Paris-Vorderwald: Klimaziele im Praxistest

Im Mai 2019 probierten 14 Haushalte in Vorarlberg mit insgesamt 70 Personen, das Pariser Klimaziel umzusetzen. Wie und wie weit können die Haushalte ihre Treibhausgasemissionen reduzieren?

2015 hat die Staatengemeinschaft in Paris beschlossen, die Erderwärmung auf unter 2 °C zu halten. Das bedeutet, dass die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf null reduziert werden müssen.

Im Mai 2019 haben sich 15 Haushalte zum Ziel gesetzt, die Emissionen im eigenen Wirkungsbereich für einen Monat soweit zu senken, dass diese im Einklang mit den Klimazielen stehen.

Die Ergenisse liegen nun vor und regen zur Nachahmung an - zeigen aber auch auf, wo Handlungsbedarf auf politischer Ebene besteht. Folgende Handlungsbereiche wurden dem Praxistest unterzogen:

Konsum: Dieser Bereich verursacht rund die Hälfte unserer Treibhausgasemissionen. Die teilnehmenden Haushalte verbesserten ihre Bilanz z.B. durch bewusste Freizeitgestaltung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und den bewussten Verzicht auf Flüge bei der Urlaubsgestaltung sowie dem Auto beim täglichen Pendeln, durch längere Nutzungsdauer bei elektronischen Geräten, durch Einkauf in Dorfläden, Secondhandläden und Verpackungsfrei-Läden sowie direkt beim Erzeuger.

Mobilität: Es wurden alternative Mobilitätsformen wie ÖV, (E-)Radfahren sowie Elektro-Carsharing Autos gestetet. Letzteres wurde zumindest als gute Alternative zum konventionellen zweit-Fahrzeug gesehen. Auch Busse, die schlecht ausgelastet sind schlagen sich in der indivuellen Klimabilanz nieder - mussten die TeilnehmerInnen feststellen.

Ernährung: Grundsätzlich gilt: eine klimafreundliche Ernährung ist auch eine gesunde Ernährung. Regional, saisonal und nach Möglichkeit aus biologischer Produktion sowie maßvolle Verwendung tierischer Produkte sind einfache Eckdaten für die klimafreundliche Ernährung. Verpackungen - bzw. der Verzicht darauf spielen auch eine wesentliche Rolle in der persönlichen Klimabilanz.

Strom, Wärme, Gebäude: Hier wurden vor allem Einsparpotentiale beim Stromverbrauch genutzt sowie die Möglichkeit zur Produktion von Solarstrom.

Fazit: Wir können jetzt schon nah an das Pariser Klimaziel kommen; aber wir müssen die Dinge anders machen. Nachdenken und Einfallsreichtum sind gefragt, dann lassen sich oft klimafreundliche Lösungen finden, die Freude machen und alltagstauglich sind. Gerade in der Mobilität stoßen die Haushalte aber an Grenzen.

Ein guter Tag hat 100 Punkte – App erleichtert den Haushaltsüberblick
Damit die Haushalte erkennen, wie nah sie dem Klimaziel mit welcher Maßnahme kommen, wurde eine App basierend auf der Methode „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ entwickelt. Dabei sind die Treibhausgasemissionen auf Punkte und Tageswerte umgerechnet. Das Ziel ist der 100 Punkte Tag. Derzeit liegt der Durchschnitt in Österreich bei 450 Punkten/Tag. Die Teilnehmer aus dem Vorderwald liegen mit einem Durchschnitt von 170 Punkten schon jetzt weit darunter. Weitere Infos unter www.eingutertag.org.

Das Projekt „Paris – Vorderwald“ ist ein Leitprojekt (2018/19) der Klima- und Energiemodellregionen Österreichs, unterstützt von den acht Gemeinden der Energieregion Vorderwald, vom Klima- und Energiefonds und vom Land Vorarlberg. Projektpartner ist Kairos aus Bregenz. Begleitet wird das Projekt von der Energieautonomie Vorarlberg, der Illwerke VKW Gruppe und vom Energieinstitut Vorarlberg.

Veröffentlicht am 01.07.2019