Thermische Bauteilaktivierung und Wärmepumpen

Etwa 150 Interessierte aus den Bereichen Gebäudetechnik, Bautechnik und Energieversorgung folgten der Einladung von Energie Tirol und klimaaktiv zum Thema „Energie Zukunft Tirol: Thermische Bauteilaktivierung und Wärmepumpen“ in den großen Landhaussaal.

Lastflexiblen Gebäuden in Kombination mit Wärmepumpen haben im Hinblick auf die Erreichung der Energieautonomie in Tirol bis 2050 eine bedeutende Rolle zu.

Aber woher das große Interesse an Kunststoffrohren, die zu Heizzwecken in die Betondecke eingelegt werden? Was kann die thermische Bauteilaktivierung besser, als die Fußbodenheizung oder der klassische Heizkörper? DI Ernst Meisner von der Grazer Energieagentur brachte es in seinem Vortrag auf den Punkt: In einer massiven Decke könne man so viel Wärme speichern, dass die Wärmpumpe oder ein anderer Wärmeerzeuger mindestens drei Tage stillstehen können. Einbußen bei Komfort und Behaglichkeit gäbe auch in strengen Wintern nicht. Diese Tatsache kann man sich zu Nutze machen, wenn man seine Heizung in Zeiten von volatilem Ökostrom im Netz möglichst umweltfreundlich betreiben möchte. Scheint wenig Sonne oder weht kein Wind, kann die Heizung getrost einmal aussetzen und der verbleibende Ökostrom für andere Anwendungen genutzt werden. Tirol verfügt zwar aktuell über keine Windräder, aber der Anteil von Sonnenenergie soll in den nächsten Jahren von aktuell weniger als 1 % auf bis zu 11 % gesteigert werden.

Dass ein Wärmespeicher in Form von Beton in Kombination mit einer Wärmepumpe auch finanziell interessant sein kann, erklärte Tarek Ayoub von World Direct (A1). Zukünftig sei zu erwarten, dass für all jene Energie günstig bleibt, die ihre elektrischen Verbraucher lastflexibel und netzdienlich betreiben können – und eine Heizungsanlage sei ein Verbraucher in einer interessanten Größe. Mit der Kombination Wärmepumpe und Bauteilaktivierung für die (Energie-)Zukunft gerüstet.

DI Sebastian Spaun vom Verein der Österreichischen Zementindustrie fasste als Hauptredner der Veranstaltung die theoretischen und praktischen Erkenntnisse aus neun Jahren Bauteilaktivierung zusammen. Die Kernaussauge seines Referates lautet, dass „eine technische Lösung einfach sein und zuverlässig funktionieren muss. Sie darf aber auch keine Mehrkosten verursachen, denn ansonsten habe sie am freien Markt keine Chance. Die thermische Bauteilaktivierung vereine all diese Anforderung und spiele im effizienten Neubau all diese Vorteile aus“. Ist es erforderlich, könne man die Schläuche in der Decke auch hervorragend zum Kühlen nutzen. Das Temperaturniveau von Erdsonden oder Grundwasserbrunnen reiche aus, um städtischen Hitzesommern die Giftzähne zu ziehen.

Die Universität Innsbruck rund um den Arbeitsbereich Energieeffizientes Bauen, IDM-Energiesysteme aus Matrei und Experten der WRS aus dem Bereich Energie- und Baumanagement lieferten zu den Themen Photovoltaik und Eigenstromverbrauchsoptimierung und mithilfe von drei Praxisbeispielen zum Thema Wärmepumpe und Betonteilaktivierung zusätzlichen fachlichen Input auf hohem Niveau.

Nach der Veranstaltung fasste ein Teilnehmer den Tag so zusammen: „Hätte ich vor drei Monaten, das gewusst, was ich heute gehört habe, hätte ich in meinem aktuellen Projekt eine Bauteilaktivierung vorgesehen – beim nächsten ist sie jetzt fix gesetzt.“

Veröffentlicht am 05.07.2018

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