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Energie teilen und unabhängig werden

So gründen Sie eine Familien-Energie-Gemeinschaft

Adi H. zeigt: Was mit einer Idee begann, wurde zu einer funktionierenden Familien-EEG – und zu einem persönlichen Lernweg voller neuer Fähigkeiten, Gemeinschaft und echter Energieunabhängigkeit.

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klimaaktiv hat Menschen aus der Community eingeladen, ihre persönlichen Klimaschutzmaßnahmen aus dem Alltag zu teilen. Im Mittelpunkt stehen echte Beispiele aus dem Privatbereich, die zeigen, wie Klimaschutz zu Hause umgesetzt werden kann. 

Von Adi H. aus dem Burgenland erfahren wir, wie eine Erneuerbare Energiegemeinschaft innerhalb der Familie zu einem höheren PV-Eigenverbrauch führen kann. 

Kurzbeschreibung des Projekts

  • Einfamilienhaus mit vier Personen im Burgenland
  • Umfassende Sanierung inklusive Heizungstausch
  • PV-Anlage mit 25 kWp
  • Gründung einer Erneuerbaren Energiegemeinschaft innerhalb der Familie

Was haben Sie im Detail gemacht?

Als wir unser Haus aus den 1960er-Jahren umfassend sanierten, nutzte ich die Gelegenheit, gleich mehrere Schritte in Richtung erneuerbare Energie zu setzen. Neben der baulichen Modernisierung tauschte ich die alte Heizung aus und stellte sie auf ein zeitgemäßes, nachhaltiges System um. Parallel dazu begann ich meine Photovoltaikanlage auszubauen: Auf die erste 5-kWp-Anlage folgte 2023 eine Erweiterung auf insgesamt 25 kWp. Da wir ein Mehrfamilienhaus mit Wärmepumpe und Elektroauto sind, lag unser Jahresverbrauch bei rund 20 MWh. Durch die große verfügbare Dachfläche konnte ich die Anlage entsprechend großzügig dimensionieren.

Um möglichst viel unseres eigenen Solarstroms zu nutzen, installierte ich zusätzlich einen Energiemanager (Smartfox) und sensibilisierte alle im Haushalt dafür, Geräte wie Waschmaschine oder Geschirrspüler vor allem bei Sonnenschein oder tagsüber zu verwenden. Diese Kombination aus Technik und bewusstem Verhalten zeigte Wirkung: Unser Netzbezug sank auf etwa 15 MWh pro Jahr, und gleichzeitig speisen wir heute rund 3 MWh mehr ins Netz ein, als wir daraus beziehen. Auch unser Elektroauto wird seit fünf Jahren zu 100 % zuhause geladen – überwiegend direkt aus der PV.

Ein zentraler Schritt war für mich die Gründung einer eigenen Energiegemeinschaft innerhalb der Familie. Meine Schwägerin hat aufgrund ihres Daches keine Möglichkeit, eine PV-Anlage zu installieren, und die hohen Energiepreise 2022 haben uns alle wachgerüttelt. Also beschloss ich, selbst herauszufinden, wie man eine EEG gründet – damals gab es kaum Erfahrungsberichte. Damit konnte ich gleich drei Ziele erreichen: meiner Familie Solarstrom bereitstellen, die Gründungsprozesse einer EEG von Grund auf verstehen und ein Handbuch für andere Interessierte verfassen, das heute auf www.4greenpower.eu öffentlich zugänglich ist.

Unsere Familien-EEG ist bewusst einfach gehalten: Es gibt keine Abrechnung, der Strom wird verschenkt. In vielen Gesprächen habe ich erfahren, wie groß das Interesse an diesem solidarischen Ansatz im Freundes- und Familienkreis ist. Die EEG verursacht keine laufenden Kosten; lediglich die Gründungskosten des Vereins fallen an. Dank meiner juristischen Grundkenntnisse konnte ich die Vorlageunterlagen von energiegemeinschaften.gv.at gut anpassen. Perfekt sind sie nicht, aber sie haben für die Vereinsgründung völlig ausgereicht. Ein gewisses Maß an PC-Kenntnissen benötigt man allerdings – sowohl für Einstellungen am Smart Meter als auch in den Netzbetreiber-Portalen und im EDA-System.

Heute besteht die EEG „4greenpower“ aus unserem Haushalt als Producer und dem Haushalt meiner Schwägerin als Consumer. Die BEG „4greenpower“, die ich gegründet habe, um meiner Familie in Wilfleinsdorf ebenfalls Strom zukommen zu lassen, wartet aktuell noch auf die Netzfreigabe im EDA-Portal. Offenbar dauern diese Prozesse inzwischen länger als damals bei unserer EEG-Gründung. Parallel dazu unterstütze ich Bekannte bei der Gründung ihrer eigenen BEG („phoenix-power.eu“), die österreichweit ausgerollt werden soll. Auch dort speise ich ein, da die Wiener Netze zumindest einen Producer verlangen.

Insgesamt hat mich dieser Weg nicht nur technisch weitergebracht, sondern auch persönlich motiviert. Viele der Projekte habe ich selbst umgesetzt – teils um Kosten zu sparen, teils, weil ich es einfach möglich machen wollte. Mit der Plattform 4greenpower.eu möchte ich langfristig meinen kleinen Beitrag zur Energiewende leisten.

Wer oder was hat sie motiviert?

Ich war nie ein Freund von Gas oder Holz. In meiner Wohnung in der ich 10 Jahre gelebt habe, hatte ich eine Gasheizung. Das war teuer und hat nie ordentlich funktioniert. Die Abhängigkeit davon hat mich geprägt. Energiearmut war in meinen jüngeren Jahren als 20-Jähriger, der allein wohnte, allgegenwärtig. Insofern wollte ich nie wieder fossile Brennstoffe verwenden.

Und davor, als ich noch bei meinen Eltern wohnte, hatten wir einen Scheitholzofen. Es war in der Früh immer kalt, und wir mussten immer neu einheizen oder nachlegen. Das war sehr unangenehm und unkomfortabel. Als ich dann von Wärmepumpen erfuhr, die mit Strom betrieben werden, war für mich bei der Hausplanung 2012 schon klar, dass ich so etwas haben möchte.

„Erneuerbare Energien bedeutet nicht zwangsläufig "Verzicht" oder "Einschränkung", es ist "Unabhängigkeit", "Nachhaltigkeit" und durchaus, wenn man es möchte: "Luxus"!”

Highlights und Erfolgserlebnisse

Das Schönste ist eigentlich gewesen, als all diese Vorbereitungen und Tätigkeiten mich bestätigt haben. Bei dem Anstieg der Strompreise, dem Aufschwung der E-Mobilität et cetera waren wir schon vorbereitet.

Und nicht zuletzt sind wir Energie-Negativ. Das heißt, wir produzieren mit unserer PV-Anlage in Summe mehr Strom, als wir vom Netz beziehen, inklusive unserem Elektroauto, das wir 100 % zuhause laden und einem Whirlpool, den ich ganzjährig mit 36° beheize. Das heißt in weiterer Folge, wenn man in Erneuerbare investiert, erreicht man unter Umständen Netto-Negativität und man müsste sich nicht einmal einschränken! Ich denke das kann man durchaus auch kommunizieren, den Energie-Luxus, in den man kommen kann, wenn man auf Erneuerbare vertraut!

Wie lange dauerte die Umsetzung des Projektes?

Seit 2012 laufend

Welche Vorteile brachte das Projekt mit sich?

  • zum Großteil Unabhängigkeit vom Strompreis, denn hoher Strompreis verursacht höhere Kosten, bringt jedoch auch mehr Einkommen aus Einspeisung
  • Vollautomatische Warmwasser und Heizung, kein Holzmachen im Winter mehr, kein Nachlegen oder Anheizen, angenehme Wohnungstemperatur ohne Mehrkosten

Welche besonderen Herausforderungen traten im Zuge der Umsetzung auf, und wie haben Sie diese gemeistert?

Obwohl ich weder Techniker noch Handwerker bin, musste ich mir vieles selbst aneignen und mich intensiv mit den technischen Themen auseinandersetzen. Eine große Unterstützung war dabei mein Vater, der als Elektriker viel Erfahrung mitbrachte und mir half, meine Ideen in die Praxis umzusetzen.

Für Familien, die über eine gemeinsame EEG nachdenken und Strom untereinander kostenlos teilen möchten, kann ich es nur empfehlen. Es stärkt nicht nur den Zusammenhalt, sondern auch das Bewusstsein für Energie. Die bürokratischen Schritte und technischen Einstellungen wirken am Anfang vielleicht etwas abschreckend, doch sobald alles eingerichtet ist, entsteht kaum weiterer Aufwand – abgesehen davon, gelegentlich einen Bericht zur eigenen Information herunterzuladen. Außerdem gibt es genügend Menschen, die gerne unterstützen, und die verfügbaren Vorlagen und Anleitungen werden immer besser. Vieles wirkt komplizierter, als es letztlich ist.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, einer bestehenden EEG oder BEG beizutreten. Dort wird üblicherweise abgerechnet, was vollkommen in Ordnung ist. Aus eigener Erfahrung – wir sind selbst Mitglied beim „Fanclub Energieunabhängig“ – kann ich sehr empfehlen, an einer oder auch mehreren Energiegemeinschaften teilzunehmen. Mittlerweile beziehen wir zwei Drittel unseres Reststrombedarfs, den wir nicht selbst erzeugen können, aus dieser BEG. Das liegt auch daran, dass sie Windkraftanlagen integriert hat.

Ein Punkt, der mir dabei besonders wichtig erscheint: EEGs oder BEGs sollten transparent machen, wie sie ihren Strom produzieren. Reine PV-Gemeinschaften liefern im Winter naturgemäß weniger Energie. Das sollten Interessierte unbedingt berücksichtigen – vor allem, wenn sie eine Wärmepumpe nutzen, die im Winter und oft auch nachts deutlich mehr Strom benötigt.

Wie hoch waren die Gesamtkosten, und wurde das Projekt über Förderungen mitfinanziert?

Die gesamte Sanierung kostete in etwa wie ein mittleres neues Einfamilienhaus, jedoch mit Vorzügen, die ein altes Bauernhaus bietet (Keller, Gewölbe, Nebengebäude).

Förderungen: 

  • Förderdahrlehen für Hausbau/Sanierung seitens Land Burgenland
  • Handwerkerbonus Land Burgenland
  • PV-Förderung aus Bundesmitteln
  • Elektroautoförderung von Bund und Land

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