Nachbericht Webinar: Aktive Schulwege - Ein guter Start in jeden Schultag
Warum der aktiv zurückgelegte Schulweg bei Kindern Gesundheit, Sicherheit und Selbstvertrauen fördert. Für Eltern und Pädagog:innen der Volksschule und Sekundarstufe I
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Wie können Kinder sicher und selbstständig zur Schule kommen? Welche Vorteile bringen aktive Schulwege mit sich und wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen? Diesen Fragen widmete sich das klimaaktiv mobil Webinar „Aktive Schulwege – Ein guter Start in jeden Schultag“. Vier Expert:innen aus den Bereichen Mobilität, Verkehrssicherheit, Exekutive und Entwicklungspsychologie beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven.
Webinar "Aktiver Schulweg", September 2026
Das Webinar zum Thema Aktiver Schulweg können Sie hier nachschauen:
Aktive Mobilität fördert Gesundheit, Selbstständigkeit und Umweltbewusstsein
Zum Auftakt gab Felix Beyer vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) einen Überblick über die Kinder- und Jugendmobilität in Österreich. Ziel des BMIMI ist es, Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, ihre Wege möglichst selbstständig, sicher und aktiv, also zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zurückzulegen.
Aktive Schulwege bringen zahlreiche Vorteile mit sich: Sie fördern die Gesundheit, steigern die Konzentrationsfähigkeit und unterstützen die Lernleistungen. Darüber hinaus stärken sie die Selbstständigkeit und das Verantwortungsbewusstsein der Kinder. Auch soziale Kompetenzen werden gefördert, wenn Kinder gemeinsam unterwegs sind. Nicht zuletzt profitieren Familien von mehr zeitlicher Entlastung im Alltag.
Damit eigenständige Mobilität gelingen kann, braucht es jedoch sichere Fuß- und Radwege sowie ein gutes Angebot im öffentlichen Verkehr. Neben Infrastrukturmaßnahmen setzt das BMIMI daher auch auf Mobilitätsbildung, Mobilitätsmanagement an Bildungseinrichtungen und Informationsangebote wie dieses Webinar.
Schulwege sind in Österreich sehr sicher
Aus Sicht der Exekutive informierte Daniela Heiss vom Bundesministerium für Inneres über die Sicherheit von Schulwegen. Sie betonte, dass die Sorge vieler Eltern vor Entführungen zwar verständlich sei, die tatsächliche Gefährdungslage in Österreich jedoch sehr gering ist. Viel wichtiger sei es, Kinder gut auf mögliche Situationen vorzubereiten und ihnen Handlungssicherheit zu vermitteln.
Der Schulweg bietet Kindern die Möglichkeit, wichtige Kompetenzen zu entwickeln. Sie lernen, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und sich im öffentlichen Raum zurechtzufinden. Je häufiger Kinder ihre Wege selbstständig bewältigen, desto größer wird ihre Sicherheit und Routine.
Besonders wichtig sind dabei:
- die gemeinsame Auswahl eines sicheren Schulwegs,
- das wiederholte Üben von Verkehrsregeln,
- die Förderung des Sicherheitsgefühls,
- gute Sichtbarkeit im Straßenverkehr,
- das Besprechen einfacher Verhaltensregeln für unerwartete Situationen.
Als hilfreichen Tipp stellte Daniela Heiss das sogenannte Familien-Passwort vor, das Kinder nutzen können, wenn ihnen unbekannte Personen Mitfahrgelegenheiten oder Abholungen anbieten.
Ihre zentrale Botschaft lautete: „Üben, üben, üben.“ Je öfter Kinder den Schulweg gemeinsam mit ihren Eltern trainieren, desto sicherer bewegen sie sich später selbstständig.
Wie Sie das Zur-Schule-Gehen üben können, können Sie hier nachlesen: 6 Schulwegtipps für Eltern
Die meisten Unfälle von Kindern passieren nicht auf dem Schulweg
Veronika Zuser vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) stellte aktuelle Erkenntnisse zur Verkehrssicherheit von Kindern vor. Die Daten zeigen, dass Kinder im Straßenverkehr vergleichsweise selten verunglücken. Nur etwa jeder sechste Unfall von Kindern zwischen sechs und vierzehn Jahren ereignet sich im Zusammenhang mit einem Schulweg. Die meisten Unfälle passieren auf Freizeitwegen.
Ein wichtiges Instrument zur Schulwegsicherheit sind öffentliche Schulwegpläne mit eingezeichneten Gefahrenstellen und Tipps für die beste Route. Sie unterstützen Eltern dabei, den sichersten Weg zur Schule auszuwählen. Schulwegpläne entstehen in Zusammenarbeit von Schulen, Gemeinden, Polizei und Verkehrssicherheitsexpert:innen und helfen dabei, Konfliktstellen sichtbar zu machen und Verbesserungen anzustoßen.
Darüber hinaus stellte Veronika Zuser verschiedene Maßnahmen zur sicheren Gestaltung des Schulumfelds vor, darunter:
- Schulstraßen,
- Tempo-30-Zonen,
- verkehrsberuhigte Bereiche,
- sichere Querungsstellen,
- Mittelinseln,
- Schülerlots:innen und Erwachsenenlots:innen.
Deutlich wurde dabei, dass sichere Schulwege eine gemeinsame Aufgabe von Schulen, Gemeinden, Eltern und Behörden sind.
Wie sind Kinder und Jugendliche im Alltag unterwegs? Lesen Sie hier mehr zum Thema: Kinder- und Jugendmobilität
Selbstständige Schulwege fördern die Entwicklung von Kindern
Der Psychologe Matthias Herzog beleuchtete die Bedeutung selbstständiger Mobilität aus entwicklungspsychologischer Sicht. Kinder lernen demnach nicht nur durch eigenes Tun, sondern auch durch Vorbilder. Bereits ab dem vierten Lebensjahr beginnen wichtige Prozesse der Autonomieentwicklung.
Ein selbstständig bewältigter Schulweg stärkt das Selbstvertrauen, fördert die Eigenverantwortung und unterstützt Kinder dabei, Herausforderungen selbstständig zu meistern. Positive Erfahrungen auf dem Schulweg wirken sich zudem auf andere Entwicklungsbereiche aus.
Für Eltern stellte Matthias Herzog drei wichtige Orientierungspunkte vor:
- Das Kind traut sich den Schulweg selbst zu.
- Das Kind kann anderen Erwachsenen erklären, worauf es auf dem Schulweg achtet.
- Das Kind zeigt auch in anderen Lebensbereichen altersgerechte Selbstständigkeit.
Auch die emotionale Situation spielt eine wichtige Rolle. Kinder lernen am besten, wenn sie entspannt und ohne Zeitdruck unterwegs sind. Deshalb empfahl Herzog, den Schulweg möglichst positiv zu besetzen und Stress am Morgen zu reduzieren.
Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
Zum Abschluss fassten die Vortragenden ihre wichtigsten Botschaften zusammen:
- Schulwege regelmäßig gemeinsam üben.
- Bereits im Vorschulalter spielerisch an selbstständige Mobilität heranführen.
- Als Eltern Vorbild sein.
- Stress und Zeitdruck möglichst reduzieren.
- Kinder ermutigen, Verantwortung zu übernehmen.
- Nach ausreichender Vorbereitung auch bewusst loslassen und Vertrauen schenken.
Ein selbstständig zurückgelegter Schulweg ist weit mehr als nur der Weg zur Schule: Er ist ein wichtiger Lernraum, der Kinder dabei unterstützt, Selbstvertrauen, Verkehrskompetenz und soziale Fähigkeiten zu entwickeln. Damit bildet er die Grundlage für eine sichere und selbstständige Mobilität weit über die Schulzeit hinaus.
Wie auch Schulen, Kindergärten und Jugendeinrichtungen ihre Umgebung verbessern können, finden Sie hier: Mobilität an Bildungseinrichtungen
Ressourcen
- Wie Eltern ihren Kindern einen aktiven Schulweg ermöglichen können lesen Sie hier: Schulwegtipps für Eltern
- Wie Kinder und Jugendliche sich in Österreich fortbewegen lesen Sie hier: Bewegungsprofil
- Wie Bildungseinrichtungen die richtigen Maßnahmen für Ihre Umgebung finden, lesen Sie hier: Mobilitätsmanagement an Schulen und Kindergärten
- Welche Möglichkeiten der Verkehrsberuhigung möglich sind, lesen Sie hier: Verkehrsberuhigung vor der Bildungseinrichtung