Anzahl neu installierter Biomassekessel rückläufig

Die energetische Biomassenutzung ist eine Erfolgsgeschichte und trägt wesentlich zur Erreichung der österreichischen Klimaziele bei. Die Anzahl jährlich in Österreich neu installierter Biomassekessel weist im Zeitverlauf eine sehr dynamische Entwicklung auf. In den letzten Jahren gab es jedoch einen Einbruch, wie aus der Zahl der jährlich neu installierten Kessel gut zu erkennen ist.

Alleine die Zahl der neu installierten Pelletskessel (inkl. Kessel >100kW) fiel vom Höchstwert von 12.067 Stück im Jahr 2012 auf etwa 4.378 im Jahr 2016 und hat sich damit im Zeitraum mehr als halbiert (-63%). Auch die Verkaufszahlen der Stückholzkessel sowie Hackgutkessel waren seit 2012 stark rückläufig. Wurden im Jahr 2012 noch 6.887 Stückholzkessel installiert, waren es vier Jahre später nur noch 3.177, was einem Rückgang von rund 54% entspricht. Die Zahl der Hackgutkessel fiel im gleichen Zeitraum von 4.264 auf 2.083 (-51%). Der Rückgang neu installierter Kessel hat sich von 2015 auf 2016 zwar abgeschwächt, von einer Trendwende kann jedoch nicht gesprochen werden. Ähnlich wie die Anzahl neu installierter Kessel sank im Zeitraum 2012-2016 auch die jährlich neu installierte Leistung, und zwar um 67% im Bereich der Pelletskessel (inkl. Kessel >100kW) und um 57% bei den Stückholzkesseln. Bei den Hackgutkesseln gab es von 2012 – 2015 eine Rückgang bei der neu installierten Leistung von 55,4%, im Jahr 2016 gab es aber einen neuerlichen Anstieg um 27%. Trotz der rückläufigen Verkaufszahlen stieg im Jahresvergleich von 2015 auf 2016 sowohl der gesamte Kesselbestand (+8.424 Stück) als auch die gesamte, installierte Leistung (+ 290 MW).

Warum sinken die Verkaufszahlen?

Der Rückgang der Verkaufszahlen ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Neben verhältnismäßig warmen Wintern und verhaltener Konsumlaune wirkt vor allem der niedrige Ölpreis als wesentliches Hemmnis. Bei niedrigen Preisen werden leere Heizöltanks eher aufgefüllt und der Ersatz einer alten Ölheizung auf kommende Jahre verschoben. Neben den niedrigen Preisen für Heizöl sind auch die Preise für Erdgas gesunken. Zudem besteht auch ein wachsender Wettbewerb zu anderen Technologien, etwa zur Wärmepumpe (v.a. im kleinen Leistungsbereich). Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach Biomassekesseln in den Jahren nach 2012 aufgrund von vorgezogenen Investitionen nach der Wirtschaftskrise gedämpft wurde. Nach wie vor wird ein Großteil der österreichischen Produktion an Pellets-, Stückholz- und Hackgutkesseln im benachbarten Ausland abgesetzt, aber auch in Frankreich und Spanien.

Obwohl z.B. bei Pellets der Mehrwertsteuersatz mit Anfang 2016 von 10% auf 13% erhöht worden ist, sind Pellets (wie auch Stückholz und Hackgut) nach wie vor deutlich günstiger als fossile Energieträger wie Heizöl und Erdgas. Betrachtet man die vergangenen Jahre, so ist festzuhalten, dass die Preise für Pellets recht stabil waren, wohingegen die Heizölpreise viel stärkeren Schwankungen unterlagen. Die Preise für Pellets sind demnach nicht an den Ölpreis „gekoppelt“.

Im Unterschied zum Rückgang der neu installierten Pelletskessel im Jahr 2006 ist der seit 2012 zu verzeichnende Rückgang nicht auf eine etwaige Verknappung der Brennstoffkapazitäten zurückzuführen. Gemäß proPellets Austria belief sich die österreichische Gesamtproduktion z.B. im Jahr 2014 auf 945.000 Tonnen. Exportiert wurden 481.000 Tonnen, importiert 341.000 Tonnen, die Gesamtproduktion liegt seit Jahren deutlich über dem Inlandsverbrauch. Der bedeutendste Absatzmarkt für österreichische Pellets ist Italien mit rd. 436.000 Tonnen (2014). Bedeutende Importländer sind z.B. Rumänien, Tschechien und Deutschland.

Klimaschutz als Chance für die heimische Kesselindustrie

Österreichische Biomasse-Kessel sowie technisches Know-How sind am Weltmarkt gefragt. So stammen etwa zwei Drittel der in Westeuropa installierten Pelletskessel aus österreichischer Produktion. Da die Herstellung der Kessel größtenteils in Österreich erfolgt, werden so heimische Arbeitsplätze gesichert und Wertschöpfung geschaffen, und zwar über die gesamte Kette von der Waldpflege über die Holzverarbeitung bis hin zur energetischen Nutzung. Wertschöpfung entsteht darüber hinaus auch durch die Verflechtung mit anderen Wirtschaftsbereichen – so werden für die Produktion eines Kessels beispielsweise andere Güter (z.B. Stahl) und Vorleistungen benötigt, welche wiederum Nachfrage nach Gütern und Arbeitskräften auslösen, usw.

Durch die Unterzeichnung des Klimavertrags von Paris können sich neue Chancen für die Kesselindustrie ergeben, wenn es gelingt Bioenergie vor allem im Wärmesektor verstärkt zu etablieren und somit fossile Energieträger zu ersetzen. Die dafür benötigten Rohstoffe sind in Mitteleuropa in ausreichendem Maße vorhanden. Die Verpflichtung zur nachhaltigen Nutzung von Holz ist im Forstgesetz verankert. Seit Jahrzehnten wird deutlich weniger eingeschlagen als jährlich zuwächst, zudem steigt auch die Waldfläche kontinuierlich.

Veröffentlicht am 30.08.2017