Neubau
DAS RAIQA - RLB Büro
Adamgasse 1-7, 6020 Innsbruck, Tirol - Objekt des Monats
klimaaktiv Gold
Allgemeine Projektbeschreibung
Das RAIQA, ein neues hybrides Raiffeisen-Quartier im Herzen Innsbrucks, wird als offener, pulsierender Raum gestaltet. Das Projekt verbindet Dienstleistungen, Kunst, Kultur, Genuss und Hotelbetrieb in einem innovativen Gebäude. Es setzt auf die nachhaltige Wiederverwendung der bestehenden Stahlbeton-Skelettstruktur, die als Atrium und zentrale Halle dient. Das RAIQA schafft eine attraktive Verbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt und bietet Platz für Austausch, Begegnung und neue Perspektiven. Durch den Einsatz nachhaltiger Materialien, insbesondere Holz, entsteht ein ökologisches Leuchtturmprojekt, das moderne Ästhetik mit Funktionalität vereint.
„Das Hybride spiegelt wider, wie Menschen funktionieren. Wir sind komplexe Wesen, die in unterschiedlichen Situationen von unterschiedlichen Bedürfnissen geprägt sind. Deshalb müssen Gebäude unseren vielfältigen Ansprüchen idealerweise als Ganzes gerecht werden.”
Nutzung des Gebäudes
Ein hybrider Gebäudekomplex, der mehrfache Nutzungen unter einem gemeinsamen Dach ermöglicht. Schalterraum und Bankbüros, Gastronomie und konsumfreie Bereiche, Handel und diverse Dienstleistungen, sowie Hotel und Skybar. Im Sinne der Wirtschaftlichkeit profitiert die Bank vom Mixed Use und hat mehr als 50% der Fläche vermietet. Der neugestaltete, freigelassene Bereich auf einem Gutteil der Raiffeisenliegenschaft dient als großzügiger Durchgang zur Innenstadt als Teil des öffentlichen Raumes. Andererseits wird hier ein attraktiver Vorbereich für die anliegenden Gewerbenutzungen geschaffen.
Eingliederung in das Siedlungsumfeld
Vom Südtiroler Platz zum Bozner Platz – das RAIQA als pulsierendes Quartier bildet einen Dreh- und Angelpunkt am Eingang zur Stadt und eröffnet ein Netzwerk unterschiedlicher Beziehungsfelder. Hier entstand eine Plaza, die sich trapezförmig bis auf die volle Breite des gegenüberliegenden Gebäudes der Nationalbank öffnet. Von dieser Plaza aus sind die kleinen Geschäfte der Ladenzeile zur einen Seite sowie das Hotel und vor allem das große Atrium zur anderen Seite zu betreten.
„Drei Sachen waren uns von Anfang an wichtig. Und zwar die Aufwertung der Fußgängerpassage zwischen Bozner Platz und Hauptbahnhof, die rund 10.000 Passanten täglich nutzen, die Schaffung einer großen öffentlichen Lobby, in der Bank, Hotel und Café hybrid ineinanderfließen, sowie der Erhalt von Teilen des Altbaus im Sinne der Kreislaufwirtschaft und des Social Urban Mining. Die Architekten haben diese Vision aufgegriffen und in einen großartigen Entwurf übersetzt.”
Entwicklungsgeschichte und Kommunikation
Die Raiffeisen-Landesbank Tirol hat für den Umbau ihres neuen Hauptgebäudes einen ungewohnten und zugleich zukunftsweisenden Zugang gewählt: Die Vision war es, neben der Revitalisierung eines in die Jahre gekommenen Gebäudes, eine innovative Quartiersentwicklung zu realisieren und ein Quartier in Innsbruck Mitte zu schaffen, das allen offensteht und zum Dialog, Verweilen und Wohlfühlen einlädt. Die Entscheidung für den Entwurf des Wiener Architektenbüros Pichler & Traupmann fiel im Rahmen eines Wettbewerbs, zu dem die RLB Tirol 16 regionale, nationale und internationale Architekturbüros eingeladen hatte (15 davon haben teilgenommen). Eine Jury aus Vertretern der Stadt Innsbruck, der Architektenkammer, der Bank sowie Bauexperten entschied sich im März 2019 für zwei Finalisten, Pichler & Traupmann und Iris Reiter. Im Zuge einer weiteren Konkretisierung der beiden Projekte erhielten Pichler & Traupmann den Zuschlag.
Planung/Konstruktion
Unter der Prämisse der freigelegten Stahlbetonstruktur wurden folgende Schritte gesetzt:
Zwischen Südtiroler Platz und Adamgasse entstand eine Plaza, die sich trapezförmig bis auf die volle Breite des gegenüber liegenden Gebäudes der Nationalbank öffnet. Der Raum des Stahlbetonskeletts wird zur Bank- und Hotellobby, zur gemeinsamen Halle sowie zu einem Teil des Art Space. Die Aufzüge stehen frei als Glaslifte und fahren zwischen den freigelegten Stahlbetonträgern zu den Bankebenen einerseits beziehungsweise zu den Hotelgeschoßen andererseits.
Die drei Büro-Cluster befinden sich alle auf einer einzigen Ebene. Einfache, barriere- und hierarchiefreie Kommunikation ist dadurch gewährleistet – „wir arbeiten alle auf einer gemeinsamen Ebene“. Der Freiraum des Stahlbetonskeletts fungiert sowohl als kleiner Innenhof als auch als gemeinsames Atrium.
Hotelzimmer mit Aussicht: 16 der 161 Hotelzimmer befinden sich im spektakulären Hammerkopf des Gebäudes. Dieser auskragende Teil überdeckt ab dem 4. Stockwerk in 20 m Höhe scheinbar schwerelos das nördliche Seitengebäude.
Das Restaurant und die Skybar sind als schwebende Plattform im obersten Geschoß situiert und bieten rundum einen spektakulären 360-Grad-Ausblick ins Ober- und Unterinntal, auf die Nordkette und Richtung Serles.
Das hybride Gebäude sitzt durchaus selbstbewusst im Stadtbild – jedoch tatsächlich offen und tatsächlich transparent, und ist für alle da.
Nachhaltigkeit
Beim Rückbau/Abriss des RLB Gebäudes in der Adamgasse kommt SUM zum Tragen. Es umfasst 3 Stufen: Wiederverwendung, Wiederverwertung und Entsorgung. Alles, was in den Ersatzquartieren der RLB benutzt werden kann, wird dort verwendet.
Im RAIQA greift man auf die Energie durch thermische Grundwassernutzung zurück. Die Basis dafür bildet eine bereits seit 2007 bestehende Anlage beim Innsbrucker Rechenzentrum in der Adamgasse, die bisher ausschließlich für die Kühlung des Gebäudes genutzt wurde. Über eine neue Leitung läuft Grundwasser über eine Wärmepumpe zum RAIQA-Gebäude, wo es über ein Kältemittel zur Kühlung verwendet wird. Anschließend geht das Grundwasser zurück ins Rechenzentrum, wo es wieder versickern und anschließend wiederverwendet werden kann.
Eine spezielle Herausforderung am Holzbau im RAIQA stellt die Auskragung von über vier Metern im nordöstlichen Teil des Gebäudes dar. Ab dem 4. Stock beginnt der Hotelbereich, in dem eine modulartige Holzsystembauweise zum Tragen kommt: Eine serielle Fertigung und Montage von 164 Holzmodulen in CLT-XXL-Bauweise als komplexe Raummodule. Diese kostengünstige Holzbauweise basiert auf möglichst regelmäßigen Grundrissen und optimalen Deckenspannweiten. (Einsparung in Summe dieser Maßnahmen von 1.500 Tonnen CO2)
Zertifizierungen: Gebäudeteil RLB mit klimaaktiv GOLD| Gebäudeteil Hotel mit ÖGNB TQB
„Das RAIQA steht für Transformation. Für die Idee, dass man aus einem bestehenden Volumen etwas Neues schaffen kann, ohne es einfach zu ersetzen. Und dafür, dass Architektur nicht nur Gebäude formt, sondern Stadt, Bewegung und Begegnung möglich macht.”
Allgemein
Bürogebäude, Fertigstellung 2026
klimaaktiv Deklaration: 2026
deklariert nach: Dienstleistungsgebäude 2020.4.3.
klimaaktiv Punkte: 951 von 1000
| Kategorie | klimaaktiv Punkte |
|---|---|
| Standort | 141 |
| Energie und Versorgung | 525 |
| Baustoffe und Konstruktion | 141 |
| Komfort und Gesundheit | 144 |
Beteiligte
BauherrIn / Bauträger: Raiffeisen Landesbank Tirol AG
Architekt / Planung: Pichler & Traupmann Architekten ZT GmbH
Bauphysik: RWT PLUS ZT GmbH
Haustechnik, HKL, E-Technik: Woschitz Engineering ZT GmbH
Bauleitung / ÖBA: Drees & Sommer GmbH
Weitere Beteiligte: Kubik Project GesmbH
Gebäudedeklaration: SPEKTRUM Bauphysik & Bauökologie GmbH
| Kriterium | Wert |
|---|---|
| Konditionierte Brutto-Grundfläche (BGF) | 10524,9 m² |
| Nettonutzfläche | 8145 m² |
| Anzahl der Wohn-/Nutzungseinheiten | 1 |
| Anzahl der Geschoße | 6 |
| Bauweise | Massivbau |
| Heizsystem Raumheizung | Wärmepumpe |
| Bereitstellung Warmwasser | dezentral |
| Einbau Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung | berücksichtigt |
Energiedaten berechnet nach OIB Richtlinie 6 - 2019
| Kriterium | Wert |
|---|---|
| Heizwärmebedarf (HWB) | 26,0 kWh/m²a |
| Primärenergiebedarf (PEB) | 92,9 kWh/m²a |
| CO2-Emissionen | 12,8 kgCO₂ / m²a |
| Kriterium | Wert |
|---|---|
| lc-Wert | 5,58 m |
| Bruttoraumhöhe | 4,9 m |
| Kriterium | Wert |
|---|---|
| OI3 Index (BG3, BZF) | 542 |
| Kriterium | Wert |
|---|---|
| Blower Door Test (n50-Wert) | 1,5 1/h |
| Summe VOC | 100 µg/m³ |
| Formaldehyd | 0,00 mg/m³ |
| Energiemonitoring | berücksichtigt |