© Andreas Buchberger

Sanierung

Modellschule Gersthof - Hauptgebäude

Wielemansgasse, 1180 Wien - Objekt des Monats

klimaaktiv Gold

© Andreas Buchberger

Das Projekt Ausweichquartier Gersthof umfasst eine Sanierung des ehemaligen orthopädischen Krankenhauses Gersthof und die Errichtung einer Modellschule. Die denkmalgeschütze Anlage inkl. Parkanlage wurden in ein Campus-Schulmodell umfunktioniert. Das Hauptgebäude umfasst 23 Klassen sowie Sonderunterrichtsräume und die Nachmittagsbetreuung. Das Verwaltungsgebäude beherbergt die Sonderunterrichtsräume für die Naturwissenschaften. Im Süden der Liegenschaft wurde eine Turnhalle errichtet.

Im Sinne der Nachhaltigkeit wurden die bestehenden denkmalgeschützten Kastenfenster thermisch ertüchtigt, die westseitig verbauten Kunststofffenster gegen Holz-/Alufenster getauscht. Die Westfassaden von Haupt- und Verwaltungsgebäude (Eternit) wurden rückgebaut, gedämmt und das Dach technisch saniert.

„Als Bundesimmobiliengesellschaft ist es uns wichtig neue Wege aufzuzeigen und voranzugehen. Gerade im dichtbebauten städtischen Gebiet ist die neue Nutzung vorhandener Bestandsressourcen die Zukunft. Wir zeigen, wie innovative Architektur- und Raumplanungskonzepte ohne zusätzliche Bodenversiegelung mehr Platz für Lehre und Lernen ermöglichen und ein Grätzl bereichern. Nachhaltigkeit beginnt daher oft nicht beim Neubau, sondern beim mutigen und kreativen Umgang mit dem, was schon da ist.”

Denkmalschutz als Chance nutzen

Die umfassende Bestands- und Funktionssanierung des denkmalgeschützten, ursprünglich von den Architekten Mautner und Rothmüller entworfene, orthopädischen Krankenhaus Gersthof aus dem Jahr 1926, wurde ein Leitprojekt für die Transformation von Bestandsbauten in zeitgemäße Lernlandschaften. Die Fassade und Außenflächen behielten ihr Erscheinungsbild und auch im Inneren wurden im Sinne der Denkmalpflege wesentliche Merkmale des Gebäudes erhalten. Unter Berücksichtigung der Bestandsstrukturen wurden Räume neu angeordnet, die Flexibilität für Veränderungen zulassen – ähnlich einem lockeren Fäustling, im Gegensatz zu einem maßgeschneiderten Fingerhandschuh mit starrer Ordnung. 

„Die Adaptierung des Gebäudes innerhalb der Denkmalschutzvorgaben bot die Chance, Schulbaunormen zu hinterfragen und teilweise davon abzuweichen.”

Raus aus dem Normkorsett der Schularchitektur

Die architektonische Gestaltung berücksichtigt die Anforderungen, die Digitalisierung, neue Lernkulturen und innovative pädagogische Konzepte sowie Inklusion und Ganztagesbetrieb von Schulen an den Schulraum von morgen stellen: Schaffung von freien Lernzonen und offenen Lernlandschaften, flexibel nutzbare Klassenräume mit entsprechender technischer Ausstattung und räumlichen Qualitäten in Bezug auf Akustik, Belichtung, Beleuchtung und Raumluftqualität sowie Lern- und Lebensräume im Innen- wie Außenraum für die Nachmittagsbetreuung von Kindern.
Insgesamt entstanden 23 großräumige Stammklassen mit integrierten Freibereichen für offenes Lernen. Zudem wurden im neu geschaffenen Gartengeschoß helle Kreativräume mit direktem Ausgang ins Freie geschaffen. Auch die dort angesiedelte Bibliothek, Aufenthaltszonen und der Speisesaal orientieren sich zum großzügigen Freiraum. Die ehemalige Verwaltungsvilla wurde zum naturwissenschaftlichen Department umfunktioniert und beherbergt nun Unterrichtssäle, Versuchsräume und Kustodien.

Nachhaltigkeit im Fokus: Optimale Nutzung vorhandener Ressourcen

Durch eine leichte Absenkung des Geländes zum Park konnte aus den ehemaligen Keller- und Lagerräumen ein helles, freundliches Gartengeschoßes gestaltet werden. So wurden über 500 m2 zusätzliche Nutzfläche ohne Neubau geschaffen. Bei der Neuerrichtung der Turnsäle am südlichen Rand der Liegenschaft wurde ebenfalls ressourcenschonend vorgegangen: an Stelle von zwei Normturnhallen wurde nur eine in dieser Größe errichtet und ein zweiter, kleinerer Bewegungsraum mit vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten wie Bouldern, Tanzen oder Bodenturnen. Die Umsetzung von vorwiegend Low-Tech Konzepten, automatisierte Fensterspaltlüftungen und die Installation einer PV-Anlage mit 68 kWp komplettieren die umfangreichen Maßnahmen hinsichtlich des späteren möglichst energieeffizienten Betriebs bei diesem Projekt. Die Schule ist das erste klimaaktiv-zertifizierte Gebäude mit diesem Haustechnikkonzept.
Das Gebäude ist klimaaktiv Gold zertifiziert.
 

Allgemein

bildung, Fertigstellung 2025
Baujahr Bestandsgebäude 1924-1926
klimaaktiv Deklaration: 2025
deklariert nach: Dienstleistungsgebäude 2020.3.1
klimaaktiv Punkte: 907 von 1000
 

 

Kategorieklimaaktiv Punkte
Standort139
Energie und Versorgung508
Baustoffe und Konstruktion140
Komfort und Gesundheit120

 

Beteiligte

BauherrIn / Bauträger: Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.
Architekt / Planung: Franz und Sue ZT GmbH
Bauphysik: Bauklimatik GmbH
Haustechnik, HKL, E-Technik: Bauklimatik GmbH (Haustechnik und HKLS)
Bauleitung / ÖBA: Atelier.23 Architekten Zt Gmbh
Weitere Beteiligte: Hross & Partner GesmbH (E-Planung)
Weitere Beteiligte: HOYER Brandschutz GmbH
Gebäudedeklaration: IBO - Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie
 

KriteriumWert
Konditionierte Brutto-Grundfläche (BGF)6358,4 m²
Nettonutzfläche5086,7 m²
Anzahl der Wohn-/Nutzungseinheiten1
Anzahl der Geschoße4
Bauweisemassiv
Heizsystem RaumheizungFern- oder Nahwärme aus hocheffizienter KWK
Heizsystem WarmwasserFern- oder Nahwärme aus hocheffizienter KWK

Energiedaten berechnet nach OIB Richtlinie 6 - 2011 oder älter

KriteriumWert
Primärenergiebedarf (PEB)76,5 kWh/m²a
CO2-Emissionen8,2 kgCO₂ / m²a

KriteriumWert
Produktmanagement Stufe 1berücksichtigt
Schadstoffbegehung im Bestandberücksichtigt
OI3 Index (BG3, BZF)200

KriteriumWert
Summe VOC650 µg/m³
Formaldehyd0,013 mg/m³
Energiemonitoringberücksichtigt