Objekt des Monats 12/2013: Eingangsportal Museumsdorf Niedersulz

Das im Passivhausstandard errichtete neue Eingangsgebäude bildet den Rahmen für das Museumsdorf. Es überzeugt durch den konsequenten Umgang mit ökologischen Baustoffen und erreicht mit 965 Punkten klimaaktiv Gold.

Der Baukörper weist in seinem Zentrum eine große Öffnung auf, durch die der Blick des Besuchers bereits bei seiner Ankunft auf die Dächer der alten Häuser geleitet wird. Somit entsteht eine harmonische Wechselwirkung zwischen dem zeitgemäßen Eingangsgebäude, welches das Museumsdorf durch entsprechende Fernwirkung selbstbewusst nach außen hin präsentiert, und den „gerahmten“, historischen Ausstellungsobjekten.

Der neue Baukörper, geplant von ah3 ZT GmbH, wurde als hochwärmegedämmtes Passivhaus errichtet und interpretiert in seiner Materialität die Ausstellungsobjekte, die alten Häuschen und Nebengebäude, die in ihrer Gesamtheit das eigentliche Museumsdorf bilden. Die Außenfassade wurde – in Anlehnung an traditionelle landwirtschaftliche Nutzbauten – mit dunkel lasierten, vertikalen Holzbrettern verkleidet. Zum Schutz des Hirnholzes wurden bei den vertikalen Brettstößen Abdeckbretter verbaut. Diese leicht tauschbaren Opferbretter verleihen der Fassade ihre unverwechselbare Struktur und stellen in Verbindung mit den weit ausladenden Vordächern einen effizienten konstruktiven Holzschutz dar. Das Fassadenmaterial ist mit Wasserdampf, Hitze und Druck behandeltes Holz (Thermoholz), dadurch wurden chemische Holzschutzmittel im Anstrich überflüssig. Die aufgetragene Lasur basiert auf Leinöl und hat ausschließlich eine farbgebende Funktion.

Im Inneren kam ebenfalls zum größten Teil Holz als sichtbares Oberflächenmaterial zum Einsatz, so besteht der Boden durchgehend aus 20mm Eichenhirnholz Parkett, der besonders robust ist und im Holzstöckelpflaster sein historisches Vorbild findet. Wände des Foyers und Decken sind mit thermisch behandeltem Holz verkleidet. In Anlehnung an die ausgestellten Gebäude im Museumsdorf wurde das Holz hier in seiner einfachsten Form – als Brett – eingesetzt.  Auf Holzwerkstoffe oder Plattenmaterial konnte so verzichtet werden.  Die Möbel im Shop und im Museumscafé wurden ebenso wie die Regal- und Sitznischen aus Eichenholz gefertigt.

Das Untergeschoß des in Hanglage errichteten Gebäudes ist dreiseitig eingeschüttet und mitsamt der Erdgeschossdecke aus CO2 sparendem Ökobeton konstruiert. Zum Museumsdorf hin ist die Untergeschossfassade beinahe über die volle Länge in Stützen aufgelöst und mit einer Pfosten-Riegel-Fassade (Holz mit Alu Deckschale) geschlossen. Auf diesem massiven Sockel wurde das Eingangsgeschoss als kompletter Holzbau aufgesetzt: Konstruktiv wird hier zwischen dem großen, offenen, stützenfreien Foyer und dem jeweils seitlich angeordneten Nebenbereich unterschieden. Vier große Leimbinder überspannen das Foyer und bilden die Auflager für die darüber liegenden, vorgefertigten Dachelemente, die an beiden Enden weit auskragen. Die erforderliche Abstützung der Auskragung verläuft schräg nach unten und verleiht dem Rahmen seine typische Form. Über den beiden Seitentrakten befindet sich jeweils ein Dachbodenbereich, in dem die Haustechnik untergebracht ist. Hier wurde eine einfache Tragkonstruktion mit durchlaufenden Pfetten gewählt, auf der ebenfalls wieder die vorgefertigten, mit Zellulose gedämmten Dachelemente aufliegen.

Bei der Realisierung der großen Spannweiten und Auskragungen kamen die Vorteile von Holz als konstruktiver Baustoff – im wahrsten Sinn des Wortes - voll zum Tragen..

Das Gebäude ist durchgehend barrierefrei konzipiert. Die beiden Besucherebenen sind durch einen behindertengerechten Aufzug  und einer sehr flachgeneigten Treppe miteinander verbunden. Das Steigungsverhältnis ist dem menschlichen Schrittmaß angepasst. Für Kinderwägen wird zusätzlich zum Aufzug eine Kinderwagenspur vorgesehen, die begleitend zur Treppe angebracht ist. Die Ausführung erfolgt mit zwei Metallschienen ,die eine rutschfeste Oberfläche aufweisen.

Außenanlagen:

Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr wird über Buslinien sichergestellt, die auch eine gute Erreichbarkeit des Museumsdorfes von Wien aus garantieren.

Nähere Infos zum Gebäude finden Sie in der klimaaktiv Gebäudedatenbank: http://www.klimaaktiv-gebaut.at/onoff.php?id=434&source=1

Veröffentlicht am 03.04.2014