Schweden: Moving beyond zero, because zero is not enough

20 Jahre nach Start der Verkehrssicherheitskampagne „Vision Zero“ beschreitet Schweden mit “Moving Beyond Zero“ neue Wege in den Bereichen Verkehrssicherheit und aktive Mobilität. Im Fokus steht nun der Nutzen für Gesundheit und Gesellschaft.

Vor 20 Jahren wurde Vision Zero in Schweden mit dem Ziel gestartet, Verkehrsunfälle und Todesfälle auf Null zu reduzieren. Dieses ehrgeizige Ziel inspirierte Entscheidungsträger auf der ganzen Welt. Doch was helfen null Verkehrsunfälle, wenn sich – im Extremfall - alle Verkehrsteilnehmenden nur in Pkws sitzend fortbewegen?

Die Grundidee von „Moving Beyond Zero“ ist es, den (Gesundheits-)Nutzen aktiver Mobilität bei allen Überlegungen zur Verkehrssicherheit zu berücksichtigen. Maßnahmen zur Verkehrssicherheit dürfen sich damit keinesfalls nachteilig auf den Rad- und zu Fuß-Verkehr auswirken. Denn Eingriffe unabhängig von der Wirksamkeit der Verkehrssicherheitsmaßnahme führen fast immer zu einem Nettoverlust für die öffentliche Gesundheit: Die gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens überwiegen laut „Moving Beyond Zero“ den Sicherheitsrisiken um den Faktor 20 zu eins. Zudem erhöht sich die Verkehrssicherheit für ALLE Verkehrsteilnehmenden durch eine Zunahme von Rad- und Fußverkehr.

Die obligatorische Helmpflicht wird als Beispiel für eine Verkehrssicherheitsmaßnahme angeführt, die häufig dazu führt, dass die Zahl der Radfahrenden verringert wird und dadurch der überwältigende gesundheitliche Nutzen, den eine Zunahme des Radverkehrs mit sich bringt, zunichte gemacht wird.

Die Förderung des Rad- und Fußverkehrs ist zudem ein wichtiges Kriterium für die Lebensqualität in Städten und schon aus diesem Grund förderungswürdig.

Für alle Wege, die nicht alleine durch Rad und Fußverkehr abgedeckt werden können ist Multimodalität, also die Verschränkung mit dem ÖV und weiteren Services z.B. Carsharing, Bike-Verleih eine optimale Lösung. „Moving Beyond Zero“ unterstützt daher auch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, den Einsatz von neuer Technologie und innovativen Angeboten.

Mobilität ist für „Moving Beyond Zero“ auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und der Menschenrechte. Die Initiative setzt sich daher für den Zugang zu öffentlichem Raum und für ein Recht auf aktive Mobilität besonders in städtischen Gebieten ein – insbesondere für Kinder. Denn viele Kinder würden gerne selbständig Wege zurücklegen, was aber aus Gründen der „Verkehrssicherheit“ oft nicht möglich ist bzw. von den Eltern nicht erlaubt wird.

Mit der Verknüpfung von Gesundheits- und Sicherheitsvorteilen gibt es ein starkes Argumentarium pro Rad- und Fußverkehr. Schweden zeigt mit „Moving Beyond Zero“ wie das gehen kann.

Die Initiative "Moving Beyond Zero" wird vom“ Swedish Traffic Safety Council for Active and Sustainable Mobility“ abgewickelt, dessen Hauptsitz sich in Stockholm, Schweden befindet.

Veröffentlicht am 29.03.2018