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Energie teilen statt verschwenden – ein Praxisbeispiel aus der Nachbarschaft

Peter O. erzählt, wie er und eine kleine Gruppe von Nachbar:innen es schaffte, Sonnenstrom gemeinsam zu nutzen: unkompliziert, technisch innovativ und mit echtem Mehrwert für alle.

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klimaaktiv hat Menschen aus der Community eingeladen, ihre persönlichen Klimaschutzmaßnahmen aus dem Alltag zu teilen. Im Mittelpunkt stehen echte Beispiele aus dem Privatbereich, die zeigen, wie Klimaschutz zu Hause umgesetzt werden kann. 

Peter O. erzählt uns, wie er seinen Haushalt schrittweise auf erneuerbare Energien umgestellt hat und wie es zur Gründung einer Energiegemeinschaft kam.

Kurzbeschreibung des Projekts: 

  • Einfamilienhaus mit vier Personen in Tirol
  • Photovoltaikanlage mit 5 kWp
  • Gründung einer Erneuerbaren Energiegemeinschaft

Was haben Sie im Detail gemacht? 

Bereits im Jahr 2009 begannen wir damit, unseren Haushalt und unsere Mobilität vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Der nächste große Schritt folgte im Jahr 2024: Seitdem wird überschüssiger Solarstrom direkt an Nachbar:innen innerhalb einer neu gegründeten Energiegemeinschaft weitergegeben. Unsere Photovoltaikanlage umfasst insgesamt 5 kWp und setzt sich aus einer älteren 1,72-kWp-Anlage und einem neueren 3,3-kWp-Anlagenteil zusammen. Ein Stromspeicher ist nicht vorhanden, da das Elektroauto tagsüber häufig direkt mit Sonnenstrom geladen wird. Die Anlagengröße orientiert sich an der verfügbaren Dachfläche und war von Beginn an bewusst überschaubar gehalten.

Gemeinsam mit zwei weiteren Haushalten haben wir eine lokale, erneuerbare Energiegemeinschaft gegründet, die dank einer selbst programmierten Steuerung überschüssige Energie über Haushaltsgrenzen hinweg verteilt. Ein eigens entwickeltes Live-Dashboard zeigt allen Beteiligten die wichtigsten Kennzahlen. Die Stromaufteilung erfolgt dynamisch, die Abrechnung quartalsweise über eine selbst entwickelte Excel-Lösung. Die Tarife werden pro Quartal neu berechnet, inklusive eines Mechanismus, der auch die Einspeisenden am Netztarifvorteil beteiligt.

Die Gemeinschaft ist als Verein mit insgesamt sechs Zählpunkten organisiert. Die Zusammenarbeit basiert auf langjähriger Nachbarschaft und einem freundschaftlichen Miteinander. Rund viermal im Jahr treffen sich alle Mitglieder, um organisatorische und technische Themen der Energiegemeinschaft gemeinsam weiterzuentwickeln.

Wer oder was hat sie motiviert?

Der Impuls für die Energiegemeinschaft entstand aus vielen Gesprächen mit einem Nachbarn, in denen die Idee, Strom gegenseitig auszutauschen, schon lange kursierte. Als dieser schließlich seine eigene PV-Anlage installierte, begannen wir, nach weiteren passenden Haushalten in unmittelbarer Nähe zu suchen. Entscheidend war, dass alle Teilnehmenden an derselben Trafostation angeschlossen sind, um den Netztarifvorteil optimal nutzen zu können. Da sich alle Beteiligten seit Jahren gut kennen, spielte die gewachsene Nachbarschaft eine zentrale Rolle: Sie wurde zur Basis für Vertrauen, Kooperation und eine funktionierende Gemeinschaft.

„Die Gründung einer Energiegemeinschaft im Privatumfeld ermöglicht spannende Überlegungen und fördert die Gemeinschaft unter den Teilnehmer:innen.”

Highlights und Erfolgserlebnisse:

  • Die Erfahrung, wie unkompliziert Gründung, Betrieb und laufende Abrechnung einer Energiegemeinschaft tatsächlich sein können
  • Der praktische Einblick in neue Technologien, von der Programmierung der Steuerungslogik bis hin zur Visualisierung
  • Erfolgreicher Einsatz eines Raspberry Pi als technische Basis für die gesamte Lösung
  • Entwicklung einer eigenen Softwarearchitektur mit Python, InfluxDB und Grafana
  • Freude über messbare Ergebnisse: Transparenz, Automatisierung und ein reibungsloser Energieaustausch innerhalb der Gemeinschaft

Wie lange dauerte die Umsetzung des Projektes?

Die Gründung der EEG dauerte 2 Monate sowie 6 Monate Wartezeit für Smart Meter. Die Entwicklung der Software dauerte circa 3 bis 4 Monate.

Welche Vorteile brachte das Projekt mit sich?

Die übersichtliche Darstellung ihres Stromverbrauchs und ihrer Stromerzeugung ermöglichte es den Teilnehmer:innen der EEG, ihre Energieflüsse einfach kennenzulernen und auch „Energiefresser“ zu identifizieren. Durch die gemeinsame Steuerung ist eine echte „Gemeinschaft“ unter den EEG-Teilnehmer:innen entstanden. Die weitere Einsparung von Energie wird Schritt für Schritt realisiert und optimiert.

Welche besonderen Herausforderungen traten auf und wie haben Sie diese gemeistert?

Der Start der Energiegemeinschaft wurde durch eine Verzögerung bei der Installation der Smart Meter erschwert: Zwei der drei beteiligten Haushalte erhielten ihre Geräte deutlich später als gesetzlich vorgesehen. Trotz dieses Ärgernisses zeigte sich schnell, dass man sich von anfänglichen Formalitäten nicht abschrecken lassen sollte. Der laufende Betrieb einer kleinen EEG ist erstaunlich unkompliziert, insbesondere die Abrechnung, die nach einer einmaligen Einrichtung nur noch mit geringem Aufwand pro Quartal verbunden ist.

Wichtig ist jedoch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Einspeisern und Verbrauchern. Um dieses Gleichgewicht realistisch einschätzen zu können, ist eine mindestens halbjährige Beobachtungsphase mit Sommer- und Wintermonaten erforderlich, in der die tatsächlichen Energiemengen und Austauschströme nachvollzogen werden können.

Wie hoch waren die Gesamtkosten?

Die EEG-Gründung kostete nur 20 Euro. Das verwendete Raspberry Pi rund 100 Euro.

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