Quartierslösung
Niedertemperaturnetz mit Grundwasser im Herzen von Innsbruck
Mit einem Niedertemperaturnetz auf Basis von Grundwasser schaffen die Innsbrucker Kommunalbetriebe eine innovative Energieinfrastruktur für die Wärme- und Kälteversorgung im Stadtzentrum. Das Projekt zeigt, wie erneuerbare Umweltenergie auch in dicht bebauten Quartieren effizient genutzt und die Dekarbonisierung der urbanen Wärmeversorgung vorangetrieben werden kann.
Grundwasser als erneuerbare Energiequelle für die Innenstadt
Mitten im Zentrum von Innsbruck entsteht rund um den Bozner Platz eine innovative Energieinfrastruktur zur nachhaltigen Wärme- und Kälteversorgung. Die Innsbrucker Kommunalbetriebe errichten dort ein Niedertemperaturnetz, das die ganzjährig konstanten Temperaturen des Grundwassers als erneuerbare Energiequelle nutzt. Ziel des Projekts ist es, fossile Energieträger zu ersetzen, die CO₂-Emissionen im Gebäudesektor zu reduzieren und gleichzeitig eine zukunftsfähige Versorgungsstruktur für die dicht bebaute Innenstadt zu schaffen.
Das Projekt zeigt, wie lokale Umweltenergie auch in urbanen Bestandsgebieten erschlossen werden kann. Anstatt dass jedes Gebäude einen eigenen Förder- und Schluckbrunnen errichtet, stellt die Innsbrucker Kommunalbetriebe die Grundwasserinfrastruktur zentral bereit. Dadurch können mehrere Liegenschaften gemeinsam auf die erneuerbare Energiequelle zugreifen und Synergien nutzen.
Ein Niedertemperaturnetz verbindet mehrere Gebäude
Herzstück des Projekts ist ein rund 30 Meter tiefer Förderbrunnen am Bozner Platz. Von dort wird das Grundwasser über ein rund einen Kilometer langes Leitungsnetz zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert. Vor Ort nutzen Wärmepumpen die Umweltenergie zum Heizen und zur Warmwasserbereitung. Im Sommer kann das Grundwasser außerdem direkt zur energieeffizienten Gebäudekühlung (Free Cooling) eingesetzt werden. Nach der Nutzung wird das Wasser über einen Rückgabebrunnen wieder in den Grundwasserkörper eingeleitet.
Das Niedertemperaturnetz ist für eine maximale Leistung von rund 3 MW ausgelegt und stellt jährlich etwa 4.500 MWh erneuerbare Wärme und Kälte bereit. Damit können rund 450.000 Liter Heizöl pro Jahr ersetzt werden, was dem Wärmebedarf von etwa 300 Haushalten entspricht.
Zu den ersten angeschlossenen Gebäuden zählen die neue Unternehmenszentrale der Raiffeisen-Landesbank Tirol inklusive Rechenzentrum sowie die neue Unternehmenszentrale der TIROLER VERSICHERUNG. Das Netz wurde bereits so dimensioniert, dass künftig weitere Gebäude im Innenstadtbereich – beispielsweise der Innsbrucker Hauptbahnhof, die Österreichische Nationalbank oder das Dampfbad Salurner Straße – angeschlossen werden können.
Kommunale Infrastruktur mit Vorbildcharakter
Das Projekt wird von den Innsbrucker Kommunalbetrieben entwickelt und betrieben. Die zentrale Grundwassererschließung ermöglicht eine nachhaltige Bewirtschaftung der Ressource und schafft gleichzeitig eine langfristig ausbaufähige Energieinfrastruktur für die Stadt Innsbruck. Durch die gemeinsame Nutzung der Brunnenanlagen werden Flächenbedarf und Eingriffe in den Untergrund reduziert, während die Versorgungssicherheit steigt.
Das Innsbrucker Grundwassernetz zeigt beispielhaft, wie Niedertemperaturnetze in dicht bebauten Stadtquartieren umgesetzt werden können. Die Kombination aus kommunaler Infrastruktur, erneuerbarer Umweltenergie und dezentralen Wärmepumpen bietet eine effiziente Lösung für die Dekarbonisierung der Wärme- und Kälteversorgung und kann als Vorbild für weitere urbane Entwicklungsgebiete dienen.