Mikrozensus Umwelt 2019 – Mobilitätsverhalten im Wandel

Die vierte große "Mikrozensus Umwelt"-Erhebung der Statistik Austria liegt nun vor. Abgefragt wurde darin auch das Mobilitätsverhalten der Österreicher und Österreicherinnen und die Einstellungen zur Mobilität - auch zu öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖV) und zum Radverkehr.

Der Mikrozensus Umweltbedingungen, Umweltverhalten 2019 zeigt auf, in welchem Ausmaß Menschen in ihrem Wohnbereich von Lärm, Hitze, Gerüchen, Staub oder Ruß beeinträchtigt und welche Ursachen dafür vermutet werden. Auch eine Einschätzung der allgemeinen Umweltqualität in Österreich sowie das vordringlichste Umweltproblem wurden erfasst. Des Weiteren wurde von den befragten Personen eine Beurteilung ihrer Lebensqualität sowie möglicher Einflussfaktoren darauf vorgenommen.

Auch der Themenkomplex Mobilität in Österreich fand Eingang in die Erhebung, wobei die gemachten Angaben zur Verkehrsmittelwahl und die Attraktivität öffentlicher Verkehrsmittel analysiert wurden und mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen (Umfeldbedingungen, sozio-demografische Merkmale) in Zusammenhang gebracht wurden.

Mobilität allgemein: Weiterhin Dominanz des motorisierten Individualverkehrs, ÖV wird bei guter Infrastruktur bevorzugt

Betrachtet man den Modal Split, d. h. die Verteilung des Verkehrsaufkommens auf die verschiedenen Verkehrsmittel, so zeigt sich die Dominanz des motorisierten Individualverkehrs und hier vor allem der Verwendung des Autos im Personennahverkehr. Über 90 % der österreichischen Bevölkerung verwenden im Alltag zumindest gelegentlich das Auto (selbst lenkend oder mitfahrend), 36,4 % nutzen es täglich, 31,2 % fahren damit mehrmals pro Woche. Die Mehrheit lenkt dabei ihr Auto selbst.

Die öffentlichen Verkehrsmittel Bahn, Bus, Straßenbahn und U-Bahn werden von mehr als 65 % der Befragten zumindest gelegentlich frequentiert; 17,4 % nützen sie täglich, 11,6 % mehrmals pro Woche. Die Benützung hängt dabei stark von der vorhandenen Infrastruktur ab, welche in dicht besiedelten Gebieten besser ausgebaut ist als in gering besiedelten.

Dementsprechend benutzen in dicht besiedelten Gebieten 39,6 % der Befragten täglich öffentliche Verkehrsmittel, in niedrig besiedelten Gebieten nur 5,1 %. Wien sticht dabei deutlich hervor: 49,2 % der Bewohnerinnen und Bewohner fahren täglich mit den „Öffis“, dafür fällt der Einsatz des Autos stark unterdurchschnittlich aus.

Aus der aktuellen Befragung und im Vergleich mit den letzten Erhebungen lässt sich erkennen:

  • Österreichweit sind rd. 60 % der Befragten seltener als einmal im Monat oder nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.
  • Wien ist absoluter ÖV-Spitzenreiter: Knapp 50 % der Befragten legen täglich ihre Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück.
  • An zweiter und dritter Stelle kommen Vorarlberg und Tirol, was die tägliche ÖV-Nutzung betrifft.
  • Der Anteil jener Personen, die nie öffentliche Verkehrsmittel benutzen, ist in Burgenland mit rd. 60 % am höchsten, gefolgt von Kärnten mit 54 %.
  • Eine große Differenz gibt es auch bei jenen Personen, die seltener als einmal im Monat oder nie ÖV nutzen: nur jeder Fünfte in Wien, jedoch 86 % im Burgenland.
  • Der Anteil jener, die Mitfahrer im Auto sind, nimmt tendenziell ab.
  • Carsharing war bereits bei den letzten Erhebungen auf niedrigem Niveau und hat 2019 österreichweit noch weiter abgenommen.
  • Bei jenen Bundesländern, in denen Carsharing grundsätzlich genutzt wird (alles außer "nie"), liegen Wien und Tirol leicht vorne.
  • Einspurige Kfz wie Motorräder etc. spielen keine große Rolle im Mobilitätsverhalten, ein ganz leichter Trend zur Nutzung ist grundsätzlich vorhanden (alle Angaben außer "nie").

Radfahren: Leicht steigender Trend – aber auch noch viel Luft nach oben

Das Fahrrad wurde von 11,1 % täglich verwendet und 72,8 % gaben an, täglich mindestens 250 Meter zu Fuß zurückzulegen.

  • Beim Fahrrad als tägliches Verkehrsmittel ist in Gesamtösterreich ein Aufwärtstrend erkennbar, die Nutzung steigt kontinuierlich seit der ersten Erhebung 2007 an.
  • Bei jenen, die nie Fahrrad fahren, gibt es im Vergleich zur ersten Erhebung 2007 weniger Personen, allerdings ist dieser Wert relativ konstant seit der zweiten Erhebung.
  • Nei den drei Bundesländern mit der höchsten Nutzung des Fahrrads als Verkehrsmittel im Alltag (mehrmals pro Monat bis täglich) ist Vorarlberg Spitzenreiter, gefolgt von Salzburg und Tirol.
  • Schlusslicht ist die Bundeshauptstadt Wien: Knapp die Hälfte der Wiener Bevölkerung steigt nie auf ein Fahrrad.
  • Bei der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen hat der Anteil jener, die das Fahrrad als tägliches Verkehrsmittel benutzen, erstmals die 10-Prozent-Hürde überschritten (11,2 %).
  • Allerdings ist das nur bedingt Grund zur Freude, denn mit 34 % ist der Anteil jener, die das Fahrrad nie nutzen, auch höher als in den letzten beiden Erhebungen.

Gehen: Im Aufwärtstrend

  • In allen österreichischen Bundesländern hat der Anteil jener, die täglich zu Fuß unterwegs sind, zugenommen.
  • Mit rd. 93 % liegt der Anteil der Befragten, die täglich oder mehrmals wöchentlich zu Fuß gehen, in Wien über dem österreichischen Durchschnitt.

Zusammenfassend

Der Mikrozensus Umwelt zeigt 2019 sehr klar, dass das Mobilitätsverhalten der Österreicherinnen und Österreicher nach wie vor sehr vom Kfz-Verkehr – außer in Wien – dominiert wird. Dort, wo es die Möglichkeit und das Angebot gibt, werden auch öffentliche Verkehrsmittel stark genutzt und das Gehen bei der täglichen Mobilität spielt eine immer größere Rolle.

Großes Potenzial für den Radverkehr gibt es vor allem bei jenen über 30 % der Bevölkerung, die bisher das Fahrrad nie genutzt haben. Noch größeres Potenzial gibt es bei all jenen, die öffentliche Verkehrsmittel nie benutzen: Immerhin sind das in Österreich weit mehr als 60 %.

Ebenso großes Potenzial hat Carsharing: Das Fahrzeug-Teilen kommt nicht ganz in Schwung. Auch eine Steigerung der Effizienz durch eine Erhöhung der Auslastung von Kfz ist eine Option.

Das Angebot an Radfahrinfrastruktur, öffentlichem Verkehr und Carsharing ist für die verstärkte Nutzung essenziell – es lohnt sich hier zu investieren.

Veröffentlicht am 02.02.2021