Nachlese - Unternehmen umbauen Teil 2

Am 30. September 2021 fand der zweite Teil der klimaaktiv Energieeffiziente Betriebe Webinar-Reihe Unternehmen umbauen – Erfahrungen auf dem Weg in Richtung Klimaneutralität statt. Die Webinar-Reihe ist Teil der klimaaktiv Webinar-Serie 21 „Österreich umbauen – nachhaltig, modern, gerecht“.

„Wenn wir alle an einem Strang ziehen, schaffen wir viel mehr für den Klimaschutz und unsere lebenswerte Zukunft“, betont Umweltministerin Leonore Gewessler in der Videobotschaft zu Beginn des Webinars.

Nach einem kurzen Rückblick auf den ersten Teil der Webinar-Reihe wurden die Auswertungen von bisher 550 ausgezeichneten Effizienzmaßnahmen vorgestellt. Bei 75 % der eingereichten Maßnahmen wurden die Leistungen von Energieberater:innen in Anspruch genommen, für rund 50 % der Maßnahmen wurde eine Investitionsförderung abgeholt.

Das Beratung und Förderung wichtige Instrumente sind, um den Weg in Richtung fossilfreie, klimaneutrale Zukunft konsequent zu gehen, hat auch die Mentimeter Umfrage im ersten Teil der Webinar-Reihe gezeigt. Förderung und Beratung waren häufig genannte Begriffe.

Welche Rolle Netzwerke auf dem Weg zu den Klimazielen spielen, in denen sich Betriebe austauschen und voneinander lernen können, war Thema des ersten Beitrages.

„Ein großer Wert der Netzwerke liegt in den regelmäßigen Treffen von Experten aus verschiedenen Unternehmen. Dadurch baut sich im Laufe der Zeit eine Vertrauenskultur zwischen den Teilnehmer:innen auf. Durch den ganz natürlich entstehenden informellen Austausch können sich die Unternehmen dann unkompliziert auf ihrem Weg zur Klimaneutralität und zu mehr Energieeffizienz unterstützen, erklärt Bertram Schedler von SmartBridge.“ Bertram Schedler ist Moderator und beratender Ingenieur der Vorarlberger LEEN-Netzwerke (LEEN steht für „Lernende Energieeffizienznetzwerke“) und betreut das Unternehmen Rattpack Flexibles seit mehr als zehn Jahren. Daher konnte er kurzerhand für Stephan Fischnaller einspringen, der aus Krankheitsgründen kurzfristig absagen musste.

Rattpack Flexibles ist klimaaktiv Projektpartner seit 2018, hat heuer eine Effizienzmaßnahme im Bereich Wärmerückgewinnung eingereicht und zur Verlängerung der Projektpartnerschaft einen Maßnahmenplan 2030 abgegeben. Warum die Themen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz bereits seit Jahren eine wichtige Rolle bei Rattpack Flexibles spielen, hat uns Stephan Fischnaller vorab beantwortet. „Unser Engagement im Bereich Energieeffizienz und Nachhaltigkeit hat einmal das Ziel möglichst CO2 neutral zu werden und als zweites ist ganz klar der wirtschaftliche Aspekt zu nennen. Ein weiterer Grund ist, dass die Themen Nachhaltigkeit, Green Footprint, Energiekonzepte, Zertifizierungen z. B. 50001, 14001 bei unseren Kunden abgefragt und bei der Auftragsvergabe mitunter ein entscheidender Vorteil ist. Das wichtigste dabei ist, dass die Themen von der Geschäftsleitung über die verschiedenen Abteilungen bis zur Produktion aktiv gelebt wird.

Der nächste Beitrag kam von einem weiteren Beratungsunternehmen, das Betriebe dabei unterstützt ihren Weg in Richtung Klimaneutralität zu finden. Die Berater:innen von sattler energie consulting begleiten seit vielen Jahren Betriebe zur Einreichung und Auszeichnung im Rahmen von klimaaktiv. „Die Klimakrise und das Streben nach Nachhaltigkeit sind für Unternehmen zentrale Themen, die die betrieblichen Ressourcen oftmals überschreiten. Damit wird es essentiell auf starke Partner zu vertrauen, die von der Energiedatenerfassung über die Planung und Umsetzung von Effizienzmaßnahmen hin zu einem ganzheitlichen Monitoring und dem Aufzeigen von Optimierungspotentialen begleiten und mit Know-how und Erfahrung entsprechend den individuellen Bedürfnissen und der betrieblichen Ausgangssituation beraten, erklärt Martin Hinterndorfer, der stellvertretend für sattler energie consulting zu Gast war.

100 % erneuerbarer Strom bis 2030 oder Klimaneutralität 2040, fast täglich lesen oder hören wir diese Themen in den Medien. Aber wie muss sich die österreichische Stromversorgung auf dem Weg zu den Klimazielen verändern? Günter Pauritsch, Experte der Österreichischen Energieagentur, hat einen kurzen Einblick in dieses Thema gegeben.

„Der starke Trend hin zur Elektrifizierung und Digitalisierung zeigt deutlich, dass die Stromversorgung immer wichtiger wird. Das ist darauf zurückzuführen, dass strombasierte Technologien oft die effizientesten sind. Zusätzliche Faktoren die für Strom sprechen, sind die hohe Versorgungssicherheit, hoher Komfort und das hohe Potenzial für erneuerbare Stromerzeugung in Österreich. Um die Abhängigkeit von Stromimporten zu reduzieren und das Ziel „100 % erneuerbarer Strom aus Österreich 2030“ zu erreichen, ist der Fokus auf den Ausbau erneuerbarer Energieträger im Inland zu legen. Ein positiver Nebeneffekt: Dies generiert inländische Wertschöpfung, schafft neue und sichert bestehende Arbeitsplätze.

Die Nutzung der effizientesten Technologien und der Einsatz von Strom- und anderen Energiespeichern sind zentrale Elemente in der Energiewende.

Für das große übergeordnete Ziel der Klimaneutralität 2040 und dem damit verbundenen Ausstieg aus fossilen Energieträgern werden auch erneuerbare Gase eine immer wichtigere Rolle spielen. Wie eine aktuelle Studie zeigt, werden Prozesse aus der energieintensiven Industrie für rund 70 bzw. 75 % der gesamten Nachfrage nach erneuerbarem Gas verantwortlich und damit ein wesentlicher Treiber sein. Sinnvoll ist der Einsatz von erneuerbarem Gas jedoch nur in Bereichen, für die keine anderen Möglichkeiten der Dekarbonisierung bestehen (Hard-to-abate-Sektoren), so das Fazit von Günter Pauritsch.“

Nach einem kurzen Einblick in die großen Herausforderungen in eine klimaneutrale Zukunft, war ein Unternehmen zu Gast, dass bereits ein großes Stück auf dem Weg dorthin zurückgelegt und eine Strategie 2040 eingereicht hat. Jenbacher INNIO GmbH ist seit 2017 Projektpartner und ein Vorzeigebetrieb auf dem Weg in Richtung Klimaneutralität 2040.

Rudi Raunig, seit 45 Jahren im Unternehmen, berichtet von den Erfahrungen und Herausforderungen zur Erreichung der Ziele. „Auf unserem Weg zu einer CO2 neutralen Fabrik müssen wir die Sache von allen Seiten in Angriff nehmen, das Gesamtsystem umstellen. Dabei kann der Standort in Jenbach zum Modellfall und Vorzeigeprojekt werden. Um diese Herausforderung zu meistern, brauchen wir kluge Köpfe mit klugen Ideen, Partnerschaften und Gelder von der EU, der österreichischen Regierung und vom Land Tirol. Unser Engagement wird allen zugutekommen – unserem Unternehmen, unseren Mitarbeiter:innen und unserem Planeten!“

Wir bedanken uns bei den Referentinnen und Referenten für die Vorträge und Interviews. Weitere interessante Beiträge gibt es beim nächsten Termin, am 11. November 2021.

Veröffentlicht am 06.10.2021