Mehr Sicherheit durch Mindestüberholabstand – internationale Beispiele

Wer regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs ist, kennt die Situation: Überholvorgänge mit fehlendem Sicherheitsabstand durch KFZ-Lenkende gefährden die Sicherheit von Radfahrenden. Die österreichische StVO kennt aktuell keine konkrete Definition des Mindestüberholabstands. Andere Länder sind hier schon weiter.

Sowohl im beengten städtischen Raum als auch im Freiland gibt es oft keine vom KFZ-Verkehr baulich getrennte Radinfrastruktur. Radfahrende benützen die Fahrbahn und müssen darauf vertrauen, von KFZ-Lenkenden mit ausreichendem Abstand überholt zu werden. Nicht immer klappt das, wie die Unfallzahlen zeigen. 2016 wurden 700 Unfälle registriert, bei denen Radfahrende durch zu knapp überholende Kraftfahrzeuge zu Sturz gebracht wurden. Diese Unfälle sind vermeidbar, wenn mit ausreichendem Abstand überholt wird. Als goldene Regel gelten 1,5 m, die zwischen Rad und KFZ beim Überholvorgang liegen sollten. Einige Länder haben, teils schon seit langem, entsprechende Gesetze verankert.

Jüngstes Beispiel ist Deutschland, das 2020 einen Mindestüberholabstand von 1,5 m innerorts und 2 m außerorts eingeführt hat. Auch in Portugal gelten seit 2013 1,5 m Minium. In Belgien gibt es schon seit 1975 einen Mindestüberholabstand von 1 m. Überraschend ist auch der Blick nach Übersee: In den USA gibt es - mit Stand September 2021 - in 35 Bundesstaaten Regelungen, die von 0,9 m bis 1,5 m reichen.

Von dort stammen auch einige wichtige Erkenntnisse zum Einfluss eines gesetzlich verankerten Mindestüberholabstands. So konnte allgemein beobachtet werden, dass der Überholabstand tatsächlich größer ist, wenn dieser mit konkreten Zahlen gesetzlich verankert ist. Als entscheidend dafür wurde aber die Kenntnis über diese Bestimmung in der Bevölkerung ermittelt, Kommunikation spielt hier also eine große Rolle.

Aus den bisherigen Erkenntnissen ist also eine klare Empfehlung abzuleiten: Eine Ergänzung der StVO um einen konkret definierten Mindestüberholabstand samt hinreichender Kommunikation dieser Neuerung kann das Miteinander von Rad und KFZ deutlich sicherer und angenehmer machen.

Veröffentlicht am 11.10.2021