Back to the future – Dämmen mit der Natur

Die Vielfalt an Dämmstoffen hat in letzter Zeit deutlich zugenommen – vor allem im Bereich der nachhaltigen Baustoffe. Noch sind aus Preisgründen EPS Dämmstoffe marktbeherrschend, doch die nachwachsenden Dämmstoffe boomen. Die neue Dynamik im Bereich der ökologischen Alternativen ist in Österreich aber vor allem einer Pflanze geschuldet – Hanf.

Bei Wärmedämmung denken die meisten Menschen unwillkürlich an EPS bzw. Styropor, wie es in Österreich im allgemeinen Sprachgebrauch meist genannt wird. Beinahe 90% aller Wärmedämm-Verbundsysteme werden mit diesem leichten und günstigen Dämmstoff ausgeführt – und dieser erfüllt auch seine Aufgabe. Trotzdem gibt es heute Dämmstoffe, die deutlich mehr können – und überraschenderweise sind dies gerade alte Bekannte.

Sinn und Zweck von Dämmstoff ist die Einsparung von Wärmeenergie durch die Dämmwirkung des eingesetzten Materials. Doppelt sinnvoll ist, schon bei der Auswahl der Dämmstoffe Energie aus nicht regenerativen Quellen und Schadstoffemissionen einzusparen. Am besten geht dies mit ökologischen Naturdämmstoffen wie zum Beispiel Hanf.

Ökologie der Dämmstoffe

Vorweg sei angemerkt, dass sich eine Dämmung nahezu immer und sehr rasch ökologisch amortisiert. Die zur Produktion der Dämmung eingesetzte Energie und die dadurch verursachten Emissionen werden oft innerhalb eines Jahres durch die ausgelöste Energieeinsparung kompensiert. Ausnahmen hierbei sind vor allem die energieintensiveren Dämmungen wie Mineralwolle für den Fassadenbereich oder schwere Holzfaserdämmung.

Vor 30 Jahren war das Verhältnis zwischen der aufgewendeten Heizenergie über die Verwendungsdauer und der aufgewendeten Energie für die Errichtung von Gebäuden noch bei 20:1, heute stehen wir nun bei einem Verhältnis von durchschnittlich 2:1 bzw. bei einigen sehr energiesparenden Gebäuden bereits bei 0,8:1.
Dies zeigt, dass die thermischen Standards im Wohnbau mittlerweile sehr gut geworden sind, gleichzeitig wird gerade dadurch die Materialwahl immer entscheidender. Die „graue Energie“, die zur Errichtung eines Gebäudes notwendig ist, sollte daher Berücksichtigung finden.

Eine ausgezeichnete Entscheidungshilfe für Konsumentinnen und Konsumenten bei der Wahl des optimalen Dämmstoffs stellt das Österreichische Umweltzeichen dar. Hier gibt es drei Kategorien – wobei EPS Dämmstoffe eine Auszeichnung im Wesentlichen nur für stark wasserbelastete Anwendungsfälle erhalten können – die Fassade ist davon ausgeschlossen.
Für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gibt es eine eigene Kategorie. Förderungen der Bundesländer sind zum Teil bereits auf das Österreichische Umweltzeichen abgestimmt.

Schalldämmung

Naturdämmstoffe bestehen oft aus Fasermaterialien und weisen zumeist recht hohe Raumdichten auf – der Schallschutz ist daher bei diesen Naturmaterialien allgemein sehr gut. Neben Prüfungen von Kork und Holzfaser liegen besonders für Hanfdämmung viele, ausgezeichnete Ergebnisse vor. Auf verschiedenen Ziegeluntergründen liefern selbst dünne Hanfplatten mit nur vier cm dicke bereits Verbesserungen von über 10 dB. Wer mit Schallschutz zu tun hat weiß, wie hoch diese Verbesserung einzustufen ist: Die im Innenraum ankommende Schallenergie wird um 90% reduziert.

Naturfasern werden in Zukunft beim Schallschutz, aber auch bei Akustiklösungen eine noch größere Rolle spielen. Diese Systeme sind bezüglich Schallschutz auch heute schon preislich wettbewerbsfähig und besitzen zusätzlich den Bonus der besseren Ökologie – warum sollten für den Schallschutz noch andere Materialien eingesetzt werden?

Beständigkeit und Lebensdauer

Für die Langlebigkeit einer Fassade sind einige Kriterien ausschlaggebend. Neben der Armierung spielt der Dämmstoff eine erhebliche Rolle, wenn es um die Widerstandskraft gegenüber Belastungen wie Hagelschlag oder verirrte Fußbälle geht.

Aus Materialprüfungen ist längst bekannt, dass harte Dämmstoffe mit zu hoher dynamischer Steifigkeit, gegenüber real auftretenden mechanischen Belastungen, wie sie durch die ETAG (Europäische technische Leitlinien) abgetestet werden, kaum Sicherheitsreserven besitzen.

Die meisten ökologischen Dämmstoffe verhalten sich bei solchen Belastungen recht gut, manche geradezu herausragend. Unter extremer Zeitlupe sieht man den Grund dafür – die Dämmung wirkt wie ein Trampolin und federt den Einschlag von Hagel oder Fußball einfach ab.

Für das menschliche Auge lässt sich dieses Verhalten unter normaler Geschwindigkeit nicht einmal erahnen.

Sauberkeit von Oberflächen

Schwere Dämmstoffe wie Holzfaser, Mineralwolle oder Hanf kühlen in Nächten im Vergleich zu Fassadendämmungen aus EPS weniger stark ab, weil die Speichermasse erheblich höher ist. Damit ist der Feuchteausfall geringer. Das Resultat: Algen, Pilze und Flechten finden deutlich schlechtere Wachstumsbedingungen vor. Folglich bleiben Fassaden, die solcherart gedämmt sind, länger sauber. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Wahl des Putzes bzw. der Fassadenfarbe.

Soziale Rahmenbedingungen und Regionalität

Die Regionalität der Produktrohstoffe und die Herstellbedingungen sind Kriterien, die vielen Konsumenten immer wichtiger werden.

Die Auswahl an Dämmstoffen aus nachhaltigen Rohstoffen ist beachtlich und verspricht zukünftig eine spannende Entwicklung. Viele der Materialien, die aktuell ein Revival erleben, sind bereits über Jahrhunderte erprobt. Die neue Dynamik im Bereich der ökologischen Dämmstoffe ist in Österreich aber vorerst einer Pflanze geschuldet – dem Hanf!

Weiterführende Informationen finden Sie z.B. in der im Rahmen des Programms klimaaktiv Nawaro Markt erstellten „Dämmstoffbroschüre

 

Veröffentlicht am 24.09.2019