Gut zu Fuß
Im Pinzgau GEHT was voran
Die Region Pinzgau zeigt, was möglich ist, wenn Gemeinden über ihre Grenzen hinausdenken. Trotz großer Distanzen und herausfordernder Strukturen entstehen hier gemeinsame Lösungen für aktive Mobilitätsformen und den öffentlichen Verkehr.
Gestalten über Gemeindegrenzen hinweg
Die Region Pinzgau im Westen Salzburgs hat nicht die einfachsten Voraussetzungen: Sie ist flächenmäßig größer als Vorarlberg, die Täler sind langgezogen und zersiedelt und die Geh- und Radinfrastruktur ist vor allem auf den Tourismus ausgerichtet. Gleichzeitig gibt es hier aber auch ein großes Potential, denn die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg hat eine lange Tradition. So werden derzeit in den Gemeinden Fußverkehrskonzepte erarbeitet, ein Energieleitbild wurde bereits entwickelt und das Angebot an Mikro-ÖV wird stetig erweitert.
Starke Regionalentwicklung als Fundament
Als „Klimateam Pinzgau“ bündeln die Regionalmanager:innen ihre Kräfte. Seit über zehn Jahren gibt es zwei Klima- und Energiemodellregionen, die gemeinsam 28 Gemeinden abdecken. „Vieles organisieren wir für den gesamten Bezirk. Da können wir viele Synergien nutzen, was einfach effizienter ist“, erzählt Brigitte Eder, KEM-Managerin für das Saalachtal. Lukas Pertl, KEM-Manager für die Nationalparkregion, ergänzt: „Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Bürgermeister:innen-Konferenz, in der gemeindeübergreifende Projekte abgestimmt werden.“
Guter Fußverkehr ist ansteckend
Das gewonnene Wissen wurde in die Region weitergetragen: Im Rahmen einer Veranstaltung organisierten die Regionalmanager:innen gemeinsam mit der Gemeinde Unken einen Erfahrungsaustausch für die gesamte Region und brachten so auch andere Gemeinden für das Thema Zu-Fuß-Gehen ins Gespräch. St. Martin bei Lofer und die Stadtgemeinde Saalfelden zogen nach.
„Die Erstellung des Fußverkehrskonzepts ist eine super Gelegenheit, sich nicht nur um eine Gehsteigreparatur zu kümmern, sondern einmal den gesamten Ort anzuschauen und auch in die Zukunft zu blicken“, erzählen die Klimamanager. „Fußverkehrskonzepte sind für die Gemeinden ein neues Thema. Da ist es gut, dass es bundesweite Initiativen wie Österreich zu Fuß gibt. Dadurch erkennen die Gemeinden, dass Fußverkehr einen Stellenwert hat und es wichtig ist, sich ganzheitlich und vorausschauend damit auseinanderzusetzen“, ergänzt Brigitte Eder.
„‘Wir machen das Zentrum fußverkehrsfreundlicher‘ klingt im ersten Moment vielleicht nicht so attraktiv. Aber wenn wir erklären, dass es letztlich um die Belebung des Ortskerns geht, dann verstehen alle den Sinn hinter solchen Maßnahmen.”
Auch die Perspektive von außen durch Begehungen mit Expert:innen und Bürger:innen ist sehr hilfreich, wie ein Bürgermeister begeistert erzählte. Wo man täglich vorbeigeht, nimmt man viele Dinge einfach nicht mehr wahr. Eine neue Perspektive bietet auch der Winter. Fußspuren im Schnee machen Alltagswege sichtbar und zeigen, welche Wege intensiv genutzt werden. Denn im Alltag zählt der kürzeste Weg, um von A nach B zu kommen. Auch diese Beobachtungen können ins Fußverkehrskonzept einfließen.
Miteinander reden, von Anfang an
Eine Herausforderung bei der Umsetzung neuer Gehwege sind für Gemeinden die vielen verschiedenen Grundeigentümer:innen und fehlende Widmungen. Brigitte Eder empfiehlt, von Anfang an alle einzubinden, eine vorausblickende örtliche Raumplanung zu betreiben und miteinander zu reden. Werden Grundeigentümer:innen zu wenig einbezogen, können Maßnahmen über Jahre blockiert werden. Enteignungen sind dabei das letzte Mittel, zu dem niemand greifen will.
Das Miteinanderreden ist auch bei der Umsetzung verkehrsberuhigender Maßnahmen wichtig. Wenn Fragen wie „Was bedeutet eine Begegnungszone genau und welchen Mehrwert bringt sie?“ beantwortet werden, entstehen Klarheit und Verständnis. Im Rahmen der Partnerschaft mit Österreich zu Fuß setzt die Region dazu regelmäßig Impulse und hebt die Vorteile des Zu-Fuß-Gehens hervor.
Gut zu wissen: Die KEM-Regionen sind Partnerinnen von Österreich zu Fuß. Erfahren Sie hier mehr über die Partnerschaft.
„Das Miteinander reden und aufklären, warum etwas wie gemacht wird, ist einer der wichtigsten Punkte. Auch wenn es manchmal eine längere Zeit in Anspruch nimmt, zahlt es sich für die Akzeptanz von Maßnahmen aus. ”
Einfach mal beginnen!
Was empfehlen die beiden KEM-Manager:innen anderen Regionen? Einfach anfangen – mit ein paar engagierten Leuten und einer motivierten Gemeinde. Oft reichen erste kleine Schritte, wie zum Beispiel Sitzbänke, neue Markierungen oder Wegweiser. Und darauf vertrauen: Gute Ideen sind ansteckend!
Bei größeren Umbauprojekten wie Fußgänger- oder Begegnungszonen, neuen Gehwegen oder Unterführungen sollte man auf jeden Fall die Ausarbeitung eines Fußverkehrskonzepts in Betracht ziehen – auch im Hinblick auf eine mögliche Förderung durch klimaaktiv mobil.