Interne Kampagne
Vom Aktionstag zur Mobilitätskampagne: So aktivieren die Barmherzigen Brüder Mitarbeitende
Das Krankenhaus greift die Initiativen „Österreich zu Fuß" und „Österreich radelt" auf und übersetzt sie in den eigenen Arbeitsalltag. Entscheidend für den Erfolg: ein klarer Auftakt, sichtbare Vorbilder und kontinuierliche Kommunikation.
Ausgangspunkt: Ein Aktionstag als Türöffner
Mobilität klimafreundlich gestalten – das klingt im Krankenhausalltag aufwendig. Dabei reicht oft ein konkreter Anlass, um etwas ins Rollen zu bringen. Die Barmherzigen Brüder Linz haben den „Tag des Zu-Fuß-Gehens" bewusst als sichtbaren Startpunkt gewählt: eine E-Mail-Aussendung, Plakate im ganzen Haus, ein eigens produziertes Social-Media-Video und direkt dahinter eine Einladung zur Schritte-Challenge. Der Tag allein war nicht das Ziel, er war das Sprungbrett.
Das Projekt ist strategisch verankert: im EMAS-Umweltmanagement des Krankenhauses und in den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs), die das Haus aktiv lebt. Der Einstieg für die Mitarbeitenden ist aber bewusst niederschwellig – kein Fachwissen nötig, kein großer Aufwand.
Der entscheidende Trick: Vorhandenes nutzen statt neu erfinden
Die Barmherzigen Brüder Linz haben für ihre Schritte-Challenge nicht bei null begonnen. Sie haben die Kampagne „Österreich zu Fuß" adaptiert. Die Initiative von klimaaktiv mobil stellt Unternehmen, Organisationen und Gemeinden fertige Materialien, Plakate und ein bewährtes Konzept zur Verfügung. Drei verschiedene Plakatmotive wurden für den Krankenhausalltag angepasst.
Das Ergebnis: hoher Wiedererkennungswert, starke Identifikation der Mitarbeitenden – und ein Bruchteil des Aufwands einer Eigenentwicklung. Parallel dazu läuft die Rad-Challenge „Mit dem Rad zur Arbeit" im Rahmen von „Österreich radelt" – ebenfalls ein etabliertes Format, das das Krankenhaus bereits seit Jahren erfolgreich einsetzt. Die Botschaft für andere Organisationen ist klar: Diese Kampagnen sind gemacht dafür, übernommen zu werden. Man muss das Rad nicht neu erfinden.
Wie die Challenge funktioniert
Die Schritte-Challenge „Willst du mit mir gehen" läuft von Mai bis Juli 2026. Mitarbeitende erfassen ihre täglichen Schritte – im Dienst und in der Freizeit – über die hauseigene App Bro2Go und je nach Bedarf mit oder einem Leihschrittzähler. Die Teilnahme ist einzeln oder im Team möglich.
Lebendig wird die Aktion durch die Teams: Gruppen aus verschiedenen Stationen geben sich kreative Namen – „Schrittmacher:innen", „Aufnahmeflitzer" oder die „Augen-Gang" – und motivieren sich gegenseitig. Aus einer Kampagne wird ein Gesprächsthema: in Pausen, auf den Stationen, bereichsübergreifend. Teamwertungen und eine Prämierung im Rahmen der Mobilitätswoche im September bringen zusätzlichen Ansporn.
Kommunikation, die nicht aufhört
Der Aktionstag ist der Auftakt – danach läuft die Kommunikation kontinuierlich weiter: über Intranet, die Mitarbeitenden-App, E-Mail-Aussendungen, Plakate und Liftaushänge mit wechselnden Inhalten im Zwei-Wochen-Rhythmus sowie Social Media. Im Fokus stehen dabei Themen wie: Mobilität, die Relevanz der SDGs im Krankenhaus-Alltag, Facts zu EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) sowie die Rubrik „Wusstest du, dass …?“. Zur Bewerbung der Schritte-Challenge wurde eigens ein kurzes Social-Media-Video produziert: Die Koordinatorin des Umweltteams spricht darin selbst vor der Kamera – authentisch und direkt aus dem Haus.
Hinzu kommen Aktionen direkt vor Ort: Beim „Walk & Talk" macht die Krankenhausleitung anlässlich des Weltumwelttages gezielt auf die Schritte-Challenge aufmerksam – sichtbar und motivierend für die Mitarbeitenden. Die „Vitamin-D-Tankstelle" lädt mit eigens gebrandeten Sonnenliegen zum Entspannen im Freien ein und setzt einen einfachen, aber wirksamen Impuls, Pausen bewusst draußen zu verbringen. Sichtbar engagierte Führungskräfte gehören dabei zu den stärksten Hebeln für eine hohe Beteiligung der Belegschaft.
Teamarbeit als Voraussetzung
Hinter dem Projekt steht ein eingespieltes internes Team. Das Umweltteam mit 15 Personen aus allen Bereichen des Hauses – von Technik, Pflege und Ärzteschaft über die Diätologie bis zur Reinigung – liefert die inhaltliche Grundlage. Die Kampagnenmaterialien gestaltet eine Mitarbeiterin aus dem Marketing, während eine Social-Media-Beauftragte die Kanäle betreut.
„Bei uns ist das Teamarbeit. Ein Vorteil ist, dass die kaufmännische Direktorin Teil des Umweltteams ist. So können wir Themen in regelmäßigen Jour Fixes gemeinsam bearbeiten und kommen schnell und gut voran.”
Was diese Initiative bewirkt
Rund 80 Mitarbeitende nehmen an der Schritte-Challenge teil – eine starke Resonanz, die das Umweltteam bestätigt: Mobilität ist im Alltag als Gesprächsthema angekommen. Die Teams motivieren sich gegenseitig und tragen das Thema weit über die aktiv Teilnehmenden hinaus. So entwickelt die Initiative eine Eigendynamik – und genau das war das Ziel.
Learnings
- Verschiedene Berufsgruppen brauchen unterschiedliche Zugänge – nicht alle Kanäle erreichen alle gleich gut.
- Anmeldung und aktive Teilnahme sind nicht dasselbe – die tatsächliche Beteiligungsrate zeigt sich erst im Verlauf.
- Kurze, einfache Formate helfen, die Zeitressourcen im Arbeitsalltag zu schonen.
Einfach nachmachen - so gelingt der Einstieg
- Bestehende Kampagnen nutzen: „Österreich zu Fuß" und „Österreich radelt" bieten fertige Materialien und Konzepte – einfach adaptieren.
- Mit einem konkreten Aktionstag starten, nicht mit einer Gesamtstrategie.
- Bewegung und Klimaschutz verbinden – der Gesundheitsaspekt motiviert oft mehr als das Klimaargument.
- Führungskräfte von Anfang an einbinden und sichtbar machen.
- Kommunikation einfach und kontinuierlich halten.
„Die Aufgaben waren auf mehrere Personen aufgeteilt. Der Zeitplan für dieses Projekt war durchaus anspruchsvoll, doch dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit konnten alle Meilensteine termingerecht erreicht werden.”