Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung

Im Regierungsprogramm 2020 bis 2024 ist festgeschrieben, dass der Anteil erneuerbarer Energie im Sektor Fernwärme pro Jahr um mind. 1,5 % gesteigert werden soll.

Der energetische Fernwärme-Endverbrauch liegt in Österreich bei rd. 20.000 GWh/a. Davon stammen bereits jetzt ca. 11.000 GWh/a oder 55 % aus erneuerbaren Energien. Um das gesteckte Ziel bis zum Jahr 2050 zu erreichen, müssen also durchschnittlich rd. 300 GWh/a „dekarbonisiert“ werden.
Am Beispiel der Fernwärmen Wien und Graz wird dargestellt, wie die Dekarbonisierung gelingen kann. Folgende Erkenntnisse konnten aus den Projekten abgeleitet werden:

Wien

Die Erreichung der (Fern)wärmerelevanten Ziele der Smart City Wien Rahmenstrategie 2019 – 2050 hängt von mehreren Faktoren ab. Nicht auf alle kann seitens der Stadt Ein­fluss genommen werden.

  • Es gilt die Rahmenbedingungen im eigenen Wirkungsbereich (Wien als Stadt und Bundesland: Bauordnung, Energieraumplanung - ausweiten für Bestandsgebäude und Bestandheizungen, Förderungen etc.) konsequent weiterzuentwickeln.
  • Es gilt die Rahmenbedingungen auf Bundesebene einzufordern und zu unterstützen: Recht der leitungsgebundenen Energieträger, Wärmestrategie, Wärme- und Kältelei­tungsgesetz, Wohnrecht, Steuerrecht etc. in den Dienst der Wärmewende zu stellen.
  • Änderungen bei der Menge von Reststoffen und deren Zusammensetzung (komplett erneuerbar bzw. teilweise fossil) beeinflussen den möglichen erneuerbaren Anteil der Fernwärmeaufbringung (ohne direkte Einflussmöglichkeit).

Graz

Erkenntnisse aus der Prozessbegleitung durch die Arbeitsgruppe Wärmeversorgung Graz 2020/2030 und bereits umgesetzer Projekten in Graz zeigen:

  • Die Diversität der Beteiligten am Prozess – federführend das Kernarbeitsteam mit Einbeziehung von Fachgruppen, Wirtschaft und Interessensvertretungen - wirkt sich positiv auf die Strategieentwicklung aus. Unterschiedliche Sichtweisen und Heran­gehensweisen entfalten ein breites Spektrum an Lösungsansätzen und eine hohe Umsetzungsrate (Win-Win-Situationen).
  • Die kontinuierliche Information an die interessierte Öffentlichkeit schafft ein hohes Maß an Akzeptanz von Maßnahmen.
  • Die Datenverfügbarkeit für nutzbare Abwärmepotentiale ist noch zu gering. Dadurch ist ein „automatisierter“ Prozess zur vermehrten Nutzung von Abwärme derzeit schwer möglich. Projekte entwickeln sich meist aufgrund bilaterale Gespräche und Verhandlungen (Fernwärmeversorgung und Betrieb mit Potential für Abwärme­nutzung).
  • Lösungen für den Einsatz erneuerbare Energiequellen für den Antrieb von Wärme­pumpen, Power to Heat sowie Spitzenlastabdeckungen und geeignete (Langzeit-) Speichertechnologien sind noch weiterzuentwickeln.
Veröffentlicht am 11.10.2020

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