Warum ist Holzschutz wichtig?

Eine häufige Problematik im Holzbau ist die bauphysikalische Komplexität. Bereits in der Planung müssen im Holzbau gewisse Grundregeln beachtet werden. Dazu gehört der Schutz des Holzes vor Witterung, Feuchte oder gar Bodenkontakt.

Das Augenmerk der PlanerInnen sollte darauf liegen die Konstruktion langfristig vor dem natürlichen Abbau des Holzes, u.a. Zersetzung des Holzes durch verschiedene Pilze und Bakterien, zu schützen. Neben dem sogenannten konstruktiven Holzschutz, der immer gewährleistet sein sollte, gibt es auch noch den chemischen Holzschutz mittels (Oberflächen)-Behandlung und Imprägnierung. Normative Grundlage für den Holzschutz im Bauwesen ist die ÖNORM B 3802, welche geeignete konstruktive und chemische Maßnahmen und mögliche Sanierungsmaßnahmen beschreibt.

Konstruktiver Holzschutz

Viele alte Gebäude zeigen eindrücklich, dass Holzkonstruktionen bei durchdachter Planung auch Jahrhunderte unbeschadet überstehen können. Eine der Grundvoraussetzungen dafür ist, Holz konstruktiv zu schützen, sodass es nicht über einen längeren Zeitraum Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Ist kein konstruktiver Schutz vor Witterung möglich, sollte zumindest ein rasches Abtrocknen der betroffenen Teile gewährleistet sein. Feuchte Bauteile können die Bausubstanz beeinträchtigen und den Wärmeschutz verschlechtern.

Anhaltende Feuchte begünstigt die biologischen Zersetzungsprozesse durch Pilze, Bakterien und Insekten. Ein Schutz kann oft bereits durch gewissenhafte Konstruktionsausführung oder adäquate bauliche Maßnahmen gewährleistet werden. Grundsätzlich betrifft dies insbesondere den bewitterten Außenbereich, Dach- und Fassadenkonstruktionen oder auch erdnahe Bauteile. Solche Bauteile sind besonderen Beanspruchungen durch mechanische, physikalische, biologische und chemische Einflüsse ausgesetzt. Auch können wärmeschutztechnisch unterdimensionierte Gebäudehüllen, in welchen sich Tauwasser bildet, zu Problemen führen. Außer durch Wasserdampfdiffusion infolge von Tauwasserniederschlag entsteht Feuchte auch durch Wasseraufnahme bei Regen. Der wirksamster konstruktive Schutz hängt daher immer von zwei Einflussfaktoren ab: Die bauphysikalische korrekte Planung welche mögliche Probleme mitdenkt und die gewissenhafte Umsetzung durch den ausführenden Handwerker. Für die Qualitätssicherung ist es hilfreich, dass PlanerInnen bereits in der Anbahnungsphase BauherrInnen und HandwerkerInnen dahingehend sensibilisieren und die konstruktiven Schutzmaßnahmen erläutern.

Für die Gewährleistung eines wirksamen Holzschutzes sollte folgendes bereits in der Planung mitgedacht werden:

  • Wasser fernhalten
  • Wasser rasch ableiten
  • Wasserfallen vermeiden

Konkret bedeutet dies den Schutz der Konstruktion vor Niederschlägen, Spritzwasser, aufsteigender Feuchtigkeit, Kapillarwasser, Kondenswasser sowie die rasche Ableitung von Niederschlagswasser. Maßnahmen hierfür sind vielfältig und können je nach Einsatzbereich und baulicher Ausführung entsprechend angepasst werden. Die ÖNORM B 3802 sowie die Online-Plattform Dataholz können hier wertvolle Anregungen liefern. Jedoch sollten folgende grundlegende Aspekte bereits während der Planung berücksichtigt werden:

  • Dachüberstände sind ein wirksamer Bewitterungsschutz
  • Vermeidung von stehendem Wasser z. B. durch leichtes Gefälle nach außen
  • Bei wasserabführender Konstruktion Holzfaser in Richtung Gefälle ausrichten
  • Bodennahe Konstruktionen vermeiden z.B. Aufständerung und Sockelbildung
  • Bei bodennahen Konstruktionen besondere technische Vorkehrungen treffen z.B. Drainagen, Blechabdeckungen, Dachvorsprünge
  • Vermeidung aufsteigender Feuchtigkeit z.B. feuchtigkeitssperrende Bahnen
  • Bauphysikalische Grundlagen beachten z.B. diffusionsoffene Bauweise, Taupunkt
  • Hinterlüftete Fassaden schützen die Dämmung gut vor Feuchtigkeit von außen und führen diffundierte Feuchtigkeit ab
  • Holzbauteile trocken verbauen
  • Überstände, Tropfnasen, Abschrägungen und Hinterschneidungen ermöglichen Abtropfen
  • Stirnseitige Abdeckungen verhindern Wasseraufnahme über den empfindlichen Querschnitt
  • Kontaktflächen zwischen Bauteilen verringern, z.B. durch Fugen bei Anschlussstellen oder tragenden Balken bzw. Einsetzen von z.B.: Kunststoffpads zwischen Bodenbrettern, Unterkonstruktion und Terrassenrost
  • Abdeckung tragender bzw. nur schwer austauschbarer Bauteile (z.B. Tragbalken)
  • Untergründe entsprechend vorbereiten
  • Kanten abrunden falls eine anschließende Beschichtung vorgesehen ist

Die Effizienz der geplanten Maßnahmen hängt in weiterer Folge maßgeblich von einer gewissenhaften Umsetzung ab. Die ausführenden HandwerkerInnen müssen sich der Wirkung der konstruktiven Maßnahmen bewusst sein und gelernt haben diese auf der Baustelle umsetzen. Hilfestellung und Monitoring zur Ausführung der Maßnahmen können die PlanerInnen leisten.

Chemischer Holzschutz

Für den Schutz von Holz, das dauerhaft in Kontakt mit Erdreich oder Wasser steht, wird eine konstruktive Maßnahme oft keine befriedigende Lösung darstellen. Hier kommen üblicherweise dauerhafte Holzarten, thermo modifiziertes oder kesseldruckimprägniertes Holz zur Anwendung. Abseits dieser meist notwendigen Schutzmaßnahme empfiehlt die ÖNORM B 3802 klar bauliche Maßnahmen zu bevorzugen und chemische Maßnahmen auf ein erforderliches Maß zu reduzieren, soweit dies technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist. Der Hintergrund ist die Gefährdungen für Mensch und Umwelt zu minimieren. Dennoch kann die Beschichtung des Holzes aus unterschiedlichen Gründen erforderlich sein, wenn zum Beispiel konstruktive Maßnahmen nicht möglich sind oder eine Oberflächengestaltung gewünscht ist. Eine weitere wichtige Norm in diesem Bereich ist die ÖNORM B 3803, welche Mindestanforderungen von Beschichtungen für maßhaltige Bauteile wie Türen und Fenster regelt.

Grundsätzlich kann beim chemischen Holzschutz zwischen vorbeugende und bekämpfende Maßnahmen unterschieden werden. Der wichtigste Effekt einer Beschichtung ist der Schutz vor eindringender Feuchtigkeit und trägt dazu bei, Risse durch Formstabilität zu vermeiden. Lacke und Lasuren verschließen die Oberfläche und verhindern damit die Aufnahme und Abgabe von Wasser. Öle und Wachse hingegen erzeugen eine hydrophobe Oberfläche auf welcher das Wasser abperlt. Jede Beschichtung von Holz benötigt regelmäßige Pflege damit sie ihre Schutzwirkung nicht mit der Zeit abbaut. Im Falle von Lacken und Lasuren kann dies unter Umständen die komplette Entfernung und Neuanstrich des Bauteiles bedeuten. Beschichtungen mit Ölen und Wachsen sind zwar nicht so dauerhaft, können aber relativ einfach punktuell erneuert werden. Ein spezieller Anwendungsbereich sind Hirnholzflächen, auf welchen durch spezielle Beschichtung eine Wasseraufnahme unterbunden werden kann. Darüber hinaus kann vorbeugender Holzschutz dazu dienen mittels lichtstabilen, farbigen Pigmenten einen Lichtschutz aufzubringen und damit die Maserung des Holzes und die Farbgestaltung sichtbar zu erhalten. Dieser UV-Schutz durch die Pigmente verhindert den Abbau der Holzsubstanz durch den kurzwelligen Anteil des Sonnenlichts, welcher am Beginn der Abwitterungsprozesse von Holzoberflächen steht.

Des Weiteren bieten spezielle Inhaltsstoffe Schutz vor Insekten und Pilzen. Je nach Oberflächenstruktur und Härte kann eine Beschichtung auch Schutz vor Verschmutzung und mechanischen Einflüssen bieten. Weiter Information zur Beschichtung von Holz bietet die klimaaktiv Broschüre „Natürliche Farben, Lacke, Öle für Haus und Garten“.

Veröffentlicht am 31.08.2017