Grün Dämmen - Kärntner Erfahrungen

Die Anforderungen an das Wohnen durch die Bewohner  sind bekannt: Wohnen soll komfortabel und der Gesundheit zuträglich sein sowie sich finanziell im Rahmen des Möglichen bewegen. Welche Hemmnisse der stärkeren Verwendung von NAWARO Dämmstoffen im Wege stehen wurde in einer Untersuchung in Kärnten erhoben.

Bauen und Sanieren gehören zu den zentralen Hebeln der Energiespar- und Klimaschutzpolitik. Unter den Energieeffizienz-Maßnahmen kommt dem Dämmen eine große Bedeutung zu. Durch eine energetische Verbesserung der Gebäudehülle kann der Wärmeverlust eines Hauses reduziert werden. Die Reduzierung der benötigten Heizenergie führt nicht nur zu Kosteneinsparungen, sondern auch damit verbunden zu positiven Umweltauswirkungen.

Den positiven Effekten von Dämm-Maßnahmen wie eine Steigerung der Wohnqualität und  Steigerung des Immobilienwerts stehen die Investitionskosten am Beginn des Vorhabens sowie weitere Hemmnisse gegenüber. Im Sinne der Nachhaltigkeit sollen Dämm-Maßnahmen in Zukunft verstärkt durch nachwachsende Rohstoffe erfolgen und insbesondere den derzeit am häufigsten verwendeten Dämmstoff EPS (expandiertes Polystyrol) ablösen. Im Zusammenhang mit Dämm-Maßnahmen werden u.a. folgende NAWAROs (Nachwachsende Rohstoffe) verwendet: Hanf, Zellulose, Holzfaser, Schafwolle, Kork, Stroh, Flachs, Schilf, Holzspäne, Baumwolle und Zellulose. Diese Produkte sind trotz gewisser Umweltauswirkungen in der Produktion gesamthaft ökologischer als mineralische oder synthetische Produkte.

Aus der österreichischen Klima- und Energiestrategie ergibt sich: Neben den positiven Auswirkungen auf die Gesundheit der Bewohner  müssen NAWARO-Dämmstoffe  unverzichtbarer Bestandteil einer möglichst fossilfreien Gesellschaft werden.

Neue Anreize sind erforderlich: Was uns Kärnten „zeigt“

Zwar beginnen nachwachsende Rohstoffe im zunehmenden Maße auch bei Dämm-Maßnahmen eine Rolle zu spielen, sie sind derzeit allerdings aufgrund zahlreicher Hemmnisse noch auf ein Nischendasein beschränkt. Das Bundesland Kärnten wollte im Rahmen einer Studie herausfinden, mit welchen Maßnahmen der Marktanteil der NAWAROs gesteigert werden kann.

Im Projekt wurden nicht nur die Sichtweisen der potentiellen Anwender erhoben, sondern auch die Meinungen der sogenannten Stakeholder bei diesem Thema. Mit Stakeholder werden alle Personen, Gruppen oder Institutionen bezeichnet, die von einem Thema oder von Aktivitäten direkt oder indirekt betroffen sind und daher Interesse an diesem Thema bzw. den Aktivitäten haben.

Die Ergebnisse für Kärnten sind ohne größere Einschränkungen sicherlich auf ganz Österreich übertragbar.

Holzbasierte Dämmstoffe und Hanf wurden für Kärnten als die aktuell bedeutsamsten nachwachsenden Rohstoffe im Dämm-Kontext identifiziert. Produkte und Fertigungstechniken erlauben neue Anwendungen im Holzbau. Zu den Vorteilen gehören Leichtbau, Modulbauweise, präzise Vorfertigung und kurze Errichtungszeiten. Diese Vorteile ermöglichen die effektive Verarbeitung von Nawaro-Dämmstoffen. In Riegelwandkonstruktionen hat nach Expertenschätzung Zellulose bereits eine 80-%-Marktanteil. Im Massivholzbau spielt hingegen die Holzfaserplatte eine zunehmend starke Rolle.

Zellulosefaser ist der meistgenutzte Nawaro-Dämmstoff in Kärnten. Die hohen Zuwachsraten der vergangenen Jahre waren ein Begleiteffekt des Wachstums des Holzbaumarktes. Derzeit ist ein großer regionaler Hersteller neben einem deutschen Anbieter am Markt. Als zukunftsfähige  Innovation gelten Zellulosefaserplatten für die Fassade, welche derzeit jedoch noch kaum verwendet werden. Auch Holzfaser kommt verstärkt auf den Markt und wird vorwiegend im Holzbau eingesetzt. Die Fassadenplatte aus Hanf ist ein patentiertes und einzigartiges Produkt in Europa und wird vom Markt verstärkt angenommen. Andere Nawaro-Dämmstoffe wie Stroh und Schafwolle werden vereinzelt eingesetzt. Diese Anwendungen sind jedoch regional sehr begrenzt. 

Die Kosten als dominierender Faktor für das Nischendasein

Das Erfreulich ist die hohe prinzipielle Akzeptanz der nachwachsenden Rohstoffe  aufgrund ihrer ökologischen Vorteilhaftigkeit bei den potentiellen Anwendern. Um dieses Potenzial aber heben zu können, müssen zahlreiche Barrieren überwunden werden. Die im Vergleich zu den gebräuchlichen Dämm-Materialien hohen Investitionskosten für nachwachsende Rohstoffe sind derzeit die dominierende Barriere. Die Kosten einer Wärmedämmung sind von zahlreichen Faktoren abhängig und können je nach Gegebenheit stark variieren.

Weitere wesentliche Barrieren

Im Bereich Bauen und Sanieren spielt das Vertrauen in den Baustoff und Lösungen eine zentrale Rolle. Man möchte vor unliebsamen Problemen und Bauschäden sicher sein. Dies führt naturgemäß zu Vorteilen für etablierte Lösungen. Noch fehlt es am Grundvertrauen, dass nachwachsende Rohstoffe praxistauglich und komplikationslos sind.

Unternehmen sehen in den NAWAROs noch zu geringe Marktchancen. Sie sind gewinnorientiert und orientieren sich an den größten Marktpotenzialen. Wenn nachwachsende Rohstoffe ein Nischendasein führen, dann fehlt der Anreiz für Unternehmen, diese Nischen­bereiche zu bearbeiten und hier entsprechendes Know-how aufzubauen. Know-how-Aufbau ist mit Kosten verbunden, die sich aber derzeit noch nicht in einem Markterfolg niederschlagen würden.

Nawaro-Dämmstoffe leiden zum Teil daran, das Dämmen mit nachwachsenden Rohstoffen  noch unbekannt ist. Wenn das Wissen um ökologischer Möglichkeiten fehlt, dann kommt das entsprechende Produkt auch nicht in Frage. Dieses fehlende Wissen ist derzeit noch auf allen Ebenen auszumachen: bei PlanerInnen, Verarbeitern und KundInnen.

Hinzu kommt, dass der Markt für nachwachsende Rohstoffe als Dämmstoff  derzeit noch von kleineren Akteuren geprägt ist. Denen steht die Markt-Stärke der etablierten Unternehmen mit konventionellen Dämmstoffen gegenüber. 

#mission2030: Pioniergeist, gute Vorbilder und staatliche Anreize führen auf die Erfolgsspur

Dämmen mit NAWAROs wird zu einer Erfolgsgeschichte, wenn sich Menschen mit Experimentierfreudigkeit des Themas annehmen. Aus der Durchführung von pilothaften Projekten entsteht Wissen, das zum einen Anreiz für Nachahmer liefert, zum anderen aber auch Wissen generiert, welches für weitere Projekte bereits nutzenbringend verwendet werden kann. Die Weitergabe dieses Wissens kann Unsicherheit beseitigen und potentielle Nachahmer davon überzeugen, dem Pionier zu folgen. Pionierprojekte leuchten als Vorbilder für interessierte Nachahmer, weil sie helfen, Unsicherheiten zu beseitigen. Aus diesem Grund stellt klimaaktiv nawaro markt Best-Practice-Beispiele und innovative Projekte auf seiner Homepage vor, siehe https://www.klimaaktiv.at/erneuerbare/nawaro_markt/Holzbau.html.

Wenn die Beseitigung von Unsicherheit mit staatlichen Anreizen für die Verwendung von NAWAROs Hand in Hand geht, dann werden jene starken Impulse entstehen, dass Dämmen mit diesen Naturprodukten in Zukunft zur Selbstverständlichkeit wird.

Veröffentlicht am 04.10.2018