Bioökonomie: Nachwachsende Rohstoffe im Kontext klimaschutzpolitischer Herausforderungen

Bioökonomie nimmt in der Wende zu einer postfossilen Gesellschaft eine herausragende Bedeutung ein. Daher stellt sich die Frage, wie der Übergang beschleunigt werden kann.

Viele wissenschaftliche Studien und Policy-Paper widmen sich der Frage, mit welchen Policy-Instrumenten die Markttransformation beschleunigt werden kann. Die Frage, wie NAWAROs mit Bottom-up-Ansätzen gefördert werden können, untersuchte  ein rezentes Projekt von Energieagentur, Caritas und FH Krems (IMC) im Auftrag des Klima- und Energiefonds.

Bottom-up-Initiativen tragen zum Auflösen der systemimmanenten Trägheit bei

Das Energiesystem ist aufgrund der Klimakrise in eine „Stresssituation“ gekommen. Die Veränderung in Richtung Energiewende ist erforderlich, aber was vertraut ist und funktioniert, wird nicht gerne aufgegeben. Dieses Verlangen nach Sicherheit und Stabilität führt neben den in der Regel hohen Investitionskosten zu einer systemimmanenten Trägheit des Systems und bildet dadurch ein Hemmnis für den Wandel. In diesem Zusammenhang ermöglichen Bottom-up-Initiativen Engagement und Involvierung von Zielgruppen und können so eine Dynamik zum Überwinden dieser systemimmanenten Trägheit leisten.

Zwar werden in Studien enorme theoretische (technische) Potenziale, ganz besonders auch für NAWAROs, ausgewiesen, die eine Bioökonomie problemlos machbar erscheinen lassen. Das aktuell tatsächlich „ausgeschöpfte Potenzial“ ist allerdings weit von den ausgewiesenen theoretischen und wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten entfernt. Die Schlüsselfrage der Klimaschutzpolitik ist daher: Wie nähert man das aktuell „ausgeschöpfte“ Potenzial an das theoretische und wirtschaftliche an? Wie initiiert man eine Wende bzw. eine Dynamik, die dies ermöglicht? Inwiefern können neue Handlungsansätze und neue AkteurInnen einen Beitrag dazu leisten? Und wie kann die Politik dabei unterstützend wirken? Das sind die zentralen Fragestellungen im Zusammenhang mit Bottom–up-Initiativen und Energiewende.

Bottom-up steht im Gegensatz zu Top-down. Top-down bezeichnet das Regieren durch politisch legitimierte Entscheidungsbefugte. Im Gegensatz dazu stehen Bottom-up-Initiativen in der Regel von BürgerInnen für BürgerInnen (im Sinne einer sogenannten ‚Politik von unten‘). Der Bottom-up-Ansatz betont die Beteiligung der Gemeinschaft und die lokale Entscheidungsfindung. Der partnerschaftliche Ansatz der Gemeinschaftsentwicklung kann zwar auch von der Politik initiiert werden, allerdings sind starke Partizipationsprozesse durch die Bevölkerung das zentrale Element, damit eine Initiative als „bottom up“ klassifiziert werden kann. 

Der gesellschaftliche Nutzen von Bottom-up-Initiativen

Das Ziel der Gemeinschaftsentwicklung (Bottom up-Ansatz) besteht darin, die Gemeinschaften zu stärken und ihre Lebensqualität zu verbessern. Dies beinhaltet auch die Schaffung verbesserter sozialer und wirtschaftlicher Bedingungen durch die Betonung der freiwilligen Zusammenarbeit und der Selbsthilfebemühungen der Gemeinschaften. Partizipation ist ein wesentlicher Bestandteil des Selbsthilfeprozesses und der Gemeinschaftsentwicklung. Der Hauptschwerpunkt liegt darin, Gemeinschaften zu helfen, sich auf eine Art und Weise zu verändern und zu entwickeln, die sie selbst wünschen, und mit materieller Unterstützung, die sie effektiv nutzen wollen. Erfolg in gemeinschaftlichen Entwicklungsprogrammen erfordert, dass sich die Menschen emotional mit diesen Programmen identifizieren.

Ein bekanntes Beispiel für Bottom-up-Initiativen ist z.B. Energie-Kontext die Erfolgsgeschichte der Solarthermie-Selbstbaugruppen in Österreich. Alle Charakteristika von erfolgreichen Bottom-up-Initiativen trafen auf diese Selbstbaugruppen zu. Sind im Energiewende-Kontext vergleichbare Prozesse und Entwicklungen NAWAROs denkbar? Diese Frage stand im Mittelpunkt des erwähnten Bottom up-Projektes.

Beispiel für eine Bottom-up-Initiative mit NAWAROs

Als eine Möglichkeit einer Bottom-up-Initiative für NAWAROs wurde „Gemeinsam Dämmen mit nachwachsenden Rohstoffen“ identifiziert. Das von der Energieagentur gemeinsam mit Caritas und der FH Krems (IMC) durchgeführte Projekt , wie Bottom-up-Ansätzen die Energiewende beschleunigen können, brachte folgende Erkenntnisse: Bei Initiativen mit direktem Energiebezug (wie die thermische Sanierung mit Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen) sind Bottom-up-Ansätze kaum vorhanden, da die Themen zum einen sehr komplex sind, zum anderen die Menschen bei diesem Thema sehr risikoavers agieren.

Um das Hemmnis hoher Komplexität aufzulösen, sind Initiativen in lokale Gemeinschaften eingebunden und werden in Kooperation mit lokalen Netzwerken umgesetzt. Man spricht in diesem Zusammenhang von Bottom-linked-Ansätzen.

Zum Forcieren von Bottom-linked-Initiativen verfügt man in Österreich bereits über eine entsprechend gute Infrastruktur (Klimaschutzinitiative klimaaktiv, KEM-Regionen, e5-Gemeinden, Klimabündnis etc.). Über diese Netzwerke können innovative Initiativen wie z.B. „Gemeinsam Dämmen mit NAWAROs“ an die Adressaten kommuniziert und die entsprechenden Unterstützungsleistungen organisiert werden.

Erfolgsfaktoren für das Gelingen von Bottom up-Initiativen sind unter anderem:

  • Glaubwürdige Personen vor Ort mit Reputation als Anker, sichtbare TrägerInnen und Promotoren von Initiativen
  • Komplexitätsreduktion/One-Stop-Shop/organisatorische Unterstützung
  • Garantieren von finanzieller Berechenbarkeit bei kostenintensiven Maßnahmen, wenn es um Investitionsmaßnahmen geht (in Form von „All-in-Paketen“)
Veröffentlicht am 05.08.2020

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