Frankreich: Neue Strategie sieht Verdreifachung des Radverkehrsanteils vor

Die französische Regierung will bis zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris den derzeitigen Radverkehrsanteil von 3 % auf 9 % erhöhen.

Verglichen mit anderen EU-Ländern, wie etwa Deutschland (10 %) oder den Niederlanden (28 %), ist der Anteil der Wege, die in Frankreich mit dem Rad zurückgelegt werden, mit 3 % sehr niedrig, obwohl die Vorteile des Radverkehrs für Gesundheit und Umwelt unbestritten sind.

Aus diesem Grund haben Premierminister Édouard Philippe, Verkehrsministerin Elisabeth Borne und Umweltminister François de Rugy im September 2018 eine neue Radverkehrsstrategie vorgelegt, die eine Verdreifachung des Radverkehrsanteils im Verkehrsmix in den nächsten sechs Jahren zum Ziel hat. Laut Premierminister Philippe sollen die Maßnahmen ab 2019 so schnell wie möglich umgesetzt und dabei alle wichtigen Player mobilisiert werden: Gemeinden, Unternehmen und Verbände.

Die französische Radverkehrsstrategie baut auf vier Säulen auf:

  1. Ausbau von qualitativen Radverkehrsanlagen

In vielen Gebieten steht derzeit kein Radwegenetz zur Verfügung, das sichere und reibungslose Fahrten mit dem Rad erlaubt. Um die Gemeinden dabei zu unterstützen, die Radinfrastruktur auszubauen, fehlende Verbindungen zu schließen und gefährliche Übergänge zu vermeiden, wird für sie der nationale Fonds „Aktive Mobilität“ in der Höhe von 350 Millionen Euro bereitgestellt.

  1. Kampf gegen Fahrraddiebstahl

Derzeit sind jährlich 300.000 Haushalte von Fahrraddiebstahl betroffen. Um dem entgegenzuwirken, sollen zum einen Fahrräder gekennzeichnet werden, damit eine Rückgabe an ihre BesitzerInnen durch die Polizei möglich gemacht wird. Andererseits soll ein Ausbau von sicheren Parkmöglichkeiten von Fahrrädern in Gebäuden und in Bahnhöfen erfolgen.

  1. Schaffung von steuerlichen Incentives

Die Erstattung von Kilometergeld für Dienstreisen schließt im Moment auf Fahrrädern zurückgelegte Wege nicht mit ein. Mit der neuen Radverkehrsstrategie wird es ArbeitgeberInnen von privaten Unternehmen und öffentlichen Institutionen möglich sein, ihren MitarbeiterInnen für diese Wege eine „nachhaltige Mobilitätspauschale“ von bis zu 400 Euro im Jahr steuer- und beitragsfrei auszuzahlen (bis zu 200 Euro für Staatbedienstete).

  1. Förderung einer echten Fahrradkultur

Nach Schätzungen haben 2 bis 10 % der Franzosen nie Rad fahren gelernt. Außerdem wird das Fahrrad noch nicht als eigenständiges Transportmittel betrachtet. Im Zuge der neuen Radverkehrsstrategie soll nun in Zusammenarbeit mit dem Sportministerium, dem Bildungsministerium und der Abteilung für Verkehrssicherheit des Innenministeriums das frühe Erlernen allgemein eingeführt werden.

Veröffentlicht am 13.12.2018