Nachhaltige Mobilität im Tourismus
Gästekarten in Österreich: Mehr als nur eine Eintrittskarte
Gästekarten ermöglichen Urlaubern eine einfache und klimafreundliche Mobilität und unterstützen, den Verkehr zu reduzieren und nachhaltige Angebote attraktiver zu gestalten.
Mobilität als zentraler Bestandteil moderner Gästekarten
Gästekarten sind regionale Vorteilskarten, die in Zusammenarbeit von Unterkunftsbetrieben und Tourismusorganisationen gemeinsam bereitgestellt werden. Sie beinhalten unterschiedliche Leistungen und Vergünstigungen innerhalb der jeweiligen Destination.
Dabei entwickelt sich Mobilität zunehmend zum zentralen Bestandteil moderner Gästekarten. In vielen österreichischen Tourismusregionen stellt die inkludierte oder vergünstigte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel mittlerweile einen der größten Vorzüge für Gäste dar. Gästekarten entwickeln sich somit von reinen Rabattkarten zu wirksamen Mobilitäts- und Steuerungsinstrumenten innerhalb der Destination.
Gut zu wissen: Eine Umfrage des Destinationsnetzwerks Austria zeigt, dass Gästekarten bereits weit verbreitet sind: Rund 89 Prozent der österreichischen Tourismusregionen geben Gästekarten aus.
Gästekarten-Modelle im Überblick
In den meisten Regionen erhalten Übernachtungsgäste die Gästekarte kostenlos in ihrer Unterkunft oder im örtlichen Tourismusbüro. Voraussetzung für die Aushändigung der Karte ist die Bezahlung des Gästebeitrags (Nächtigungstaxe). Auch wenn die Gästekarte häufig als kostenloses Zusatzangebot beworben wird, werden die enthaltenen Leistungen somit indirekt über die Nächtigungsabgabe finanziert. Diese Information ist vor allem in der Kommunikation mit den Einheimischen relevant.
Die Gültigkeit der Gästekarte ist zeitlich auf die Dauer des Aufenthalts beschränkt. In vielen Regionen ist die Karte bereits am Anreisetag gültig.
Tipp: Wenn Gästekarten bereits vor der Anreise digital bereitgestellt werden, können diese auch für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln verwendet werden. Wenn man das Anreiseverhalten seiner Gäste beeinflussen möchte, spielt das Mobilitätsangebot vor Ort eine entscheidende Rolle.
Neben den klassischen Leistungen wie Willkommensgeschenken aus der Region, ermäßigtem Eintritt zu regionalen Museen und Sehenswürdigkeiten sowie Vergünstigungen bei Freizeitangeboten wie Bergbahnen, Schwimmbädern oder Ausflugszielen rücken für Gäste vor allem die inkludierten Mobilitätsleistungen immer mehr in den Vordergrund.
Häufig inkludierte Mobilitätsleistungen:
- Kostenlose Nutzung von Regionalbussen und -bahnen
- Nutzung von Wander- und Skibussen
- Vergünstigte oder kostenlose Nutzung von Bergbahnen
- Ermäßigungen für Fahrradverleih, E-Bikes oder E-Carsharing
Davon zu unterscheiden sind Kaufkarten, die unabhängig von einer Übernachtung erhältlich sind und somit auch von Einheimischen erworben werden können. Dazu zählen zum Beispiel die verschiedenen Bundesländerkarten wie etwa die Niederösterreich Card oder die Kärnten Card.
Gut zu wissen: Immer mehr Regionen setzen – nach dem Prinzip der Gästekarten – auch auf Vergünstigungskarten für Mitarbeitende im Tourismus. Ein Beispiel dafür ist die Schladming Benefitcard, die zur Mitarbeiterbindung und Attraktivität als Arbeitgeber:in beiträgt.
Vorteile für Ihre Gäste
Die Gästekarte zeichnet sich durch Komfort und Flexibilität für Reisende aus:
- Durch die inkludierte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel entfällt der zusätzliche Aufwand für den Ticketkauf sowie die oft komplizierte Auseinandersetzung mit regionalen Tarifsystemen.
- Gäste können sich frei und flexibel innerhalb der Destination bewegen, ohne sich im Vorfeld mit Fahrkarten, Zonen oder Gültigkeiten beschäftigen zu müssen.
- Insbesondere für Gäste ohne eigenes Fahrzeug oder internationale Besucher:innen ermöglicht die Gästekarte einfachen und bequemen Zugang zur gesamten Region.
Erfolgsfaktoren für mobilitätsorientierte Gästekarten
Gäste müssen klar und transparent darüber informiert werden, welche Verkehrsmittel sie nutzen dürfen, in welchem räumlichen und zeitlichen Umfang die Gästekarte gilt und wie die Nutzung konkret funktioniert.
Öffentliche Verkehrsmittel sollten nicht nur touristische Hotspots miteinander verbinden , sondern auch Unterkünfte, Ortszentren und Freizeitangebote. Eine ausreichende Taktung ist dabei besonders wichtig, um den öffentlichen Verkehr als echte Alternative zum eigenen Pkw attraktiv zu machen. Nur wenn Verbindungen regelmäßig und zuverlässig verfügbar sind, wird die Gästekarte im Mobilitätsbereich tatsächlich genutzt.
Idealerweise wird die Gästekarte bereits vor der Ankunft digital zur Verfügung gestellt und ist bereits am Anreisetag gültig.
Laut dem Destinations-Netzwerk Austria bieten bereits rund 65 Prozent der Regionen eine physische als auch digitale Gästekarte an. Digitale Lösungen ermöglichen eine einfache Bereitstellung, Aktualisierung und Nutzung der Karte über das Smartphone. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass die Gästekarte auch offline nutzbar ist, um Einschränkungen durch fehlende Internetverbindungen zu vermeiden, aber auch um alle Zielgruppen anzusprechen.
Die Kooperation von Tourismus, Verkehrsverbünden und Gemeinden bildet die Grundlage dafür, dass Gästekarten nicht nur als Marketinginstrument, sondern als integrierter Bestandteil einer ganzheitlichen Mobilitätsstrategie innerhalb der Destination wirken. Nur durch abgestimmte Konzepte, eine gemeinsame Finanzierung und eine koordinierte Kommunikation können nachhaltige Mobilitätslösungen erfolgreich umgesetzt werden.
Vorteile für Betriebe und Destination
Als nachhaltiger und zukunftsorientierter Betrieb können Sie mit der Gästekarte besser planen, steuern und den Individualverkehr reduzieren.
Reduktion des Individualverkehrs in touristisch stark frequentierten Gebieten. Durch attraktive und einfach nutzbare Alternativen zum Auto können Verkehrsaufkommen und Emissionen deutlich verringert werden. Weniger Individualverkehr entlastet auch Ortszentren, Parkplätzen und sensible Naturräume und verbessert somit die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung.
Lenkung der Besucher:innenströme: Mit einem entsprechenden Mobilitätsangebot können Gäste gezielt gesteuert werden und Hotspots entlastet und weniger frequentierte Orte besser eingebunden werden.
Unterkunftsbetriebe profitieren davon, dass sie ihren Gästen eine einfache, umweltfreundliche Mobilitätslösung anbieten können. Dabei haben Sie selbst keinen organisatorischen Mehraufwand.