© iStock.com/Peter Berglund

Gemeinsam verwalten und Lebensqualität gewinnen

Gemeinschaftlich genutzter Fuhrpark mit Pkw und Transporträdern

Dieses Projekt zeigt, wie ein gemeinschaftlich verwalteter Fuhrpark auf privater Ebene funktionieren kann. Gemeinsame PV-Anlagen versorgen die Wohngemeinschaft mit eigener Energie.

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klimaaktiv hat Menschen aus der Community eingeladen, ihre persönlichen Klimaschutzmaßnahmen aus dem Alltag zu teilen. Im Mittelpunkt stehen echte Beispiele aus dem Privatbereich, die zeigen, wie Klimaschutz zu Hause umgesetzt werden kann. 

Sybille C. lebt in einem klimafreundlichen Wohnprojekt. Sie berichtet über die gemeinsame Nutzung von Autos und Transporträdern (auch Lastenräder genannt) sowie die eigene Energieerzeugung und teilt ihre Erfahrungen mit den daraus entstehenden Vorteilen und Herausforderungen.

Kurzbeschreibung des Projekts:

  • Reihenhaus mit vier Personen in Oberösterreich
  • Wohnprojekt mit gemeinschaftlich genutztem Fuhrpark (Pkw und Transporträder)
  • Energieerzeugung durch eine 35 kWp Photovoltaik-Anlage und einem 23 kWh Speicher
  • Projektdauer: 7 Jahre

Was haben Sie im Detail gemacht? 

Vor sieben Jahren haben wir als Verein ein klimafreundliches Wohnprojekt mit biologischer Landwirtschaft in Rutzenmoos in Oberösterreich gegründet. Im Projekt leben zwölf Erwachsene und sieben Kinder in sieben separaten Wohneinheiten. Für Wärme und Strom kommen ausschließlich erneuerbare Energien zum Einsatz, von denen ein großer Teil selbst produziert wird. Auf den Dächern der Gebäude wurde bereits Photovoltaik mit einer Leistung von 35 kWp sowie ein Speicher mit einer Kapazität von 23 kWh installiert, wodurch sich das Projekt bilanziell selbst mit Strom versorgt. Den Bewohner:innen ist auch die Versorgung mit eigenen Lebensmitteln wichtig.

Geteilt werden nicht nur Gemeinschaftsräume, Waschmaschinen, Werkstätten etc., sondern auch Pkw im Rahmen eines Peer-to-Peer-Carsharing: Zwölf Erwachsene nutzen gemeinsam drei Pkw, davon ist einer ein E-Auto, sowie einen Lastenradfuhrpark mit drei Lastenrädern.

Folgende Pkw und Lastenräder haben wir angeschafft:

  • Nissan LEAF wurde neu vom Verein angeschafft
  • Skoda Oktavia wurde vom Privatbesitz in Vereinsbesitz überführt (wird demnächst durch ein weiteres E-Auto ersetzt)
  • VW-Bus für Lieferfahrten der angegliederten solidarischen Landwirtschaft und für Fahrten mit mehreren Personen (9 Sitzer). Hierfür hätten wir auch gerne einen E-Bus gewählt, war aber hinsichtlich hoher Anschaffungskosten nicht möglich.

Um den Fuhrpark gemeinsam zu verwalten, nutzen wir die App „Team Up“ zur Buchung von Fahrten und um die aktuellen Verfügbarkeiten sichtbar zu machen. Dort werden Buchungen mit Namen und Ziel eingetragen, um eventuell Mitfahrten und Synergien sichtbar zu machen. Durch die räumliche Nähe der Wohngemeinschaft ist es bei Engpässen meist relativ leicht, eine Absprache mit anderen Nutzer:innen und eine Umorganisation von Fahrten zu treffen.

Der Car-Pool wird für Freizeitfahrten, Kinderbring-Fahrten, Ausbildungsfahrten, Lieferfahrten der Landwirtschaft und nicht regelmäßige berufliche Fahrten genutzt. Pendlerfahrten durch einzelne Personen würden sich in diesem System nicht rechnen.

Wer oder was hat Sie motiviert?

Die Liebe zu unseren Kindern, der Spaß am miteinander Zukunft schaffen und der Wunsch den Planeten in besserem Zustand zu hinterlassen, als wir ihn vorgefunden haben.

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du in der Welt sehen möchtest...und such Dir unbedingt Verbündete. Denn jeder sollte bei sich beginnen, aber niemand muss die Welt alleine retten. ”

Highlights und Erfolgserlebnisse

  1. Die meisten Bewohner:innen des Belehofes besaßen beim Einzug ein privates Auto. Mittlerweile besitzt keiner der 12 Erwachsenen mehr ein Privatauto: Es werden ausschließlich die 3 Carsharing-Autos genutzt.
  2. Dank der Errichtung einer PV-Anlage (2021) und Erweiterung der Anlage 2024 versorgen wir auch eine regionale Erneuerbare Energie Gemeinschaft.
  3. Ein weiteres Highlight ist die Eigenversorgung mit Gemüse: Eine SOLAWI (solidarische Landwirtschaft) versorgt um die circa 40 weitere Haushalte mit Bio-Gemüse.

Welche Vorteile brachte das Projekt mit sich?

Die Versorgung mit eigenen Lebensmitteln und erneuerbarer Energie gibt ein Gefühl der Sicherheit. Der Geschmack von täglich frischem Salat und Gemüse ist ohnehin unbezahlbar. Bisher hat sich das System für die Mitglieder gut bewährt. Vor allem auch, weil wir uns bemühen, die Zufriedenheit regelmäßig abzufragen und zu evaluieren, ob der Mobilitätsbedarf gut genug gedeckt werden kann.

Die projekteigene PV-Anlage mit Speicher und die installierte Wallbox werden genutzt, um das meistgenutzte Carsharing-Auto (das E-Auto) zu laden. Im nächsten Jahr wird zudem ein Energiemanagementsystem installiert, um PV-Überschüsse für Ladeprozesse zu optimieren.

Das Projekt ist zudem ein Living Lab für zukunftsfähige Lebensstile. Es zeigt, dass ein klimafreundliches Leben einen Gewinn an Lebensqualität mit sich bringen kann – entgegen dem Vorurteil, solche Lebensstile würden auf Verboten und Verzicht basieren. Das Projekt zeigt außerdem, dass dieses „gute Leben für alle” leistbar ist. Die Einsparungen in den Bereichen Energie und Mobilität überkompensieren die höheren Ausgaben für qualitativ hochwertiges, zu 100 % biologisches Essen.

Welche besonderen Herausforderungen traten auf und wie haben Sie diese gemeistert?

Entscheidungen als Gruppe zu treffen, ist herausfordernd: Die soziokratische Entscheidungsfindung hilft unserer Projektgruppe, Konflikten vorzubeugen und unvermeidbare zwischenmenschliche Reibereien gut zu bewältigen. Die Bereitschaft, Autos zu teilen, war bei allen von Anfang an hoch. Schwieriger war es, alle davon zu überzeugen, dass eine gute Koordination möglich ist, sodass Autos immer dann verfügbar sind, wenn sie wirklich benötigt werden. Der Übergang von der uneingeschränkten Verfügbarkeit eines privaten Pkw zum koordinierten Nutzen geteilter Autos erforderte die meiste Überzeugungsarbeit.

Um ein Nachbarschafts-Carsharing zu starten, braucht es im Wesentlichen nur einen geteilten Kalender (z. B. Team Up, WeShare). Wir empfehlen außerdem, klare Regeln für die gemeinsame Nutzung zu vereinbaren und diese schriftlich festzuhalten.

  • Bleiben Kindersitze im Auto?
  • Wer übernimmt kleine und große Wartungsaufgaben?
  • Wer reinigt wann?
  • Dürfen Tiere mitfahren?
  • Sonstige Wünsche an die Sauberkeit und Pflege?
  • Wichtig ist auch, Versicherungsfragen abzuklären, und den Selbstbehalt im Schadensfall an alle NutzerInnen klar zu kommunizieren.

Einige Nachbar:innen zeigen Interesse am Carsharing-System. Da unser Carpool derzeit aber keine weiteren NutzerInnen verträgt und erweitert werden müsste, ist eine „Öffnung“ für Mitglieder außerhalb des Wohnprojektes aktuell noch nicht vorgesehen.

Wie hoch waren die Gesamtkosten und wurde das Projekt über Förderungen mitfinanziert?

Schwer zu sagen. Förderungen erhielten wir für die PV-Anlagen.

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