Betriebliches Mobilitätsmanagement
Klimafreundlich zur Arbeit: Betriebliches Mobilitätsmanagement der KAGes
Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft setzt seit 2013 auf klimafreundliche Mobilität: Jobtickets, Jobräder, E‑Flotte und gezielte Maßnahmen zur Verkehrsreduktion stärken den Umweltverbund, entlasten den Standort und fördern die Gesundheit der Mitarbeitenden.
Verkehrsreduktion und Parkplatzmanagement
Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) fördert seit 2013 konsequent die umweltfreundliche Mobilität ihrer über 19.000 Mitarbeitenden. Dabei geht die KAGes mit ihrem betrieblichen Mobilitätsmanagement gleich mehrere Herausforderungen gleichzeitig an und hat sich etlichen Bereichen ambitionierte Ziele gesetzt.
Um die Zahl der Pkw-Fahrten auf dem Arbeitsweg zu verringern, wurden neue umweltfreundliche Mobilitätsangebote geschaffen. Durch die Erweiterung und Diversifizierung dieser Angebote werden Mitarbeiter:innen motiviert, verstärkt auf nachhaltige Verkehrsmittel umzusteigen.
Ziel ist es, die Verkehrsbelastung rund um das LKH Universitätsklinikum Graz zu reduzieren, Treibhausgasemissionen zu vermeiden und gleichzeitig den hohen Parkplatzdruck zu verringern.
Aktive Mobilität und Gesundheit gehen Hand in Hand
Aufgrund der Corona-Pandemie haben sich die Vorbehalte gegen die Nutzung stark frequentierter öffentlicher Verkehrsmittel erhöht. Daher wird als nachhaltige und klimaschonende Alternative die individuelle Mobilität mit Fahrrädern beworben und gefördert. Die vielen Vorteile Aktiver Mobilität werden laufend hervorgehoben und der Zugang erleichtert. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Gesundheit der Mitarbeitenden: Im Rahmen einer Studie wurden Verbesserungen der Leistungsfähigkeit in den Bereichen Metabolismus, Hirngesundheit, Immunsystem und Zellalterung gemessen.
Mobilität als Teil des Employer Brandings
Maßnahmen zur Förderung des Umweltverbunds, also Zu-Fuß-Gehen, Fahrradfahren und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, können das Image als Arbeitgeber verbessern. Daher werden Möglichkeiten des Employer Brandings bei der Planung und Umsetzung solcher Maßnahmen berücksichtigt.
„Als größter Arbeitgeber der Steiermark tragen wir Verantwortung – für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die Region und für kommende Generationen. Nachhaltigkeit ist für uns gelebte Praxis und Vorbildauftrag zugleich. Mit innovativen Mobilitätslösungen wie Jobrädern, Jobtickets und einer stetig wachsenden E-Flotte zeigen wir, dass Klimaschutz und Gesundheitsförderung Hand in Hand gehen können. Jede Maßnahme, die unsere Wege umweltfreundlicher macht, ist ein Beitrag zu einer gesünderen Zukunft – für Mensch und Umwelt gleichermaßen.”
Maßnahmen der KAGes im Überblick
- Diensträder: Für Wege auf dem Gelände, zwischen zwei Standorten oder für anderweitige Dienstwege werden Fahrräder zur Verfügung gestellt.
- Jobräder: Die Mitarbeitenden können ein (E)-Rad aussuchen, welches vom Dienstgeber bei einem lokalen Radhändler gekauft wird. Der Mitarbeitende zahlt dann 3 Jahre lang ein Nutzungsentgelt. Danach geht das Rad in den Besitz des Mitarbeitenden über.
- Radinfrastruktur: Den Mitarbeitenden stehen überdachte und versperrbare Abstellanlagen mit Anlehnbügeln zur Verfügung. Mit den „DrückMichis“ stehen außerdem flexible Radabstellbügel am LKH-Univ. Klinikum Graz zur Verfügung, die bei Bedarf aus- bzw. wieder eingeklappt werden können und eine effiziente Nutzung des Raumes ermöglichen.
- Jobticket: Die KAGes bietet ihren Mitarbeitenden Jobtickets für Arbeits- und Dienstwege an. Diese Tickets für öffentliche Verkehrsmittel werden entweder vollständig bezahlt oder teilgefördert.
- Fahrplanüberarbeitung: Um diese besser an die Dienstzeiten der Mitarbeitenden anzugleichen, wurden die Fahrplanzeiten und Frequenzen für Busse und Züge angepasst. Dadurch kann eine höhere Auslastung gewährleistet werden.
- Radservicetage- und wochen: Mehrmals jährlich werden kostenlose Radservices angeboten. Ersatzteile müssen selbst bezahlt werden; eine Radwäsche ist oftmals inkludiert.
- Bike2Work-Kampagne (B2W): Mitarbeiter:innen können Ihre Fahrten vom und zum Arbeitsplatz und die damit eingesparten CO2-Emissionen mit der Bike Citizen-App aufzeichnen. In Team-Challenges mit wöchentlichem Ranking und bei Gewinnspielen können Teilnehmende Preise gewinnen.
- Bike-Festival: Im März 2024 wurde am LKH-Univ. Klinikum Graz ein Festival veranstaltet.
- Ideenwettbewerb: Zur Verbesserung der Radinfrastruktur am LKH-Univ. Klinkum Graz wurde ein Ideenwettbewerb abgehalten.
- Weitere Veranstaltungen: Es werden laufend Informationsveranstaltungen abgehalten und Radausflüge organisiert.
- Wahlmöglichkeit: Die Mitarbeitenden können zwischen einem Jobrad, einem Jobticket oder einem Parkplatz wählen.
- Dienstwege innerhalb von Graz können nicht mehr mit privaten Pkw zurückgelegt werden. Ein Anreizsystem motiviert zum Umstieg von Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel.
- Mobilitätsbefragungen: Im Jahr 2023 wurde im LKH Murtal eine Mobilitätsbefragung durchgeführt. Im Jahr darauf wurde dann für die gesamte KAGes eine Mobilitätsbefragung durchgeführt.
- Studie "The Magic Power of Exercise - Let's get mobilized": Im Zuge der Bike2Work-Kampagne wurden die Auswirkungen von Bewegung auf die körperliche und psychische Gesundheit erforscht.
- Mobilitätskoordinatoren wurden an allen Standorten ernannt.
Die interne E-Flotte wird laufend erweitert und an allen Standorten werden E-Ladestationen errichtet. E-Fahrzeuge werden für Dienstfahrten aber auch für die interne Logistik (z.B. E-Schlepper, E-Klinikbus) eingesetzt.
„Das Projekt 'Sanfte Mitarbeiter*innenmobilität in der KAGes' punktet insbesondere durch seine Vielfalt: Das Angebot reicht vom Jobticket und Jobrad über Fahrradservice bis hin zum Dienstrad oder E-Auto für Arbeitswege und Fahrplananpassungen für Öffi-Nutzer*innen.”
Erste Erfolge werden sichtbar
Im ersten Jahr wurden über 1.500 Jobtickets vergeben, wodurch sich die Warteliste für Parkplätze von 700 auf nahezu 0 reduzierte. Bereits über 200 Mitarbeitende nutzen das Jobrad-Modell, 50 Jobräder konnten bereits in das Eigentum von Mitarbeitenden übergeben werden.
Der Umweltverbund soll weiter gestärkt werden und bis 2040 insgesamt 45 Prozent des Modal Split ausmachen. Die Anteile von ÖV und Fahrrad liegen bereits über dem steirischen Durchschnitt, der Fußverkehr darunter.
„Durch die Einführung der Jobtickets konnte die Warteliste auf einen Parkplatz im städtischen Bereich enorm reduziert werden. Die Jobräder hingegen sind eine Maßnahme zur aktiven, individuellen Mobilität. Beide Mobilitätsformen bewirken außerdem eine Emissions- sowie Lärmreduktion rund um die Krankenhausstandorte. Umweltfreundliche Mobilität wirkt sich dementsprechend sowohl auf die Gesundheit unserer Mitarbeiter:innen als auch auf jene unserer Patient:innen positiv aus.”
Learnings aus der Praxis
- Leitung Personalmanagement und Betriebsrat: maßgeblich verantwortlich für die Einführung des Jobtickets und Jobrads
- Direktion Personal der Zentraldirektion: Ausrollen der Maßnahmen auf alle Standorte
- Personalmanagement mit externem Partner Bike Citizen: Start der Bike2Work-Kampagne
- Betriebsdirektion: Idee zur Durchführung von Studie
- Sportmedizinier:innen: Durchführung von Studie
- Mitarbeitende: Vorschläge kleinerer Maßnahmen durch Mitarbeiterbefragung und Ideenwettbewerben
- Interne Technikabteilung: Planung und Umsetzung von Radinfrastrukturmaßnahmen
- Lokale Radhändler: Durchführung von Radservices
- Gebietskörperschaft und Verkehrsverbund: Einbindung durch Personalmanagement zur Überarbeitung von Fahrplänen
- Direktion Digitalisierung, IT, Organisationsentwicklung und Innovation der Zentraldirektion: Durchführung von Mobilitätsbefragung
- Logistik: Betrieb der E-Flotte
- Kommunikation ist bei der Planung und Umsetzung von Mobilitätsmaßnahmen zentral. Mitarbeitende müssen über bestehende Mobilitätsangebote informiert und aufgeklärt werden. Beispiel Jobrad: Es ist zu einer Informationslücke bezüglich der fehlenden Möglichkeit einer Bruttogehaltsumwandlung für Landesbedienstete gekommen.
- Mitfahrbörse im Schichtbetrieb: Durch die Nutzung einer App ist es zur Bildung neuer Fahrgemeinschaften gekommen.
- Bedarfsgerechte Angebote: Nicht jedes Mobilitätsangebot muss für alle Mitarbeitenden gleichermaßen geeignet sein. Wichtig ist, dass es für alle Bedarfe passende Lösungen und Alternativen gibt.
Bei der Anschaffung von Fahrrädern und Transporträdern wurden Bundesförderungen im Rahmen des Aktionsprogramms klimaaktiv mobil in Anspruch genommen. Auch für den Kauf von E-Fahrzeugen konnten Förderungen bezogen werden. Für Jobtickets konnten von Mitarbeitenden selbstständig Zuschüsse der Stadt Graz sowie von Gemeinden beantragt werden.