© Kurt Höbst
Sport Arena Wien - Karl & Bremhorst Architekten___©_KURT HOERBST 2025

Neubau

Sport Arena Wien

Engerthstraße 267-269, 1020 Wien, Objekt des Monats

klimaaktiv Gold

© Kurt Höbst
Sport Arena Wien - Karl & Bremhorst Architekten___©_KURT HOERBST 2025

Das multifunktionale Sportzentrum

Die Sport Arena Wien ist einzigartig. Drei eigenständige Sportbereiche und ein modernes Leistungszentrum, verteilt auf mehreren übereinander liegenden Ebenen, an einem Ort vereint. Sie ist ganzjährig nutzbare Trainingsstätte und Veranstaltungsort und wird zudem energieautark betrieben.

„Die Sport Arena Wien ist ein wichtiger Meilenstein für den Wiener Sport. Hier entsteht ein moderner, nachhaltiger und zukunftsorientierter Sportstandort, der allen Wienerinnen und Wienern zugutekommen wird.”

Neuinterpretation eines Sportstandorts

Zwischen Donau, Prater und Ernst-Happel-Stadion wurde am Standort des ehemaligen Ferry-Dusika-Stadions die neue Sport Arena Wien errichtet – ein modernes, multifunktionales Sportzentrum das Raum für unterschiedlichste Sportarten unter einem Dach bietet. Durch die in Ebenen angeordneten Sportbereiche konnte bei gleichzeitiger Reduktion der versiegelten Fläche eine Verdreifachung der Sportnutzfläche erreicht werden. Somit stehen 13.600 m² für den Breiten- und Spitzensport in Wien zur Verfügung. Die verkehrsberuhigte Stephanie-Endres-Straße wird durch das neue Sportzentrum belebt und zu einem Ort des Aufenthalts und der Begegnung. Durch die direkte Anbindung an die U-Bahn-Linie U2 (Station Stadion) und weitere öffentliche Verkehrsmittel ist die Sport Arena Wien gut erreichbar. Mit dem angrenzenden Fernbusterminal bildet die Arena zukünftig eine neue urbane Einheit. Eine fußläufige Verbindung über eine Rampe soll bis zur Donau führen.

Komplexe Aufgabe, klare Struktur

Um für die Bedürfnisse des modernen Profisports optimale Räumlichkeiten zu schaffen, waren detaillierte Kenntnisse der Abläufe notwendig. In enger Abstimmung mit Sportler*innen, Verbänden und Vereinen wurden jene Parameter definiert, die effiziente Trainings- und Wettkampfbedingungen ermöglichen. Die Vielzahl der unterschiedlichen Sportarten mit ihren jeweils spezifischen Anforderungen, sowie die Doppelnutzung der Arena als Trainings- und Veranstaltungsort ergaben eine hohe funktionale Komplexität. Diese Komplexität in eine klar strukturierte, räumliche Ordnung zu bringen war Ziel des Entwurfs.

Dialog mit dem Freiraum

Die Sport Arena Wien liegt eingebettet in einen differenzierten Grünraum. Durch die großzügigen Glasflächen tritt das Gebäude in einen Dialog mit dem Freiraum und ermöglicht Sportausübung bei Tageslicht. Alle Sportbereiche haben direkte Sichtbeziehungen zum umgebenden Grün. Fast entsteht der Eindruck den Hallensport im Freien auszuüben. Die Sportler*innen profitieren von großzügigen Außenbereichen wie der weitläufigen Loggia zum Park und den direkt erreichbaren Dachflächen. Diese Elemente dienen als funktionale Erweiterung für den Sport und stärken den Bezug zum Außenraum. Die Freiraumgestaltung setzt auf nutzbare Flächen und bildet im Zusammenspiel mit dem vorgelagerten Park entlang der Meiereistraße ein gedachtes Ganzes.

Schichtung der Funktionen

Zentraler Leitgedanke des Entwurfs ist die vertikale Schichtung. Durch Übereinanderlegen der großen Raumvolumen aller vier Sportbereiche – Ballsportarena, Kunstturnhalle, Leichtathletikhalle und Cardio- und Kraftbereich – zu einem kompakten Gesamtkonzept, entstand ein klar strukturierter, horizontal gegliederter Baukörper. Die vier Sportbereiche sind miteinander verbunden und intern vernetzt.

Transparenz verbindet

Der zweite Leitgedanke des architektonischen Konzepts ist die Bildung von Transparenz. Die offene Gestaltung ermöglicht ein Training bei Tageslicht und Bezug zum Außenraum. In Verlängerung des Haupteingangs wird eine räumliche Verbindung geschaffen, die wie eine Brücke zwischen den verschiedenen Sportbereichen fungiert: nach links öffnet sich der Blick in die Kunstturnhalle, nach rechts in die Ballsportarena. Die Bereiche interagieren miteinander und erzeugen eine Offenheit, die sich durch das gesamte Gebäude zieht.

Trainings- und Veranstaltungsstätte

Der Schwerpunkt der Sport Arena Wien liegt auf dem Trainingsbetrieb. Gleichzeitig bietet sie optimale Voraussetzungen für Veranstaltungen. In den verschiedenen Hallen können Wettkämpfe und Events stattfinden; die Tribüne der Ballsportarena fasst bei Veranstaltungen bis zu 3.000 Besucher*innen. Die erheblichen Schwankungen in der Besucher*innenzahl – vom regulären Trainingsbetrieb bis zur Großveranstaltung – erfordern eine flexible Infrastruktur und beeinflussen maßgeblich die architektonische Planung.

Schichtung großer Volumen – eine konstruktive Herausforderung

Die beiden Leitgedanken – Schichtung und Transparenz – finden ihre konstruktive Umsetzung in einem Skelettbau. Die Auflösung der Wände in einzelne Stützen und Träger ermöglicht ein hohes Maß an Durchlässigkeit. Die unterschiedlichen Dimensionen der Sporthallen bringen konstruktive Notwendigkeiten mit sich, die es in der Schichtung zu überlagern galt. Ein durchgängiger Gebäuderaster mit einem Stützenabstand von 13,5 Metern erlaubt hier eine konstruktive Logik über alle Geschosse – von der Ballsportarena im Untergeschoss bis zur Leichtathletikhalle im 2. Obergeschoss. Durch die Ausbildung von um 90° gedrehten, raumhohen Fachwerken im Geschoss über der Kunstturnhalle konnte im Erdgeschoss eine durchlaufende Raumhöhe von Foyer und Kunstturnhalle erhalten werden, ohne zusätzlich Gebäudehöhe zu erzeugen.

„Die Innovation unserer Architektur liegt nicht im Vordergründigen. Unsere Ideen und Bauten sind umweltorientiert, konstruktiv, funktional, zweckbezogen, schlicht.”

Das Energiekonzept – das Gebäude als Energiespeicher

Mit einem wegweisenden Energiekonzept konnte ein nahezu energieautarkes Gebäude errichtet werden. Die Eigenversorgung mit Wärme und Strom steht im Vordergrund. Mit dem Einsatz von Geothermie, Sonnenenergie und Überschusswindstrom erreicht die Sport Arena Wien bilanziell eine vollständige Eigenversorgung mit umweltfreundlicher Energie für den technischen Gebäudebetrieb. Im Energieausweis konnte so beim Gesamtenergieeffizienzfaktor (fGEE) von 0,30 die Klassifizierung A􀎆􀎆 erreicht werden. Über ein Tiefensondenfeld mit 75 Duplexsonden, die jeweils 150 Meter tief in den Boden reichen, wird der Erdkörper unter der Sport Arena als thermischer Speicher zum Heizen und Kühlen genutzt.

Zudem setzt die Sport Arena Wien auf Bauteilaktivierung: Die thermische Trägheit der Speichermasse nahezu aller horizontalen Betonbauteile – wie Ortbetondecken, Hohldielen mit Aufbeton und Estriche – wird genutzt, um Energie im Gebäude zu speichern. Somit kann mit einem intelligenten Einsatz der gebäudetechnischen Anlagen wie Wärmepumpen die bereitgestellte Energie nachhaltig verwendet werden. Wirkungsvoll ergänzt wird das System durch die zurzeit größte thermisch genutzte PV-Anlage (PVT) Österreichs auf dem Dach der Leichtathletikhalle, mit der sowohl Wärme als auch Strom für die Eigenversorgung gewonnen werden können.

Allgemein

sportstaette, Fertigstellung 2025
klimaaktiv Deklaration: 2025
deklariert nach: Dienstleistungsgebäude 2020.2.0
klimaaktiv Punkte: 948 von 1000
 

 

Kategorieklimaaktiv Punkte
Standort118
Energie und Versorgung550
Baustoffe und Konstruktion130
Komfort und Gesundheit150

 

Beteiligte

BauherrIn / Bauträger: Stadt Wien, Magistratsabteilung 51 – Sport Wien
Architekt / Planung: Karl und Bremhorst Architekten ZT GmbH
Bauphysik: RWT plus ZT GmbH
Gebäudedeklaration: IBO Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH
 

KriteriumWert
Konditionierte Brutto-Grundfläche (BGF)22425,1 m²
Nettonutzfläche17940,0 m²
Anzahl der Wohn-/Nutzungseinheiten1
Anzahl der Geschoße3
Bauweisemisch
Heizsystem RaumheizungWärmepumpe
Heizsystem WarmwasserWärmepumpe
Einbau Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnungberücksichtigt

Energiedaten berechnet nach OIB Richtlinie 6 - 2011 oder älter

KriteriumWert
Heizwärmebedarf (HWB)32 kWh/m²a
Primärenergiebedarf (PEB)110,6 kWh/m²a
CO2-Emissionen15,4 kgCO₂ / m²a
Jahresertrag der PV-Anlage439356 kWhEnd/a
lc-Wert7,14 m
Bruttoraumhöhe9,57 m

KriteriumWert
OI3 Index (TGH, BGF, BG1)158

KriteriumWert
Blower Door Test (n50-Wert)0,92 1/h
Summe VOC250 µg/m³
Formaldehyd0,015 mg/m³
Energiemonitoringberücksichtigt