Räumliche Energieplanung auf dem Weg in die Praxis

Seit vielen Jahre kursiert das Schlagwort „Energieraumplanung“ als potenzieller Schlüssel für den Klimaschutz - und fristete in Österreich doch bis vor kurzem ein gemeinhin theoretisches Dasein. In den letzten Jahren hat sich der Begriff zu erster konkreter Praxis gemausert und diese nimmt nun vor allem im Bereich der Wärme deutlich an Fahrt auf. Was kann sie zur Wärmewende beitragen?

Die (rechtliche) Maßnahmen im Bereich der Bautechnik sowie die damit verbundenen Förderungen haben maßgeblich zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor beigetragen. Die Ausdehnung der Betrachtungsweise über das Einzelobjekt hinaus birgt über die Instrumente der Energieraumplanung großes Potenzial, das nächste Level auf dem Weg zur Wärmewende zu erreichen. Für die Wärmewende müssen erneuerbare Energiepotenziale maximal genutzt werden. Gerade in Städten wird die netzgebundene Wärmeversorgung dazu als Schlüssel erachtet. Sowohl die Nutzung erneuerbarer Energiequellen als auch die Entwicklung von nachhaltigen Wärmenetzen können mit den Instrumenten der Energieraumplanung maßgeblich unterstützt werden

Moderne GIS Methoden können effektive Hilfestellungen in der Wärmeplanung liefern. Sie visualisieren

  • Wärmebedarf
  • bestehende Wärmeversorgungsinfrastruktur und
  • verfügbare nachhaltige Energiepotenziale

und können damit als zentrale Informationsquelle die Planung der Wärmeversorgung eines Gebäudes oder Areals unterstützen. Suchkosten für verfügbare Wärmequellen werden auf ein Minimum reduziert. Mit dem WÄRMEatlas verfügen beispielsweise Salzburg oder Gleisdorf über ein GIS Werkzeug, welches in konkreten Bauvorhaben Anwendung findet und nun schrittweise für die Bundesländer Salzburg, Steiermark und Wien verfügbar gemacht wird. Die GIS Instrumente der Energieraumplanung sind dabei weit mehr als eine Informationsquelle. Sie sind Grundlage für die direkte Unterstützung der Wärmewende durch die Gebietskörperschaften und alle anderen relevanten Akteure.

Für den Ausbau nachhaltiger Wärmenetze ist Investitionssicherheit Voraussetzung. Gerade die Konkurrenz der oft parallelen Infrastrukturen Wärmenetz und Gasnetz ist (auch volkswirtschaftlich) unwirtschaftlich. Energieraumplanung ermöglicht die langfristige Entflechtung und Vermeidung (auch volkswirtschaftlich) ineffizienter doppelter Infrastrukturen. Wien (als Bundesland) setzte hier mit einer Verordnungsermächtigung zur Erlassung von „Energieraumplänen“ in der Bauordnungsnovelle 2018 einen Meilenstein. Das ermöglicht Wien (als Gemeinde) ab sofort Gebiete ausweisen zu können, in denen aus Gründen des Klimaschutzes und der (langfristigen) Entflechtung doppelter Infrastrukturen besondere Anforderungen hinsichtlich der Wärmeversorgung von Neubauten (potenziell auch von Bestandsbauten) verlangt werden können. In einem ersten Schritt wird nun die Verordnung von Energieraumplänen vorbereitet, die – in den von der Verordnung betroffenen Gebieten – jegliches fossiles Heizsystem in Neubauten ausschließt. In diesen Gebieten ist überall sowohl Fernwärme verfügbar – ihr Ausbau bzw. ihre Verdichtung soll unterstützt werden – als auch jedes andere „hocheffiziente alternative System“ (Wärmepumpen, Biomasse etc.) möglich.

Und dieser Weg - über Raumordnungsinstrumente die Weichen für erneuerbare Energieversorgung zu stellen – wird auch von Salzburg und der Steiermark entschieden verfolgt. Im ländlichen Raum steht im Kontext der Infrastruktur neben der Entflechtung vor allem die bauliche Entwicklung neuer Flächen im Fokus der Betrachtung. Hohe Dichte, Zentralität und die Möglichkeit an bestehende Wärmenetze anzuschließen sind maßgebliche Kriterien für Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in der Wärmeversorgung und werden mit verschiedenen Instrumenten direkt forciert.

Ganz in diesem Sinne ist im Land Salzburg die Energieversorgung seit Anfang 2018 verpflichtender Inhalt der örtlichen Entwicklungskonzepte für Städte und Gemeinden. Diese bilden wiederum Grundlage für die Nutzung weiterer Rechtsinstrumente. So wurde in der Stadt Salzburg dieses Jahr erstmalig eine nachhaltige Wärmeversorgung über einen Bebauungsplan festgeschrieben. In der Steiermark werden ebenfalls seit 2018 einerseits Grundlagendaten zur Energieraumplanung für alle Gemeinden zur Verfügung gestellt und andererseits die sogenannten Sachbereichskonzepte Energie für die örtlichen Entwicklungskonzepte sowie Energiekonzepte für Arealentwicklungen mit einer attraktiven Förderung unterstützt.

Der Zusammenhang mit Förderungen wirkt auch in die umgekehrte Richtung. So kann Energieraumplanung einen wichtigen Beitrag zum effizienten Einsatz von Fördermitteln leisten. Im Bundesland Salzburg wird beispielsweise im Bereich bestehender nachhaltiger Wärmenetze ausschließlich ein Netzanschluss gefördert und auf diese Weise maximale Effizienz in der Nutzung der Infrastruktur sichergestellt.

Dieser Trend, räumliche Informationen zu verfügbaren erneuerbaren Energiequellen verstärkt zu nutzen und auch über rechtliche Instrumente alternative Wärmeversorgungssysteme und insbesondere nachhaltige Wärmenetze zu forcieren, wird aktiv fortgeschrieben. Um die Aktivitäten und Kompetenzen zu bündeln und voneinander zu lernen haben sich die drei Bundesländer Wien, Steiermark und Salzburg zusammengeschlossen und arbeiten im Projekt „Räumliche Energieplanung für die Wärmewende“ im Rahmen des vom Klima- und Energiefonds finanzierten Green Energy Lab (www.greenenergylab.at) seit vergangenem Herbst an der Schaffung aller notwendigen Grundlagen zur breiten Implementierung von räumlicher Energieplanung und beschleunigen damit die Verbreitung zusätzlich.

klimaaktiv ist vielfach mit räumlicher Energieplanung verknüpft – über die Programme

Im Rahmen des Letzteren setzten sich am vergangenen Freitag, dem 17.5.2019, knapp 100 ExpertInnen in der Fachtagung der Nahwärmebranche mit dem Thema Energieraumplanung und Wärmenetze auseinander. Energieraumplanung ist endgültig in der Praxis angekommen.

Veröffentlicht am 23.05.2019

Kontakt

Mag. Alexander Rehbogen, MBA Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen
Fachbereich Energie
Schillerstraße 25, Stiege Nord
5020 Salzburg
Telefon: +43 662 623455 DW 30
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