Salzburg/Schallmoos: Auf dem Weg zum CO2-neutralen Stadtteil

In Stadtquartieren sind sowohl die verbaute leitungsgebundene Infrastruktur als auch die dynamische Entwicklung im Gebäudebereich Chance und Herausforderung zugleich. Das Beispiel „Salzburg/Schallmoos“ zeigt, wie man damit umgehen und eine positive Entwicklung in Gang setzten kann.

Schallmoos ist mit ca. 10.200 EinwohnerInnen und rd. 12.870 Beschäftigten auf rund 200 Hektar ein sehr lebendiger Stadtteil Salzburgs. Auch zukünftig werden in Schallmoos – so wie im räumlichen Entwicklungskonzept der Stadt beschrieben – verstärkte Entwicklungstätigkeiten in den Bereichen Wohnen und Gewerbe erwartet.

Dies resultiert vor allem aus der dynamischen Weiterentwicklung der beiden Zentren westlich (Hauptbahnhof) und östlichen (Bahnhof Gnigl) des Stadtteilzentrums. Das rechnerische Entwicklung- bzw. Nachverdichtungspotential wird mit 20 bis 50 % für‘s Wohnen sowie 50 bis 80 % für das Gewerbe angegeben.

Parallel dazu verfolgen die Stadt Salzburg und insbesondere auch der Stadtteil Schallmoos Strategien zur nachhaltigen und klimaverträglichen Energieversorgung. Die entsprechenden Grundlagen dafür liefern unter anderem der Masterplan 2025 der Stadt Salzburg, wie auch der Masterplan Schallmoos, welcher im Rahmen der Ideenwerkstatt „Schallmoos West“ entstanden ist. Wie diese Visionen im Energiebereich in die Realität umgesetzt werden können, wird im Rahmen des Projekts „EnergyCityConcepts“ erarbeitet.

EnergyCityConcepts – Konzepte und Methoden zur Implementierung nachhaltiger Energiesysteme in Städten

Im Rahmen des Projekts werden auf Basis einer umfassenden räumlichen Analyse und Bewertung zur bestehenden Infrastruktur, zu lokal verfügbaren Potentialen (erneuerbare Energien, Abwärme, Energieeffizienz) sowie zukünftigen städterbaulichen Entwicklungsplänen (Nachverdichtung, Umwidmung) kurz-, mittel-, und langfristige Umsetzungsfahrpläne für die nachhaltige Energieversorgung des Stadtteils Schallmoos erarbeitet und Vorschläge für deren Verankerung in bestehende oder neu zu entwickelnde planungstechnische Instrumente unterbreitet. Ähnliche Analysen werden auch in der Stadt Gleisdorf angestellt und anschließend miteinander verglichen.

Zwischenergebnisse

Allein für die Wärmebereitstellung emittiert Schallmoos rund 19.890 t CO2 pro Jahr. Der größte Teil davon wird von Gasheizungen (42 %), Fernwärmeheizungen (34 %) und Ölheizungen (21 %) verursacht. Im Rahmen von Parametervariationen werden in einem nächsten Schritt untersucht, wie sich die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 verändern, wenn

  • der Gebäudebestand so wie bisher saniert wird;
  • das vorhandene Nachverdichtungspotential so wie bisher aktiviert wird;
  • im Sanierungsfall Öl- und Stromheizungen durch alternative Energieträger ersetzt werden;
  • der Anteil von Erneuerbaren Energieträgern im Fernwärme-, Erdgas- als auch im Stromnetz stetig zunimmt und zu einer Reduktion der spezifischen CO2-Emissionen pro erzeugter kWh führt.

Erste Zwischenergebnisse lassen den Schluss zu, dass

  • der zusätzliche (geringe) Energiebedarf des Neubaus, die Energieeinsparung durch die umgesetzten Sanierungen nicht 1:1 kompensiert und langfristig ein deutlich geringer Wärmebedarf zu erwarten ist.
  • Dies führt wiederum dazu, dass derzeitige Fernwärmeerweiterungsgebiete im Jahr 2050 wahrscheinlich nicht mehr dieselbe Wärmenachfragedichte aufweisen wie beispielsweise 2025.
  • Die Auswertungen zeigen weiters, dass es durchaus lokale Alternativen zu CO2-intensiven Heizsystem gibt welche im Sanierungsfall unbedingt genutzt werden sollten, wenn man langfristig CO2-neutral werden möchte.

Mit welchen Instrumenten und Handlungsweisen diese Erkenntnisse schließlich in die Realität umgesetzt werden können, wird im Rahmen von mehreren Diskussionsrunden im zweiten Teil des Projekts erarbeitet. klimaaktiv bietet in diesem Zusammenhang eine wichtige Plattform zum Erfahrungs- und Wissensaustausch.

Das Projekt wird im Rahmen des Programms Stadt der Zukunft umgesetzt. Stadt der Zukunft ist ein Forschungs- und Technologieprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie. Es wird im Auftrag des BMVIT von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft gemeinsam mit der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH und der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT abgewickelt.

Veröffentlicht am 05.07.2018

Kontakt

Oskar Mair am Tinkhof, MSc Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen
Fachbereich Energie
Schillerstraße 25, Stiege Nord
5020 Salzburg
Telefon: +43 662 623455 DW 32
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