Vorstellung des Bioökonomie-Aktionsplans und des Bioeconomy Austria-Netzwerks

Nach dem Beschluss der Bioökonomiestrategie für Österreich im Jahr 2019 und der Vorstellung der Leuchttürme der Bioökonomie in Österreich 2021 wurde nun der Bioökonomie Aktionsplan mit den gebündelten 115 Maßnahmen aus Expert:innen Workshops als Online-Informationsportal am 08. November 2022 von der Bundesregierung an der Universität für Bodenkultur, Wien vorgestellt.

In herausfordernden Zeiten wie diesen werden Abhängigkeiten von Importen und der Energieversorgung immer deutlicher – Fragil sei die dabei die Abhängigkeit von globalen Lieferketten, so Ministerin Gewessler. Gepaart mit der Klimakrise und dem Verlust an Biodiversität ist dies eine Gefährdung für uns und das Leben nachfolgender Generationen. Um dem entgegenzuwirken brauchen wir eine klimafreundliche Wirtschaft, die nach den natürlichen Grenzen unseres Planeten wirtschaftet. Dafür brauche es mehr denn je drei Dinge – die Energiewende, die Mobilitätswende und eine Kreislaufwirtschaft. Klimaschutz, Biodiversitätsschutz und die nachhaltige Nutzung unserer biogenen Rohstoffe gehen dabei Hand in Hand – nur das sichert unsere Lebensgrundlage. Der Ersatz fossiler Rohstoffe ist dabei unabdingbar und Produkte sollten länger haltbar sowie wiederverwendbar sein.

Einer der Leuchttürme aus dem Bioökonomie Aktionsplan ist das "Bioeconomy Austria" Netzwerk, welches Bioökonomie Cluster formen soll, Stakeholder vernetzen und biobasierte Industrien verbinden. Auch die Schaffung einer österreichweiten und regional differenzierten digitalen Plattform für den Handel mit sekundären Rohstoffen (Abfälle, Reststoffe und Nebenprodukte als Rohstoff) steht im Fokus. Um diese Sekundärrohstoffe marktfähig zu machen, braucht es verlässliche Zertifikate und Normen.

Ein zweiter wesentlicher Schwerpunkt der Bioökonomie sind Textilien. Hierbei sollen synthetische Faser bspw. mehr und mehr durch holzbasierte Fasern ersetzt werden. Das vermindert auch die Mikroplastik-Problematik, denn viele Kunststoffe gelangen als Mikroplastik über Waschvorgänge von Textilien aus Kunstfasern in die Umwelt. Dieses und andere Forschungsthemen werden durch den Förderschwerpunkt der FTI-Kreislaufwirtschaft seit zwei Jahren mit jeweils 14 Mio. € gezielt gefördert.

Für die Umsetzung des Aktionsplans und der Maßnahmenbündel wurde im Juni 2022 durch beide Ministerien BMK und BML das Bioeconomy Austria Netzwerk ins Leben gerufen, bestehend aus 150 Partner:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft - Dieses präsentiert sich heute erstmalig. Neben der FTI-Initiative Kreislaufwirtschaft, ist Bioökonomie auch ein Schwerpunkt in klimaaktiv – Es ist ein Querschnittsthema, welches sich in vielen Maßnahmen abbildet und nur durch gemeinschaftliches, interdisziplinäres Zusammenarbeiten gelingen kann.

In Zeiten multipler Krisen braucht es Antworten auf die Fragen nach der Versorgungslage, so Landwirtschaftsminister Totschnig. Dabei geht es vorrangig um Lebensmittel und Energie – Die Land- und Forstwirtschaft trägt hierzu einen wesentlichen Teil bei, nicht nur hinsichtlich der Lebensmittel, sondern auch in der Bereitstellung von erneuerbaren Energien und leistet somit einen Beitrag zur Klimaschutzumsetzung sowie Herstellung der Versorgungssicherheit. Bioökonomie hat hierbei ein großes Potential mitzuwirken – Innovative Entwicklungen können derzeit vor allem im Holzbau beobachtet werden.

Andreas Tschulik, Abteilungsleiter V/7 vom BMK, stellte die Genese der Bioökonomiestrategie und Details zur digitalen Umsetzung des Bioökonomie Aktionsplans vor und gab Ausblick auf die konkrete Entwicklung von Bioökonomie-Projekten in den Regionen sowie dem geplanten Monitoring der Bioökonomie in Österreich, welches sich an jenem der EU orientieren wird. Die Rolle der Regionen wurde auch von Frau Veronika Holzer, Leiterin des Geschäftsfelds "Lebensraum Regionen" der Sektion III des BML hervorgehoben.

Franz Sinabell, Wirtschaftsforscher am WIFO, stellte das Beschäftigungsausmaß in der "Bio-Ökonomie" Österreichs, das heißt "wertschöpfenden Berufen" vor allem in der holzbasierten Wirtschaft, anhand von Verläufen in den letzten Jahren sowie geografischen Verteilungen in den Regionen dar. Die Forstwirtschaft bietet viele Möglichkeiten nicht nur in der Primärproduktion, sondern auch in der Nachbereitung und Veredelung. Die Themen der Bioökonomie seien hierbei ähnlich angeordnet wie die Schalen einer Zwiebel – sie bauen aufeinander auf, ohne einen einzigen zentralen Kern zu haben. Kernbereiche und enge sowie weniger eng verflechtete Branchen zeigen Produktivitätszuwächse und vor allem Effizienzsteigerungen bei nahezu gleichbleibenden Beschäftigungszahlen. Die Holzwirtschaft sei damit vielleicht nicht das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft, aber die regionale Wirtschaft hätte ohne sie eine Stütze nötig, so Sinabell. Nun ginge es vor allem darum, Märkte für die Dienstleistungen und Güter von morgen herbeizuführen. Aus dem was andere als Abgase in die Atmosphäre abgeben, ließen sich durch die langfristige CO2-Bindung in bspw. Holz, Holzprodukten und Böden, nachhaltige Werte schaffen.

Tobias Stern vom Institut für Systemwissenschaften der Universität Graz, schlug eine Brücke zwischen den geschichtlichen Entwicklungen des Begriffs "Bioeconomy", vom anfänglichen "Degrowth" Bewegung der 60er/70er Jahre gäbe es auch heute im sog. "Green Growth" eigentlich nur dann eine nachhaltige Nutzung, wenn man die politische Bioökonomie auch an der "Ökonomie der Natur" orientiert. Wachstumsraten biobasierter Produkte seien gemessen im Zeitraum von 2018 bis heute zwar gering, aber konstant, wenn auch wenig konkurrenzfähig im globalen Kontext gesehen. Gemäß der Österreichischen Waldinventur beläuft sich die Nutzung der Wald- und Forstnutzung auf 88 % - ein "Mehr Holz aus dem Wald" sei damit nicht möglich, wohl aber die kaskadische Nutzung von Holz und Holzprodukten. Demnach wäre im Zuge eines "Green Fracking" die 1,57-fache Nutzung jedes Festmeters Holz und daraus erzeugter Produkte möglich. Neue Anwendungen und Märkte seien dabei letztlich nur nachfrageseitig zu triggern, so Stern. Stoffliche und energetische Verwendungen von Holz gegeneinander auszutauschen, ist bilanziell ein "Null-Summen-Spiel", der CO2-Fußabdruck bleibt gleich. Daher braucht es neue Anwendungsmöglichkeiten wie bspw. die von Lignin & Vanillin als Substitute in der Chemikalienproduktion.

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Veröffentlicht am 11.11.2022