Kreislaufwirtschaft: Ressourcen in Gemeinden und Regionen langfristig nutzen
Kreislaufwirtschaft in Gemeinden beginnt nicht erst bei der Abfalltrennung. Mit gezielten Maßnahmen können Gemeinden bereits bei der Planung, beim Bauen und bei der Beschaffung Ressourcen schonen und Flächen, Gebäude und Materialien länger im Kreislauf halten. Wir unterstützen mit praxisnahe Informationen bei der konkreten Umsetzung und zeigen, wie Kreislaufwirtschaft als kommunales Projekt erfolgreich implementiert werden kann.
Gemeinden gestalten Ortszentren, widmen Flächen, errichten und betreiben Gebäude, beschaffen Produkte und organisieren wichtige Teile der Daseinsvorsorge. Sie beeinflussen damit unmittelbar, wie viele natürliche Ressourcen verbraucht werden, wie lange Produkte und Gebäude genutzt werden und welche Abfälle entstehen beziehungsweise wie diese verwertet werden.
Was bedeutet Kreislaufwirtschaft in der Region?
In einer linearen Wirtschaftsweise werden Rohstoffe gewonnen, verarbeitet, genutzt und anschließend entsorgt. Die Kreislaufwirtschaft verfolgt einen anderen Ansatz: Produkte sollen langlebig, reparierbar und wiederverwendbar sein. Materialien sollen nach ihrer ersten Nutzung nicht zu Abfall werden, sondern erneut eingesetzt werden. Bestehende Gebäude, Leerstände und bereits erschlossene Flächen sollen möglichst effektiv genutzt werden, bevor neue Flächen in Anspruch genommen werden. Das Ziel der Kreislaufwirtschaft ist es, den Bedarf an neuen Ressourcen möglichst gering zu halten.
Ressourceneffizienz bringt Gemeinden konkrete Vorteile
- Kosten optimieren: Langlebige und reparierbare Produkte, gut genutzte Gebäude sowie deren gemeinsame Nutzung können die Ausgaben für Neuanschaffungen und Neubauten verringern.
- Regionale Wertschöpfung stärken: Reparatur, Sanierung und Wiederverwendung schaffen Aufträge für lokale Betriebe und soziale Einrichtungen.
- Lebensqualität verbessern: Belebte Ortskerne, Reparatur-, Tausch- und Leihangebote fördern Begegnung und gemeinschaftliches Handeln.
- Klima und Umwelt schützen: Weniger Rohstoffverbrauch, Abfall und Flächeninanspruchnahme reduzieren Umweltbelastungen und Treibhausgasemissionen.
Ressourcen schonen: Zentrale Handlungsfelder für Gemeinden
Die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft in Gemeinden umfasst zahlreiche Handlungsfelder, die je nach örtlichen Gegebenheiten und Zuständigkeiten unterschiedlich ausgestaltet sein können. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über einige zentrale Handlungsfelder, die für Gemeinden von besonderer Bedeutung sind.
Fläche ist eine begrenzte und kostbare Ressource. Ihre Nutzung ist eng mit dem Schutz von Böden, Grundwasser, Biodiversität und landwirtschaftlichen Produktionsflächen verbunden. Werden Böden versiegelt, verlieren sie wichtige natürliche Funktionen, etwa die Aufnahme und Speicherung von Niederschlagswasser, die Kühlung der Umgebung sowie ihre Bedeutung als Lebensraum und Ernährungsgrundlage.
Der sparsame und bewusste Umgang mit Flächen ist daher sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich notwendig. Neue Siedlungen und Gebäude verbrauchen nicht nur Flächen, sondern verursachen häufig auch zusätzliche Kosten für Straßen, Wasser- und Abwassernetze, Energieversorgung und soziale Infrastruktur. Die Nutzung bereits erschlossener Flächen kann dagegen die Auslastung bestehender Infrastruktur verbessern.
Um Flächen effizient zu nutzen, können Gemeinden:
- bestehende Leerstände und ungenutzte Flächen erfassen
- Brachflächen und innerörtliche Baulandreserven mobilisieren
- Eigentümer:innen leerstehender Gebäude aktiv ansprechen
- kommunale Gebäude mehrfach und flexibel nutzen
- Sanierung, Umnutzung und Nachverdichtung vor Neubau prüfen
bei neuen Vorhaben Folgekosten für Infrastruktur und Mobilität berücksichtigen
Der Brachflächen-Dialog unterstützt Gemeinden, Eigentümer:innen und Expert:innen bei der sinnvollen Nutzung brachliegender Flächen.
Erfahren Sie mehr über Praxisbeispiele und Lösungsansätze zur Aktivierung von Leerständen und Brachflächen in Gemeinden im Webinar-Rückblick „Leerstand und Brachflächen“ vom Team Kreislaufwirtschaft.
Kommunale Gebäude und regionale Infrastrukturen binden über viele Jahre große Mengen an Rohstoffen und finanziellen Mitteln. Entscheidungen in der Planungsphase bestimmen, ob Gebäude später saniert, angepasst oder rückgebaut werden können.
Eine wesentliche Frage in Bezug auf Ressourceneffizienz ist, ob überhaupt neu gebaut werden muss. Die Sanierung, Umnutzung oder Erweiterung eines Bestandsgebäudes kann Ressourcen und Fläche sparen und gleichzeitig Ortskerne stärken.
Ist ein Neubau notwendig, sollte der gesamte Lebenszyklus des Gebäudes berücksichtigt werden. Kreislauffähiges Bauen bedeutet:
- flexible Grundrisse für unterschiedliche Nutzungen
- langlebige und reparierbare Konstruktionen
- schadstoffarme und trennbare Materialien
- Recyclingbaustoffe und wiederverwendete Bauteile
- Dokumentation der eingebauten Produkte und Materialien
Bei einem Rückbau können beispielsweise Türen, Leuchten, Sanitärausstattung, Möbel, Pflastersteine oder Konstruktionsteile erneut genutzt werden. Voraussetzung ist, dass mögliche Wiederverwendungen frühzeitig geprüft und Schad- und Störstoffe vor dem Rückbau identifiziert werden.
Beim Bauen übernimmt die Gemeinde gleich mehrere Rollen: Sie ist Bauherrin und Gebäudeeigentümerin, häufig Baubehörde und zugleich erste Ansprechpartnerin für Bauwerber:innen. Sie kann deshalb sowohl bei eigenen Projekten mit gutem Beispiel vorangehen als auch Informationen zu ressourcenschonendem Bauen und Rückbauen bereitstellen.
Der klimaaktiv Gebäudestandard unterstützt Gemeinden dabei, die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft im Hochbau umzusetzen. Neben Energieeffizienz berücksichtigt er auch Ressourceneffizienz, schadstoffarme Materialien, Rückbaubarkeit und die langfristige Nutzbarkeit von Gebäuden. Dadurch werden Gebäude so geplant, dass Materialien möglichst lange genutzt und am Ende ihres Lebenszyklus wiederverwendet oder hochwertig verwertet werden können. Der klimaaktiv Gebäudestandard bietet dafür konkrete Qualitätskriterien und Planungshilfen über den gesamten Gebäudelebenszyklus – von der Planung über die Nutzung bis zum Rückbau. Weiterlesen
Good-Practice Beispiel: Die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik wurde um ein neues Seminar- und Bürogebäude in Holzbauweise erweitert und mit dem klimaaktiv Gold Standard ausgezeichnet. Weiterlesen
Gemeinden kaufen eine Vielzahl von Produkten und Dienstleistungen ein. Dazu zählen Möbel, IT-Geräte, Büromaterial, Arbeitskleidung, Fahrzeuge, Reinigungsmittel, Lebensmittel und Bauleistungen.
Mit ihrer Nachfrage können Gemeinden den Markt für langlebige, reparierbare und ressourcenschonende Produkte stärken. Nachhaltige Beschaffung ist deshalb einer der unmittelbarsten kommunalen Hebel für die Kreislaufwirtschaft.
Vor einer Ausschreibung oder Bestellung sollten zunächst folgende Fragen geprüft werden:
- Wird das Produkt tatsächlich benötigt?
- Ist ein geeignetes Produkt bereits in einer anderen kommunalen Einrichtung vorhanden?
- Kann ein vorhandenes Produkt repariert oder aufgerüstet werden?
- Kann das Produkt gemietet, geteilt oder gebraucht beschafft werden?
- Welches Produkt verursacht über seine gesamte Nutzungsdauer die geringsten Kosten? Hierbei ist nicht nur der Kaufpreis entscheidend, sondern auch die Kosten für Energie, Wartung, Reparatur und Entsorgung.
- Was geschieht mit dem Produkt nach dem Ende seiner Nutzung?
Auf der Plattform für nachhaltige öffentliche Beschaffung (naBe) finden Sie Kriterien, Werkzeuge und Praxisbeispiele zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung.
Viele Gegenstände und Geräte werden nur selten genutzt oder wegen kleiner Defekte frühzeitig ersetzt. Repair-Cafés, Tauschplattformen, offene Werkstätten und Sharing-Angebote setzen hier an. Sie verlängern die Nutzungsdauer von Produkten, vermeiden Abfälle und schaffen neue Begegnungsräume.
Die Gemeinde ist dabei oft nicht selbst die Betreiberin dieser Angebote. Häufig kann sie aber Räume zur Verfügung stellen, regionale Initiativen miteinander vernetzen, organisatorische Unterstützung leisten oder die Angebote über ihre Kommunikationskanäle bekannt machen. Geeignete Partner sind unter anderem Vereine, Bibliotheken, Bildungseinrichtungen, soziale Betriebe und Abfallwirtschaftsverbände.
Mögliche Angebote sind:
- Repair-Cafés
- Werkzeug- und Geräteverleih
- Bibliotheken der Dinge
- Tauschmärkte
- Re-use-Sammeltage
- Mehrweg- und Leihgeschirr für Veranstaltungen
- gemeinschaftlich genutzte Fahrzeuge
Einen Überblick über Repair-Cafés in Österreich gibt es auf repaircafes.at
Abfallwirtschaftsverbände haben Erfahrung mit der Sammlung, Verwertung und Vermeidung von Abfällen sowie der dazugehörigen Kommunikation. Gemeinden können als Mitglieder ihres Abfallwirtschaftsverbandes dessen Entwicklung mitgestalten. Ziel kann sein, über die Entsorgung hinaus Angebote für Abfallvermeidung, Reparatur, Wiederverwendung und regionale Materialkreisläufe auszubauen. Viele Verbände bieten bereits Repair-Cafés, Re-use-Bereiche, Tauschplattformen oder Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung an.
Wo finden Gemeinden Unterstützung?
- Team Kreislaufwirtschaft: Das Team Kreislaufwirtschaft richtet sich gezielt an Gemeinden, kommunale Verwaltungen, Politik und regionale Multiplikator:innen. Angeboten werden Beratung, Workshops, Schulungen, Vernetzung sowie praxisnahe Werkzeuge für Gemeinden und Regionen.
- Ressourcencheck für Gemeinden: Mit dem kostenlosen „Gemeinde Ressourcen Check“ können Gemeinden erfassen, wo sie in Sachen Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz stehen. Der Selbstcheck zeigt auf, wo die Gemeinde schon erfolgreiche Maßnahmen gesetzt hat und in welchen Bereichen noch Handlungsmöglichkeiten bestehen.
- Förderkompass Kreislaufwirtschaft: Der Förderkompass Kreislaufwirtschaft ermöglicht die Suche nach aktuellen Förderprogrammen der Europäischen Union, des Bundes und der Länder. Für Gemeinden ist insbesondere die Zielgruppe „Öffentliche Einrichtung“ relevant.
- naBe-Plattform: Die Plattform für nachhaltige öffentliche Beschaffung, kurz naBe, stellt Leitfäden, Praxisbeispiele und Werkzeuge für den öffentlichen Einkauf bereit.
Jetzt mitmachen!
Sie möchten die Kreislaufwirtschaft in Ihrer Gemeinde oder Region aktiv voranbringen? Bewerben Sie sich bis 11. September für eine Zusammenarbeit mit dem Team Kreislaufwirtschaft. Im Rahmen eines kostenlosen, begleiteten Prozesses erhalten teilnehmende Gemeinden und Regionen Unterstützung bei der Analyse ihrer Potenziale, der Entwicklung eines regionalen Aktionsplans und der Umsetzung konkreter Maßnahmen durch Expert:innen.Hier anmelden.