeten Bauprodukte sind lösungsmittelfrei und klimaschonend. Eine Formaldehyd- und VOC-Messung bestätigt ein FCKW- und Formaldehyd-freies Raumklima.

Um den Energieverbrauch längerfristig zu optimieren, gibt es eine Kooperation mit dem örtlichen Energieversorger TIWAG. Warmwasser und Heizung werden mittels Smartmeter-Technologie überwacht und optimiert. Die Sanierung erzielt nach OIB einen Verbesserungsgrad von über 75%. Das Ergebnis nach Sanierung liegt bei 22,9 kWh/m²a nach OIB, nach PHPP wurde EnerPHit-Standard mit HWB 21,0 kWh/m²a erreicht. Erste Auswertungen haben gezeigt, dass der Stromverbrauch für Heizung und auch Warmwasser teilweise mehr als halbiert wurde.

Das Gebäude erreicht mit 962 von 1000 Punkten klimaaktiv GOLD Standard und wurde am 03.04.2019 von Bundesministerin Elisabeth Köstinger ausgezeichnet.

Prok. Ing. Mag. (FH) Geisler Martin, Abteilungsleiter der Hausverwaltung: "Der Alpenländischen ist Energieeffizienz auch bei der Gebäudesanierung ein großes Anliegen. Dieses Projekt soll aufzeigen, dass das Ziel höchstmögliche Energiestandards zu erreichen im Zusammenwirken mit den BewohnerInnen auch in Bestandsobjekten möglich ist."

Diese Sanierung wurde durch Nutzung aller Förderungsmöglichkeiten im Bereich Sanierung, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene, möglich. Von der Planung bis zur Fertigstellung wurde eine restriktive Kostenkontrolle und eine Optimierung der Abläufe kompromisslos umgesetzt.

Beteiligte

  • Bauherrschaft und Architektur: Alpenländische Gemeinnützige Wohnbauges. m. b. H
  • Plausibilitätsprüfung: Energie Tirol
Veröffentlicht am 13.06.2019