Frischluft für den Geist - Gehen für die Gesundheit Teil II

Im zweiten Teil der Artikelserie "Gehen für die Gesundheit" gehen wir auf jene Vorteile des Gehens ein, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind. Denn: Gehen ist nicht nur gut für den Körper, sondern auch für unsere Luft und sogar für unseren Geist.

Es ist nichts Neues, dass Zu-Fuß-Gehen gut für den Körper ist. Gehen ist eine einfache Möglichkeit, Bewegung in den Alltag zu integrieren – wie gesund diese zusätzliche Bewegung für den Körper ist, kann man in diesem Artikel nachlesen.

Doch Gehen birgt eine Vielzahl an weiteren Vorteilen, insbesondere dann, wenn viele Menschen in einer Nachbarschaft gehen und ihre Autos lieber stehen lassen. Diese Vorteile reichen von weniger Luftverschmutzung über eine geringere Lärmbelastung bis hin zu sozialen Aspekten.

Weniger Lärm und gute Luft durch gemeinsames Gehen

Gehen viele Menschen zu Fuß oder fahren mit dem Rad und verzichten auf das Autofahren in einer Nachbarschaft, merkt man das sofort an einer geringeren Lärmbelästigung. Der motorisierte Individualverkehr ist für den Löwenanteil an Lärm in Städten und Gemeinden verantwortlich. Weniger Autofahrten und etwas mehr Ruhe wirkt sich positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden aus. Menschen, die einer dauerhaften Lärmbelästigung ausgesetzt sind, leiden häufiger an Schlafstörungen, haben erhöhte Stresslevel und können sich weniger gut konzentrieren. Eine Studie aus dem Jahr 2018 stellte sogar fest, dass sich Lärm negativ auf das Herz-Kreislaufsystem auswirken kann (Münzel et al., 2018).

In Wien sind in etwa 94% der Bevölkerung einer Lärmbelästigung durch den Straßenverkehr ausgesetzt (EEA, 2020) – wie viel ruhiger wäre die Stadt wohl, wenn weniger Autos durch die Straßen rauschen? Ein weiterer Pluspunkt: Ruhigere Straßen laden dazu ein, Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück zu legen.

Gehen für den Geist

Zu-Fuß-Gehen tut auch dem Kopf gut. Durch die Bewegung und die frische Luft steigt das eigene Wohlbefinden, die Konzentrationsfähigkeit und die Laune. Ein Bonus: Die Luft wird sogar frischer, je mehr Menschen sich dazu entschließen, lieber zu Fuß zu gehen. Zusätzlich kann beim Gehen gleich Sonne, und so wertvolles Vitamin D getankt werden -  gerade im Winter von großer Bedeutung, denn Vitamin-D-Mangel tritt bei einem Großteil der Bevölkerung auf. Je interessanter, attraktiver und grüner die Fußwege, die zurückgelegt werden, desto besser fühlen wir uns.

Soziales Gehen

Ein Aspekt, der beim Gehen oft vergessen wird, ist der soziale Kontakt mit Menschen in der Nachbarschaft und direkten Umgebung. Das Leben in der Gemeinde oder Stadt ist dann besonders bereichernd, wenn es mit sozialen Kontakten und zwischenmenschlichen Beziehungen geschieht. Der öffentliche Raum und der Aufenthalt im öffentlichen Raum auf Platz, Park und Co fördert den sozialen Austausch. Eine Orientierung der Straßen und Infrastruktur am Auto trägt dazu bei, dass man sich ungerne (länger) auf Straßen und im öffentlichen Raum aufhält. Alltägliche Wege werden lieber mit dem Auto zurückgelegt, wenn die Straßen nicht dazu einladen, aktiv mobil zu sein. Diese Abhängigkeit vom Transportmittel Auto und "nicht-fußverkehrstaugliche" Straßengestaltung können das Gefühl von sozialer Isolation und Einsamkeit verstärken – gerade in Zeiten von Lockdowns war Spazierengehen daher "in".

Je ansprechender der öffentliche Raum gestaltet ist und je besser die Aufenthaltsqualität, desto lieber und länger bleibt man draußen. Je mehr Bäume, Bänke und Brunnen, desto gemütlicher der Platz. Das heißt desto eher kommt man mit seinen Mitmenschen ins Gespräch.

Schmale Gehwege schränken ein. Gehwege mit einer ansprechenden Gestaltung und einer ausreichenden Breite laden zum Spazieren und vor allem zum Nebeneinander-Spazieren ein. Auch das fördert soziale Kontakte und ein Gefühl des Miteinanders in der Nachbarschaft. Gehen kann also dazu beitragen, dass man sich soziale Netzwerke aufbaut und diese pflegt.

Wie eine Studie (Leyden, 2003) zeigt, sind Personen, die in einer fußverkehrsfreundlichen Nachbarschaft leben, sozial involvierter als jene, die in Auto-orientierten Nachbarschaften leben. In Nachbarschaften, die zum Gehen einladen, kennen Personen eher ihre Nachbarn, sind politisch aktiver und vertrauen ihren Mitmenschen eher.

Vielfältige Vorteile für die Gesundheit

Zu-Fuß-Gehen birgt also weitaus vielfältigere positive Effekte als auf den ersten Blick ersichtlich. Neben der vermehrten Bewegung und all den Vorteilen, die damit einhergehen, wirkt sich das Gehen auf die mentale Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden aus. Und: Je mehr Menschen sich aktiv mobil fortbewegen und das Auto stehen lassen, desto größer die positiven Effekte für uns alle. Durch weniger Lärm, bessere Luft und mehr soziale Kontakte. Gehen für die Gesundheit – auch für den Geist!

Veröffentlicht am 09.06.2022

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