Online-Befragung zur energetischen Biomassenutzung 2030

Die Ergebnisse einer Online-Befragung zur Entwicklung des Bioenergie-Sektors bis 2030 sind nun verfügbar!

Im Rahmen des EU-Projekts „Biomass Policies“ werden geeignete Maßnahmen für die energetische Biomassenutzung erarbeitet, welche den Mitgliedsstaaten helfen sollen ihre energiepolitischen Entwicklungsziele für 2020 und 2030 umzusetzen. Um Maßnahmen an länderspezifische Rahmenbedingungen anzupassen, kommt einem Dialog mit relevanten Stakeholdergruppen und ExpertInnen große Bedeutung zu.

Daher führte die Österreichische Energieagentur im Sommer 2015 eine österreichweite Online-Befragung unter insgesamt 73 unabhängigen ExpertInnen aus Forschung und Verwaltung und Stakeholdern aus den Bereichen Biomassenutzung, Interessensvertretung, NGOs sowie Industrie durch. Ziel war es, eine Einschätzung dieser Gruppen für die Entwicklung des Bioenergie-Sektors bis  2030 zu gewinnen. Zu den zentralen Fragestellungen zählten die Rohstoffverfügbarkeit, mögliche Nutzungspfade, Branchen- und Technologieentwicklungen sowie mögliche energie- und wirtschaftspolitische Maßnahmen. Die Ergebnisse der Befragung dienen der Erstellung österreichspezifischer Handlungsoptionen und Szenarien.

Ein Großteil der BefragungsteilnehmerInnen erwartet einen weiteren Anstieg der energetischen Biomassenutzung bis 2030. Wärmeerzeugung (Raumwärme ebenso wie industrielle Prozesswärme) wird dabei trotz des im internationalen Vergleich bereits hohen Anteils als ausbaufähiges Marktsegment gesehen. Gleichzeitig wird neuen Technologien wie Holzgas-KWK-Anlagen oder Bioraffinerie-Konzepten künftig eine wichtige Rolle zugeschrieben. Im Bereich der Rohstoffquellen sind die Befragten mehrheitlich der Meinung, dass die Nutzung inländischer forstlicher Biomasse ausgeweitet werden kann und sollte. Eigens angebaute Energiepflanzen hingegen werden eher kritisch gesehen, wenn auch Kurzumtriebsplantagen und Energiegräser mehr Zustimmung erhalten als konventionelle Ackerfrüchte wie Ölsaaten oder Mais. Darüber hinaus wird sowohl in Abfällen und Nebenprodukten als auch in überschüssigem Grünland oder dem Anbau von Zwischenfrüchten großes Potential gesehen. Aus den Antworten geht außerdem hervor, dass einer effizienten Biomassenutzung und ökologischen Aspekten generell ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Kosteneffizienz und ökonomische Aspekte sollten nach Meinung vieler TeilnehmerInnen jedoch geringer bewertet werden. Insbesondere regionale Versorgungsketten haben aufgrund der volkswirtschaftlichen Effekte Vorteile, während Biomasseimporte, insbesondere aus Übersee, kritisch gesehen werden. Dennoch wird es als wahrscheinlich angesehen, dass diese Importe an Bedeutung gewinnen. Befürworter argumentieren, dass längere Transportentfernungen nicht notwendigerweise eine schlechtere Umweltbilanz haben und für die globale Energiewende notwendig sind. Von der Politik werden eine umfassende Förderpolitik für Bioenergie und langfristige Ziele und Strategien (Bioökonomie-Strategie) erwartet. AnlagenbetreiberInnen und die Land- und Forstwirtschaft sehen Nachhaltigkeitskriterien, Zertifizierungssysteme und regulatorische Eingriffe zur Ausweitung von Nutzungskaskaden überaus kritisch. Zusätzliche Kosten und das Risiko von ausufernder Bürokratie werden als Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit angeführt. Die Befragten aus den Bereichen Forschung und Beratung sehen derartige Maßnahmen wesentlich positiver bzw. erachten sie häufig als notwendig.

Die Arbeit wurde im Rahmen des EU-Projektes „Biomass Policies“ durchgeführt (http://www.biomasspolicies.eu), das im Programm „Intelligent Energy Europe“ gefördert wurde.

Veröffentlicht am 10.09.2015