Mehr Raum für Menschen
Ausgezeichnete Gemeinden gestalten die Mobilitätswende
Wie können Orts- und Stadtzentren lebenswerter, klimafitter und attraktiver für das Zu-Fuß-Gehen und Radfahren werden? Die beim VCÖ-Mobilitätspreis 2026 ausgezeichneten Projekte aus Innsbruck, Hittisau, Wiener Neudorf und Neudau zeigen unterschiedliche Wege. Viele dieser Maßnahmen wurden von klimaaktiv mobil begleitet und unterstützt.
Vom Verkehrsraum zum Lebensraum
Öffentliche Räume sind weit mehr als Verkehrsflächen. Sie sind Orte der Begegnung, des Aufenthalts und des täglichen Unterwegsseins. Gleichzeitig stehen viele Gemeinden und Städte vor ähnlichen Herausforderungen: versiegelte Flächen, sommerliche Hitze, hoher Kfz-Verkehr und öffentliche Räume, die ihr Potenzial für Lebensqualität und aktive Mobilität noch nicht ausschöpfen. Die ausgezeichneten Projekte zeigen, wie Mobilität, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität gemeinsam gedacht werden können.
Innsbruck: Ein neuer Stadtraum zwischen Bahnhof und Innenstadt
Mit der Neugestaltung des Bozner Platzes hat die Stadt Innsbruck einen zentralen Stadtraum grundlegend verändert. Der Platz zwischen Bahnhof und Innenstadt war lange von versiegelten Flächen, wenig Schatten und einer eingeschränkten Aufenthaltsqualität geprägt. Ziel war es, mehr Raum für Menschen zu schaffen und gleichzeitig die Bedingungen für aktive Mobilität zu verbessern.
Dafür wurde der Bozner Platz als Begegnungszone mit Tempo 20 neu gestaltet. Fußgänger:innen und Radfahrende profitieren heute von direkteren und komfortableren Verbindungen. Besonderes Augenmerk lag auf einer Gestaltung, die den Platz für möglichst viele Menschen nutzbar macht. Neben den Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr wurden Aspekte der Barrierefreiheit berücksichtigt.
Die Umgestaltung verbindet Mobilitätswende und Klimawandelanpassung. Insgesamt wurden 31 Bäume gepflanzt und ein Schwammstadtsystem umgesetzt. Mehr Grünflächen sorgen für Schatten, ein angenehmeres Mikroklima und höhere Aufenthaltsqualität. Die Stadt wurde im Rahmen des klimaaktiv mobil Mobilitätsmanagements für Städte, Gemeinden und Regionen fachlich begleitet. klimaaktiv mobil unterstützte unter anderem die Weiterentwicklung der Fuß- und Radverkehrsplanung sowie die Förderabwicklung.
Hittisau: Vom Parkplatz zum Dorfplatz
Die Gemeinde Hittisau startete mit einem temporären Pop-up-Dorfplatz auf einer Fläche, die zuvor als Parkplatz genutzt wurde. Mit einfachen Mitteln entstand ein Ort zum Verweilen, Spielen und Begegnen. Über mehrere Jahre entwickelte sich das Projekt weiter und wurde zu einem Reallabor für die zukünftige Gestaltung des Ortszentrums. Aus der zeitlich begrenzten Initiative entstand schließlich eine dauerhafte Begegnungszone mit Tempo 30.
„Wichtig ist, klein zu starten, den Mut zum Experiment – und auch zur Lücke – zu haben und durch Ausprobieren zu lernen.”
Die Gemeinde Hittisau ist klimaaktiv mobil Projektpartnerin und zeigt beispielhaft, wie temporäre Maßnahmen zu dauerhaften Verbesserungen für aktive Mobilität und Aufenthaltsqualität führen können.
Wiener Neudorf: Mobilität lernen fürs Leben
Mit dem ausgezeichneten Projekt „Mobilität lernen fürs Leben – Kinder als Mobilitätsbotschafter“ fördert die Marktgemeinde Wiener Neudorf selbstständige, sichere und klimafreundliche Mobilität von Kindern und Jugendlichen. Schulwege werden analysiert, Verbesserungen umgesetzt und junge Menschen aktiv eingebunden. Die Marktgemeinde Wiener Neudorf ist klimaaktiv mobil Projektpartnerin. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie Mobilitätsbildung, Beteiligung und Infrastrukturmaßnahmen gemeinsam weiterentwickelt werden können.
Neudau: Ortsentwicklung und Mobilität gemeinsam denken
Die Marktgemeinde Neudau wurde für die Entwicklung eines klimafitten und barrierefreien Ortszentrums ausgezeichnet. Durch die Aufwertung öffentlicher Räume verbesserte die Gemeinde die Bedingungen für das Zu-Fuß-Gehen und erhöhte gleichzeitig die Aufenthaltsqualität im Ortskern. Die Marktgemeinde Neudau ist klimaaktiv mobil Projektpartnerin.
Forschung unterstützt die Transformation öffentlicher Räume
Mit dem Projekt „Transformator:in – Leitprojekt für Transformation öffentlicher Mobilitätsräume in Österreich“ wurde ein Forschungsprojekt ausgezeichnet, das Wissenschaft, Verwaltung und Praxis bei der Umgestaltung öffentlicher Räume zusammenbringt. Zu den Praxispartnern zählt unter anderem die Stadt St. Pölten, die im Rahmen des klimaaktiv mobil Mobilitätsmanagements bei strategischen Grundlagen für die Aktive Mobilität sowie bei Förderprojekten begleitet wurde. Die entwickelten Erkenntnisse sollen künftig Gemeinden und Verwaltungen bei der klimafreundlichen Gestaltung öffentlicher Räume unterstützen.
Was können andere Gemeinden daraus lernen?
- öffentliche Räume aus Sicht der Menschen planen
- Klimaanpassung und Mobilität gemeinsam denken
- mit temporären Maßnahmen Erfahrungen sammeln und Akzeptanz aufbauen
- Kinder und Jugendliche frühzeitig beteiligen
- Barrierefreiheit von Anfang an mitdenken
- schrittweise Veränderungen sichtbar machen und weiterentwickeln