Betriebliches Mobilitätsmanagement
Energie und Mobilität gehen bei Schachinger Hand in Hand
Das Logistikunternehmen Schachinger dekarbonisiert seine Fahrzeugflotte. Mit Solarenergie, einer großen Speicheranlage und eigener Ladeinfrastruktur begegnet das Unternehmen den Herausforderungen der E-Mobilität im Schwerlastbereich. So gelingt ein wirtschaftlicher Betrieb mit stabilen Energiekosten und einem Mehrwert für die Region.
Wie eine marktreife Elektrifizierung im Schwerlastsektor gelingt
Schachinger setzt in allen Bereichen auf E-Mobilität – um Treibhausgasemissionen zu reduzieren und Treibstoffkosten zu senken. Eine wichtige Voraussetzung für die Elektrifizierung des Fuhrparks war die Vorbereitung der Infrastruktur: Trafoleistung und Leitungskapazitäten wurden erhöht, mehr Lademöglichkeiten geschaffen und weitere Photovoltaikanlagen errichtet.
Nachdem bereits über 80 Prozent der Pkw-Flotte elektrifiziert wurde, gelang Schachinger 2024 auch der größere Einstieg in die Elektromobilität im Schwerlastsektor. 70 E-Pkw und 20 E-Lkw sind bereits im Einsatz und mittlerweile werden ausschließlich elektrische Fahrzeuge gekauft. Bereits 2035 soll der gesamte Fuhrpark elektrisch betrieben werden.
Bereits im Jahr 2014 wurde das Council Nachhaltige Logistik (CNL) durch den Firmeneigentümer Max Schachinger gegründet. Ziel ist, die Logistikbranche zu dekarbonisieren. Mehr als 18 Großunternehmen haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam die E-Mobilität im Schwerlastverkehr zu erforschen. Auf Basis der Forschungsergebnisse hat Schachinger eine eigene Elektromobilitätsstrategie 2021/22 entwickelt.
E-Mobilität ist wirtschaftlich sinnvoll
Die jährlichen Treibstoffkosten des Unternehmens betragen circa 13 Millionen Euro. Der Umstieg auf E-Mobilität ist daher eine ökonomisch sinnvolle Entscheidung. Durch die eigene Stromproduktion mittels Photovoltaik und die eigene E-Ladeinfrastruktur kann der elektrische Fuhrpark wirtschaftlich betrieben werden. Der laufende Betrieb elektrischer Fahrzeuge ist finanziell vorteilhafter als der Betrieb eines konventionellen Fuhrparks.
Das leistungsstarke Batteriesystem trägt maßgeblich zur Wirtschaftlichkeit bei, da es Solarenergie für nächtliche Ladevorgänge speichert und die Energiekosten weiter senkt. Dadurch entstehen für eine elektrische Flotte auf Dauer niedrigere Lebenszykluskosten.
Energie- und Mobilitätssysteme gemeinsam denken
Am Standort Hörsching werden von den etwa 300 Lkw von Schachinger und den Frachtpartner:innen jährlich etwa 10 Millionen Liter Diesel (Stand 2026) verbraucht. Werden diese Fahrzeuge elektrisch betrieben und mit Sonnenstrom geladen, können große Mengen klimaschädlicher Treibhausgase eingespart und die Mobilitätskosten gesenkt werden. Die Reichweiten moderner E-Lkw entsprechen den Anforderungen des Logistikunternehmens, sodass sie gut in den laufenden Betrieb integriert werden können.
Mit der Klimastrategie „Roadmap to Zero” und der Initiative „Raus aus Gas” verfolgt das Unternehmen das Ziel der Autarkie. Das heißt: ein Energiekreislaufsystem, in dem Sonnenstrom selbst erzeugt, gespeichert und flexibel genutzt wird. Am Hauptstandort wurde außerdem ein Biomasse-Heizwerk errichtet, das über 80 Prozent des bisherigen Gasverbrauchs ersetzt.
Das Herzstück dieser Lösung ist das größte Batterie-Energiespeicher-System (BESS) in Österreich und zugleich der größte Logistik-Energiespeicher Europas. Am Standort werden 60 Megawattstunden Speicherkapazität und 30 Megawatt Leistung mit moderner E-Ladeinfrastruktur und einer eigenen Photovoltaikanlage kombiniert. Der Standort verfügt über 90 elektrische Ladepunkte, davon sind 50 Schnellladepunkte. Die PV-Anlage ist am Standort für 7.000 kWp ausgelegt und soll auf circa 10.000 kWp erweitert werden.
„Hier geht es um eine zukunftsweisende Partnerschaft mit Powerlink H2 auf Augenhöhe. Die Energiewende gelingt dort, wo langfristig gedacht und entsprechend gehandelt wird.”
Wie die neue Infrastruktur am Standort sinnvoll integriert wird
Bei der Planung wurde die Ladeinfrastruktur an bestehende Betriebsabläufe angepasst. Fahrzeuge werden dort geladen, wo sie für Be- und Entladevorgänge ohnehin längere Zeit stehen. Die Standzeit wird damit doppelt genutzt: für die Beladung mit Waren und für die Energieversorgung . Das dauert in der Regel rund eineinhalb Stunden. Für die Fahrer:innen entsteht kein zusätzlicher zeitlicher Aufwand, sie profitieren jedoch von einem spürbaren Komfortgewinn. Ihre Akzeptanz ist zu einem wichtigen Erfolgsfaktor geworden.
Damit kein zusätzlicher Boden versiegelt werden muss, setzt Schachinger auf Carports und Truckports mit integrierter Photovoltaik. Bestehende Abstell- und Rangierflächen werden überdacht und gleichzeitig zu Kraftwerken umfunktioniert. Sie spenden Schatten für Fahrzeuge, Ladung und Fahrer:innen und erzeugen zugleich den Strom für die Ladepunkte darunter. Wo bisher nur geparkt oder rangiert wurde, entsteht jetzt zusätzliche, wertvolle Energieerzeugung, ohne dass dafür eine einzige Grünfläche verbraucht wird.
„Mit diesem Projekt zeigen wir, dass Logistik ein aktiver Treiber der Energiewende sein kann. Das BESS ist ein technologischer Meilenstein und ein zentraler Baustein unserer Dekarbonisierungs-Strategie. Das System zeigt, dass Energiewende und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch sind.”
Ein Mehrwert für den Betrieb und die Region
Das Batterie-Energiespeicher-System ist ein wichtiger Bestandteil des Gesamtsystems. Es speichert die Erzeugungsüberschüsse der PV-Anlagen und ermöglicht so das nächtliche Laden von E-Lkws bei einer weitgehend energieautarken Versorgung des Standorts. Gleichzeitig reduziert es Lastspitzen, stabilisiert das Netz und ermöglicht die Teilnahme am Energie- und Regelenergiemarkt. Ein intelligentes Energiemanagementsystem verbindet PV-Erzeugung, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur in Echtzeit mit dem Netz. Dadurch werden Energieflüsse sowohl für den Eigenverbrauch als auch für netzdienliche Anwendungen optimal gesteuert.
Das Projekt schafft somit einen gesellschaftlichen Mehrwert, der über die Logistik hinausreicht. Durch die Fähigkeit, erneuerbare Energie lokal zu speichern und flexibel bereitzustellen, kann der Speicher zu einem stabileren Energienetz beitragen. Zukünftig können auch Energiegemeinschaften gegründet werden. Nachbarbetriebe und regionale Akteure können dann gemeinsam von sauberer Energie und niedrigen Kosten profitieren.
Wie der Standort Hörsching als Vorzeigebeispiel wirkt
Das Modell lässt sich auf weitere Standorte von Schachinger übertragen und dient bereits heute als Konzept für kommende Projekte. Damit entsteht eine neue Form der energetischen Unabhängigkeit, die den eigenen Betrieb und Frachtpartner:innen unmittelbar entlastet: Sie profitieren von gesicherten Ladefenstern, verlässlichen Energiekosten und einer Infrastruktur, die auch bei Netzschwankungen oder regionalen Engpässen stabil bleibt. Logistik wird damit nicht nur nachhaltiger, sondern auch resilienter – ein Faktor, der in Zeiten steigender Energiepreise und wachsender Unsicherheiten immer wichtiger wird.
Empfehlungen an andere Unternehmen
Eine frühzeitige Planung der notwendigen technischen Infrastruktur und der Integration von intelligentem Energiemanagement mit Energiespeichern ist entscheidend für die erfolgreiche Elektrifizierung großer Flotten. Unternehmen sollten Energieerzeugung, Speicherung und Verbrauch als Gesamtsystem denken. Besonders empfehlenswert ist es daher, Partner:innen und Lieferant:innen frühzeitig einzubinden, da die Transformation des Mobilitätssystems nur gemeinsam gelingen kann.