Interne Kommunikation

Wie St. Pölten Klimathemen koordiniert

Die Klimapionierstadt St. Pölten setzt auf kurze Wege und direkte Zusammenarbeit. Klimakoordinatorin Carina Wenda erklärt, wie Klimathemen in der Verwaltung koordiniert werden und was andere Gemeinden daraus mitnehmen können.

Klimaschutz betrifft viele Bereiche. Was war die größte Herausforderung in St. Pölten?

Wenda: Die größte Herausforderung war, eine neue Struktur in ein bestehendes System zu integrieren. Durch den Pionierstadt-Prozess war es uns möglich, eine eigene Klimaabteilung aufzubauen, die gut in die bestehenden Abläufe eingebettet werden musste. Dabei hat uns geholfen, dass auch Personen aus anderen Abteilungen in die Klimakoordination gewechselt sind. Ich selbst war zuvor in der Stadtplanung tätig und kannte viele Formalitäten bereits – etwa Entscheidungswege, Abläufe oder wie man zu einem Gemeinderatsbeschluss kommt. Gleichzeitig haben wir uns bewusst intern sichtbar gemacht: mit Vorstellungsrunden, einer Intranet-Seite und einem Vorstellungsvideo.

Was war der Auslöser für die Neuorganisation?

Wenda: Ein wichtiger Impuls war das Projekt FIT4UrbanMission, welches als Vorbereitung für den Pionierstadt-Prozess diente. Dabei wurde deutlich, dass Klimathemen vor allem indirekt von unterschiedlichen Fachabteilungen behandelt wurden – an klaren Zuständigkeiten, um Klimaagenden dezidiert voranzutreiben, fehlte es bislang. Die Klimarahmenstrategie diente uns unter anderem dazu, diese Lücke aufzuzeigen und Lösungsvorschläge zu entwickeln. Die Strategie bildet heute unsere Arbeitsgrundlage und war auch eine wichtige Basis für die Bewerbung als Klimapionierstadt. Die Entscheidung, Pionierstadt zu werden, wurde politisch breit getragen – die Entscheidung fiel im Gemeinderat einstimmig.

zur Person: Carina Wenda ist Stadtplanerin und arbeitet in der Klimakoordinationsstelle der Stadt St. Pölten mit Schwerpunkt nachhaltige Planungsprozesse. Zuvor war sie in der Stadtplanung tätig und bringt umfassende Erfahrung zu Verwaltungsabläufen und Projekten ein. Sie war federführend an der Entwicklung der Klimarahmenstrategie sowie am Bewerbungsprozess zur Klimapionierstadt beteiligt und hat damit zentrale Grundlagen für den weiteren Klimaschutz in St. Pölten geschaffen.

Welche Rolle hat die Klimakoordinationsstelle heute?

Wenda: Wir arbeiten projektbezogen und eng mit anderen Abteilungen zusammen. Je nach Thema übernehmen wir die Koordination oder werden von anderen Bereichen eingebunden. Wir haben keine Weisungsbefugnis. Unsere Aufgabe ist es, zu vernetzen, Prozesse zu koordinieren und Klimathemen frühzeitig einzubringen. Unser Team umfasst sieben Personen, davon fünf in Vollzeit und ist interdisziplinär aufgestellt, sodass wir unterschiedliche Themen rasch bearbeiten können.

Was hat geholfen, damit das Zusammenspiel im Alltag funktioniert?

Wenda: Die Zusammenarbeit mit der Politik funktioniert in St. Pölten sehr direkt. Die Tür des Bürgermeisters ist im Arbeitsalltag tatsächlich offen – das erleichtert Entscheidungen deutlich. Gleichzeitig ist es wichtig, in der Verwaltung jene Personen zu finden, die ähnliche Ziele verfolgen. In vielen Abteilungen gibt es Kolleg:innen, die Klimaschutz aktiv voranbringen wollen. Wenn man diese gezielt einbindet, entsteht Zusammenarbeit oft sehr direkt. Das ist vielleicht etwas Spezifisches für St. Pölten: Weil wir eine überschaubare Verwaltungsstruktur haben, sind die Wege kurz und Abstimmungen gehen schnell. In größeren Städten wäre das womöglich nicht so einfach möglich.

Welche Formate oder Zugänge haben sich bewährt?

Wenda: Wir nutzen das Intranet, um Informationen bereitzustellen. Für die eigentliche Zusammenarbeit ist aber oft das direkte Gespräch entscheidend. Viele Abstimmungen passieren informell. Ein konkretes Beispiel: Bei unserer Bürger:innen-Energiegemeinschaft gab es viele Rückfragen zum Anmeldeprozess. Wir haben daraufhin ein Erklärvideo erstellt, das die Registrierung Schritt für Schritt erläutert. Dadurch sind die Rückfragen deutlich zurückgegangen.

Woran merken Sie, dass die Abläufe heute besser greifen?

Wenda: Wir werden heute deutlich früher in Projekte eingebunden. Kolleg:innen kommen aktiv auf uns zu, wenn Klimathemen relevant sind. Das Bewusstsein für Klimaschutz ist in der Verwaltung und Politik insgesamt gestiegen. Gleichzeitig hilft uns auch der Austausch mit anderen Städten, schneller Lösungen zu finden. Unsere städtischen Energiegemeinschaften konnten wir beispielsweise ohne externe Beauftragung aufsetzen und entwickeln. Alle relevanten Informationen und möglichen Entwicklungsansätze haben wir über den Austausch mit weiteren Städten, wie unter anderem der Pionierstadt Villach, erhalten. So kamen wir nicht nur rasch zu Ergebnissen, sondern haben uns auch Drittkosten gespart. Dieser enorme Vorteil ist nicht nur für uns in der Verwaltung, sondern auch für die Politik klar erkennbar.

Was empfehlen Sie anderen Gemeinden?

Wenda: In einem ersten Schritt ist wichtig zu analysieren, was bereits vorhanden ist. Oft gibt es viele gute Ansätze, auf die man aufbauen kann, ohne alles von Beginn an neu entwickeln zu müssen. Dann geht es darum, Lücken zu erkennen und gezielt zu schließen – vieles kann aus der bestehenden Struktur heraus entstehen, beispielsweise durch abteilungsübergreifende Arbeitsgruppen. Ein wichtiger Punkt ist der Austausch: Wenn Fragen auftauchen, hilft es, Städte mit ähnlichen Strukturen und Rahmenbedingungen zu kontaktieren. Viele Herausforderungen sind vergleichbar, und die Erfahrungen werden offen geteilt. Und vor allem: einfach anfangen. Man braucht nicht von Beginn an perfekte Expertise – das zeigt auch unser Beispiel mit den Energiegemeinschaften: Aufgebaut hat sie bei uns ein Kollege, der von der Ausbildung her Landschaftsplaner ist. Mit dem nötigen Zeitbudget und dem Wissen aus anderen Städten hat das hervorragend funktioniert. Vieles entwickelt sich im Prozess. Man darf keine Angst davor haben, zu starten.
 

zur Klimapionierstadt: St. Pölten zählt zu den derzeit 47 österreichischen Klimapionierstädten und treibt die Transformation zur klimaneutralen Stadt aktiv voran. Bis 2022 gab es dafür noch keine eigene Strategie oder klare Zuständigkeiten. Im Rahmen des Pionierstadt-Prozesses wurde eine eigene Klimakoordinationsstelle aufgebaut, die Klimaschutz und Klimawandelanpassung in alle relevanten Bereiche der Stadt integriert und abteilungsübergreifend koordiniert.

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