Holzbau in der Gemeinde

Öffentliche Bauträger befinden sich oft im Spannungsfeld zwischen Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit. Der Holzbau vereint diese beiden Ansprüche und kann energetisch und raumklimatisch höchsten Ansprüchen gerecht werden. Gerade für Gemeinden, welche Wald bzw. holzverarbeitende Betriebe besitzen, kann die Nutzung von lokalen Ressourcen nicht nur einen Kostenvorteil sondern auch wichtige Wirtschaftsimpulse für die Region setzen. Informieren Sie sich hier zu ausgesuchten Praxisbeispielen.

Gemeindezentrum Ludesch

Als die Gemeinde Ludesch im Jahr 2005 das neue Gemeindezentrum als Passivhaus in Holzbauweise verwirklichte, wurde sie zu einem Vorreiter für ökologisch, nachhaltiges Bauen.  

Die Gemeinde Ludesch befindet sich in der Nähe von Bludenz in Vorarlberg in einer Tallage auf 550 m Seehöhe. Das ökologische Bewusstsein ist in dieser Gemeinde stark verankert. Bereits seit 1994 ist sie Klimabündnisgemeinde und seit 1998 e5 Gemeinde. Vor diesem Hintergrund wurde beim Bau des neuen Gemeindezentrums großer Wert auf ökologisches und energieeffizentes Bauen gelegt. Die ersten Überlegungen starteten bereits nach dem Beitritt zum e5 Energieeffizienzprogramm. In enger Zusammenarbeit mit den Bürgern wurde so ein Gebäude konzipiert, dass verschiedenste öffentliche Funktionen erfüllt und ein gesellschaftliches Zentrum in der Gemeinde schafft. Ein Zentrum das neben dem Gemeindeamt und Spielgruppe auch Wohnungen, Büros, Geschäfte, Vereine sowie eine Post und ein Café beherbergt und seither gerne für Veranstaltungen und Feste jeglicher Art genutzt wird. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt von „Haus der Zukunft“ einem Projekt des Bundesministeriums für Verkehr, Innovationen und Technologie. Auf diese Weise konnten in Ludesch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse für eine nachhaltige Bauweise praktisch umgesetzt werden und ein richtungsweisendes Demonstrationsobjekt geschaffen werden.

Das zweigeschossige Gebäude wurde in Passivhaus-Standard dreiteilig um einen gemeinsamen Hof herum angeordnet und bildet das bisher fehlende Zentrum der Gemeinde. Mit nur zwei Geschossen passte man sich der Bauhöhe umgebender Gebäude an. Eine Besonderheit ist der Vorplatz, der von einem 350 m² großen transluzenten Dach aus Photovoltaikelementen überspannt wird. Der Innenraum und die Fassade in aus Weißtanne der örtlichen Agrargemeinschaft gefertigt. Umlaufende Vordächer bilden einen konstruktiven Holzschutz, womit auf zusätzliche Schutzmaßnahmen verzichtet werden konnte. Der Einsatz von Holz setzt sich im Innenraum mit Holzwänden (sägerau), Decken und Möbeln (gebürstet) fort. Damit wurde bewusst auf einen Materialmix verzichtet. Die Ausnahme bildet der Boden, der als Kontrast zur hellen Tanne in dunkler Eiche gehalten wurde. Die Bauteile wurden größtenteils vorgefertigt, womit ein rascher Baufortschritt gewährleistet war. Für die Wärme- und Aktustikdämmung wurde Schafwolle und Hanf genutzt. Auf Basis der guten Detailplanung und optimierten Gebäudehülle hat das Gebäude einen Heizwärmebedarf von 13,8 kWh/m² berechnet nach PHPP Methodik. Die Wärmeversorgung erfolgt über Biomasse-Fernwärme, einer Grundwasserwärmepumpe für Heizen und Kühlen sowie über eine Komfortlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Das Brauchwarmwasser wird durch eine Solaranlage bereitet.

Eine besondere Herausforderung war der Einsatz unkonventioneller Techniken und Materialien. Die Gemeinde führte daher einen Handwerkerinfoabend durch, auf dem auf die ökologischen Kriterien und geplanten Produktalternativen im Detail eingegangen wurde. Dadurch gab es ein besseres Verständnis für die Bauplanung und eine erleichterte Qualitätssicherung. In der wissenschaftlichen Begleitung war auch mittels Kostenvergleich die innovative Bauausführung mit einem Standard-Aufbau abgeglichen. Es zeigte sich, dass die Mehrkosten für die ökologische Materialauswahl lediglich ca. 1,9% betrugen.

Kennwerte des Gebäudes:

  • Nutzfläche: 3.135 m²    

Geplant wurde das Gebäude vom Büro des Architekten Hermann Kaufmann. Dieses Büro in Schwarzach zählt zu den Pionieren im Thema Holzbau und ist heute eines des renommiertesten Planungsbüros in diesem Bereich. Die bauphysikalischen Berechnungen wurden von DI Bernhard Weithas durchgeführt. Des Weiteren waren beteiligt: Umweltverband Vorarlberg, SYNERGY consulting & engineering GmbH, IBO Österreich, Ökoberatung Gebhard Bertsch. Als ausführende Unternehmen waren unter anderem als Baumeister Jäger Bau und die Zimmereien Wucher Holzbau und Sutter Holzbau GesmbH. Eine sehr gute Dokumentation dieses Gebäudes ist mit der Publikation „Hochbaukonstruktionen und Baustoffe für hochwärmegedämmte Gebäude - Technik, Bauphysik, Ökologische Bewertung, Kostenermittlung“ sichergestellt.

Das Gebäude wurde 2006 mit dem österreichischen Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit ausgezeichnet. In weiterer Folge gewann es 2006 den österreichischen Solarpreis, 2007 den Holzbaupreis Vorarlberg für öffentliche Bauten und viele weitere Preise.

Gemeindezentrum St. Gerold

Die Gemeinde St. Gerold in Vorarlberg verwirklichte mit dem neuen Gemeindezentrum ein Musterbeispiel für ökologisch, nachhaltiges Bauen mit Fokus auf heimische Wertschöpfung.

St. Gerold ist eine kleine Gemeinde in Vorarlberg in der Nähe von Bludenz auf einer Seehöhe von über 900 Metern. Sie ist geprägt von steilen Hanglagen an den Südhängen des Bregenzerwaldgebierges mit Blick auf das Große Walsertal. Das neue Gemeindezentrum in der Form eines viergeschossigen Kubus wurde als hocheffizienter Holzbau umgesetzt. Es beherbergt das Gemeindeamt, den Kindergarten und einen kleinen Dorfladen. Mit der Feuerwehr und der Schule bildet es nun einen zentralen Dorfplatz. Die Fenster und Zugänge zum Gebäude wurden so gewählt, dass die Innenbereiche in eine Beziehung zur Umgebung treten können. Daraus ergeben sich je nach Bereich unterschiedliche Ausblicke auf die umgebende Landschaft. Im Obergeschoss ist das Gemeindeamt mit Sitzungszimmer gegen Süden ausgerichtet. In den unteren Geschossen befinden sich Kindergarten, Spielgruppe und der Lebensmittelladen. Diese unterschiedlichen Nutzungen in Kombination mit den Nachbargebäuden und dem Vorplatz mit Brunnen machen das Gemeindezentrum zum neuen gesellschaftlichen Zentrum der Gemeinde.

Als Baustoff diente Weißtanne-Massivholz, welches zum Großteil aus gemeindeeigenen Wäldern stammt. Auf Regionalität wurde bei der Errichtung höchster Wert gelegt. Die im Winter geschlagenen Tannen wurden in der Region gesägt und von regionalen Zimmereien verarbeitet, mit dem positiven Effekt, dass die Wertschöpfung im Tal bleibt. Das Holz blieb komplett unbehandelt und wurde sägerauh, gehobelt oder geschliffen verbaut. Mit Ausnahme der hangseitigen Stützmauern in Beton wurde das Gebäude vollständig in Holzbauweise umgesetzt. So sind auch Wände, Decken, Böden, Türen und Arbeitsflächen aus Tanne. Den anfänglichen Vorbehalten gegenüber einem Flachdach in alpiner Lage wurde mit einer doppelten Dachkonstruktion begegnet. Als Wärmedämmung dienen Holzfaserplatten und Schafwolle. Damit ist das Gemeindezentrum, welches ein gutes Oberfläche-Volumen Verhältnis aufweist, raumwärmetechnisch nahezu autark und mit einem HWB von 8 kWh/m² ein Passivhaus. Als Heizsystem wurde eine Erdwärmepumpe gewählt, wobei nahezu 90% der benötigten Wärme mittels Wärmerückgewinnung durch die Komfortlüftung aufgebracht wird. Die Ausrichtung nach Süden und große Fensterflächen bewirkten zusätzlich passive Wärmegewinne aus der Sonneneinstrahlung.

Kennzahlen des Gebäudes:

  • Nutzfläche: 570 m²       
  • Heizwärmebedarf HWB: 2 kWh/m³BGFa
  • Primärenergiebedarf PEB: 119 kWh/m²EBFa

Geplant wurde das Gebäude von der Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH mit Sitz in Bregenz. Dieses Büro hat bereits zahlreiche ähnliche Projekt in Österreich und dem süddeutschen Raum geplant und kann auf eine umfangreiche Erfahrung beim Bauen mit Holz zurückgreifen. Die OIB Berechnungen wurden von DI Bernhard Weithas und die PHPP Berechnung von Werner Cukrovwicz durchgeführt. Die Haustechnik wurde durch die Firma Stolz GmbH & Co KG konzipiert. Als ausführende Unternehmen waren der Baumeister Tomaselli Gabriel aus Nenzing und für Zimmererarbeiten die Arbeitsgemeinschaft Nigsch/Berchtel; Edelbert Nigsch, Blons; Zimmerei Berchtel, Schnifis sowie die Heiseler GmbH aus Sonntag für die Fassade beteiligt.

Nach dem Bewertungsschema des klimaaktiv Gebäudestandards erreichte das Gemeindezentrum 970 von 1000 möglichen Punkten und wurde dafür mit Gold ausgezeichnet. Darüber hinaus gewann es 2009 den Vorarlberger Holzbaupreis für öffentliche Gebäude und 2010 den österreichischen Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.klimaaktiv-gebaut.at/gemeindezentrum-st-gerold.htm

 

Kindergarten Muntlix

Kindergärten sind ein besonderer Ort an dem Kinder erstmals außerhalb des Familienumfeldes eigene Erfahrungen sammeln und sich frei entfalten können.

Zu den Grundvoraussetzungen gehört ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit und ein hoher Wohlfühlfaktor. Es liegt auf der Hand, dass neben dem geeigneten Betreuungspersonal, auch eine entsprechende Gestaltung der Einrichtung grundlegend für die Schaffung dieser Voraussetzung ist. Moderne Kindergärten vereinen Funktionalität mit einer freundlich, offenen Gestaltung und unterstützen die Kinder bei ihren ersten Schritten in der Gesellschaft. Insbesondere der Baustoff Holz kann helfen durch warme Farben und Haptik eine ansprechende Atmosphäre zu schaffen.

Der Kindergarten Muntlix in der Vorarlberger Gemeinde Zwischenwasser ist ein Musterbeispiel für nachhaltiges Bauen. Das 2013 eröffnete Gebäude liegt zentral zwischen Gemeindezentrum, Schule und Kirche und ist damit gut an die lokale Infrastruktur angebunden. Passend zu ökologischen Ausrichtung der Gemeinde wählte man einen Massivholzbau in Passivbauweise mit Stampflehmböden, wobei das benötigte Holz aus dem gemeindeeigenen Wald stammt. Damit nutzte die Gemeinde eine lokale Ressource und hielt die Transportwege kurz. Eine PV-Anlage am Dach liefert einen Jahresertrag von knapp 36.000 kWh Strom und speist damit mehr Strom in das Netz ein als im Gebäude verbraucht wird. Die Wärmeversorgung erfolgt durch Wärmepumpe mit Tiefensonden, welche die 9 cm starken Stampflehmböden mit Fußbodenheizung als Speichermasse nutzt, und eine Komfortlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Auf das Raumkonzept wurde größter Wert gelegt. Große Glasflächen und offene Räume unterstützen einen Beziehungsaufbau über zwischen den Räumen sowie Innen- und Außenbereichen. Überdachte Außenbereiche bieten optimalen Sonnenschutz und erweitern die Innenräume. Der Zugang zum Spielplatz und Garten ist über verschiedene Zugänge möglich. Dieser wichtige Aufenthaltsort wurde naturnah gestaltet und ermöglicht eine Kombination aus Spielen und Lernen. Das Projekt erhielt von klimaaktiv die Höchstpunktezahl (1.000 Punkte) und wurde mit Gold ausgezeichnet. Im Jahr 2014 erhielt es den Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit und im Jahr 2015 den Holzbaupreis Vorarlberg.

Kennzahlen des Gebäudes:

  • Bruttogrundfläche: 1.220 m²
  • Nutzfläche: 603 m²
  • Heizwärmebedarf: 14 kWh/m²BGFa
  • Primärenergiebedarf: 91 kWh/m²BGFa

Beauftragt wurde das Projekt von der Gemeinde Zwischenwasser in Vorarlberg. Zu den beteiligten Unternehmen gehören das Architekturbüro HEIN architekten aus Bregenz, DI Bernhard Weithas GmbH (Bauphysik), Gernot Thurnher ZT GmbH (Bauleitung, Projektsteuerung) sowie  SSD Beratende Ingenieure ZT GmbH (Tragwerksplanung). Ausführender Zimmereibetrieb war oa.sys aus Alberschwende, der bereits umfangreiche Erfahrung mit derartigen Projekten aufweist.

Weitere Informationen finden Sie unter https://www.klimaaktiv-gebaut.at/kindergarten-muntlix.htm

Volksschule Mariagrün

Die im Jahr 2014 als Holzbau fertiggestellte Schule in Passivhausqualität war der erste ihrer Art in Graz und präsentiert sich als allumfassend optimiertes Gebäude.

Die Volkschule Mariagrün im Grazer Bezirk Mariatrost liegt eingebettet in einem hügeligen Park auf den Gelände eines ehemaligen Sanatoriums. Allein die Lage macht das Gebäude prädestiniert für die Einrichtung einer Volksschule, Kinderkrippe und Kindergarten. Nach einem internationalen Architekturwettbewerb entstand hier ein modernes Passivhaus in Holzbauweise das ökologische und pädagogische Anforderungen vereint. Das Gebäude verschwindet teilweise im Hang, wodurch Besucher, die über den Haupteingang das oberste Stockwerk betreten, seine Ausmaße auf den ersten Blick unterschätzen. Bei genauerem Hinsehen erschließen sich dem Betrachter jedoch insgesamt drei Stockwerke. In den oberen Stockwerken befinden sich acht Klassenräume, Aufenthaltsräume, offene Begegnungszonen sowie Kindergarten und Krippe. Im Untergeschoss ist der Turnsaal untergebracht. Ebenfalls im Untergeschoss befindet sich wettergeschützt durch die oberen Geschosse eine Freiklasse. Das neuartige pädagogische Konzept fördert ein interaktives Lernen und sieht dafür einen hohen Anteil offener Flächen innen wie außen vor. Dadurch wurden die Klassenräume kleiner jedoch flexibel konzipiert. Im Bedarfsfall können sie mittels Schiebetüren verbunden werden. Zusätzlich sind die Klassen durch Balkone verbunden, welche die Lernräume nach außen hin öffnen.  

Der Bau des Schulgebäudes wurde in Holz-Mischbauweise konzipiert. Zentrale Bauteile wie Stiegenhaus und Decken wurden in Massivbauweise errichtet. Die Massivdecken dienen auch der Bauteilaktivierung und sind Bestandteil des Energiekonzepts. Für den konstruktiven Holzbau kamen die drei heimischen Holzarten Fichte, Tanne und Lärche zum Einsatz. Die Konstruktion wurde vor allem mit Fichtenholz ausgeführt, während für die Fassade Tanne und sägeraue Lärchenholz-Lamellen kombiniert wurden. Große Teile der Holzkonstruktion wurden bereits im Werk vorgefertigt und vor Ort zeiteffizient zusammengesetzt. Mit einem Heizwärmebedarf von 11 kWh/m² war das Gebäude die erste Schule in Graz mit Passivhausstandard. Sowohl Wärmeversorgung als auch Lüftung erfolgen hauptsächlich über eine Komfortlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Zusätzlich ist das Gebäude an das örtliche Fernwärmenetz angeschlossen.

Kennzahlen des Gebäudes:

  • Bruttogrundfläche:        2.772 m²
  • Nutzfläche:                   2.173 m²
  • Heizwärmebedarf:         11 kWh/m²a (PHPP)
  • Kühlbedarf:             1 kWh/m²a (PHPP)
  • Primärenergiebedarf:    86 kWh/m²a (PHPP)

Das Schulgebäude wurde mit 921 von 1000 möglichen Punkten mit dem klimaaktiv Gebäudestandard in Gold ausgezeichnet. Darüber hinaus wurde es für den Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit und den Bauherrenpreis der ZV nominiert.

Das Projekt wurde gemeinschaftlich von den Architekten Christoph Kalb und Philipp Berktold konzipiert. Für die Tragwerksplanung war das Zivilingenieurbüro Kratzer und für die Bauphysik die Rosenfelder & Höfler GmbH. & Co KEG verantwortlich. Der Holzbau wurde von Strobl Bau - Holzbau GmbH, einem führenden Holzbauunternehmen in der Steiermark, ausgeführt.

 

Schwimmbad Gröbming

Holz und Wasser sind bei richtiger Ausführung kein Widerspruch im konstruktiven Holzbau. Umsetzungsbeispiele wie das großflächige Schwimmbad der Gemeinde Gröbming in der Steiermark demonstrieren wie der Holzbau den besonderen Herausforderungen gerecht werden kann.

Die Gemeinde Gröbming mit knapp 3.000 EinwohnerInnen ist eingebettet in die Berge der steirischen Ferienregion Schladming Dachstein. Die inneralpine Lage auf knapp 800 m Seehöhe macht den Ort zu einem idealen Ausflugsziel. Vor diesem Hintergrund kam die Gemeinde 2010 zu dem Entschluss das vorhandene Moorbad großzügig auszubauen und sowohl der Bevölkerung als auch den Gästen ein ganzjähriges Freizeitangebot zu sichern. Neben einen Freibad mit Warmwasserbecken beinhaltet dieses Angebot nun einen Wellnessbereich, Dampfbad und Saunalandschaft. Sowohl Topographie, Sonnenverlauf, bestehende Bebauung als auch die umliegende Landschaft wurden in die Planung des Bades einbezogen. Die Panoramabad genannte Anlage wurde zum Teil in einen Hang gebaut und ist daher straßenseitig zweigeschossig und zum Freibad hin eingeschossig ausgeführt. Ein L-förmiger Baukörper mit angrenzenden Sonnenterassen und Grünflächen umschließt ein zentrales asymmetrisches Schwimmbecken.

Man hatte sich für einen Holzbau entschieden, da Holz ein regionaler Rohstoff ist und traditionell als Baustoff eingesetzt wird. Die großflächigen Dächer und die Kombination Holz und Wasser stellten den Architekten jedoch vor eine besondere Herausforderung. Anforderung war die Dachflächen als ortsübliche Satteldachkonstruktion auszuführen, aber dennoch durch möglichst flache Dächer die Fernsicht auf das Bergpanorama zu ermöglichen. Die Lösung waren Dächer von wenigen Grad Neigung mit einem doppelten Aufbau. Die äußere Schicht ist durch eine Kunststoffbeschichtung wasserdicht und hinterlüftet ausgeführt, während die zweite Schicht hauptsächlich aus Dachspaaren und der dazwischenliegenden Wärmedämmung besteht. Das gesamte Dach wird durch innen sichtbare Leimbinder getragen. Insbesondere ein lange schneebedecktes Dach stellt große Anforderungen an die Konstruktion. Der hinterlüftete Aufbau des Daches gewährleistet nun den Abtransport möglicherweise eindringender Feuchte und Restwärme.

Auch im Außenbereich kam Holz als Baustoff zum Einsatz. Eine Fassade bestehend aus vertikalen Holzlamellen dient als konstruktiver Wetterschutz. Darüber hinaus sind z.B. die Freitreppe, der Sprungturm sowie die Einfassungen der Schwimmbecken Großteils in Holzbauweise ausgeführt. Und natürlich kam der Rohstoff Holz auch bei der Einrichtung und Möblierung zum Einsatz.

Kennzahlen des Gebäudes:

  • Dachfläche: 1.168 m²   
  • Nutzfläche: 1.091 m²
  • Bruttogeschossfläche: 1.330 m²

Der Bauherr des 2010 fertiggestellten Bades war die Marktgemeinde Gröbming im steirischen Bezirk Liezen. Geplant wurde das Bad vom lokalen Architekturbüro KREINERarchitektur ZT GmbH. Die Tragwerksplanung übernahm Herr Martin Fritz aus Steinach. Die bauphysikalischen Berechnungen führte das Grazer Unternehmen  Rosenfelder & Höfler Consulting Engineers GmbH & Co KG durch. Für die Holzbauarbeiten war Lieb Holzbau Weiz verantwortlich. Das Projekt wurde 2010 für den Bauherrnpreis und 2011 für den steirischen Holzbaupreis nominiert.

Dienstleistungszentrum Blumenegg

Das DLZ Blumenegg in der Gemeinde Thüringen (Vbg) ist ein erweiterter Bauhof mit Bauamt, Werkstatt, Garagen und einem Wertstoffsammelzentrum. Anders als bei vielen anderen kommunalen Dienstleistungsgebäuden wurde hier großer Wert auf ein umfassendes Gebäudekonzept gelegt, welches sowohl Funktionalität und Ästhetik als auch Umweltauswirkungen miteinbezieht.

Recht unüblich für Bauwerke dieses Aufgabenbereichs wurden das Gebäude und das Flugdach ausschließlich in Holzbauweise errichtet und fügt sich damit in den umgebenden Wald ein. Das zweistöckige Hauptgebäude in Holzriegelkonstruktion beherbergt das Bauamt, Bürgeroffice, Werkstätten und Garagen. Das als Passivhaus konzipierte Gebäude einspricht höchsten Anforderungen an ein ökologisches und nachhaltiges Bauen. Als Baustoff wurden etwa 1.200 m³ Großteils regionale Hölzer wie Tanne, Fichte, Zirbe und Ahorn verwendet. Das Holz wurde insgesamt unbehandelt belassen und nur durch konstruktive Maßnahmen vor Verwitterung geschützt. Für die hinterlüftete Fassade kamen sägerauhe Tannenbrettern in unterschiedlichen Dimensionen zum Einsatz. Als Dämmung wurden Holzfaserplatten genutzt. Die Büroräume wurden mit unterschiedlichen Holzarten verkleidet und verleihen ihnen damit einen wohnlichen Charakter. In anderen Bereichen wurden OSB-Platten als Wandverkleidung eingesetzt. Die Möblierung besteht ausschließlich aus Weißtanne-Massivholzmöbeln, welche rustikal einfach gestaltet wurden.

Der Bauhof und das Wertstoffsammelzentrum sind von einer Massivholzkonstruktion mit einer Fläche von 2.880 m³ überdacht. Bei der Planung dieses Daches wurde auf besonders wirtschaftliche Dimensionierung geachtet. Alle Bauteile sind exakt aufeinander abgestimmt und in Leichtbauweise ausgeführt. Auf diese Weise lagen die Kosten für das Dach um 15% unter denen einer vergleichbaren Stahlkonstruktion. Das Dach besteht grundsätzlich aus 15 Hautträgern aus Brettschichtholz und wird von 8 massiven Rundholzstützen getragen. Auf diesen Stützen ruhen jeweils 4 Rundholzschrägstützen, welche die Stützlast über das Dach verteilt aufnehmen. Die Konstruktion ahmt damit den umliegenden Wald und eine gewachsene Struktur nach. Mehr als 50 Oberlichten im Dach sorgen für den notwendigen Lichteinfall.

Auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage aus 1.458 Modulen. Der eingespeiste Stromertrag pro Jahr beläuft sich auf etwa 300 MWh/a, was dem Verbrauch von mehr als 100 Haushalten entspricht. Die zugrunde liegenden Wirtschaftlichkeitsberechnungen ergaben eine Amortisationszeit von 9 Jahren. Weitere energietechnische Anlagen sind eine Erd-Wärmepumpe mit einer Sondenlänge von 600 m und eine Komfortlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Eine Freiflächenheizung sorgt für eisfreie Fahrbahnen im Winter.

Kennzahlen des Gebäudes:

  • Nutzfläche: 970 m²       
  • Heizwärmebedarf HWB:11,8 kWh/m³

Das DLZ Blumenegg wurde 2011 vom Architekt DI Reinhold Hammerer geplant und 2013 eröffnet. Bauherren waren die Gemeinde Ludesch und die Gemeinde Thüringen, welche das DLZ nun gemeinsam nutzen. Die Zimmererarbeiten wurden von den Zimmereien Sohm HolzBautechnik aus Alberschwende und Nigsch Holzbau aus Blons durchgeführt. Das Projekt gewann 2013 den Holzbaupreis Vorarlberg für kommunale Gebäude.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.dlzblumenegg.at

Veröffentlicht am 23.08.2017