© Heinz F.

Gemeinsam schaffen wir mehr

Vom Althaus zur Zukunftsgemeinschaft – ein Gebäude wird klimafit und gemeinschaftlich

Heinz F. zeigt mit seinem Wohnhaus von 1908, wie energetische Sanierung und gemeinschaftliches Leben Hand in Hand gehen können.

© Heinz F.

klimaaktiv hat Menschen aus der Community eingeladen, ihre persönlichen Klimaschutzmaßnahmen aus dem Alltag zu teilen. Im Mittelpunkt stehen echte Beispiele aus dem Privatbereich, die zeigen, wie Klimaschutz zu Hause umgesetzt werden kann. 

Von Heinz F. aus Tirol erfahren wir, wie eine Wohngemeinschaft durch Wärmepumpen, Solarenergie und geteilte Ressourcen nicht nur den Energieverbrauch gesenkt hat, sondern auch mehr Platz und Zusammenhalt schaffte.

Kurzbeschreibung des Projekts

  • Ausbau und Sanierung eines Mehrparteienhauses in Tirol
  • Heizungstausch auf eine Wärmepumpe
  • Gemeinschaftliches Wohnen
  • Dach- und Fassadenbegrünung zur Hitzeprävention

Was haben Sie im Detail gemacht?

Wir haben unser Althaus aus dem Jahr 1908 in mehreren großen und vielen kleinen Schritten dekarbonisiert. Dabei haben wir nicht nur den CO₂-Ausstoß gesenkt, sondern auch die Zahl der Bewohner:innen von 18 auf 36 verdoppelt und die Zahl der Autos von 11 auf 7 reduziert – ein Schritt hin zu mehr Sharing & Caring.

Die ersten größeren Maßnahmen fanden zwischen 1996 und 1997 statt, als wir das Dach ausbauten und zwei Wohnungen schufen. Außerdem haben wir Balkone zu Loggien umgebaut und auf der Straßenfassade 8 cm Kork zur Wärmedämmung angebracht. Zudem wurde eine thermische Solaranlage mit einer Fläche von 25 m² installiert.

Im Jahr 2014 folgten zwei Wärmepumpen, die das Grundwasser als Wärmequelle nutzen und den Energieverbrauch weiter senkten.

Neben der energetischen Verbesserung haben wir auch den Gedanken des Teilens stärker in den Fokus gerückt: Autos, Werkstatt, Garten und Freundschaften wurden geteilt. Dies verringert nicht nur den ökologischen Fußabdruck, sondern stärkt auch die Gemeinschaft.

Obwohl die Ausgangslage nicht ideal war – geprägt von Konflikten und der schwierigen Situation der Friedenskronenmieter:innen – haben wir mit viel Verantwortung und Freude die Möglichkeiten des Hauses weiterentwickelt. In absehbarer Zeit wird eine Wohnung frei und wir planen, ein Zimmer abzutrennen, um es als Coworking-Space oder Treffpunkt zugänglich zu machen – eine weitere Gelegenheit, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und den Raum für verschiedene Nutzungsmöglichkeiten zu öffnen. 

Wer oder was hat sie motiviert?

Was uns motiviert hat, war vor allem die Verantwortung für das Haus und die Freude an den vielfältigen Möglichkeiten, die es bot. Trotz der schwierigen Ausgangslage, geprägt von Konflikten mit den Friedenskronenmieter:innen, haben wir nicht aufgegeben. Stattdessen haben wir die Chancen gesehen, die das Haus uns und der Gemeinschaft bieten konnte, und das war ein starker Antrieb, das Projekt voranzutreiben.

„Glauben sie keinem Installateur, der sagt, Wärmepumpe funktioniert hier nicht oder Kühlung sei kein Thema. Auch Hausverwaltungen sind oft in einer fossilen Blase gefangen.”

Highlights/Erfolgserlebnisse

Besonders freut uns, wenn die Kinder unserer Mieter:innen uns begeistert entgegenlaufen. Auch die vielen spontanen Bewerbungen für freie Wohnungen zeigen, wie wertgeschätzt das Zusammenleben im Haus wahrgenommen wird. Ein weiteres Highlight ist, dass wir rund 19 kWh Ökostrom pro Quadratmeter und Jahr für Heizung, Warmwasser und Kühlung benötigen. 

Wie lange dauerte die Umsetzung des Projektes?

1996- laufend

Welche Vorteile brachte das Projekt mit sich?

Durch 80 m² mehr Grün auf unserem Grundstück – dank Kletterpflanzen und Dachbegrünung – konnten wir nicht nur die Energiekosten deutlich senken, sondern auch eine angenehme Kühlung im Sommer schaffen. Diese Begrünung trägt zur Verbesserung des Mikroklimas bei und sorgt für ein angenehmes Wohnumfeld.

Ein besonders schöner Aspekt ist die Freundschaft zwischen den Mieter:innen, deren Kinder gemeinsam in die Schule gehen. Diese enge Gemeinschaft und das gute Miteinander machen das Leben hier noch lebenswerter und stärken die sozialen Bindungen. 

Welche besonderen Herausforderungen traten auf und wie haben Sie diese gemeistert?

Während der Umsetzung gab es einige besondere Herausforderungen. So wurde die Förderung beispielsweise aufgrund der hohen Heizlast abgelehnt. Es hieß, das Vorhaben würde nicht funktionieren, was uns zunächst verunsicherte. Darüber hinaus stießen wir auf inkompetente Installateure und eine ablehnende Hausverwaltung, die uns Steine in den Weg legte. Doch statt uns entmutigen zu lassen, beschlossen wir, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und die Umsetzung eigenständig voranzutreiben. Diese Selbstinitiative half uns nicht nur, die Probleme zu überwinden, sondern ermöglichte es uns auch, die volle Kontrolle über das Projekt zu behalten.

Wie hoch waren die Gesamtkosten, und wurde das Projekt über Förderungen mitfinanziert?

Inklusive Dachausbau 2,5 Mio. Euro. Bei der Förderung durch das Land für den ersten Ausbau gab es einige Hürden. Als Besitzer anderer Wohnungen erhielt ich keine Wohnbauförderung (WBF), während mein wohlhabender Dachnachbar, der nach 17 Jahren verkauft und sich eine Villa gebaut hat, diese Förderung problemlos bekam – was mich sehr frustrierte. In meinem Fall musste ich sogar die Hälfte des Grundstücks verkaufen, um das Projekt finanzieren zu können.

Unterstützung gab es für die Wärmepumpen. Vom Land bekamen wir 25 % und von der Stadt 12,5 % Förderung. Wäre es ein Einfamilienhaus gewesen, hätten die Förderungen deutlich höher ausfallen können, da hier auch eine Zersiedelungsförderung greift. Dennoch haben wir es geschafft, das Projekt mit den vorhandenen Fördermitteln erfolgreich umzusetzen.

 

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