Bioeconomy Strategy Progress Report

Der Fortschritt der Bioökonomie in den 27 Mitgliedstaaten der EU wurde nun in einem offiziellen Bericht zusammengefasst und bewertet. Die in der EU-Bioökonomie-Strategie festgelegten Maßnahmen sind generell auf dem Richtigen weg, um die gesetzten Ziele zu erreichen.

  • Regionale Bioökonomie-Strategien fördern die sektorübergreifende Zusammenarbeit
  • Insbesondere in mittel- und osteuropäischen Staaten wurden bei der Bioökonomie Fortschritte erzielt und neue Netzwerke etabliert
  • Mobilisierung privater Investitionen und positive Entwicklung bei Neugründungen und F&E-Aktivitäten u.a. in der Lebensmittelindustrie
  • Europa hat zudem eine starke Position am Weltmarkt für biobasierte Chemikalien und Materialien gefestigt

Der Bericht zeigt jedoch auch auf, dass weitere Maßnahmen erforderlich sind, u.a. um die Nachfrage nach Land & Biomasse besser zu steuern und um den ökologischen sowie wirtschaftlichen Anforderungen in einem klimaneutralen Europa besser gerecht werden zu können. Zudem muss an nachhaltigeren Verbrauchsmustern gearbeitet werden. Wichtige Take-Home Messages bei den aktuellen Trends der Bioökonomie lauten:

  • Es gibt zunehmend mehr Bioökonomie-Strategien in der EU (national, regional)
  • Biomassenutzung: hauptsächlich als Lebens- & Futtermittel, Wachstum bei der Holznutzung
  • Kaskadenprinzip wird als besonders wichtig erachtet
  • Innovationen in den biobasierten Industrien sowie der Lebensmittelindustrie zeigen das Potenzial der europäischen Bioökonomie besonders gut auf
  • Öffentliche Beteiligung an Forschung & Innovation ist ein Erfolgsmodell

Bioökonomie gilt demnach als "innovationsgetrieben und zirkulär", mit dem übergeordneten Ziel, mehr Nachhaltigkeit zu erreichen. Die Wirtschaft müsse zunehmend in „bioökonomische“ Produktionssysteme übergehen, in die nicht nur die Produktion & Fertigung, sondern auch die Circularity-Strategien: „refurbishing, recycling, lifetime extension & consumption reduction“ und davon insbesondere das Recycling integriert sind.

Österreichische Aktivitäten im Progress Report

Österreich ist eines von 10 EU-Mitgliedstaaten, die bereits nationale Bioökonomie-Strategien implementiert haben. Im Bericht wird sowohl auf die Strategie von 2019, als auch auf die Leuchttürme der Bioökonomie (2021) sowie die Bioökonomie-Modellregionen des Klima- und Energiefonds Bezug genommen. Zudem werden die Bioökonomie-Clusteraktivitäten des Landes Niederösterreich genannt. Die thematische Breite der österreichischen Strategie ist dabei ähnlich jenen der anderen EU-Mitgliedstaaten zu sehen. In der Kategorie "Policy Actions" hat Österreich keinen Eintrag unter „Bioökonomie-Monitoring“, wobei sich der Progress Report auf das Jahr 2021 bezieht und zu jenem Zeitpunkt ein Monitoring lediglich in Planung war. Es wird jedoch erwähnt, dass es in Österreich bereits sektorbezogene Monitorings der Bioökonomie gibt. Relevante, bundesweite Bioökonomie-Vorhaben in Österreich wurden in dem Bericht zudem detailliert beschrieben und repräsentieren die Bandbreite an Innovationen anschaulich.

Monitoring der Bioökonomie auf EU-Ebene

Das EU-Monitoring ist dazu geeignet, einen groben Überblick über die Aktivitäten auf EU-Ebene zu geben. Es ersetzt jedoch nicht die nationalen Bestrebungen für ein Monitoring, da es nicht spezifisch genug ist, um den Erfolg auf der Ebene von nationalen Maßnahmen messen oder entsprechende Schlussfolgerungen ableiten zu können.

Die großen Zielkonflikte der Bioökonomie werden vom EU-Monitoring angesprochen: Druck auf die Landnutzung, d.h. CO2-Speicherung, Biomassenutzung, Außernutzungsstellung, Biodiversität usw. bei gleichzeitiger Steigerung der Nachfrage nach biogenen Materialien und Bioenergie sowie fehlende Fachkräfte.

Die zukünftige inhaltliche Ausrichtung der Bioökonomie wird sich gemäß des Progress Reports an den Themen Landnutzung und Konsum bzw. der Nachfrageseite des Marktes orientieren. Das ist beispielsweise im Hinblick auf die derzeitige Energieversorgungskrise und wachsende Begehrlichkeiten nach dem Rohstoff Holz plausibel. Regionalität und Stakeholder-Einbindung werden als wichtige Erfolgsfaktoren für die Entwicklung der Bioökonomie gesehen, beides wird u.a. auch durch das Bioeconomy Policy Forum unterstützt. Bei der Stakeholder-Einbindung, dem Monitoring und der Kommunikation von "Bioökonomie-Erfolgen" leistet klimaaktiv einen wichtigen Beitrag.

Bioökonomie in Zeiten der Krise

Die Bedeutung der Bioenergie sowie die Notwendigkeit, diese zu fördern, wird stetig steigen. Bei der künftigen Umsetzung des EU-Aktionsplans für die Bioökonomie müssen deshalb die Auswirkungen auf die Lebensmittel- & Energiepreise sowie Preise für energieintensive Produkte und globale Lieferketten berücksichtigt werden. Der daraus resultierende zusätzliche Druck auf die natürlichen Ressourcen innerhalb der Ökosystemgrenzen muss demnach gesondert und gezielt adressiert werden.

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs ist es zu begrüßen, dass die Rolle der Bioökonomie zur Substitution von fossilen Rohstoffen, Produkten, etc. durch eine forcierte Umsetzung der Bioökonomie-Strategie weiter gestärkt werden wird. Bioökonomie bleibt also nicht nur wichtig, sondern wird zunehmend notwendig, um die Versorgungs- und Klimaziele der EU zu erreichen.

Bioökonomie im Kontext: Circular Economy und Green Deal

Die Veröffentlichung des Reports und seine Inhalte zeigen die wieder wachsende Bedeutung der Bioökonomie im aktuellen politischen Kontext der EU auf. Um Fortschritte bei der Verwirklichung der EU-Ziele des Green Deals zu erzielen, sind Alternativen zu Produkten auf fossiler Basis, eine verbesserte Ressourceneffizienz industrieller Prozesse und innovative Lebens- und Futtermittel mit dem Innovationsvermögen der Bioökonomie erreichbar. Viele Bereiche des Green Deals haben große Relevanz für die weitere Entwicklung der europäischen Bioökonomie.

Konkrete Schnittstellen zu anderen Strategien, der Kommunikation sowie Verordnungen gibt es bei den Zielen „Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Ressourcen“, etwa zur Kreislaufwirtschafts-Strategie – hier vor allem über Abfallreduktion und "consumer empowerment", Biodiversitätsstrategie, Renovierungswelle, Grüne Chemikalienstrategie, aber auch der „Ernährungssicherheit“, „Nachhaltigen Ressourcennutzung“ (Farm-to-Fork, Luftreinhaltung, Waldstrategie, Nachhaltige Kohlenstoffkreisläufe), „Klimawandel- und Klimawandelanpassung“ (Anpassungsstrategie, LULUCF, RED) sowie der „Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“ (Industriestrategie, EU-Taxonomie-Verordnung, Green Finance/Invest).

Obwohl die Bioökonomie in der EU quantitativ wächst, sind bei Weitem noch nicht alle Potenziale ausgeschöpft. Fortschritte bei der Bioökonomie-Strategie erfordern eine stärkere Anerkennung der Bioökonomie-Sektoren als Wegbereiter für die Erreichung der Ziele in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der EU in verschiedenen politischen Initiativen. Um die Widerstandsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu stärken, sollte die Bioökonomie deshalb zu einem unverzichtbaren Bestandteil der geopolitischen Strategie der EU gemacht werden.

Weiterführende Links

Bioeconomy Strategy Progress Report 2022

Leuchttürme der Bioökonomie in Österreich

Bioökonomie-Strategie für Österreich

KEM Bioökonomie/Kreislaufwirtschaft Ausschreibungen

Green Finance Alliance des BMK | Allianz für den Klimaschutz

Veröffentlicht am 11.11.2022