Erste deutschsprachige Empfehlung für Superblocks verfügbar

Superblocks, also verkehrsberuhigte Orts-/Stadteile, sind unter verschiedenen Namen seit der Einführung der „Superilles“ in Barcelona Anfang der 2000er auch in anderen Gegenden umgesetzt worden. Um die Mobilitätswende voranzutreiben, ist es hilfreich dieses Konzept flächendeckend auf den Boden zu bringen, aus Deutschland gibt es hierfür nun Empfehlungen für Mindest-, Regel- und Goldstandard.

Was ist ein Superblock?

Mit dem klimaaktiv Standard für Siedlungen und Quartiere gibt es bereits einen hervorragenden Qualitätsstandard für größere Bauvorhaben. Das Konzept der Superblocks hilft dabei den Bestand mit Verkehrsberuhigungsmaßnahmen klimafitter zu gestalten und die Lebensqualität zu steigern. Hier werden verschiedene Straßenzüge zu sogenannten Superblocks zusammengefasst, in welchen ein Durchfahren mit dem Auto nicht mehr möglich ist und der motorisierte Verkehr auf Zu- und Abfahren beschränkt wird. Der Durchzugsverkehr verläuft entlang der Grenzen der Superblocks, die freiwerdenden Straßenräume innerhalb der Nachbarschaft werden für bessere Aufenthaltsqualität und eine gesteigerte Klimaresilienz genutzt.

Kurze Autofahrten werden unpraktikabel, der Umweltverbund (Zu-Fuß-Gehen, Radfahren, Öffentliche Verkehrsmittel nutzen) hingegen attraktiver. So löst sich ein Teil des Autoverkehrs auf, was sich wiederum positiv auf die ganze Stadt auswirkt. Dieser Effekt wird durch die Umsetzung von weiteren Superblocks verstärkt und noch immer unterschätzt. Der Begriff Superblock und das dahinterstehende Konzept profitiert dabei von lokalen Expert:innen - in Wien spricht man vom Supergrätzl, anderswo vielleicht von Supernachbarschaften oder Superortsteilen.

Superblock-Standards

Um die Umsetzung dieses Konzepts in die Fläche zu bringen und gleichzeitig sicherzustellen, dass gewisse Mindestanforderungen erfüllt werden, welche nötig sind um die positiven Effekte zu erzielen, hat die deutsche Fachgruppe Standards für die Mobilitätswende nun Standards für Superblocks herausgegeben.

  • Mindeststandard
    Im Mindeststandard wird der Superblock in verschiedene Anliegerzonen unterteilt, die mit dem Auto von den umgebenden Hauptverkehrsstraßen erreicht und verlassen werden können. Zwischen den verschiedenen Anliegerzonen gibt es für den Autoverkehr keine direkten Wegverbindungen, diese sind dem Umweltverbund vorbehalten. Erreicht wird das durch Straßenumnutzung, lineare Modalfilter wie Poller, Pflanzkübel oder auch durch schmale Einbahnstraßen.
  • Regelstandard
    Zusätzlich zu den Maßnahmen des Mindeststandards sind mindestens 25 Prozent der nutzbaren Fahrbahnränder für Straßengrün, Stadtplätze, Fuß- und Radinfrastruktur und weitere verkehrsberuhigende Maßnahmen wie Fahrbahnverschwenkungen vorgesehen. Die verbleibenden Fahrbahnränder sind mit Parkraummanagementmaßnahmen zu priorisieren. Die Umsetzung basiert auf den Erfahrungen die im Mindeststandard gemacht wurden und erfordert einen breiten Partizipationsprozess, der sich die lokale Expertise insbesondere auch von Kindern und Jugendlichen zu Nutze macht.
  • Goldstandard
    Zusätzlich zu den Verbesserungen innerhalb des Superblocks, werden auch die umgebenden Hauptverkehrsstraßen verträglich gestaltet. Dies beinhaltet ein Tempolimit von 30 km/h, bevorrangten öffentlichen Verkehr, verbesserte Rad- und Fußinfrastruktur und ebenfalls verbesserte Aufenthaltsqualität. Darüber hinaus werden die nutzbaren Fahrbahnränder innerhalb des Superblocks weiter vom ruhenden Verkehr befreit, sodass im Goldstandard keine privaten Kraftfahrzeuge mehr im öffentlichen Raum parken. Unterstützt wird der Goldstandard durch das raumplanerische Prinzip der Stadt der kurzen Wege.

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Veröffentlicht am 23.01.2024

Kontakt

klimaaktiv mobil – Mobilitätsmanagement für Städte, Gemeinden und Regionen komobile - Herry Consult
Helmut Koch, Raphael Glück, Katharina Zauner-Levine, Daniela Hirländer
t: +43 (0)7612 70 911 13

komobile GmbH - Standort Gmunden
A-4810 Gmunden, Kirchengasse 3
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